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Nachbericht: Days of Mercury Tour 2013

Marrok - Days of Mercury Tour 2013 (Support: Boon, Hard Coiled, Stormtide, Kila Kahuna, Underground, Nihilius) Spinnerei Traun, 15.2.2013

Endlich sind die österreichischen Ausnahme-Rocker Marrok wieder unterwegs: Diesmal in der alten Spinnerei in Traun bei Linz. Die Alternative-Darlings haben in den letzten Jahren mit ihrem Sound für großes Aufsehen gesorgt. Nach dem Erfolg von The Reawakening folgte das herausragende Album Midnight Carnival und seit letztem Jahr wird mit Days of Mercury dem Ende der Erde entgegengefiebert. Und genau dieses Album wird heute Abend live präsentiert. Es bleibt bis zum Schluss spannend, ob die Jungs es schaffen, ihre wuchtigen Songs, die mit allerhand elektronischen Finessen ausgestattet wurden, auch auf die Bühne zu bringen. Diesmal kommen sie mit einem ganzen Fundus an oberösterreichischen Newcomer-Bands in die Spinnerei und einen Tag später - wieder mit lokalen Größen - ins Rockhouse in Salzburg. Nur der Co-Headliner Boon bleibt fix im Line-Up. Mit ihren fulminanten Shows, den wundersamen Melodien, verpackt in ihr Alternative-Gewitter der Extraklasse, locken sie immer wieder scharenweise Fans zu ihren Konzerten.
In den letzten Jahren hat sich da bereits ein regelrechter Hype um die Truppe abgezeichnet. Wie sie das selber sehen, und noch vieles mehr, haben sie mir im Interview erzählt, das in den nächsten Tagen folgen wird. Die vier Jungs erwiesen sich als sympathische und wortgewandte Gesprächspartner, die vor keiner Frage zurückschreckten, soviel sei schon mal verraten. Und so sind sie auch auf der Bühne: Sie suchen die Nähe zum Publikum, mit dem sie - Dank Facebook - Tag und Nacht kurzgeschlossen sind. Der Austragungsort heute Abend ist, wie der Name schon sagt, eine alte Spinnerei aus dem 19. Jahrhundert und wurde erst 1997 zu einem Kulturhaus umgewidmet. Das rustikale Fabriksambiente mit seinen roten Säulen macht es zu einer der stimmungsvollsten Konzert-Locations in der Linzer Umgebung.
Den Abend eröffnen die selbsternannten Schock-Rocker Nihilius mit einem recht ungewöhnlichen Set, das ein wenig an die frühen Marilyn Manson erinnert, aber eben ohne Strapse und Blut. Obwohl: Sänger Patrick Luger erinnert im Lack-Outfit und seiner Offiziers-Kappe auch ein wenig an Ministry. Von der Kombo kann man sicher noch einiges erwarten, denn ihr schwülstiger Metal-Rock macht mit Sicherheit noch mehr Spaß, wenn sie alle im vollen Outfit über die Bühne schawenzeln: Ganz im Zeichen von Alice Cooper, Judas Priest oder eben Marilyn Manson. Heute war es aus Zeitgründen leider nicht allen möglich, sich aufzuplüschen. Underground und Kila Kahuna rocken dann in klassischer Manier die Spinnerei in Grund und Boden. Es ist schon erstaunlich, wie hochwertig Newcomer-Bands heutzutage schon agieren. Vor allem Kila Kahuna stechen mit ihrem melodiösen Alternative Rock besonders hervor. Die Truppe um Gitarrist und Sänger Harald Seeböck steht kurz vor der Veröffentlichung ihres Debüt-Albums "The Moment" (CD-Release Show ist am 12. April 2013, in der Linzer Stadtwerkstatt, Anm. d. R.), in das die Zuhörer heute schon mal ein wenig hineinschnuppern können. Die Vier verzichten komplett auf peinliches Gepose und Gehampel und konzentrieren sich total auf die Musik. Würde auch nicht viel Sinn machen, denn die Bühne ist zu diesem Zeitpunkt großteils in schwarz gehüllt. Hin und wieder flackert mal ein Lämpchen auf. Leider seit jeher ein kleiner Wehrmutstropfen für Support-Bands, dass sie nicht ausreichend Licht und Sound bekommen. Der Song "Fortune Ride" entpuppt sich als prägnantester des Sets, den ich heute, beim Schreiben dieser Zeilen, immer noch im Ohr habe. Kila Kahuna erinnern streckenweise stark an die Foo Fighters und auch ein wenig an Biffy Clyro.
Und dass der Humor, trotz Ernsthaftigkeit auf der Bühne, nicht zu kurz kommt, zeigen sie beim Interview vor dem Konzert, das wir wegen Platzmangels beinahe auf der Toilette führen mussten. Weiter geht es mit den schrägen Power-Metallern Stormtide und der Linzer Rock-Formation Hard Coiled, die das Publikum mit ihrer Mucke endgültig auf Betriebstemperatur - für die beiden Hauptacts - bringen. Wobei gerade Stormtide mit ihrem avantgardistischen Gesang am meisten auffallen und nebenbei auch noch recht bunt zusammengewürfelt wirken. Aber lustig mitanzusehen, wie all diese optisch unterschiedlichen "Genres" auf der Bühne agieren. Die Wiener Rock-Haudegen von Boon sind dann der erste größere Brocken des Abends - rein musikalisch gesprochen, versteht sich. Mit ihrer 2012er Scheibe "The Essence of Everything" haben sie ein mehr als grandioses Album am Start, aus dem heute Abend fleißig zitiert wird. Ihre wuchtige Version des Alternative-Rocks hat ihnen schon Support-Aufträge für AC/DC und zwei Nominierungen für den österreichsichen Muskpreis "Amadeus" eingebracht. Heute Abend wirken sie wie die großen Brüder aller anderen Bands, da sie doch schon auf eine langwährende Karriere zurückblicken können. Endlich ist auch der Sound besser: Die Vier poltern durch die Spinnerei, dass die Erde bebt. Nach gut einer Dreiviertelstunde beruhigt sich der Boden wieder und der eigentliche Headliner steht in den Startlöchern. Die Mädchen drängen alle nach vorne und werden schön langsam unruhig. Und dann hat das Warten ein Ende. Marrok kommen - unter lautem Gekreische ihrer Anhängerschaft - im Dunkeln auf die Bühne. Die Sache mit der weiblichen Fangemeinde bekommt deswegen hier so viel Platz eingeräumt, weil sie es ist, die, meiner Meinung nach, den Hype um Marrok begründet. Und zugleich als Stück Heimat von der Band angesehen wird, wie mir Gitarrist M:Zeven im Interview erzählt.
Die ersten Reihen sind komplett außer sich, wie einst bei den Beatles. Dieser Kult, den Brian Pearl um sich und seine Mannen aufgebaut hat, ist zweifelsohne beneidenswert. Auch muss ich zugeben, nach dem Interview mit Marrok, erschließt sich mir der Hype nun doch ein wenig mehr, denn neben wirklich herausragender Musik und chronischer Spielfreude, scheuen sie nie den direkten Kontakt zu ihren Fans. Vor allem Pearl wird durchgehend angehimmelt. Aber auch musikalisch haben sie so einiges los: Mit "Beautiful Nightmare" wird das einstündige Set eröffnet und Neuzugang M:Zeven ist nicht nur eine optischer Hingucker - mit all seinen Tattoos, allen voran der Eule am Hals - sondern auch eine Koryphäe am Gerät; in seinem Fall an einer Ibanez-Gitarre der Serie "EGEN18 TVF Prestige". Ihr hervorstechendstes Merkmal der Abbiss im Korpus. Bassist Lycan ist der unscheinbarste und ruhigste der Vier - doch nicht im Sound. Denn da legt er einige Magenrumpler vor, dass ich sicherheitshalber ein wenig von den Boxen zurückweiche. Der Ersatzmann an den Drums, Tom Urbanek, trommelt sich wie ein Berserker durchs Set und lässt den ehemaligen Fellprügler Mr. Lucky kaum vermissen. Nebenbei ist ihm, trotz der teils wirklich komplexen Drum-Parts, sichtlich langweilig und so fliegen seine Drumsticks zusätzlich noch artistisch durch die Luft. Ausgeliehen wurde er zwischenzeitlich von seiner Formation Devastating Enemy. Er fügt sich perfekt ins Line-Up ein, auch wenn er leider nicht ewig den Stuhl besetzen wird. Unangefochtenes Oberhaupt ist Brian Pearl, daraus macht er auch gar keinen Hehl. Er lotst seine Männer grandios durch die stürmische Marrok-See. Dafür hat er zwei Kisten in der Mitte der Bühne stehen, auf denen er sich immer wieder präsentiert und nach seiner Band Ausschau hält. Und alle Kracher haben sie im Gepäck, allen voran die neuen Nummern von "Days of Mercury".
Einzig die Endzeit-Hymne "The Beginning of the End" vermisse ich schmerzlich, da sie einen der Höhepunkte des aktuellen Albums darstellt. Aber nachdem die Jungs im Juni mit Iron Maiden, Slayer, Motörhead, Limp Bizkit, Stone Sour und vielen anderen in Graz spielen, kommt da auch schon die nächste Gelegenheit daher. Dafür bekommt das – mittlerweile zum harten Kern geschrumpfte – Publikum eine bombastische Version ihres Überhits "Red Moon" geboten. Die Mädchen vor der Bühne singen immer noch ganz frenetisch mit. Nach "Crying Hope" endet dann ein wirklich manisches Set, das trotzalledem mit den Songs von "Midnight Cranival" die prägnanteren Stücke im Set hat. Und als der letzte Ton verklungen ist, bekommt für mich auch der Eintritts-Stempel seine Berechtigung: Mein Armgelenk ziert das Wort "Erledigt!", und genau so verhält es sich dann auch mit meinem Körper nach 5 Stunden Rock-Gewüte quer durch den Genre-Garten.
Fazit: Ein (zu) langer Abend, mit den ein oder anderen Durchhängern, aber Boon und Marrok entlohnten das Publikum adäquat für ihr Durchhaltevermögen und festigen sich so weiterhin einen Platz ganz oben auf dem Rock-Podest in Österreich.

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