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Interview: Coppelius

vom 24. Februar 2012 via Mail
Kommt herbei, kommt herbei! Erlebt die Sensation unseres Jahrhunderts! Erlebt die werthen Herren Coppelius, welche heute und nur heute exklusiv für euch, hochverehrtestes Publikum, durch die elektrische Schreibmaschine sprechen werden! Sie tun es aus weither Ferne, doch ist es fast so, als seyen die werthen Herren ganz in Ihrer Nähe! Ist es Magie? Ist es Hexerei? Findet es heraus!
Dabei werden sie nicht nur von ihren bescheydenen Anfängen als Spielleute berichten, sondern euch auch einen tiefen Einblick in ihre ganz besondere Welt und Philosophie genehmigen, welche euch nicht mehr in Ruhe lassen wird! Kommt herbei, kommt herbei! Es gibt Spannendes zu erfahren! Über den Stile des Heavy Wood, Duelle unter Musikern, die Wiedereinführung des deutschen Kaisers und natürlich über das aufregende und gleichermaßen polarisierende Schaffen dieses Sextetts, welches seynen ersten Auftritt bereits vor 209 Jahren absolvieren durfte. Alles falsch? Nur Lug und Trug? Billige Taschenspielertricks? Können diese Musiker, die einen Mob reicher Leute in unserem wie auch in fernen Ländern bespielen, euch so hinters Licht führen?
Doch halt, die Vorstellung beginnt! Nun leset und staunet selbst, was uns diese Meister ihres Faches zu berichten haben! Doch seyd auf der Hut! Nehmt nicht jedes Wort für bare Münze und lernt zwischen Wahrheit und Fiktion zu unterscheiden ...

Das Interview:

Alex: Seyen Sie gegrüßt, werthe Herren Coppelius! Wie fühlen Sie sich denn an diesem schönen neuen Tag in der Geschichte dieser fabelhaften Welt?
Graf Lindorf: Sie Optimist!
Max Coppella: Ich mag den Sarkasmus dieser Frage.
Comte Caspar: Müde und alt! Mir fehlt etwas... wie lang ist das letzte Konzert her?
Graf Lindorf: Bestimmt schon wieder 2 Wochen!
Comte Caspar: Fürchterlich!
Alex: Wie verlief denn die letzte Konzertreise von Coppelius? Wir hoffen, es wurden einige Aufzeichnungen getätigt, damit Sie sie jetzt als Gedächtnisstütze benützen könnten ... ?
Comte Caspar: Die winterliche Konzertreise war wunderbar, bis auf den Wermutstropfen, daß sie schon wieder vorbei ist.
Graf Lindorf: Wir haben tatsächlich videographische Aufzeichnungen gemacht, damit Streitereien zwischen den Herren Klarinettisten mit audiovisuellem Beweis geschlichtet werden können.
Comte Caspar: Aber ob die je erscheinen werden...
Max Coppella: Ich habe alles vernichten lassen.
Graf Lindorf: Da haben wir's! Wie gut, daß ich eine Kopie n einem sicheren Ort habe verstecken lassen.
Alex: Was für Menschen bilden die coppelianische Fanatikerschaft? Alte Greyse, junge Buben und Mädchen oder womöglich der unbeliebte Landadel?
Max Coppella: Lauter reiche Leute, die sich von mir nicht bestechen ließen, einem Coppelius-Konzert fern zu bleiben.
Graf Lindorf: Vielleicht hätten Se es mit einem Foto von Ihnen in ungeschminkter Manier versuchen sollen, Herr Coppella. Ich bin aber froh, daß Sie davon Abstand genommen haben. So konnten wir eine zunehmend wachsende Zahl an durchaus gemischtem Publikum auf den vergangenen Konzerten treffen.
Alex: Haben Sie den Mannen von Apocalyptica schon einstmal versucht zu erklären, dass sie Euch unerlaubter Weise kopieren?
Comte Caspar: Sie täuschen ja das Auditorium geschickt, indem sie auf die Klarinetten verzichten.
Graf Lindorf: Keine Klarinetten! Nur Celli! *träumt*
Alex: Der Herr Max Coppella sprach in einer anderen mündlichen Befragung von seyner Leydenschaft für Duelle. Wann hat er zuletzt eine Niederlage erleben müssen und hätte er nicht bei größerer Anstrengung einen Sieg erringen können?
Comte Caspar: Seine letzte Niederlage habe ich ihm beigebracht! Ha! Aber wenn Sie ihn fragen, wird er es schon wieder ganz anders darstellen. Er wird vielleicht behaupten, daß es ihm langweilig wurde, und er mich deswegen im Glauben ließ, den Sieg davongetragen zu haben. Und er wird Ihnen natürlich verschweigen, daß ich ihn zu diesem Zeitpunkt schon mit dem Degen an der alten Eiche im coppelianischen Rosengarten festgenagelt hatte.
Max Coppella: Ich antworte nun nicht mehr auf diese Frage, da es um meine Wenigkeit geht und der Comte sich mal wieder erdreistete, zuerst zu antworten.
Graf Lindorf: *Verdreht die Augen*
Alex: Woher stammt die Idee für Coppelius? Was war der entscheidende Schlüsselmoment für die Gründung der Spielleute?
Max Coppella: Ohne meine Verpflichtung zu Coppelius hätte diese Gruppe nur aus einem Haufen musikalischer Analphabeten bestanden. Man würde noch immer versuchen, Noten zu entziffern, die man sowieso nicht spielen kann auf Instrumenten, die man nicht beherrscht.
Erst ich habe alles ... ach was, das ist doch alles längst bekannt und ins Detail gehe ich irgendwann einmal in meinen Memoiren.
Alex: Wie man liest, haben Sie Ihr erstes Konzert im Jahre 1803 gegeben. Wieso hat es 204 Jahre gedauert, bis das erste Album der Gruppe erschien? In der Dekade zuvor haben Sie immerhin vier Kurzspieler veröffentlicht, die man gewiss vorzüglich zu einer langen Komposition hätte vereinigen können …
Graf Lindorf: Wir haben uns lang geweigert, Klänge auf Wachswalzen zu bannen...
Comte Caspar: ...weil man eben den Konzertmoment nicht wiedergeben kann...
Graf Lindorf: ...aber man hat uns solange bedrängt, bis wir das Gejammere nicht mehr ertragen wollten.
Max Coppella: Ein Riesenfehler, es sind mir allerdings nur 3 EP's in 5 Jahren bekannt, kennen Sie noch eine? Bitte zögern Sie nicht, die 4. EP mit den dazugehörigen 5 Jahren wegzuwerfen.
Alex: Damals im 19. Jahrhundert war Ihre Musik als „Teufelswerk“ verschrien. Gab es Momente, in denen man versuchte, Sie deshalb aus dem Weg zu räumen oder Ihnen das Leben leydig zu beschweren?
Comte Caspar: Gab? GAB!? Ja was meinen denn Sie, wozu dieses ganze Musikillegalherunterladkomplott geschmiedet wurde!?
Max Coppella: Versuchen Sie nur, mir das alles einmal nachzuweisen, Sie werden es nicht schaffen!
Alex: Wie viele Gelegenheiten hatten Sie bereits, ausländisches Publikum zu bespielen? Wie reagieren die Menschen ferner Landen auf Coppelius?
Max Coppella: Das ist alles lange her, wir spielten z.B. 1854 zur Inbetriebnahme des 1. Fahrstuhls in New York. Ich würde gerne einmal wieder dorthin und sehen, ob sich diese gewagte aber nützliche Erfindung auch da durchgesetzt hat.
Graf Lindorf: Es gab inzwischen schon einige ausländische Spielorte, an denen man trotz der sich ständig streitenden Klarinettisten sehr begeistert auf unsere Auftritte reagierte. Ich erinnere da z.B. an Norwegen, die Niederlande und die anderen deutschsprachigen Lande.
Alex: Mit Zinnober haben Sie Ihr drittes und bislang letztes Spielwerk im Oktober 2010 veröffentlicht. Wann kann man mit einem neuen Tonträger rechnen?
Max Coppella: Der Minister für coppelianischen Welthenruhm behauptet, das sei schon Anfang des nächsten Jahres. Er ist ein unmenschlicher Sklaventreiber und er wird alles daran setzen, daß wir seine Aussage erfüllen.
Graf Lindorf: Was angesichts der sich bereits jetzt abzeichnenden Streitigkeiten um musikalische Dur-Terz, Stimmenverteilung, Textgereimt- oder vielmehr -ungereimtheiten als schwierige Aufgabe erweisen wird. Aber diese Welt ist so schnelllebig geworden, daß wir mit Knebelverträgen daran erinnert werden, uns nicht allzu viel Zeit zu lassen.
Alex: Gibt es schon konkrete Vorstellungen oder Ideen für das kommende Liedgut? Befinden sich vielleicht schon Songs in Produktion?
Max Coppella: Nein, das habe ich mir abgewöhnt. Meine genialen Pläne werden auch immer von diesen anderen Dilettanten durchkreuzt. Meine letzte Sinfonie z.B. wurde zu einem 4-Minutenstück degradiert! Somit behalte ich meine Ideen für mich und da müssen sich der Comte und seine Kumpane mit eigenen...wie soll ich sagen ...Kinderetüden... blamieren.
Alex: Sie selbst verweigern jegliche stilistische Zuordnung Ihrer Musik oder bezeichnen sie höchstens als „Heavy Wood“. Wie kommt das?
Max Coppella: Es gibt ja auch nur Musik die einem gefällt oder eben nicht..., mein stilistischer Zuordnungsvorschlag wurde damals übrigens abgelehnt. Er lautete: "Nervtötendes Getröte". Das hatte aber zu viele Silben. "Heavy wood" war sicherlich das Lallen eines betrunkenen Coppelianers und gefiel besser.
Graf Lindorf: Ich muß Sie korrigieren: ich glaube diese Bezeichnung rutschte Herrn Voss versehentlich ber die Lippen, als er sich mit seinem Kontrabaß eine Rückenzerrung zugezogen hatte. Ich könnte mir übrigens durchaus vorstellen, daß der Begrif "Heavy Metal" in ähnlicher Weise entstanden ist. Inzwischen sollte der Name Coppelius indes für sich stehen.
Alex: Was empfinden Sie als ehemalige Bewohner des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation bei der heutigen Politik? Brauchen wir jetzt in Zeiten der Wirren wieder einen Kaiser?
Comte Caspar: Um Gottes Willen, bloß nicht, dann wird womöglich noch der Absinth wieder verboten!
Sissy Voss: Und Kaffee!
Max Coppella: Oh, an die Nachteile habe ich nicht gedacht, mein 1. Gedanke war: Sehr gut, Coppelius wären dann auch endlich verboten.
Graf Lindorf: Bleiben Sie uns mit Politik vom Leibe. Die meisten Menschen befremdet dieses Thema ohnehin außerordentlich. Musik ist die Sprache, die Jeder versteht.
Alex: Würden Sie pauschal behaupten, dass Sie die Besten und die Tollsten seyen? Die Ältesten sind Sie ja bereits, ohne Frage ...
Graf Lindorf: (der Max Coppella und Comte Caspar den Mund zuhält) Nein, dies verbietet uns unsere Bescheidenheit.
Sissy Voss: Wir würden es eher zurückhaltender formulieren.
Comte Caspar: (der sich aus der Umklammerung des Grafen löst) Da wir also konkurrenzlos sind, bleibt ja neben uns nicht viel bestehen...
Alex: Wie kommen Sie mit der modernen Technik zurecht? Eine Gesichtsbuch-Seite und ähnliche neumodische Dinge nutzten Sie ja …
Bastille: Das ist Aufgabe der coppelianischen Ministeriums für Welthenruhm. Die Herren Musiker brauchen Sie damit nicht behelligen. Mit Verlaub, die können nicht mal eine Schreibmaschine unterscheiden von einer... wie heißt das... Sie wissen, schon, dieses moderne Dings... ähm, ich muß Bilder abstauben gehen!
Alex: Was können Sie uns sonst noch über die Zukunft der Band erzählen?
Max Coppella: Jede preisgünstige Wahrsagerin auf dem Jahrmarkt könnte da mehr erzählen, denn jedes Konzert kann das letzte sein!
Alex: Würden Sie bitte noch ein letztes Schlusswort an die Leser unseres elektronischen Papieres richten?
Max Coppella: Hören Sie auf Befragungen zu lesen, nehmen Sie sich lieber ein nettes Buch, wenn Sie sich die Augen verderben wollen.
Graf Lindorf: Oder besuchen Sie eines unserer Konzerte, anstatt sich in den Weiten der elektronischen Schreibmaschine zu verlieren.
Bastille: Coppelius HILFT!
Alex: Vielen Dank für Ihre Zeit und alles erdenklich Gute für die Zukunft!
Moderation: Alexander Kipke
Lauschet hier dem neusten Werk der Band:
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