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Nachbericht: Wacken 2013

Alle Jahre wieder winkt das größte Metal-Festival der Welt und lockt schwermetallbegeisterte Musikfreunde aus aller Welt in das kleine Kuhkaff Wacken nördlich von Hamburg. Auch wir von Metal Trails waren natürlich wieder mit von der Partie und haben in einem beispiellosen Marathon während der drei Festival-Tage ganze 29 Interviews mit kleinen und großen Bands unterschiedlichster Façon auf dem weitläufigen Ackercampus geführt. Seit Jahren steht das W:O:A in der Kritik, zunehmend kommerziell, unpersönlich und überladen zu sein. Davon haben wir uns in der Vergangenheit stets distanziert und im Gegenteil die großartige Organisation vor Ort selbst im Sturmflutjahr 2012 gelobt. Soviel sei bereits verraten: Obwohl das Festival immer noch ein Erlebnis sondergleichen darstellt, fällt unser Fazit dieses Jahr leider etwas nüchterner aus. Quo vadis, W:O:A?

Singin' in the sun

Wie schon angesprochen ist das Wacken Open Air organisatorisch auch dieses Jahr ein echtes Talent gewesen. Nirgends auf dem gesamten Acker, Wacken selbst sowie die anliegenden Dörfer konnte man länger als 5 Minuten zu Fuß gehen, ohne an einen bemannten Festival-Checkpoint zu gelangen. Die Leute waren meist hilfsbereit, bei zunehmender Festivaldauer allerdings auch öfter mal gereizt. Nun denn, das sei menschlich. Selbst bei brütendster Hitze kam es zu keinen großen Wartezeiten oder Verschiebungen und selbst der Presse-Check-In kostete uns gerade einmal 10 Minuten. Beachtet man die immense Größe des Festivals ist das eine Leistung, die kleinere Events erst einmal nachmachen sollten! Große Klasse.

Das musikalische Potpourri

Insgesamt gab es einfach viel zu viele interessante Bands auf den Bühnenbrettern zu sehen, als dass man wirklich über all die magischen, faszinierenden oder auch polarisierenden Augenblicke zu schreiben. Das Durchbrechen der stilistischen Barrieren und die schier endlose Vielfalt an Musikern machen einen Großteil des Reizes einer solchen Veranstaltung aus. Am liebsten würde man sie doch alle rezensieren: Lam of God, Trivium, Coppelius, DevilDriver, Ugly Kid Joe und wie sie nicht alle heißen. Aber beschränken wir uns hier auf die wichtigsten Momente des Wacken Open Airs 2013!
Die Headliner waren dieses Jahr sehr interessant aufgestellt: Eine Band, deren Auftritt vor einigen Jahren eigentlich fast noch undenkbar gewesen wäre, sind Deep Purple. Mit ihrem neuen Album "Now What?!" bewaffnet stürmten die Hard Rock-Opas am ersten Abend der insgesamt drei Festivaltage bei Sonnenuntergang die Bühne. Soundtechnisch hatte die Truppe schon zuvor bei anderen Festivalauftritten auf der Tour etwas zu kämpfen gehabt und auch jetzt ist das Hörerlebnis nicht ganz stimmig. Die anwesenden Fans waren während der Show in zwei Lager gespalten. Während die einen den Auftritt hart abfeiern - unser Redakteur Adrian Erben einbegriffen - halten andere Metalheads es für fragwürdig, einen solchen Giganten des Hard Rocks hier auf dem Acker auftreten zu lassen. Leute, die ganze Diskussion gab es schon 2006 bei den Scorpions und ihr werdet diese Öffnung gegenüber anderen Genres nicht verhindern. Ergo, hört es euch an und freut euch drüber, oder lasst es sein.
Einer, an dessen Legitimität nicht gezweifelt wurde, ist Glenn Danzig. Den Mann konnte man schon eine ganze Weile nicht mehr auf deutschem Boden rocken hören, weshalb schon im Vorfeld die Frage gestellt wurde, wie sich seine Live-Shows über die Jahre entwickelt haben. Man kann auf jeden Fall nicht viel meckern: Der Sound war gut, für seine wütenden Verhältnisse war Glenn gut gelaunt und die anfangs verhaltenen Massen wurden im Verlauf immer agiler. Ziemlich aufgedunsen wirkte die Skandalnudel des Metals und wer ihn etwas besser kennt, wird wohl bis zum Auftritt selbst einen leisen Zweifel gehegt haben, ob er wirklich erscheint. Bei kurzfristigen - und vor allem grundlosen Absagen - ist Glenn Danzig gewiss nicht zimperlich.
Eine andere Band, deren Auftritt zwar bezweifelt wurde, die es aber dann im letzten Augenblick doch noch vors Publikum schaffte, sind Motörhead. Wie die meisten sicherlich schon im Vorfeld mitbekommen hatten, gab es bei Frontmann Lemmy einige gesundheitliche Probleme, die dazu führten, dass diverse Shows abgesagt wurden. Eigentlich auch der Auftritt in Wacken ... aber nein, bei ungefähr 40° rockten die Drei zur Freude der anwesenden Fans los. Wie es aber so im Leben ist, währte die Freude nicht lange. Nach knapp einer halben Stunde musste die Show abgebrochen werden. Entrüstugn, Enttäuschung und Sorge machten sich breit, bis die Veranstalter verkünden, dass es Lemmy gut gehe und aufgrund der Hitze die Qualität der Show nicht mehr gewährleistet werdeen konnte. Wie man es auch betrachten mag, das hinterlässt einen komischen Beigeschmack ...
Die drei Nuclear Blast Bands Nightwish, Doro und Anthrax gehörten definitiv zu den Highlights der diesjährigen Festivalausgabe. Während Doro ihr 30-järiges Jubiläum zusammen mit Klampfendrescher Uli Roth, Biff Byford und anderen als Gäste feierte, haben Nightwish Aufnahmen für eine Live-DVD anfertigen lassen. MAn darf also noch mit einer bombastischen Aufarbeitung der Zeit mit Floor Jansen als Live-Stimme der finnischen Symphonic-Metaller rechnen. Und was ist mit Anthrax? Naja, die Thrash-Veteranen machen scheinbar einfach immer Spaß! Volles Brett und keine Gefangenen, das ist das Motto der Jungs um den Gitarristen Scott Ian.
Alice Cooper durfte das Festival bereits 2010 bespielen. Wie schon damals zeigte sich der Schock-Rocker in bester Spiellaune und dudelte sein Set mit konstant solider Qualität, aber ohne große Überraschungen runter. Die fünf gespielten Cover - u. a. von den Beatles und The Doors - waren an einer so geschichtsträchtigen Location nett anzuhören. Nach 24 Titeln fiel dann der Vorhang. Ein wirklich gelungener Abschluss für die Vorjubiläumsausgabe des Wacken Open Airs.

Spießroutenlauf: Von bornierter Regelhörigkeit

Weniger toll verlief für uns dagegen die Anreise und die Arbeit vor Ort. Wie in den letzten Jahren schon reiste unser Kamerateam erst am Donnerstagmorgen für die ersten Verabredungen mit Künstlern an. Wie in den letzten Jahren auch hatte sich einer unserer Redakteure schon am Montag auf dem ersten Presseplatz positioniert und in Rücksprache mit den Platzweisern vor Ort unserem nachrückenden Team genug Wiesenfläche für das Magazinauto und zwei Zelte freigehalten. Gute Voraussetzungen für einen angenehmen Dreh? So wie in den letzten Jahren? Pustekuchen! Das folgende Trauerspiel vermieste uns schonmal so richtig den Einstieg.
Vor Ort wurden wir nämlich gleich einmal darauf hingewiesen, mit unserem Fahrzeug den Acker gar nicht erst betreten zu dürfen. Der sei nämlich seit einigen Stunden komplett voll und wir sollten uns bitte zum Reserveplatz begeben. Nach einigem Hin und Her und bereits jetzt deutlich absinkender Laune kam dann unser Redakteur hinzu und versicherte den Jungs von der Security, dass genug Platz für uns freigehalten sei. Wir wurden auf den Platz gelassen und vom nächsten Security angehalten, der uns wiederum den Eintritt versagte. Der Platz sei voll, Lücken gäbe es auch keine und sie hätten gerade erst am Morgen die restlichen Plätze „lückenbefüllt“. Wir würden definitiv nicht auf den Platz gelassen und das sei sein letztes Wort. Zunehmend misslaunt fragten wir uns durch mehrere Instanzen bis zur Person durch, die anscheinend irgendetwas zu vermelden hatte. Unsere Ansage war: Der Platz ist frei! Er befand sich zu diesem Zeitpunkt sogar in Sichtweite. Die Rückmeldung aus dem Walkie-Talkie: Er ist gesperrt, so wie vor einigen Stunden durchgegeben, kein Auto darf hinauf und das war’s. Wir dürften zwar auf dem (freien!!) Platz kampieren, mit dem Auto die Strecke von 30 Metern dorthin jedoch nicht fahren und das irgendwo anders deponieren. Wir fuhren also zum zweiten, sehr viel weiter von der Bühne entfernten Platz, wo man uns wiederum ablehnte. Wir dürften zwar dort unser Auto abstellen, aber nur, wenn wir auch dort kampierten. Das Auto dort abstellen und die Zelte auf dem sehr viel näheren Acker direkt hinter der Bühne aufschlagen: Geht nicht! Das war für uns der Zeitpunkt, an dem wir nach fast einer Stunde Spießroutenlauf entnervt Aufgaben und beschlossen, gar nicht auf dem Wacken zu kampieren sondern abends nach Hause zu fahren und am nächsten Tag wiederzukommen. Hierzu wurden wir auf den Reserveplatz verwiesen, welcher nochmal etwa 2 Kilometer weiter von der Bühne entfernt war.
Endlich gelöst? Nein. Das Trauerspiel nahm seinen Lauf. Auf dem Reserveplatz formulierten wir unsere Problematik und unser Anliegen. Doch wir durften wieder nicht passieren. Der Reserveplatz war nämlich nur für Leute da, die kampieren wollten. Also Auto + Zelt dort aufbauen: Kein Problem! Auto irgendwo an den Rand stellen und 6 Stunden später wieder wegfahren: Kein Zutritt! Auch nach längerem Diskutieren und Darlegen der Situation blieb die Ansage der dortigen Platzweiserin klar: Sie hat eine eindeutige Anweisung bekommen und die befolge sie. Wir durften also in vierter Instanz auf den Tagesparkplatz am anderen Ende des Dorfes, sogar außerhalb von Wacken selbst, fahren und unsere knapp 30 Kilo Ausrüstung mit Mischpult, Lichtsystem, zwei Kameras und Unmengen an Aktenmaterial von dort durch zwei Dörfer und einmal quer über den Acker tragen. 3x am Tag. Zum Pressezelt … obwohl wir einen freien und für uns reservierten Platz keine 50 m von ihm entfernt hatten. Cheers!

Durchwühlte Taschen und Hitzeschock

Wer glaubt, dieses Malheur sei der einzige Kritikpunkt am diesjährigen Wacken gewesen, der irrt leider erneut. Zwar war das Mitnehmen von Getränken in Pressebereich und Infield schon immer verboten, wir wurden jedoch noch nie derart oft und gründlich gefilzt wie dieses Jahr. Auf das feuchteste Wacken anno 2012 folgte 2013 nun eine wahre Dürre. Bei 40° im Schatten schmolzen die Leute auf dem Infield dahin. Das ihnen dann noch selbst kleine Getränkeflaschen beim Eintritt konsequent abgenommen wurden, während ein popeliges 0,3-L-Wasser an den dortigen Ständen satte 3 Euro kostete, bedarf wohl keiner Interpretation mehr. Richtig, 3 Euro! Genau so viel wie ein Bier. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: Die Leute kippten reihenweise um und die Sanitäter hatten so einiges zu tun. Eine in unseren Augen mehr als verfehlte Gesundheitspolitik. Glücklicherweise fingen einige wenige Stände auf dem Infield am zweiten Tag an, zur Schadensbegrenzung kostenlos Leitungswasser auszugeben.

Was bleibt?

Abseits des katastrophalen Einstiegs war das Wacken auch dieses Jahr wieder ein Erfolg! Mit zahlreichen Bands konnten wir uns für euch unterhalten, während die Konzertgänger 3 Tage hochkarätige Musik der verschiedensten Genres genießen durften. Allerdings hatten wir wieder einmal das Gefühl, irgendwie das einzige Journalistenteam vor Ort zu sein, das wirklich den ganzen Tag nur am Ackern war. Die Interviews werden in den nächsten Tagen und Wochen in unserer Interview-Rubrik erscheinen. Bis zum nächsten Jahr!

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