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Interview: Adrian Weiss

vom 21. Dezember 2011 via Mail
Es passiert sehr häufig, dass ein Bandmitglied sich früher oder später aus seiner gewohnten und warmen Bandumgebung herauslöst, um dann abseits des bekannten Nestes an einem Solo-Projekt zu werkeln. Auch der Forces At Work-Gitarrist Adrian Weiss gehört zu diesen Musikern, die sich sowohl im Team, als auch solo verwirklichen konnten. Adrians Sprungbrett dazu ist seine 2011 erschienene sommerwarme Scheibe namens Big Time, mit der man gerade jetzt im Winter einen kleinen Anflug der sommerlichen Wärme in die Gehörmuscheln der Fans zaubern kann.
Doch weshalb will man sich als Musiker abseits seiner Band verwirklichen? Weshalb wagt man sich auf dieses neue Terrain, wo man es mit der eingespielten Gruppe auf den ersten Blick doch einfacher hat? Sind es stilistische Gegebenheiten in der Band, die einen die Experimentierfreude nicht ausleben lassen, oder ist es vielleicht einfach die Lust, sich selbst zu fordern und seine eigenen Grenzen zu erkunden? Vermutlich hat da jeder Musiker so seine ganz eigenen Beweggründe, die in der Entstehung eines oder sogar mehrerer Solo-Werke münden. Lest in diesem Mail-Interview, was Adrian Weiss auf seinen Weg führte, wie er sein Werk über viele Jahre vollbringen konnte und was jetzt nach dem erfolgreichen Release der Instrumental-Scheibe als Nächstes ansteht!
Viel Spaß beim Lesen!

Das Interview:

Alex: Hi Adrian! Danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast!
Wie geht´s dir? Wie ist das Wetter so in Düsseldorf?
Adrian: Hi Alexander, gerne. Danke dir für das Interesse. Das Wetter hier in Düsseldorf ist kalt und nass - also mies....
Alex: Schreibt man jetzt in der dunklen winterlichen Jahreszeit eher so die melancholischen Songs oder lässt du dich beim Songwriting nicht vom Stand der Sonne beeinflussen?
Adrian: Ha, gute Frage. Ne, habe songmäßig gesehen eigentlich immer eher gute Laune - also melancholische Sachen schreibe ich kaum. Bin da unabhängig vom Wetter.....allerdings bin ich dennoch oft schlecht gelaunt :)
Alex: Als krasses Gegenteil zum aktuell grauen und matschigen Wetter, steht deine dieses Jahr erschienene und mit sommerlichen Klängen gespickte Solo-CD „Big Time“. Wie waren die bisherigen Reaktionen der Fans und der Presse auf das Album?
Adrian: Bisher bin ich sehr glücklich mit den Reaktionen. Das Album wurde sogar in der aktuellen Rock Hard (#296, Januar 2012) zum "Demo des Monats" gekürt, was ich natürlich nie erwartet hätte, gerade mit einem Instrumentalalbum. Auch die anderen Reviews, die ich bisher für BIG TIME bekommen habe, sind weitgehend sehr positiv, was mich natürlich sehr freut. Das gilt auch für die Reaktionen der Käufer, von denen ich auch sehr gute Rückmeldungen bekommen habe.
Alex: Seit 2007 hast du den Silberling recorded und seit 1999 an den Songs geschrieben! Weshalb hat es solange gedauert, bis du die fertig gepresste CD in deinen Händen halten konntest?
Adrian: Das hat mehrere Gründe, die hauptsächlich im organisatorischen Bereich liegen. Es war oft sehr schwer dafür zu sorgen, dass Gastmusiker, Tonmann und ich längere Zeit am selben Ort (Studio) verbringen konnten, zumal wir die Aufnahmen auch zeitlich mit anderen Bands, die nebenan geprobt haben, abstimmen mussten. Hinzu kommt, dass es ja keine "Band" im eigentlichen Sinne gab. Fast jeder Song wurde in einer anderen Besetzung eingespielt und es konnte nicht geprobt werden. Dementsprechend musste beim Einspielen viel ausprobiert, arrangiert und "gebastelt" werden. Aus diversen Gründen mussten wir zwischendurch auch sehr lange Pausen einlegen. War natürlich dann nicht einfach, immer wieder reinzukommen. Naja, aber wenn wir einmal wieder drin waren lief es eigentlich immer....
Auch beim Mixen haben wir viel ausprobiert und haben schon früh mit dem Masteringmann Eroc zusammengearbeitet, der uns viele wertvolle, aber natürlich auch arbeitsschaffende Tipps gab, die wir auch alle umgesetzt haben. Auch das kostete viel Zeit und Geduld ..... mann bin ich froh, dass wirs geschafft haben ...... :)
Alex: Besteht nicht die Gefahr solcher Langzeitunternehmungen, dass man zum Schluss vom angestrebten Ergebnis abdriftet? Wie schafft man es da noch Ursprung und Ziel gleichermaßen im Auge zu behalten?
Adrian: Das war bei dieser Produktion glücklicherweise kein Problem. Ich hatte ja alle 11 Songs schon detalliert vorproduziert und arrangiert, so dass wir stetig mit dem dadurch vorhandenen Leitfaden gearbeitet haben. Natürlich haben wir viele Details verändert und verbessert, aber letztendlich stand das Gerüst von Anfang an, so dass immer klar war, wohin die Reise geht...
Schwierig war halt immer - wie gesagt - nach längeren Pausen wieder in die Sache reinzukommen. Ich habe die Leadgitarren übrigens alle innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums von ca. 3 Wochen eingespielt, wobei wir dabei einmal 6 und einmal 4 Tage aufgenommen haben, soweit ich mich erinnere. Ich war danach doch ziemlich fertig....:)
Alex: Würdest du jetzt rückblickend sagen, dass du umgesetzt hast was du dir als Ziel gesetzt hattest oder hat es sich doch alles etwas anders entwickelt?
Adrian: Doch - und ich habe meine Erwartungen sogar übertroffen. Die Songs klingen noch viel lebendiger und abwechslungsreicher als ich gedacht hätte. Aus meinem Musiker-Umkreis kamen teilweise Befürchtungen, dass die Sache zu schöngeistig, geradlinig und monoton klingen würde, aber das ist nach meiner Auffassung nicht passiert. Trotzdem liefern die Songs - und das hatte ich von vornherein vor - eine positive Grundstimmung, die letztendlich gute Laune liefern soll und das auch schafft.
Alex: Bei manchen Songs, wie z.B. beim Opener „Summer Drive“ hört man einige Riffs, die stark nach klassischen Heavy Metal und Hard Rock Bands wie z.B. Deep Purple, Scorpions und Status Quo klingen. Wie würdest du dich selbst stilistisch einordnen?
Adrian: In meiner Musik treffen Hard Rock und Melodic, Heavy sowie Prog Metal aufeinander. Ich habe meine frühen Wurzeln ganz klar im Hard Rock. Meine ersten Helden waren ACDC, Guns´n Roses etc. - auch die Toten Hosen...später lernte ich dann den "richtigen" Metal kennen und befasste mich auch mit härteren Richtungen, was insbesondere auch bei dem letzten Track "The Progressive Society" zu hören ist. Nebenbei war und bin ich natürlich auch Fan der (großen) Instrumentalgitarristen - insbesondere Vai, Satriani und Petrucci aber auch viele anderen.
Alex: Sicherlich machen Instrumental-Platten einen eher geringeren Teil des üblichen Musikangebots bei den Händlern aus. Ist es somit generell schwieriger eine (reine) Instrumental-CD zu vermarkten? Welche Schwierigkeiten oder Vorteile gibt es?
Adrian: Ja, grundsätzlich ist die Vermarktung instrumentaler Musik viel schwieriger. Das liegt aber nach meiner Auffassung hauptsächlich an den Gewohnheiten des Markts und des Handels. "So was kann man nicht gut verkaufen", heißt es dann. Es wird aber auch nicht wirklich versucht, sondern auf "Nummer Sicher" gegangen. Ein latentes Interesse auch an instrumentaler Musik ist überall vorhanden, teilweise, wo man es nie vermuten würde. Ich habe letztens einen Sologig gespielt, bei dem das Pubilkum im Schnitt deutlich über 50 war und auch einige über 70-jährige anwesend waren. Ich hatte zuerste Bedenken, dass meine Musik zu hart oder zu "anstrengend" für sie ist, aber weit gefehlt. Sie waren total begeistert und ich habe u. a. sogar eine CD an einen ca. 75-jährigen verkauft, der mich anstrahlte und es "total schön" fand.
Die Leute müssen nur darauf gebracht werden und die Musik erleben und dann kann es zünden, ob instrumental oder nicht.
Auch bei den ganz jungen Leuten sieht man ein riesiges Interesse an handgemachter instrumentalbezogener Musik.
Alex: Wie kam es auf deiner Solo-CD zur Zusammenarbeit mit Musikern wie u.a. Victor Smolski von Rage oder auch Joachim Kremer von der deutschen Band Assassin?
Adrian: Victor Smolski kenne ich seit über 8 Jahren. Mit meiner Band Forces At Work hatten wir einen Track für seine Soloplatte "Majesty And Passion" (2004 - Drakkar Records) arrangiert und aufgenommen, nachdem er uns dazu eingeladen hatte. Zuvor hatten wir in seinem Metal Club einen Gig gespielt. Er war auch einer der Motivatoren dafür, meine eigene Soloplatte zu machen. Da habe ich ihn natürlich auch um ein Gastsolo gebeten, mit dem ich auch sehr glücklich bin....:) Joachim Kremer kenne ich über Björn Sondermann, der ja tontechnisch für die ganze Produktion der BIG TIME verantwortlich war und auch 6 Drum-Tracks eingespielt hat. Naja - jedenfalls ist Björn ja seit ca. 2009 der Drummer von Assassin und er hat Joachim Kremer vorgeschlagen. War sehr unkompliziert.
Alex: Fans stellen sich sobald sie ein Soloprojekt von Mitgliedern ihrer Lieblingsbands sehen häufig die Frage, aus welchen Gründen man dazu kommt sich Solo zu inszenieren. Was würdest du sagen, hat bei dir diesen Wunsch ausgelöst?
Adrian: Naja, wie du oben ja schon bemerkt hast, sind einige Stücke schon recht alt. Ich habe schon vor über 10 Jahren damit begonnen, zwischendurch immer wieder "lead-gitarrenzentrierte" Songs zu schreiben, die ich in meinen Bands ThoughtSphere und Forces At Work nicht umsetzen konnte, und die mir aber sehr wichtig waren. Irgendwann habe ich dann mit Demian Heuke einige Songs geschrieben, bei denen er hauptsächlich Akustik-Gitarre spielte, und ich hatte plötzlich genug Material für ein Album. Er hat mich auch ermutigt, das Unterfangen umzusetzen. Naja - letztendlich ist die Motivation für ein Soloalbum aber - denke ich - immer, seine persönliche Vision vom Musik kompromisslos umzusetzen.
Alex: Wirst du deine Solokarriere in Zukunft weiterverfolgen? Wenn ja, in welche Richtung soll es gehen? Gibt es da schon konkrete Pläne?
Adrian: Ja - es wird weitergehen, zunächst aber hauptsächlich mit der Liveumsetzung der BIG TIME. Neues Material für eine neue Soloplatte habe ich noch nicht, allerdings einige ältere Stücke, die nicht auf der BIG TIME gelandet sind, aber genauso gut darauf hätten landen können. Ich denke, die nächste Soloplatte wird stilistisch etwas moderner, aber mehr als diese wage Ansage kann ich dazu noch nicht machen.
Alex: Und wie sieht es mit deiner Band „Forces At Work“ aus? Seit ihr noch auf der Suche nach einem Label für eure anstehende Platte?
Adrian: Wir haben mittlerweile ein Label gefunden und die Scheibe wird wohl so im April 2012 erscheinen. Es ist nach 3 EPs unsere erste full length - Scheibe mit 10 Songs. Es ist ein sehr intensives Album, auf dem wir unsere Härte, Rohheit und Vertracktheit mit gutem, klaren Songwriting versucht haben, unter einen Hut zu bringen. Ich denke, es ist uns sehr gut gelungen. Auf die Reaktionen bin ich sehr gespannt.
Alex: Was steht sonst noch für die nähere oder auch weiter entfernte Zukunft an? Ich bedanke mich nochmals für deine Zeit und alles Gute für die Zukunft!
Adrian: Naja, es steht mit der Veröffentlichung der neuen Forces At Work natürlich die Live-Promotino der Platte an und zusammen mit der Arbeit an der BIG TIME wird das für mich ne ganze Menge ......das reicht erstmal..... haha! Ich danke dir und Metal Trails für das Interesse und das Interview! Bis bald.
Alex: Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast!
Moderation: Alexander Kipke

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