Metal Trails Music Magazine | Metal Rock Punk Folk Pop and Alternative Music
Besuche uns auf Facebook! Besuche uns auf YouTube!

Interview: Excuse Me Moses

vom 18. Mai 2013 im Kulturverein Röda, Steyr
Wie überall, ist es auch in der Musik so, dass mittlerweile jeder für sich entscheiden kann, was er gerne hören möchte. Vor allem in der heutigen Zeit, in der beinahe überall uneingeschränkt auf Musik zugegriffen werden kann. Umso mehr verwundert es, dass Radiosender noch immer eine so große Macht besitzen, die eigentlich dankbar sein sollten, dass sie überhaupt gehört werden.
Aber es ist vermutlich der Faulheit der Hörerschaft zuzuschreiben, Musik bewusst zu wählen, anstatt sich einfach nur berieseln zu lassen. In diesem Fall wäre es von Vorteil, auch mal ein wenig außerhalb der Box zu denken und zu wachsen. Schön, dass es noch Bands gibt, die sich einen Scheiß um Trends scheren - wie die Wiener Alternative-Rocker Excuse Me Moses - und das machen, was ihnen Spass macht: Rocken ... til the End.
Die Gitarren bis zum Anschlag aufgedreht, den Bass in der Magengrube spürbar, donnernde Drums und einen charismatischen Frontmann: Mehr braucht es nicht, um der Euphorie freien Lauf zu lassen; egal ob sie vom Format-Radio gespielt werden oder nicht. Mit ihrer mittlerweile dritten Veröffentlichung - bezeichnend mit III betitelt - hat die Wiener Kombo ihr Meisterstück abgeliefert, das kaum Schwächen aufweist und auch in der Langzeitnote gut wegkommt. Bei ihrem Konzert im "Kulturverein RÖDA" in Steyr, standen sie uns daher Rede und Antwort, und verwandelten in ihrer sympathischen Art, ein gewöhnliches Interview, zu einer Dreiviertelstunde reinstem Entertainment.
Mit amüsanten Anekdoten versehen, erzählen sie von ihren Anfängen, dem illegalen Promo-Gig auf einem LKW in der Wiener Innenstadt, ihre Sorgen mit den österreichischen Medien oder der Vorausscheidung zum Eurovisions-Song-Contest 2011, bei dem sie in der Vorrunde den zehnten Platz belegten. Natürlich wird auch das aktuelle Album auseinandergenommen und einigen Songs auf den Grund gegangen.
Viel Spaß beim Lesen!

Übersicht:

Die Anfänge
Das neue Album III
Rund um die Band
Das Problem mit den Medien
Auf der Bühne
Rund um die Musik

Das Interview:

Michael Voit: Hallo zusammen, vielen Dank erst mal dass ihr Euch Zeit nehmt für unser Interview! Stellt ihr Euch bitte kurz unseren Lesern vor?
Martin Scheer: Ich bin der Martin ...
Gerald Weichselbaum: Ich bin der Gerald ...
Michael Paukner: Paukee.
Dietmar Schrödl: Und ich bin der Diz von Excuse Me Moses.

Die Anfänge

Michael Voit: Ihr habt ja nicht immer Excuse Me Moses geheißen und 2005 nicht nur einen Namenswechsel vollzogen, sondern gleich auch noch einen gröberen Stilwechsel. Warum musste das sein?
Gerald Weichselbaum: Wir haben als Funk-Band angefangen und sind dann immer mehr in den Rock-Bereich abgeglitten. Und irgendwann haben wir dann gesagt, Funkalicious passt einfach nicht mehr. Die Leuten haben sich James Brown-Musik erwartet und wir haben aber harten Rock gespielt.
Diz Schrödl: Und ein Grund war auch, dass niemand Funkalicious richtig aussprechen konnte, geschweige denn richtig schreiben. (lacht)
Michael Voit: Könnt ihr Euch noch an Eure ersten Bands erinnern und wisst vielleicht sogar noch die Namen?
Paukee: Wir haben alle vorher schon Bands gehabt ...
Diz Schrödl: Meine erste Band war Shaken Not Stirred, eine Wiener Underground-Band, das war eigentlich meine erste Band. Und wir haben damals sogar in Russland gespielt.
Gerald Weichselbaum: Der Martin hat schon in bekannten Bands gespielt, er ist eigentlich der Berühmtere von uns allen.
Martin Scheer: Ich habe bei Ronnie Urini, Unique II und noch bei vielen anderen gespielt, bevor ich zu Excuse Me Moses kam.
Michael Voit: An Unique II kann ich mich erinnern, die waren ja sogar mal für kurze Zeit richtig berühmt.
Martin Scheer: Das war ein ziemlich schlimmes Dancefloor-Projekt, und die wollten einmal richtig live spielen. Da bin ich zum Handkuss gekommen. Es waren sogar mehrere Konzerte, das müsste so um 1991 oder 1992 gewesen sein.
Gerald Weichselbaum: Ich habe bei Sudden Feeling gespielt, das war eine Band mit Bläsern. Der Paukee und ich kommen ja eigentlich aus dem Funk-Bereich.
Michael Voit: Was wären dann Eure persönlichen Einflüsse, wenn ihr aus dem Funk-Bereich gekommen seid?
Diz Schrödl: Die Suicidal Tendencies waren schon so ein Einfluss.
Paukee: Eher Funk-Rock-mäßig....
Gerald Weichselbaum: … genau, kein echter Funk wie der James Brown.
Paukee: Red Hot Chili Peppers oder Incubus in den ersten Jahren.
Diz Schrödl: Screaming Headless Torsos war auch so eine Band, die uns allen gefallen hat.
Paukee: Musiker-Musik eben.

Das neue Album "III"

Michael Voit: Seit kurzem ist eurer Album mit dem Titel "III" draußen. Was gibt's zum Album zu erzählen?
Paukee: Es war das erste Album....
Diz Schrödl: … das Gold erreicht hat?
Paukee: Nein, es war das erste Album, dass wir quasi im Alleingang gemacht haben. Fast.
Martin Scheer: Naja, der Pinelli (Oliver Pinelli, Produzent von "III", Anm. d. R.) war schon dabei, darfst du nicht vergessen.
Paukee: Aber wir haben das alles selber beim Martin im Studio recorded und eigentlich auch selber die Hand drüber gehabt. Deshalb haben wir uns auch Zeit gelassen: es hat fast drei Jahre gedauert, bis wir es mastern konnten.
Gerald Weichselbaum: Es sind drei Jahre vergangen, wir haben drei Kinder bekommen und das dritte Album ist es auch, also haben wir gesagt: "Nennen wir es III!"
Michael Voit: Ihr habt das Album beim Martin im Studio aufgenommen: Wie darf man sich einen Tag im Studio mit Excuse Me Moses vorstellen? Ich frage deshalb, weil ich so eine Art Studio-Tagebuch von Euch gesehen habe und da ist hauptsächlich der Martin beim Essen zu sehen.
Diz Schrödl: Es fängt eigentlich immer so an, dass uns der Gerald - unser Chauffeur - von Wien abholt, wir Drei sind ja alle aus Wien - und dann fahren wir Richtung St. Pölten zum Martin ins Studio. Unterwegs catern wir noch ordentlich und dann geht's ab ins Studio. Dort ist das Erste, das eingeschaltet wird, die Kaffeemaschine. Gefolgt vom Martins obligatorischen Frage nach der Milch ... wobei, eigentlich ruft er ja unterwegs auch schon deswegen an. Das ist immer ein ziemliches Theater.
Michael Voit: Und wann spielt ihr dann mal?
Gerald Weichselbaum: Das macht mich ja so wahnsinnig: Ich stehe gerne in der Frühe auf und arbeite da gleich, aber das ist da unmöglich. Ab Ein oder Zwei Uhr am Nachmittag wird mal der erste Strich gemacht.
Paukee: Und wenn wir recorden wollen, dann dauert's mal ein oder zwei Stunden, bis alles läuft. (lacht)
Und dann werden die Bass und Schlagzeug-Parts aufgenommen. Nach 16 Takes kann man dann sagen, dass überall ein Fill dabei ist und man das dann Zusammenschneiden kann. (lacht)
Dann muss der Gerald wochenlang Termine mit dem Gitarristen ausmachen, bis mal die Gitarren recorded werden können....
Martin Scheer: Das nächste Album machen wir anders ... Wir werden irgendwo hinfahren und sagen "He pass' auf, nimm uns auf, wir spielen jetzt!" (Gelächter)
Diz Schrödl: Mit den Gitarren schaffen wir pro Tag in etwas 1,5 Nummern, das ist ein Richtwert, der sich bewährt hat. Und wenn das Playback dann mal soweit steht, dann fängt der Paukee zum Einsingen an. Das wurde aber bei unserem Produzenten, dem Oliver Pinelli, in Bad Ischl recorded.
Michael Voit: Der Oliver Pinelli, ist ja jetzt nicht gerade ein Unbekannter....
Martin Scheer: Naja, glaubt er zumindest. Drum hat er nach seinen Mails auch immer endlose Credits von der ganzen Welt stehen. Gut, anderes Thema! (lacht)
Gerald Weichselbaum: Wir sind die Produzenten fressende Band. (lacht)
Martin Scheer: Nein, Spaß beiseite, der Oliver ist schon okay.
Diz Schrödl: Vor allem dieser Berliner Schmäh.
Michael Voit: An wen richtet sich "Your Time Is Over", oder ist das ein autobiografischer Text?
Gerald Weichselbaum: An uns selber ...
Paukee: Nein, der richtet sich an die neue Saufgeneration.
Diz Schrödl: Aha, das hast Du aber nicht gesagt. (lacht)
Martin Scheer: Dann hätte ich es ja ganz anders gespielt. (lacht)
Paukee: Lies Dir halt mal den Text durch. Es ist eigentlich recht untypisch für den Rock 'n' Roll: "Sauf nicht so viel und reiss' Dich zusammen! Es gibt wichtigere Dinge." Das war mir ein Anliegen nach diesem ganzen "Saturday Night Fever"-Wahnsinn im Fernsehen, dass ich mir gedacht habe, da kommt nichts mehr nach.
Martin Scheer: Das ist dieser Generationswechsel, die haben andere Ideale.
Paukee: Ein Diss an die neue Generation. Warum eigentlich gerade dieses Lied?
Michael Voit: Die Nummer ist mir ganz besonders aufgefallen, weil es meiner Meinung nach den markantesten, wie auch prägnantesten Text hat.
Paukee: Schaut's, das wisst ihr nicht.
Michael Voit: Ich hab eh noch eine Text-Frage: In "Like Home" heisst "Baby we won the lottery, so maybe this is our sign to leave...."
Was würdet ihr machen, wenn ihr tatsächlich in der Lotterie gewinnen würdet.
Diz Schrödl: Das ist ja genau das, dass man dann vor einem Problem steht, wenn man in der Lotterie gewinnt.
Martin Scheer: Ich würde einen Dauerauftrag an meine Familie einrichten und mich irgendwohin absetzen.
Gerald Weichselbaum: Ich würde mir den größten Mähdrescher kaufen den es gibt und ein Landhof-Unternehmen gründen.
Martin Scheer: Das ist aber eigentlich ziemlich abartig. (lacht)
Paukee: Ich würde mir jetzt keine Yacht kaufen und nach Monaco ziehen, sondern würde mir einen schönen Hof kaufen und dort mit meiner Familien den Alltag durchleben. Und ab und zu etwas arbeiten. Auf jeden Fall das kreative Leben beibehalten und mich nicht auf die faule Haut legen.
Diz Schrödl: Schwer zu sagen. Ich würde mich sozial engagieren.
Martin Scheer: Du würdest irgendeinen Splatter-Film finanzieren. (lacht)
Michael Voit: "Til The End" ist ja meiner Meinung nach der Höhepunkt des Albums. Warum was es nötig, diesen Radio-Edit zu machen, der dem Original ein wenig an Kraft nimmt?
Diz Schrödl: Die Nummer ist von mir!
Paukee: Wie der Name schon sagt: Radio-Edit.
Gerald Weichselbaum: "Radio" heißt kastrieren.
Martin Scheer: Das ist halt schwierig, wenn man kein Airplay hat und auch vom Format-Radio keine Unterstützung bekommt, in welcher Form auch immer. FM4 ist sowieso kein Thema, aber Ö3 wäre schon angedacht gewesen. Und nachdem sie schon bei "My Friend" gesagt haben, dass das gar nicht geht, haben wir quasi eine Sicherheits-Version gemacht, um formatkompatibel zu sein.
Diz Schrödl: Also ich finde den Radio-Edit wirklich gut.
Martin Scheer: Er ist halt anders. Aber im Endeffekt wollen sie nicht, und das ist damit klar. Weil wir in Österreich ein bisschen das Problem haben, dass es für unseren Stil ganz wenig Plattformen gibt. Und da ist man halt ein bisschen machtlos.
Diz Schrödl: Seit es uns gibt, hatten wir schon immer das Problem, dass wir ein wenig zwischen den Stühlen stehen: Für FM4 sind wir zu Mainstream, für Ö3 zu alternative. Das ist unser Stil und so sind wir einfach.
Martin Scheer: Das Packerl schleppen wir von Anfang an mit. Da gab es kurz ein Zeitfenster, wo sie sich ein bisschen was getraut haben und "Die neuen Österreicher" in Form von Testimonials vorgestellt haben, das aber in letzter Konsequenz ja eine Werbung für den Ö3 war, das darf man auch nicht vergessen. Egal ... Fakt ist, für uns gibt es definitiv kaum Plattformen. GOTV ist leider auch eine Randerscheinung, somit ist es schwierig.
Diz Schrödl: Die wissen ja nicht mal, ob sie in 6-7 Wochen überhaupt noch senden.
Martin Scheer: Ganz ehrlich, ich seh' die Nummer jetzt nicht so als Anbiederung, die wäre schon so auch okay gewesen. "Til The End" so wie es jetzt auf dem Album drauf ist, ist uns eigentlich ein bisschen passiert. Das war so nicht geplant. Das ist mit dem Pinelli zusammen entstanden, und wir haben's dann, ohne sein Zutun einmal komplett verändert. Ich war am Anfang eigentlich gar nicht happy damit und beim Mischen war es auch ein Wahnsinn. Aber in letzter Konsequenz habe ich es mir dann nochmal mit Abstand angehört, und plötzlich hat's mir gefallen. Das ist lustigerweise genau das, was man sich denkt, und was die Leute davon halten, das stimmt nicht immer überein. Gewisse Dinge kann man planen und andere passieren einfach.

Rund um die Band

Michael Voit: Ihr spielt ja in euren Musik-Videos auch immer selber mit: Wie viel Schauspieler muss man sein, um in Musikvideos zu spielen?
Paukee: Wir sind leider schlechte Schauspieler.
Gerald Weichselbaum: Eigentlich spielen wir uns ja immer selber, das geht gerade noch.
Diz Schrödl: Wir haben im Falco-Film die Drahdiwaberl gespielt, das war unser Highlight.
Martin Scheer: Das war lustig, vor allem wenn einer wie ich, einen Heroinkranken spielen soll. (lacht)
Paukee: Wir hatten allerdings keine Sprechrolle, sondern waren eher Statisten.
Diz Schrödl: Das eigentliche Highlight war, dass wir in ungewaschenen Originalkostümen spielen durften.
Michael Voit: Und wie seid ihr zu der Ehre gekommen, dass ihr die Drahdiwaberl spielen dürft?
Diz Schrödl: Das ist damals über unsere Plattenfirma "Universal" gelaufen.
Martin Scheer: Was allerdings zur Folge hatte, dass ich mich mit dem Manuell (Rubey, Hauptdarsteller im Falco-Film, Anm. d. R.) angefreundet habe.
Michael Voit: Habt ihr die Drahdiwaberl jemals live gesehen?
Diz Schrödl: Ich hab sie damals in Wien im Bank Austria Zelt gesehen, und sogar einen Spritzer abbekommen.
Paukee: Ich habe sie mal am Donauinselfest gesehen, das war ziemlich schräg. Die ganze Stage-Crew von denen sind ja sehr engagiert, zum Beispiel mit "Mulatschag TV" und die kennen wir alle ganz gut und wir haben auch immer eine gute Zeit mit ihnen.
Michael Voit: Ihr ward ja auch mal zu Gast bei "Mulatschag TV", ist das wirklich so schräg?
Alle: Ja!
Diz Schrödl: Da ist immer einer dabei, der hat eine Riesenschlange umgehängt.
Paukee: Oder wenn das Set aufgebaut wird, dann ist das enorm wichtig, dass das Mikrokabel beim Totenkopf durch die Zähne durch geht, alles andere ist egal. (lacht)
Und das Gute ist, so wie es ist, so ist es.
Diz Schrödl: Sehr authentisch, ja.
Michael Voit: Wenn man Musik macht, spielt man Sachen die man selber hört, oder versucht man musikalisch einen Gegenpol anzusteuern?
Martin Scheer: Ich will's mal so sagen: Der Gerald hat mal zu mir gesagt: "Was, Du hörst gar keinen Rock?" Das ist bei mir so, ich weiß aber nicht ob das überall gilt. Das ist bei jedem sehr individuell: Der Gerald zum Beispiel ist ein Rock 'n' Roller durch und durch. Der Paukee und ich sind ein wenig breiter gefächert und der Diz kommt schon aus der Alternative-Ecke. Wobei, wenn ich mir das so anhöre, dir gefällt ja auch der Alice Cooper.
Diz Schrödl: Dillinger Escape Plan finde ich auch ziemlich gut. Oder die Whitesnake-Reunion mit Steve Vai ... das ist einfach nur lustig. Die Hair Metal-Zeit war schon cool.
Martin Scheer: Ich komm ja von der Musik, und ich war dann oft erstaunt, wenn mir was gut gefallen hat. Wie ich "Jump" von Van Halen das erste Mal im Radio gehört habe, war ich wie paralysiert. Ich weiß noch, wie wenn es gestern gewesen wäre, ich bin vorm Radio wie versteinert stehen geblieben und habe mich nicht bewegt, bis das vorbei war. Das hat mir so gut gefallen. Und später habe ich diese Typen mal gesehen, mit den Spannleintüchern im Schritt, ihren Tixo-Bändern auf den Gitarren und die auftupierten Haare und hab mir gedacht: "Das geht ja gar nicht!" Das hat mir nie gefallen.
Paukee: Aber die Message hast du auch nicht verstanden, wenn sie "Jump" singen und du bewegst dich nicht. Themenverfehlung.
Martin Scheer: Ja eh, total richtig, stimmt. (lacht)
Gut, ich habe aber auch "Codo" von DÖF super gefunden.
Michael Voit: Gibt's einen Excuse Me Moses-Titel, der jetzt aktueller ist, als in der Zeit in der ihr in geschrieben habt?
Gerald Weichselbaum: Das ist eine schwere Frage, mit sowas haben wir nicht gerechnet. Normal werden wir immer gefragt: "Wieso heißt ihr Excuse Me Moses und wie seid ihr da drauf gekommen?"
Martin Scheer: Auch sehr lustig: "Grüß Euch, ihr seid die Petsch Moser?"
Paukee: Das kann ich Dir auf die Schnelle jetzt gar nicht beantworten.
Michael Voit: Ihr habt euer erstes Album "1st Last Will" illegal auf einem LKW in der Wiener Innenstadt aufgeführt; wie war das bzw. was gab's für Probleme?
Paukee: Das war eine reine Promo-Aktion unter dem Motto: "Seid eine Rock-Band und scheißt's Euch nichts!". Und da sind wir auf die Idee gekommen, in die Fußgängerzone am Stephansplatz zu fahren und dort zu spielen. Und damals war diese Diskussion mit der Frau Stenzel, also es war zeitgemäß, und ....
Diz Schrödl: … wir waren neugierig, ob das überhaupt funktioniert. Das war dann schon lustig, das hat in der Planungsphase so eine Eigendynamik entwickelt. Und wir hatten ja super Mitstreiter, wie den LKW-Fahrer.
Martin Scheer: Das war der coolste Typ überhaupt...
Diz Schrödl: … und der hat sich gefreut wie ein Schneekönig, dass er da mitmachen darf. Das war für den das Schönste seit langem. Der hat dann auch mit den Polizisten diskutiert, dass er nicht weiß wo man uns abstellt.
Martin Scheer: Der Gerald und ich sind ja die Angsthasen in der Band, aber dann das Spielen und dieser Kick war schon witzig. Es war echt ein lustiges Erlebnis, und auch die Leute die spontan stehen geblieben sind und mit den Handys fotografiert und gefilmt haben.
Michael Voit: Wie lange habt ihr gespielt?
Martin Scheer: Zweieinhalb Nummern, dann haben sie uns abgedreht. Die waren ja sofort da.
Paukee: Da sind uns dann auch einige Strafzettel ins Haus geflattert.
Gerald Weichselbaum: Die lustigste Anklage war: "Wegen akustischer Luftverschmutzung!"
Diz Schrödl: Aber es war die billigste Promo-Aktion.
Gerald Weichselbaum: Und am nächsten Tag haben alle Händler CD's bestellt.
Martin Scheer: Man muss es leider so machen.
Gerald Weichselbaum: Ohne Skandal kommst du nicht in die Medien.

Das Problem mit den Medien

Michael Voit: Was ich auch spannend, 2011 ward ihr für den "Eurovisions Song Contest" nominiert ....
Paukee: Nein Nein, waren wir nicht. Das war wieder so eine Aktion vom geliebten Hitradio Ö3, das bei allen heimischen Bands angerufen hat und gefragt hat, ob sie nicht mitmachen wollen. Und jede Band, die den Fuß ein wenig bei Ö3 drinnen hat, wird wohl kaum "Nein" sagen und riskieren, dass ihre Sachen nicht mehr gespielt werden. Und deswegen haben wir da mit gemacht.
Martin Scheer: Überlegt haben wir aber schon, ob wir einfach nicht mitmachen.
Paukee: Wie heißt das Sprichwort? "Man beißt nicht die Hand, die einen füttert!"
Martin Scheer: Das heißt wir waren eigentlich nur bei der Vorausscheidung, und sind - ex aequo mit Luttenberger/Klug - Zehnter geworden.
Paukee: Wir haben dabei wochenlang unsere Freunde und Verwandten genervt, dass sie ihr SMS-Geld in den ORF stecken.
Martin Scheer: Naja, so schlimm war es nicht.
Paukee: Oh doch, im Nachhinein regt mich das immer noch auf. Ich schick nie wieder irgendwo eine kostenpflichtige SMS hin.
Gerald Weichselbaum: Wir bereuen es also quasi.
Michael Voit: Ich wollte gerade noch fragen, was ihr von dieser Veranstaltung haltet, aber das hat sich somit eh erübrigt. Nächste Frage: Ihr habt 2008 Euer erstes Album "1st Last Will" in Skandinavien promotet, wie war's im Norden?
Diz Schrödl: Das war eigentlich das Beste.
Martin Scheer: Interessant war, das wir die einzigen auf diesem 3-tägigen Festival waren, die keinen Keyboarder hatten. Das zeigt, dass es eine nordische Rockmusik gibt und den Rest der Welt. Die haben alle lange ausfrisierte Haare und greifen ein "G". (lacht)
Nein, Spaß beiseite, aber wir haben dort schon auch anders geklungen.
Diz Schrödl: Dort sieht man, wie eine gesunde Musikszene funktioniert. Uns wurde erzählt, dass es alleine in Finnland 500 Festivals im Jahr gibt. Und da spielen 50 Prozent heimische Bands. Da gibts so eine junge Band - zwischen 16 und 20 Jahren - die waren dort einer der Headliner, die haben Rock mit Doubleguitar-Leads gemacht und die werden dort sogar im Radio gespielt. Und das ist Hard-Rock!
Martin Scheer: Das Radio dort ist viel rocklastiger.
Paukee: Dort rockt das, was bei uns der Schlager ist. Dort gehst Du auf die Bühne, und die Leute schauen sofort zur Bühne und bringen dir positive Energie entgegen. In Österreich ist es so, dass jeder bei einer unbekannten Band skeptisch ist, und noch schlimmer, wenn eine österreichische Band spielt, müssen sie es eh dreimal hören. Das war schon ein super Erlebnis.
Michael Voit: Weil wir gerade von Konzerten sprechen: Ihr habt auch schon auf dem Nova-Rock gespielt. Stehen für heuer irgendwelche Festivals an?
Diz Schrödl: Wir spielen am 6. Juli in der Nähe von Melk auf dem "Under The Bridge"-Festival und am 1. August in Vorarlberg auf dem "Szene Open Air".
Martin Scheer: Das hat ja auch wieder mit dieser Ö3-Geschichte zu tun: Wenn du dich in diese Richtung mal vorgewagt hast, wird's auch schwierig. Wir sind einmal von einer Festival-Liste gestrichen worden, weil wir auf Ö3 stattfinden. Das sagt leider sehr viel über die Leute in den Land aus. Ich weiß gar nicht wo man spielen muss, dass man cool ist. Sie verstehen einfach nicht, dass es keine Breitenwirksamkeit ohne Radio gibt. Wenn Du einmal in der "Kronen Zeitung" stehst, bist du anscheinend auch ein schlechter Mensch.
Michael Voit: Naja, alles was mit Ö3 zu Tun hat, ist immer ein wenig negativ behaftet.
Diz Schrödl: Aber hören tut's komischerweise trotzdem ein jeder.
Martin Scheer: Stimmt, und 88.6 hat leider zu wenig Reichweite.
Michael Voit: Gibt's ein Festival wo ihr gerne auftreten würdet?
Paukee: Auf jedem Rock-Festival.
Gerald Weichselbaum: Naja, schon auf den Großen: Nova Rock und Frequency wären super.
Martin Scheer: Die Österreicher finden in letzter Konsequenz bei diesen Veranstaltungen immer auf irgendwelchen Newcomer-Bühnen statt.
Gerald Weichselbaum: Oder auf dem Brandwagen, denn sie irgendwo in den Schlamm stellen. Aber auf den großen Bühnen spielt keine österreichische Band. Das ist eigentlich ein Drama. Aber man muss schon sagen, nach 13 Jahren in Österreich spielen, ist man einfach nichts wert.
Paukee: Super Gerald, jetzt haben sie eine Headline! (Gelächter)
Michael Voit: Das heißt die heimische Musikszene befindet sich ein wenig in einem resignierten Zustand?
Martin Scheer: Man darf nicht vergessen, es ist das Land halt auch ziemlich klein.
Diz Schrödl: Wir haben schon gewusst, dass es mit dem Album schwierig wird, obwohl wir im Vorfeld lauter gute Reviews hatten.
Martin Scheer: So traurig das ist, aber zur Zeit verkauft sich, außer dem Gabalier, eigentlich gar nichts.
Paukee: Also abschließend kann man sagen, wir machen es, weil es uns Spaß macht und weil wir gute Freunde sind.
Martin Scheer: Naja, wie wir 2008 bei Universal waren, hatten wir schon noch ein traditionelleres Major-System. Das bricht in der heutigen Zeit völlig weg. Im Pop-Sektor passiert gar nichts mehr. Wenn sie es nicht mir einer Show koppeln können, oder wenn so eine makabre Geschichte dabei ist, wie bei Unheilig, wo sie einen Aufhänger haben, ansonsten machen sie nichts mehr. Ich habe Diabetes, aber ich glaube das ist zu wenig. (lacht)

Auf der Bühne

Michael Voit: Gute Überleitung zur nächsten Frage: Was glaubt ihr, wie viel Entertainer muss man heutzutage sein, um nachhaltig aufzufallen.
Paukee: Ich glaube man muss auf der Bühne authentisch sein. Der Gerald hat zum Beispiel die Band gegründet, weil er den Flea von den Red hot Chili Peppers auf einer Live-DVD gesehen hat, wie er die Sau rausgelassen hat und hat gewusst: "Das will ich auch machen!". Und der Gerald ist ja auch ein Showman.
Michael Voit: Inklusive ausziehen und der Socke?
Gerald Weichselbaum: Das geht leider nicht mehr so. (lacht)
Aber was man als Band braucht, ist dieses Alleinstellungsmerkmal. Nämlich das du etwas hast, dass dich von anderen unterscheidet. Entweder eine besondere Show oder dass die Musik irgendwie besonders ist. Es muss halt was sein, wo das Publikum sagt: "Boah, sowas habe ich noch nicht gesehen, das schaue ich mir sicher noch mal an!" Und ohne dem hast du in der heutigen Zeit, in diesem Geschäft, überhaupt keine Chance mehr.
Michael Voit: Gerald, Dein Helm auf der Bühne, ist das ein Versuch in diese Richtung?
Gerald Weichselbaum: Mein Helm ist eigentlich Tradition. Der war auch nicht konstruiert, weil eigentlich kommt das noch aus der Funk-Ecke. Ich hab ihn halt noch immer, weil es lustig ist.

Rund um die Musik

Michael Voit: Wie steht ihr zu dem Thema Internet-Piraterie: Illegaler Download von Musik und Filmen. Kann man dagegen etwas machen, oder sollte man es nützen?
Martin Scheer: Meiner Meinung nach ist eine CD mittlerweile schon etwas wertlos. Das tut schon weh. Aber heutzutage ist eine CD ein Promo-Tool bzw. eine Visitenkarte.
Gerald Weichselbaum: Da leidet halt die Qualität drunter. Ein System, wo jeder etwas beziehen will, ohne dafür Geld zu bezahlen, geht langfristig unter.
Diz Schrödl: Es gibt ja auch die Möglichkeit, sich die CD von den Fans vorzufinanzieren lässt. Aber das bedingt halt auch, dass man eine relativ große Fan-Base hat! Ich kann dem Martin da nur zustimmen, wie er vorher gesagt hat, dass dieses Major-System völlig obsolet ist.
Martin Scheer: Naja, es gibt noch die ganz Großen, wo dieses System noch funktioniert. Und damit halten sie sich über Wasser. Aber wehe wenn so etwas wegbricht. In Deutschland hatten sie ja das Problem mit Juli, dass die überhaupt nichts mehr verkaufen.
Michael Voit: Was haltet ihr eigentlich von Vinyl?
Diz Schrödl: Also ich finde das super. Wir sind halt in dem Alter, wo man mit Vinyl aufgewachsen ist.
Martin Scheer: Es funktioniert halt nicht alles auf Vinyl. Es gibt schon Rock-Stile, die auf Vinyl funktionieren, unser Ding, dass ein wenig Richtung "Hochglanz" geht, braucht nicht wirklich eine Platte.
Paukee: Aber Plattenhören war damals noch ein Erlebnis: Ich weiß das noch, wie ich ein Kind war und mein Papa einen Riesen Hifi-Turm mit Plattenspieler oben drauf hatte: der ist zum Plattenspieler hin, hat die Platte aufgemacht, da waren überall große Bilder dazu, hat die Platte auf den Plattenspieler gelegt und dann ganz vorsichtig die Nadel drauf gegeben. Ah, das war ein Sound. Heute hast du irgendwo deinen Streaming-Player offen, hast den Radio laufen und lässt dich nebenbei von Musik berieseln. Du siehst nicht welche Band das ist, welches Artwork das Album hat. Früher hat man sich etwas ausgesucht und dann angehört. Und mein Vater hat sich mit den Kopfhörern hingesetzt und sich die Platte angehört. Dann hat er sie mir mal aufgesetzt, und ich habe einfach auf alles gehört. Heute ist alles so überschwemmt, dass man es einfach nebenbei konsumiert. Und das ist eigentlich schade, denn heutzutage ist Musikhören kein Erlebnis mehr.
Martin Scheer: Aber ich glaube schon, dass es nach wie vor Musik-Fans gibt. Diese "verrückte Gattung" wird nicht aussterben.
Paukee: Trotzdem war es früher mehr Ritual: Du hast nicht vorscrollen können, du hast die Platte umdrehen müssen, weil sie aus war. Letztens habe ich sogar mal ein Gramophon ausprobiert: Musik, komplett ohne Strom. Das war zwar mehr ein Rauschen als sonst was, aber immerhin.
Martin Scheer: Ja eh, aber die Zeiten werden halt nicht mehr kommen. Vielleicht wenn wir unsere Sachen ein wenig runder anlegen würden, könnte eine Platte durchaus Sinn machen.
Michael Voit: Ich habe vor ein paar Monaten mir Dennis Ward von Pink Cream 69 bezüglich Vinyl gesprochen und er hat gemeint, dass das durchaus Sinn macht, es gehört nur analog aufgenommen.
Martin Scheer: Oh, na der muss es ja wissen. Im Normalfall ist es so, wenn die Musiker eine Platte schneiden lassen, ist es ja so, dass das Grundmaterial in 99.9 % der Fälle digital recorded wurde. Und beim Umschnitt, sprich beim Mastern, spielt man es einfach leiser aus. Damit dann beim Plattenumschnitt ein wenig mehr Luft ist, weil die Platte ja ein wenig Dynamik, sprich den "Lärm", verträgt. Egal, das geht jetzt zu weit in die Tiefe. Optisch wäre es für uns ganz nett, aber klanglich würde es nichts bringen.
Diz Schrödl: Wir sind ja jetzt in einem Alter, wo man schon etwas schlechter sieht, und da ist bei einer CD schon schwierig zu erlesen, welche Band das überhaupt ist. (lacht)
Michael Voit: Ihr ward ja mit "Godzilla Killer" auf dem Soundtrack von dem Video-Game "Ski Challenge 2008" vertreten, gibt's einen Film zu dem ihr gerne einen Song beigesteuert hättet oder eventuell sogar den kompletten Score komponiert hättet?
Martin Scheer: Mein Lieblingssoundtrack ist lustigerweise der von "Godzilla", obwohl ich den Film schrecklich finde.
Diz Schrödl: Für "Braindead" hätte ich gerne den Soundtrack gemacht.
Paukee: "Last Breath" vom aktuellen Album würde mir gut bei "Twilight" gefallen. Der Song würde perfekt zur Optik passen.
Martin Scheer: Der Gerald würde wahrscheinlich gerne einen "John Deer"-Präsentations-Video untermalen. (lacht)
Michael Voit: Gibt's vielleicht noch einen Musik-Tipp, die ihr gerne lo von Van Halen das erste Mal im Radio gehört habe, war ich wie paralysiert. Ich weiß noch, wie wenn es gestern gewesen wäre, ich bin vorm Radio wie versteinert stehen geblieben und habe mich nicht bewegt, bis das vorbei war. Das hat mir so gut gefallen. Und später habe ich diese Typen mal gesehen, mit den Spannleintüchern im Schritt, ihren Tixo-Bändern auf den Gitarren und die auftupierten Haare und hab mir gedacht: swerden möchtet?
Paukee: Wir haben heute unsere Freunde von "Lausch" fürs Vorprogramm mitgenommen, das kann man auf jeden Fall empfehlen, sich die mal anzuschauen, und auch ins neue Album "Canada Is Falling" reinzuhören. Also ich persönlich bin ein großer Fan von dem Album.
Martin Scheer: "Jump" von Van Halen.
Paukee: Hört Euch den Rock aus den Neunzigern an.
Michael Voit: Super, vielen Dank fürs Gespräch und dass ihr vollständig angetreten seid. Euch gehört jetzt das Schlusswort, wenn ihr noch was los werden wollt.
Martin Scheer: Wir werden es wohl nie schaffen, auf dem Berg Sinai zu spielen, das war mal ein schweres Anliegen von uns.
Diz Schrödl: Das war die Idee von unserem Manager, der wollte dass wir mal zu Promo-Zwecken dort spielen. Ist aber leider nie zu Stande gekommen.
Moderation: Michael Voit; Fotografie: Agnes Dinhobl

Kommentare von Besuchern

Eigenen Kommentar schreiben:

Dein Name:
Deine E-Mail-Adresse: (optional, nicht sichtbar)
Deine Nachricht:
Sicherheitscode:
(wie angezeigt angeben)
Captcha
oder:
Fertig? Dann:

Nicht genug?

Diese Magazininhalte könnten dich ebenfalls interessieren!
Kategorie:
Interviews
Bilder
Reviews
Login Copyright © Metal Trails