Metal Trails Music Magazine | Metal Rock Punk Folk Pop and Alternative Music
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Freitag, der 20. Juni 2014

Liebe Leser, langjährige Freunde und Begleiter,

nach langem Zaudern und mit blutendem Herzen schreibe ich diese Zeilen:
das Metal Trails Musikmagazin wird nach 3 ½ Jahren eingestellt.

Die Gründe sind vielfältig.


Ich, Alex und Christian beim Metal-Trails-Gründungstreffen am 11. Dezember 2010 im Philosophenturm der Universität Hamburg.
Ich, Alex und Christian beim Metal-Trails-Gründungstreffen am 11. Dezember 2010 im Philosophenturm der Universität Hamburg.
Es gibt zahlreiche Umstände, die mich seit langer Zeit an der Stellung und Praxis des Musikjournalismus’ in Deutschland stören und an dem Sinn einer Fortführung des Magazins zweifeln ließen. Insbesondere im letzten Jahr ist die Situation zunehmend unerträglich geworden. Vom notorischen Undank und der zunehmenden Ignoranz vieler Label und Künstler über die kollektive Schmähung von Seiten der Fans bis hin zum völlig ins Absurde entgleisten Aufwand/Nutzen-Verhältnis.
Bis vor gar nicht so langer Zeit hatte ich noch viel Freude bei dieser Arbeit. Sie ist inzwischen der beständigen Ernüchterung, Frustration und auch Wut über das Gros der von uns zuletzt gefahrenen Einsätze und die dabei erlebte Behandlung gewichen.

Die Branche ist bis ins Mark zerrissen,


umzeichnet von strategischem Nutznießertum und willkürlicher Selektion. Wir Journalisten werden kaum noch als gleichwertige Medienpartner, sondern vielmehr als untergebene Bittsteller gesehen, die sich zunehmend vor PR-Agenturen als hörige Werkzeuge ihrer
Eine frühe Version unserer Webseite im Jahr 2011. Die allererste Version ist leider verloren gegangen.
Eine frühe Version unserer Webseite im Jahr 2011. Die allererste Version ist leider verloren gegangen.
Werbemaschinerie prostituieren sollen, um bei zukünftigen Anfragen nicht von vornherein abgesägt zu werden. Uns werden Inhalte diktiert und Interviews zensiert. Wir sollen auf Vorschuss individuelle Konzertankündigungen ohne Ende produzieren und mithin kostenlos für Künstler werben, nur um am Ende des Akkreditierungsverfahrens doch abgewiesen zu werden und mit leeren Händen dazustehen. Statt qualitativer Bemusterungs-CDs bekommen wir nur noch MP3-Streams in beschissener Qualität und digital auf unseren Namen signiert; mit der Pistole auf der Brust, als seien wir alle potentielle Verbrecher und Leaker. Unsere Arbeit wird von den meisten Künstlern ignoriert bis boykottiert, wo früher ehrliche Wertschätzung galt. Musiker pochen vehement auf ihr Urheberrecht und stehlen im selben Atemzug hemmungslos unsere Konzertfotos nach Gutdünken für ihre eigenen Belange. Viele kommen schon als missgelaunte Arschlöcher ins Interview
Unser erstes Logo im Jahr 2011,<br />noch von mir gestaltet.
Unser erstes Logo im Jahr 2011,
noch von mir gestaltet.
und wollen auf keine Frage wirklich antworten. Die Zuschauer indes lassen bei alledem keine Gelegenheit ungenutzt, sich 20 Breitengrade südlich der Gürtellinie über die angebliche Unfähigkeit unserer Moderatoren auszukotzen, anstatt froh zu sein, dass wir uns mit 60 kg Filmequipment bei Wind und Wetter durch die Walachei kämpfen, um für sie völlig kostenlose Videos zu produzieren.
Zu guter Letzt bedaure ich zutiefst das kastrative Schubladendenken vieler Künstler, die nicht müde werden, zu betonen, wie sehr sie das Festklammern an Genregrenzen und allgemein den oberflächlichen Etikettierungswahn der Presse missbilligen. Sobald sie aber das Wort „Metal“ im Namen eines Magazins sehen, wollen sie schon nichts mehr mit uns zu tun haben. Zu gerne hätte ich interessante Crossover-Beiträge mit Künstlern aus den Bereichen Pop, Electronic, Country, Blues, Jazz oder auch Rap gedreht. Entsprechende Anfragen wurden so gut wie immer abgeschmettert. Tatsächlich lehnten teilweise sogar Rockbands(!) eine Zusammenarbeit pauschal ab, weil sie bei uns ihre Zielgruppe verfehlt sahen.

Metal Trails startete als ambitioniertes Projekt dreier Studenten,


das leider nie wirklich zu der Pracht aufgeblüht ist, die es verdient hätte. Warum genau der Schneeball an Bekanntheit, Lesern und schlussendlich Erfolg ausblieb, weiß ich bis heute nicht.
Unser zweites Banner im Jahr 2012.
Unser zweites Banner im Jahr 2012.
Nun sind wir alle ein gutes Stück älter. Schwerpunkte und Interessen verschieben sich. Alex hat das Magazin verlassen, da er sein Studium beendet hat und sich neuen, größeren und rationaleren Zielen widmen muss. Ich selbst stecke mitten in meinem Medizinstudium und merke, dass sich auch bei mir eine Frage nach persönlichen Prioritäten anbahnt, die sich nicht aus der Welt wünschen lässt.
Unser letztes Logo im Jahr 2013,<br />von Agnes gestaltet.
Unser letztes Logo im Jahr 2013,
von Agnes gestaltet.
Ich bin nicht mehr bereit, derart erschöpfende Anteile meines Lebens – 4 bis 8 Stunden jeden Tag, seit 2010, parallel zu Vollzeitstudium und mehreren Nebenjobs – für ein Magazin aufzuopfern, das trotz allem Willen und unendlichem Engagement über fast 4 Jahre immer mehr im Sumpf der tausenden Onlinemagazine versackt und trotz sehr guter Leserzahlen und überwältigender Referenzen inzwischen fast schon regulär von Agenturen lapidar als blöder „Fanblog“ deklassiert wird; und das mich noch dazu über lange Jahre viele mir wichtige Menschen vernachlässigen ließ, von denen sich einige deswegen von mir abgewendet haben.
Es ist eine zerschmetternde Enttäuschung, mit Metal Trails im Angesicht immer irrsinnigerer Akkreditierungsverfahren wieder an genau der Stelle angekommen zu sein, an der wir vor 3 Jahren schon standen
Alex und ich auf unserem letzten gemeinsamen Einsatz im Februar 2014. Mit Dani von Cradle of Filth.
Alex und ich auf unserem letzten gemeinsamen Einsatz im Februar 2014. Mit Dani von Cradle of Filth.
– nämlich als Selbstzweck noch und nöcher Interviews mit für mich persönlich völlig uninteressanten No-Name-Bands zu führen, einfach nur um das Magazin mit Placeboinhalten zu füllen und die Zeit zu überbrücken, bis hier und da vereinzelt große Namen oder interessante Abwechslungen am Horizont auftauchen. Wir waren immer getrieben von der vagen Vorstellung, diese wenigen Lichtblicke würden eines Tages zum Alltag werden, wenn sich der Knoten endlich löst; tatsächlich zieht er sich immer weiter zu. Eine Vision, die ich nun als an der Realität aufgeriebenen Traum junger Menschen erkennen muss. Wenn man so viele Jahre kontinuierlich gegen Brandmauern und Windmühlen angekämpft hat, sich wieder und wieder für nichts den Arsch aufgerissen und dabei selten bis nie irgendeine Form positiven Feedbacks geerntet hat, denkt man sich: Wofür das alles? Die Frage kann ich seit Längerem nicht mehr beantworten. Damit ist Metal Trails Geschichte.

Der Musikjournalismus steht an einem Scheidepunkt:


Während die Printer dank mangelnder Verkaufszahlen wie die Fliegen vom Himmel stürzen, ist kein Mensch bereit, Geld dafür zu bezahlen, sich in einem Onlinemagazin Konzertberichte durchlesen und Live-Fotos anschauen zu können. Die Zeit wird zeigen, ob sich die Branche noch fangen und neue Vermarktungswege einschlagen wird; oder ob sie im besten Erbe der Musikindustrie den Rattenschwanz des Mediums Internet vollends verschläft. Auf jeden Fall ist die Ära der gedruckten Medien im Abgesang begriffen und wird eben jenen Onlinemagazinen weichen, die von PR-Agenten derzeit noch belächelt werden. Davon bin ich fest überzeugt.
Ich möchte mich bei euch allen für die Zeit bedanken, die ihr unser schönes Magazin und unseren redaktionellen Alltag über all die Jahre begleitet habt!
Fare thee well!
Arne Luaith
Chefredakteur
Metal Trails Musikmagazin. 2010 - 2014.<br />Besetzung der Kernredaktion zur Hoch-Zeit des Magazins 2013 (v.l.n.r.):<br />Khanh To Tuan, Arne Luaith, Alex Kipke, Michael Voit
Metal Trails Musikmagazin. 2010 - 2014.
Besetzung der Kernredaktion zur Hoch-Zeit des Magazins 2013 (v.l.n.r.):
Khanh To Tuan, Arne Luaith, Alex Kipke, Michael Voit
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