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Bericht: Christmas Metal Symphony 2013

Autor: Lisa Marie Wirries
Am 18.12.2013 kam Christmas Metal Symphony in den RuhrCongress nach Bochum. Mit dabei waren Floor Jansen (Nightwish, ReVamp), Udo Dirkschneider (U.D.O., Ex-Accept), Joacim Cans (Hammerfall), Joey Belladonna (Anthrax), Chuck Billy (Testament), Michael Kiske (Unisonic, Ex-Helloween), mehrere weitere Musiker der Metalszene und das titelgebende g Angesichts dieser Mischung waren meine Erwartungen gewohnt hoch und ich konnte es kaum abwarten, mich in den Zug zu setzen und Richtung Bochum zu fahren.
Morgens noch eine Sternschnuppe im Adventskalender, richtete ich den Wunsch eines guten Konzerts gen Himmel. Zusätzlich folgte ein leises Gebet meine Begleitung betreffend: mürrisch, pessimistisch und Metal-Hater! Mit anderen Worten: meine Mutter.

Inhaltsübersicht:

1. Auf in die Schlacht!
2. Weibliche Power auf der Bühne!
3. Stiller Abschied
4. Fazit

1. Auf in die Schlacht!

Nachdem das Konzert um 20.00 Uhr beginnen sollte, kamen wir schon um sieben dort an und warteten auf den Einlass. Noch erfüllten uns Sorgen, ob wir es in die erste Reihe schaffen würden. Diese sollten sich jedoch schneller verflüchtigen als Harry Potter „Quidditch“ sagen kann. Bei unserer Ankunft im großen Konzertsaal waren vielleicht eine Handvoll Menschen anwesend. Wir stellten uns trotzdem in die Mitte der ersten Reihe ans Metallgestell und rührten uns nicht einen Millimeter vom Fleck; immernoch misstrauisch, ob es sich schlagartig füllen würde. Um kurz vor acht waren vielleicht 300 Leute da und schon begann pünktlich das Konzert mit dem Aufmarsch des Orchesters. Selbiges spielte zunächst „Ouverture Classic in Rock – Anthem 702“, woraufhin mich bereits leichte Euphorie ergriff. Wann hat man schon die Chance Metal und Klassik live zusammen zu hören? Ein Blick zurück verriet, dass die wenigen Zuschauer, die da waren, sich zumindest alle an die Bühne drängelten. Es war kaum mehr auszumachen, wie viele Besucher es tatsächlich waren.
Schon kamen die Musiker gefolgt von Chuck Billy auf die Bühne und gaben die Songs „More Than Meets The Eye“ und „Souls of Black“ zum Besten. Auf dem Gesicht meiner Mutter bildete sich bereits eine seltsame Mischung aus Lächeln und Grinsen. Beides wurde durch die Ankunft des zweiten Sängers nur noch verstärkt: Michael Kiske. Der ließ es sich nicht nehmen, seinem Humor wie gewohnt auf Deutsch Ausdruck zu verleihen. So begann er mit Witzeleien über die Anzahl der Zuschauer („Hab mit ein paar mehr gerechnet!“), die er versuchte, durchzuzählen, dies aber mit einem resignierten Kopfschütteln nach kurzer Zeit abbrach. Zu wenige, sich die Mühe zu machen! Mit den Worten „Der erste Song ist eine Bitch!“ leitete er dann „March of Time“ ein. Es folgten „Longing“ und „I Want Out“ – Alte Helloween-Songs, die er durch kleinere Reden unterbrach, was die Stimmung brachte, die so dringend gebraucht wurde.
Kiske wurde von Udo abgelöst, dessen brachiale Reibeisenquitschstimme meine Mutter von den Socken zu hauen drohte. „They Want War“, „I’m a Rebel“ und vor allem „Metal Heart“ waren mehr als geeignet, um zu zeigen, wie krass sein Organ wirklich war. Nach dieser Vorlage war es für mich fast ein bisschen enttäuschend, dass sich Chuck Billy erneut auf die Bühne begab, um diesmal mit „Practice What You Preach“ aufzuwarten. Bei den Umstehenden war davon aber nichts zu bemerken. Rechts neben mir schoss ein etwas korpulenterer englischsprachiger Herr fanatisch Fotos mit seiner Spiegelreflex samt Megaobjektiv. Er war der Veranstaltung bereits durch halb Europa nachgereist. Auf der linken Seite wurde meine Mutter von einem Hardcore-Fan mit wallender schwarzer Mähne und einem gewissen Hang, sie durch die Gegend zu schwingen, flankiert. Voller Körpereinsatz also in der ersten Reihe!

2. Weibliche Power auf der Bühne!

So war die Intermission des Orchesters „The Odyssey“ vielleicht nicht schlecht, um diese Hitzköpfe ein wenig abzukühlen und auch, um das Orchester entsprechend zu würdigen. Zumal der Dirigent in den Pausen für seine Mannschaft immer wieder auf das Geschehen auf der Bühne blickte und sicher das ein oder andere Foto – gewollt oder ungewollt – ziert. Genau dieser Dirigent war es dann auch, der die Person ankündigte, auf die ich die ganze Zeit vorfreudig gewartet hatte: Floor Jansen. Mit einem Lächeln trat sie auf die Bühne und begann mit der After-Forever-Nummer „My Pledge of Allegiance“. In gewohnter Qualität und im passenden Outfit vorgetragen, war es doch vor allem der darauf folgende Cover-Song, der mich persönlich berührte und mir Gänsehaut bereitete: „Alone“ von Heart. Hier bewies Floor zunächst Gefühl, um dann beim Höhepunkt durch Kraft zu glänzen. Zuletzt performte sie noch die Chartnummer „Nemo“, ein Nightwish-Song, der für sie „Past and Future“ bedeutet.
Mit Joacim Cans betrat ein weiterer Weltstar die Bühne. Er sang die Hammerfall-Songs „Holy Night“, „Hearts of Fire“ und „Last Man Standing“ und nötigte meiner Mutter mit seiner Stimme und sicher auch dem Outfit ihren allerersten Metalgruß ab, was sie mir sogleich stolz berichtete. Ich persönlich hätte mir von ihm einen ruhigeren Song gewünscht, gerade mit Blick auf das Motto des Abends. Andererseits verstehe ich aber auch, dass Aufbruchsstimmung bei hundert Besuchern wichtiger ist als an jedem anderen Ort, so dass derartige Nummern wohl besser am Ende eines Konzerts kommen.
Zuletzt betrat die Legende Joey Belladonna die Bühne. Er startete mit „Heaven & Hell“, „Anti Social“ und „Madhouse“ und brachte die Menge noch einmal zum Kochen (für Bochumer Verhältnisse). Besonders herzzerreißend war dabei seine Interaktion mit dem bereits erwähnten Hardcore-Fan links von uns. Der freute sich so dermaßen, dass ich mir selbst ein Tränchen aus dem Augenwinkel wischen musste (keine Ironie). Es ist schön zu sehen, dass jemand noch so viel Begeisterung entwickeln kann, unabhängig davon, wie die Stimmung um ihn herum ist. Damit will ich sicherlich nicht sagen, dass sie schlecht war! Aber wer an einem Tag auf einem Konzert in Hamburg und am nächsten Tag in Bochum ist, der bemerkt zwangsläufig die Unterschiede, was Dinge wie Headbanging, Metalgrüße und alles weitere betrifft.
Nach seinen drei Songs war Belladonna nicht am Ende, es folgte DIE Hardrock-Nummer schlechthin: Highway to Hell. Mit ihr kam ein regelrechter Pressesturm in den Fotograben und jeder riss sich um die besten Bilder. Toll für die Magazine und die Leser, eher schlecht für uns Anwesende in der ersten Reihe mit nicht mehr als kleinen Digicams in der Hand. Egal, es war eine ACDC-Nummer und die Stimmung im Saal schwoll dem Höhepunkt des Abends entgegen!
Der wurde für mich erreicht, als Floor noch einmal auf die Bühne kam. In einem silber-grauen Abendkleid, in dem man sie laut eigener Aussage nicht häufig würde sehen können, stimmte sie „The Phantom of the Opera“ an, wobei ihre klassische Gesangsausbildung deutlich zum Tragen kam. Unterstützt wurde sie dabei von ihrem Duettpartner Joacim Cans, der dramtischerweise erst hinzu kam, als sein Gesangspart begann. Nach Abschluss des Songs verbeugten sich die beiden lächelnd und verschwanden von der Bühne. Eine gewisse Spannung lag in der Luft. Was würde als nächstes kommen?

3. Stiller Abschied

Es war ein Hilfsarbeiter, der drei kleine Notenständer auf der Bühne platzierte. Auftritt der Zwerge? Überraschenderweise war es kein Tyrion Lannister, der jetzt die Bühne betrat, sondern fünf der sechs Künstler (Joey Belladonna war nicht dabei), die sich dahinter positionierten und gemeinsam „Silent Night“ sangen. Dabei wurde einerseits zum Mitsingen ausgefordert, andererseits ein sympathisches Gemeinschaftsgefühl ausgestrahlt und gleichzeitig nicht mit schiefen Tönen gespart. Dieser Mut zur Selbstironie war für mich besonders ansprechend. Überhaupt vermittelten die Acts die ganze Zeit über Sympathie füreinander; nicht nur beim gemeinsamen Weihnachtsliedschmettern, sondern auch bei den gegenseitigen Ankündigungen und allem anderen drumherum.
Nach dem Lied wurde sich verbeugt, umarmt und gelacht. Die Musiker kamen hinzu, alle stellten sich gemeinsam mit Belladonna auf und es wurde sich theaterlike verabschiedet. Allerdings nur ein einziges Mal. Mit einer Zugabe war auch nicht zu rechnen. Erklangen erst noch Rufe danach, wurden sie abgebrochen, als das Orchester den Metalkünstlern unmittelbar von der Bühne folgte. In diesem Moment war klar: da ist nichts zu machen! Einige der Orchestermitglieder ließen sich durch Emporheben ihrer Violine oder sonstiger Instrumente noch ordentlich feiern, danach war definitiv Schluss. Ich war darüber gemischter Gefühle. Das Konzert ging genau bis zehn und irgendwie konnte ich nicht glauben, dass das alles gewesen sein sollte, weil das Ende so unvermittelt und ohne große Verabschiedung kam. Das kann man einerseits verstehen, wenn man bedenkt, dass die Veranstaltung in jeder anderen Stadt, vor allem in jedem anderen Land WESENTLICH mehr Zuschauer hatte und die Nummer in Bochum eigentlich ein Witz war. Andererseits können ja gerade die, die gekommen sind, nichts dafür, dass andere es ihnen nicht gleich getan haben. Diejenigen kamen vielleicht sogar von weit her und haben immerhin 50 Euro pro Karte gezahlt. Das war die Veranstaltung auf jeden Fall wert! Aber ein kleiner bitterer Nachgeschmack blieb eben doch. Gerade in so kleinem Rahmen bietet sich ja die Möglichkeit, dem Geschehen besonders nahe zu sein.

4. Fazit:

Es ist sehr traurig, das Christmas Metal Symphony in Deutschland nur so wenig Leute erreicht hat. Ob es nun am Wochentag, dem Preis, zu wenig Werbung (nichtmal am RuhrCongress selbst hing ein Plakat) oder generellem Desinteresse an der Veranstaltung lag: Die Künstler – sowohl die sechs Sänger, die Musiker (Gitarristen, Bassisten, Schlagzeuger, Keyboarder) drumrum, als auch das Orchester – hätten definitiv mehr Resonanz für ihre großartige Show und diese Zusammenarbeit verdient.
Alles in allem war es also eine wunderschöne vorweihnachtliche Veranstaltung der besonderen Art, die auch vom fucking Nebel, der die Künstler permanent zu verbergen suchte, nicht geschmählert werden konnte. So bleibt am Ende nur zu hoffen, dass sich die Metaler durch die geringe Resonanz nicht von einer Rückkehr in den RuhrCongress abhalten lassen.
In diesem Sinne: Merry Metal Christmas!!!

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