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Interview: Dante

mit Alexander Göhs vom 2. Mai 2013 via Mail
Gerade geistert an diesem bis vor wenigen Minuten noch so ruhigen Morgen die Todesmeldung des Slayer Giatrristen Jeff Hanneman durch die Medien. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht quer über den Globus und wo man im Augenblick auch hinschaut sieht man Kondolenzbekundungen und trauernde Fans.
Doch was bedeutet es für eine Band, wenn ein aktives Bandmitglied stirbt? Soll man die Arbeit der Gruppe pausieren oder sogar gänzlich abbrechen? Vielleicht macht man doch weiter mit der Musik, weil es doch auch der Wunsch des Verstorbenen wäre, dass das Projekt weitergeht. Aber wie findet man dann Ersatz für den verlorenen Musiker und wahrscheinlich auch Freund? Macht man ein Casting, gibt man eine Zeitungsanzeige auf? Und was macht man mit den anstehenden Live-Gigs? Greift man auf Backtracks und den Computer zurück, oder holt man sich einen Gast auf die Bühne? Sollte man den Tod eines Bandmitgliedes musikalisch verarbeiten, oder öffnet so etwas immer wieder nur die alten Wunden aufs Neue?
Nicht nur die Jungs von Slayer haben gerade mit diesen oben aufgeführten Fragen zu kämpfen. Auch der Bassist der deutschen Prog-Band Dante - Markus Berger - ist Anfang dieses Jahres nach langer Krankheit verstorben. Im Interview berichtet uns nun der langjährige Sänger der Truppe, Alexander Göhs, von den Auswirkungen von Markus Tod auf die Band, das vor kurzem erschienene neue Studioalbum „November Red“ und natürlich über die Zukunft der Band, die gerade auf der Suche nach einem neuen Bassisten ist.
Viel Spaß beim Lesen!

Das Interview:

Alex Kipke: Hey, wie geht's dir Alex?
Alex Göhs: Tja Mensch, Alex, manchmal sind die simpelsten Fragen die Schwersten. Ganz ehrlich: der lange Winter geht endlich vorüber, unter meinem Balkon nisten Singvögel und begrüßen mich jeden Tag mit einem Konzert, die Erde riecht nach Frühling, die Bäume schlagen aus, auch sonst läuft es ganz prima. Mir sollte es gut gehen. Unser neues Album läuft auch richtig gut – aber na ja...unser Freund Markus Berger, einer der Köpfe und zuletzt der Bassist unserer Band ist im Januar gestorben. Noch immer überschattet das mein Leben und meinen Alltag. Das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben fürchte ich.
Alex Kipke: Wie waren bisher so die allgemeinen Reaktionen von Presse und Fans auf euer neues Album „November Red“?
Alex Göhs: Weit über unseren Erwartungen, und das freut uns ungemein. Eine CD am Ende zu veröffentlichen, ist ein kleines bisschen wie ein Kind in die Welt zu bringen. Allerdings - wenn du ein Babyfoto herumschickst, wird jeder Dir bestätigen, wie hübsch dein Kind ist. Bei einem „Baby“, das die Kunst geboren hat, ist das anders. Da sagt dir jeder sofort ins Gesicht, wenn er Dein Kind hässlich findet. Davor hat man als Künstler immer Angst. Aber wir haben inzwischen allen Grund, tief durchzuatmen. Ich glaube, die schlimmsten Kritiken waren bisher immer noch vorsichtig wohlwollend. Die meisten Rezensionen bezeichnen „November Red“ als gutes bis sehr gutes Album, und viele Kritiker überschlagen sich vor Lob. Einen echten Verriss haben wir noch gar nicht kassiert. Kommt vielleicht noch. Klar freut uns das. Aber die Reaktionen unserer Fans ist das, was wirklich für uns zählt. Und das scheint es, als hätten wir deren Erwartungen erfüllt. Sie mögen das Album. Und wir erleben gerade, wie das Interesse an unserer Arbeit massiv zunimmt. Das ist wirklich wunderschön.
Alex Kipke: Wie wichtig sind euch überhaupt die Reaktionen von Presse und Fans?
Alex Göhs: Sehr wichtig. Denn wir sind eine Band, wir gehen auf die Bühne, und wer auf eine Bühne geht, sucht den Dialog, den Spiegel, der das volle Potential der eigenen künstlerischen Arbeit erst aufzeigt. Vor der Veröffentlichung gehört ein Album uns allein. Danach nicht mehr. Wenn wir Menschen erreichen können mit dem was wir tun – erst dann sind wir wirklich zufrieden, ist eine Arbeit abgeschlossen. Ob man dann auf Ablehnung stößt oder Lob bekommt...das ist eine andere Sache. Wichtig ist Beides.
Alex Kipke: Gab es schon irgendwelche konstruktiven Kritiken, die euch so sehr gefallen haben, dass ihr sie glatt umgesetzt habt?
Alex Göhs: Wir versuchen immer, am Sound der Alben zu arbeiten und diesen zu verbessern, und hier war konstruktive Kritik in unseren Anfangstagen wirklich sehr hilfreich.
Alex Kipke: Frank Zappa sagte mal: „Rock journalism is people who can't write interviewing people who can't talk for people who can't read.“ Würdest du dem zustimmen?
Alex Göhs: Eher nicht. Aber geistreich ist der Satz trotzdem.
Alex Kipke: Euer Bassist Markus Berger war am Anfang des Jahres verstorben, wobei er schon seit einem Jahr seine Arbeit mit der Band pausieren musste. Habt ihr für die anstehenden Live-Shows einen Ersatz für ihn?
Alex Göhs: Das wird sich zeigen. Wir haben aus Prinzip bis zu seinem Tod gar nicht nach einem Ersatz gesucht. Das kam einfach nicht in Frage. Danach war unser erster Gedanke auch nicht wirklich, dass so schnell wie möglich ein Ersatz her muss. Aber seit einem Monat suchen wir nun aktiv, wir haben einige vielversprechende Auditions abgehalten und es sieht so aus, als würden wir live bald wieder mit einem Bassisten spielen. Aber ich denke es wird noch ein paar Shows geben, bei denen die Bassspur erstmal noch vom Band kommt, wie das letzte Jahr auch. Wie gesagt: das wird sich zeigen, wir machen uns da keinen Druck.
Alex Kipke: Wie kann man sich so eine Suche vorstellen? Gebt ihr z.B. eine Zeitungsanzeige auf oder läuft das über Vitamin B?
Alex Göhs: Über die offenen Foren in einschlägigen Musikmagazinen und über unsere Homepage haben sich viele Bassisten gemeldet und beworben. Aber es hat sich auch sehr schnell herumgesprochen, dass wir aktiv einen Bassisten suchen. Das funktioniert ganz gut. Ein extrem begabter Bassist wäre sogar extra aus den U.S.A. nach Deutschland gezogen, um bei uns einzusteigen. Da waren wir dann doch baff.
Alex Kipke: Welche Schwierigkeiten oder Vorteile ergeben sich mit einem neuen Bandmitglied?
Alex Göhs: In unserem speziellen Fall liegt ein riesiger Vorteil natürlich auf der Hand: wir könnten endlich wieder in voller Besetzung auf die Bühne. Im letzten Jahr kamen die Bassspuren von Markus ja vom Band. Das geht schon, ist aber letztlich keine dauerhafte Lösung. Für uns nicht und für unser Publikum auch nicht. Die spielerische Dynamik eines Live-Musikers kann man nicht ersetzen und man sollte es auch nicht.
So ganz allgemein ist ein neues Bandmitglied immer eine Veränderung. Die Gruppe muss neu zusammenwachsen bzw. der neue Musiker in die bestehenden Strukturen hineinwachsen. Da kann es auch zu Reibungen kommen, manchmal funktioniert es menschlich auch einfach nicht. Das ist besonders gefährlich. Wenn es menschlich nicht passt: rächt sich das über Kurz oder Lang.
Alex Kipke: Werdet ihr Markus Tod musikalisch verarbeiten, oder ist das ein Thema, dass erst mal einfach in jedem persönlich zur Ruhe kommen muss?
Alex Göhs: Darüber haben wir bis jetzt nicht geredet. Ich glaube, wir versuchen zur Zeit dieses Thema zu vermeiden. Ausschließen kann ich das zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht - im Gegenteil. Ich bin mir sogar sicher, dass wir das musikalisch verarbeiten werden. Ich habe nur keine Ahnung, ob das in einem Dante Kontext geschehen wird oder auf einer ganz anderen Ebene. Und ich weiß auch nicht, wann das geschehen wird, wenn wir das machen. Wir sind einfach noch zu tief in unserer Trauer drin. Ich denke es ist wie Du sagst: Wir müssen erst einmal, jeder für sich, zur Ruhe kommen.
Alex Kipke: Eure Musik wird im Allgemeinen als Progressive Metal beschrieben. Würdest du dem zustimmen, oder ist das eher ein Stempel, der euch aufgedrückt wurde?
Alex Göhs: Ich für meinen Teil sehe uns eher zwischen den Schubladen, die man Progressive Rock und Progressive Metal nennt. Aber im Endeffekt würde ich dem zustimmen. Es ist einfach die beste Art unsere Arbeit in kurzer Form auf den Punkt zu bringen. Auch wenn wir uns in einigen Punkten dann doch von der typischen Progressive Metal Band, sofern es so was gibt, unterscheiden mögen, wir fühlen uns da schon daheim und gut umschrieben mit dieser Bezeichnung.
Alex Kipke: Was macht Musik progressiv? Ist es die Art, wie man sich ihr nähern muss, oder einfach die Komplexität der Tracks?
Alex Göhs: Ersteres würde ich sagen. Ich denke, es beginnt alles damit, dass man sich hinsetzt und sagt: ein Song muss genau so sein, wie er sein muss. Radiotauglichkeit, Hörgewohnheiten, Erwartungshaltungen spielen eine untergeordnete Rolle. Nähert man sich so seiner Musik und seinen Kompositionen an, ist man in der Regel schon auf dem besten Wege, progressive Musik zu erschaffen, wie ich sie verstehe. Anders gesagt: überlange, vertrackte Songs und ausgeprägte Soli sind nicht zwingende Notwendigkeit, sondern oft einfach nur das Ergebnis. Definitiv spielt auch der Umstand eine Rolle, dass sich die Beteiligten einer progressiven Band in der Regel nicht an ihrem jeweiligen Instrument oder in der Form der Komposition durch Vorgaben eines bestimmten Genres limitieren lassen wollen. Auch daraus ergibt sich fast immer ein hoher Grad an Komplexität, aber auch hier ist das nicht unbedingt Ziel – sondern Ergebnis. Aber wie man es auch immer drehen und wenden will: am Ende ist dieser Begriff ein Versuch, Musik zu umschreiben die das eigentlich simple und leicht verständliche Schema des Rock ’n Roll aufbricht. Einflüsse aus der Klassik oder dem Jazz, gerade in Bezug auf die Form eines Musikstücks, werden zugelassen und der Hörer auch gefordert. Auf welche Art die Musik dies tut – sei dahingestellt. Progressive Musik ist nicht zwingend innovativ. Aber innovative Musik trägt meiner Ansicht nach immer auch den Geist progressiver Musik in sich. Aber darüber könnte man jetzt trefflich streiten.
Alex Kipke: Am 11.6. spielt ihr auf dem „Grenzenlos Festival“. Was sind eure Erwartungen an die Show?
Alex Göhs: Auf der großen Bühne eines Festivals zu stehen – das ist eine besondere Sache. Wir freuen uns schon wahnsinnig darauf, zumal wir große Fans dieses Festivals sind. Wenn wir eine Erwartungshaltung haben, dann an uns selbst. Wir wollen einfach eine möglichst perfekte und mitreißende Show abliefern und mit den Leuten feiern. Und wir wollen beweisen, dass progressive Musik auch ohne Probleme die Menschen mitreißen kann.
Alex Kipke: Markus Berger war einer der Hauptsongwriter der Band. Welche Auswirkungen wird sein Tod auf neue Kompositionen haben? Wird es überhaupt weitere Alben geben?
Alex Göhs: Die letzte Frage kann ich schon mal mit einem definitiven Ja beantworten. Dante wird es auch in Zukunft geben und es wird auch ein neues Album erscheinen. Es entsteht bereits. Natürlich hatten wir uns auch die Frage gestellt, inwieweit Markus Tod uns vielleicht soweit musikalisch verändern wird, dass wir unseren eigenen Stil verlieren. Inzwischen ist uns klar geworden: Wir alle wissen immer noch sehr genau, wie Musik klingen muss, die auch erkennbar von Dante stammt. Sicher – das nächste Album könnte in irgendeiner Form auch eine musikalische Zäsur werden. Aber von dem ausgehend, was wir bisher komponiert haben, kann ich schon sicher sagen: Es wird ein Dante Album werden. Einen massiven stilistischen Bruch wird es nicht geben. Mit Markus Maichel ist der zweite wichtige kompositorische Kopf der Band ja noch an Bord und alle anderen Bandmitglieder hatten schon immer einen indirekten, aber gar nicht so kleinen Einfluss darauf, was Dante ausmacht. Dadurch können wir die kompositorische Kontinuität erhalten. Und wir Zurückgebliebenen füllen nun die Lücke, die Markus hinterlassen hat auf unsere Weise - aber in seinem Sinne.
Alex Kipke: Wie geht ihr im Allgemeinen beim Songwriting vor? Ist es eher ein strukturierter Prozess, oder jammed ihr herum, bis etwas Brauchbares dabei herauskommt?
Alex Göhs: In unserem Fall ist das ein sehr strukturierter Prozess, der seit dem Debüt unverändert geblieben ist. Früher hatten sich Markus Berger und Markus Maichel im Studio eingeschlossen, kamen dann mit bereits klar strukturierten und fertigen Entwürfen an und dann begann der Einfluss der restlichen Musiker auf den Song. Heute ist das ganz ähnlich, mit dem Unterschied, dass nun Markus Maichel alleine im Studio brütet und die verbliebenen Mitglieder früher ihre Ideen einbringen – da hat sich also etwas verändert. Aber eher im Detail. Die Struktur ist dieselbe geblieben. Anders könnten wir es auch gar nicht machen. Jammen ist eine wunderbare Sache – aber die wenige Zeit, die wir im Endeffekt zum Proben haben, brauchen wir, um unsere technisch nicht ganz so leichte Musik auch sauber auf die Bühne zu bringen. Immerhin müssen wir unser musikalisches und unser berufliches Leben irgendwie unter einen Hut bringen. Ohne eine effiziente Struktur im kreativen Prozess bräuchten wir viel zu lange um ein Album zu machen.
Alex Kipke: Lasst ihr euch eher von anderen Bands, oder von eurem persönlichen Umfeld beim Songwriting beeinflussen?
Alex Göhs: Sicher spielt beides eine Rolle, aber mit welcher Gewichtung wissen wir nicht. Denn wenn wir uns beeinflussen lassen, ist dies ein unbewusster Prozess. Wir machen einfach die Musik, die wir gerade machen wollen. Wir sind zufrieden mit einem Song oder nicht. Warum Dante etwa über die letzten drei Alben immer etwas härter geworden sind, könnten wir nicht beantworten. Es hat sich einfach so entwickelt. Wir gehen dahin, wohin uns Dante führt. Und sind da manchmal selbst überrascht vom Ergebnis.
Alex Kipke: Gibt es einen stilistischen roten Faden, der sich seit dem Debüt „The Inner Circle“ im Sound der Band erhalten hat?
Alex Göhs: Ich glaube schon. Auf allen drei Alben verarbeiten wir Einflüsse aus dem Progressive Rock und dem Progressive Metal. Wir haben uns nie besonders darum gekümmert, ob ein Keyboardsound nun auch aus den Siebzigern stammen könnte oder nicht. Oder ob ein Riff nun zu hart sein könnte für einen Fan des Progressive Rocks der Siebziger. Wir haben da, wie ich finde, eine ziemlich organische Mischung die sich auf allen Alben findet. „November Red“ ist nun das metallastigste Album geworden. Aber ein lupenreines, typisches Progressive Metal Album ist es meiner Meinung nach nicht. Jüngere Fans kommen zu mir und sagen: "Cool, das ist die Dream Theater / Threshold Ecke." Ältere Fans hingegen hören z.B. eher Uriah Heep Einflüsse aus dem Album heraus. Beide stehen zusammen nebeneinander auf unseren Konzerten. Vielleicht bauen wir ein wenig Brücken zwischen den verschiedenen musikalischen Zeiten. Vielleicht ist es das, was allen drei Alben gemeinsam ist.
Alex Kipke: Wie wichtig ist es für eine Band sich von Album zu Album konsequent weiter zu entwickeln?
Alex Göhs: Naja, das kommt auf die Band und die Musik an. Für eine Band wie AC/DC wäre eine konsequente Weiterentwicklung ihres Stils eher fatal. Für Künstler wie es etwa Paradise Lost scheint dies hingegen schon immer existentiell gewesen zu sein. Damit haben sie sich bekanntlich nicht nur Freunde gemacht. Aber ich glaube auch nicht, dass wir die Band noch kennen würden, wenn sie sich nach dem „Gothic“ Album nicht konsequent vom Doom Death Metal verabschiedet hätten. Eine Band, die mir spontan als Beispiel für eine ganz konsequente Weiterentwicklung aber ohne solch massive musikalische Brüche einfällt, ist Blind Guardian. Die Jungs haben niemals dieselbe Platte zweimal aufgenommen, und sind dennoch auf jedem Album unverkennbar sie selbst geblieben.
Ich persönlich finde das sehr wichtig für einen Künstler. Sich immer zu wiederholen, sei es weil das Publikum das fordert oder sei es weil einem schlicht nichts anderes einfällt – das stelle ich mir wenig befriedigend vor. Je mehr ich darüber nachdenke...doch, Blind Guardian haben das richtig gemacht, so würde ich das auch gerne haben.
Alex Kipke: Erreicht man irgendwann einen Punkt, wo man sich auch beim besten Willen auf einem bestimmten Sound festfährt? Sei es aus Gemütlichkeit, Kommerz oder weil man die Fans mit etwas Neuem nicht verprellen will …
Alex Göhs: Ja, diese Gefahr besteht. Man muss versuchen sich und seinen Stil immer wieder neu zu erfinden. Gelingt das nicht – geht das kreative Feuer irgendwann aus. Dann macht sich das Gefühl breit, das schon viele Bands und Musiker erlebt haben. Das Gefühl, mit einer bestimmten Band einfach alles gesagt zu haben, was es zu sagen gab.
Alex Kipke: Welche Rolle spielt Musik in unserer heutigen Gesellschaft? Soll sie bloß den Status Quo zeigen, oder Veränderungen bewirken?
Alex Göhs: Momentan ist es sicher nicht so, dass Musik eine gesellschaftliche Rolle spielt in dem Sinne, dass sie die Stimme einer Generation wäre, in einem fast schon politischen Sinne. Wir erleben auch gerade keine Zeit der großen Innovationen. Aber alle Genres entwickeln und perfektionieren sich. Eigentlich ganz ähnlich, wie es zu Beginn der 90iger Jahre war. Und dann kam ein Erdbeben wie Nirvana – eine Band die niemand auf dem Schirm hatte und wirklich etwas verändert hat. Vielleicht steht uns so etwas auch bald wieder bevor. Ob Musik Veränderungen bewirken oder den Status Quo aufzeigen soll - ich weiß nicht. Vielleicht ist dieser Anspruch einfach zu groß. Vielleicht „soll“ sie besser gar nichts - außer einfach zu sein und etwas zu sagen zu haben.
Alex Kipke: Große Künstler, wie Francis Rossi von Status Quo, oder Stu Cook von Creedence, die sagen, dass die Musik für unsere heutige Gesellschaft einen geringeren Stellenwert hat, als es z.B. in den Siebzigern der Fall war. Würdest du dem zustimmen?
Alex Göhs: Da wäre ich ganz vorsichtig. Der Stellenwert ist sicher ein anderer. Aber nicht zwingend ein „höherer“ oder ein „niedrigerer“. Besagte Künstler wurden in einer anderen Zeit geprägt und neigen dazu, diese zu glorifizieren, wenn sie zu Ende gegangen ist. Das ist menschlich und geht mir nicht anders. Instinktiv sage ich auch: Mensch, was waren das doch für tolle Zeiten in Neunzigern, als man noch auf ein Album regelrecht hingefiebert und sich dann mit der Musik wirklich auseinandergesetzt hat, weil sie noch einen echten Wert hatte und nicht zusammen mit 80 anderen Alben mal kurz von einer Festplatte zufällig auf meine kopiert worden ist. Aber ist der Stellenwert der Musik heute deswegen zwingend niedriger? War früher wirklich alles besser? Ich bin da vorsichtig. Ich glaube, da machen wir es uns zu einfach.
Alex Kipke: Was steht sonst noch für die Zukunft von Dante an?
Alex Göhs: Das Jahr wird noch einige Konzerte von uns sehen und wir freuen uns schon auf jedes Einzelne davon. Ich schätze, im Verlauf des Jahres werden wir auch wieder einen Bassisten haben und das nächste Album wird komponiert. Eine Menge Arbeit. Und wir freuen uns darauf. Wir hatten jetzt genug Rückschläge und Tragödien in den letzten 1 ½ Jahren – jetzt schauen wir erstmal nach vorne. Und mit unserem Album „November Red“ im Rücken fühlt sich das verdammt gut an!
Alex Kipke: Vielen Dank für deine Zeit! Jetzt gehört dir das heißgeliebte Schlusswort an die Fans!
Alex Göhs: Ich habe zu danken! Und natürlich all unseren Fans da draußen und alle jenen die noch nicht wissen, dass sie welche sind. Musiker, Bands und die Musikindustrie jammern ja gerne über die Entwicklungen am Markt – und ja: sie haben Recht. Die Umsatzeinbußen sind eklatant. Sie machen gerade Bands wie uns das Leben verdammt schwer. Aber gerade mit „November Red“ machen wir gerade die Erfahrung, dass die Basis, die Musikfans und Musikliebhaber, noch immer eine Konstante sind. Diese Leute sind es, die dafür sorgen, dass es Bands wie uns überhaupt geben kann. Es gibt so viele Menschen da draußen, die voller Begeisterung neue Bands entdecken. Das ist toll! Und es gibt auch so viele Bands, die es wert sind, entdeckt zu werden, und ich glaube, auch Dante ist eine solche Band. Leute, unsere alten Helden gehen irgendwann auch in Rente. Ohne eure Unterstützung wird auf Dauer niemand deren Platz einnehmen können.
Schaut doch einmal vorbei bei uns. Wir sind auf Facebook, wir haben einen eigenen Blog und einen eigenen Shop. Vielleicht gefällt euch ja unsere Musik. Unsere Alben verkaufen wir in unserem Shop übrigens ausschließlich handsigniert. Das gibt es so in keinem anderen Laden.
http://blog.danteband.de (Blog)
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http://www.danteband.de (offizielle Homepage)
http://www.facebook.com/danteprog (Dante auf Facebook)
Moderation: Alexander Kipke

Kommentare von Besuchern

22. Juli 2014, 1:47
Beate sagt:
DANTE - schlicht eine der besten Acts in dem Genre in Deutschland. Hätten viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Check nich, warum sie nicht auf Wacken oder Night of the prog in der Loreley spielen. Da gehören die hin. Extrem sympathisch und auf dem Boden sind die auch noch. Hab sie kennen lernen dürfen. 50 leute waren damals auf dem konzert. Inmitten vom Schrott irgendwelcher lokalen bands legte da plötzlich eine Band los, als hätten Dream Theater sich neu erfunden. Beschämend für Fans, Musikindustrie und Medien. Die gehören auf ganz andere bühnen, meine Meinung...
4. Juli 2013, 1:27
Roman sagt:
Na sowas - eine Band die auch mal was intelligentes zu sagen hat. Und die Musik sich auch als ziemlich intelligent entpuppt - nix für ungut, aber ich hab schon viele Musiker schlaue Dinge sagen hören und die Musik war dann banaler Quatsch oder handwerklich klasse aber belangloses Gefrickel. Hier liegt die Sache mal anders. Schöne Überraschung. Inzwischen habe ich alle drei Alben der Band. Die Steigerung die ich da höre -wow. Ich glaube die Band kommt noch mit einem Meisterwerk um die Ecke, das ein Donnerschlag wird. Wenn nich : saturnine und november red werde ich in Ehren halten. Große Alben. Beide auf ihre Weise. Und nebenbei: Bin auch erst aus Zufall über euer Interview auf die Band gestoßen. Danke dafür. Ihr macht einen guten Job!
15. Mai 2013, 23:44
Rudi sagt:
Wow - die Band hatte ich noch gar nicht richtig auf dem Schirm. Hab nach dem Lesen vom Interview auf youtube mal reingehört, november red gekauft und bin ernsthaft ziemlich begeistert. Dante sind irgendwie - anders. Ohne dieses tolle Interview wäre ich gar nicht draufgekommen. Danke, tolle Sache!

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