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Interview: Helloween

mit Markus Grosskopf vom 9. Februar 2011 im Docks, Hamburg
Im Zuge der 7 - Sinners-Tour trafen wir uns kurz vor dem Konzert im bekannten Docks (Hamburg) mit Markus Grosskopf, dem Mitbegründer und Bassisten der deutschen Metalband Helloween.
Bei unserer Unterhaltung sprachen wir mit Gründungsmitglied Markus vor allem über den heutigen Kommerz in der Metalbranche, der damals wie heute die Szene polarisiert und sogar die persönliche Definition dessen, was man als Metal ansehen kann mancher Leute beeinflusst. Außerdem berichtet er uns auch noch über seine „so gar nicht rockigen Hobbys“, die laufende Tour mit Stratovarius und natürlich über die Zukunft der Band. Für Herbst 2011 ist auch der Start des Songwritings für das nächste Album geplant, man darf also gespannt sein!
Wir danken Markus für seine Zeit und wünschen Euch viel Spaß mit dem Video!
Moderation: Alexander Kipke; Fotografie: Arne Luaith; Kamera: Christian Mahncke

Das Interview (Textform)

Alex: Hallo Leute, ich sitze hier mit einer wahren Legende des Power – und Speedmetals, mit Markus Grosskopf, dem Bassisten der deutschen Band Helloween im Docks! Wie geht’s dir? Bist du aufgeregt vor dem bevorstehenden Auftritt heute Abend?
Markus: Joa, Hamburg ist immer … Moin erstmal, nä! Hamburg ist immer so ein bisschen aufregend, weil das deine Heimatstadt ist, tausend Gäste und so. Weißt wer kommt und das ist alles ein bisschen zerwühlter als ein normaler Gig. Aber das kriegen wir auch schon über die Bühne.
Alex: Ihr seid jetzt mit eurem neuen Album „Seven Sinners“ auf Tour, kannst du das Album in einigen Sätzen beschreiben?
Markus: Ja: laut, hart, stark und schmutzig!
Alex: Klingt direkt! Okay, welche markanten Unterschiede gibt es im Vergleich zu euren ersten Alben, wie „Walls Of Jericho“ oder den beiden „Keeper Of The Seven Keys Alben“, welche eure stilistische Entwicklung jetzt am besten beschreiben könnten?
Markus: Veränderungen gibt es auf jeder Helloween-Platte, selbst schon in sich hat eine Helloween-Platte schon Veränderungen von Titel zu Titel. Wir sind relativ vielschichtig auch innerhalb einer Platte, weil wir fahren da Stile durch, für die normalerweise die anderen Leute mit Benzin übergossen werden. Aber wir haben lange dafür gekämpft, dass wir sowas dürfen. Wir haben damals Titel wie „I´m alive“, „Eagle fly free“ oder eben auf der anderen Seite „Future World“, „Dr. Stein“ und „I want out“ gemacht und „Rise and Fall“ und sowas. Und dann konnten wir auf anderen Platten Songs wie „Push“ machen und doch wieder irgendwelche anderen Titel auf die Platte setzen, die vom Stil ein bisschen in eine andere Richtung gehen. Dafür haben wir lange gekämpft.
Wie unterscheidet sich diese Scheibe von den anderen? Ja, sie ist ausgereifter? Weiß ich nicht … keine Ahnung. Es ist einfach das was wir heute sind, würde ich sagen.
Alex: Was habt ihr jetzt für die Zukunft geplant, nachdem die neue Scheibe rausgekommen ist und ihr auf Tournee wart?
Markus: Oh, nochmal 25 Jahre drauflegen! Ne, wir machen die Tournee zu Ende. Europa haben wir jetzt in fünf Gigs, also nach fünf Konzerten erfolgreich hinter uns gebracht und dann machen wir noch Südamerika einen Monat lang, dann noch einen Monat Asien. Dann kommen langsam so die ganzen Sommer Festivals, die tragen uns dann über den ganzen Sommer durch ganz Europa auf verschiedene Events an Wochenenden jeweils und dann ist September, wenn die vorbei sind und wir denken dann schon wieder an ein neues Album.
Alex: Werdet ihr auch auf dem Wacken Open Air spielen?
Markus: Sind wir aufm Wacken? Ja, ich glaube wir sind aufm Wacken!
Alex: Würdest du sagen das der Metal in den letzten zwei Jahrzehnten durchkommerzialisiert wurde und sich die Bands heute kaum noch um die Fans scheren und dafür wie Profitgeier ein Album nach dem anderen auf den Markt schmeißen?
Markus: Weiß man nicht, das mag vielleicht für manche Geschichten zutreffen, aber „kommerzialisiert“ müsstest du dann definieren. Wenn das heißt eine Platte machen um Geld zu verdienen, denn mache ich das ja auch schon ewig. Und wir touren und wir nehmen eine Menge Plumperquatsch mit und dafür haben wir aber auch ein Track voll Zeug drauf. Wir bieten den Leuten eine Show, wir haben da ein bisschen Krempel auf der Bühne, wir bringen drei Bands mit. Und das immer noch in einem Preisrahmen, der irgendwie bezahlbar ist. Für 32 € drei Bands mit viel Plumperquatsch auf der Bühne, da kannst du glaub ich nicht meckern. Das würde ich nicht als Ausverkauf oder sowas bezeichnen.
Gut kommerzialisieren tut sich irgendwann alles von selbst so. Da musst du Undergroundmucke machen und für 2 € Eintritt im Logo spielen und das aus Enthusiasmus. Dann kannst du dir aber keine Tournee leisten und irgendwie durch die Weltgeschichte kutschieren. Wir leben ja davon und wir können auch nur gute Platten machen, wenn wir gewisse Mittel haben. Ob das kommerziell ist … kein Schwein spielt unsere CD im Radio oder so. Da gibt es durchaus kommerziellere Bands.
Alex: Es gibt ja einige Leute in der Szene, die sagen, dass Metal-Songs, welche allein schon in den Charts auftauchen durchkommerzialisiert und kein Metal sind. Würdest du dem Chartaspekt zu stimmen?
Markus: Weiß ich nicht. Ich habe jetzt nichts dagegen in die Charts zu kommen, aber ich würde jetzt nicht irgendwie alles versuchen auf Biegen und Brechen um mit einem Titel in die Charts zu kommen oder so. Wenn die uns nicht wollen, dann eben nicht. Es gibt ja auch ein Leben, wie du bei Helloween ja siehst … wir sind ja jetzt seit zwei Jahrzehnten nicht mehr richtig in den Charts, außer mal irgendwie bei Verkäufen. Dann bist du mal irgendwie zwei Wochen auf einem Platz zwischen 15 und 40 drin oder so und dann verschwindest du wieder, weil da irgendeine Maffay-Scheibe kommt, die sich dann wochenlang hält. Und ja, Kommerzialisierung hin und her, wenn ich dann mal aus Versehen in den Charts lande, würde ich mich jetzt auch nicht beschweren. Gut es gibt einige Leute, die beschweren sich dann, aber was soll´s? Es ist so!
Wir schreiben nicht unbedingt drauf hin, dass wir in den Charts landen und daher haben wir das was wir machen immer von ganzem Herzen gemacht. Wenn das, was von mir von ganzem Herzen kommt in den Charts landet, ist es okay. Wenn nicht, dann ist es genauso gut! Wir kommen auch ohne Charterfolge und den ganzen Kram ganz gut durch. Das hat sich dann in den letzten zwanzig Jahren gezeigt, wo sich keiner so richtig um Metal geschert hat, wie in den Achtzigern oder so, da sind wir auch ohne den ganzen Krempel ausgekommen und haben trotzdem überlebt und haben trotzdem unsere Tourneen gemacht dank der Leute, die immer wieder auf Konzerte kommen und sich auch nicht darum scheren, was im Radio läuft. Und wenn wir in den Charts sind dann würde ich mich auch nicht beschweren, aber ich würde mir nicht den Arsch verbiegen um da jetzt irgendwie hereinzukommen, weil es auch ohne geht. Es gibt durchaus ein Leben neben den Charts und das ist ganz gut so.
Alex: Jetzt wieder eine längere Frage. Es gab ja in der Bandgeschichte leider mehrere recht schlimme Rückschläge und auch eine ziemlich lange Krise, wie z.B. den Selbstmord von Ingo Schwichtenberg im Jahre 1995 oder die Aberkennung der Goldenen Schallplatten 1990, sowie mehrere Besetzungswechsel und erfolglose Alben. Hattet ihr in dieser Zeit schon mal daran gedacht aufzuhören oder die Band einfach aufzulösen?
Markus: Aufhören wollten wir eigentlich nie, denn wir haben immer gedacht „Okay, wenn´s so nicht geht!“. Wir haben uns immer wieder was Neues ausgedacht. Wir wollten es einfach nicht wegschmeißen. Wir wollten einfach dann irgendwas anders machen. Ich finde es immer etwas blöd, wenn man irgendwas anfängt und dann klappt irgendwas nicht und man gleich das Handtuch schmeißt. Das war noch nie unsere Art. Denn haben wir uns lieber gesagt, „Okay, verändern wir irgendwas“ und versuchen trotzdem weiter zu machen. Das hat sich auch irgendwie immer befürwortet oder bewahrheitet das es der richtige Weg ist. Es gibt nun mal Dinge, die können nicht immer gleich bleiben über 25 Jahre Karriere. Du musst einfach bereit sein auch Dinge zu verändern und zu lernen, um zu sehen das das was gewesen ist, einfach so wie es gemacht wurde jetzt in dem Moment oder in dem Moment als die Dinge passiert sind, nicht mehr laufen und muss bereit sein für Veränderungen.
Alex: Wir haben auch zwei Userfragen bekommen. Wie steht Andi zu den Songs seiner Vorgänger am Mikro? Singt er sie freiwillig auf den Konzerten, weil er sich mit den Werken der Vorgänger identifiziert oder macht er das nur weil es obligatorisch ist und die Fans Lust drauf haben?
Markus: Die mag er! Er weiß auch durchaus wie er die interpretiert, denn er will sie ja gar nicht singen, wie sie gesungen wurden. Sondern er ist ja Andi Deris, also sing er sie wie Andi Deris. Er findet das gut, sonst hätte er ja Helloween nicht gemacht und außerdem war er damals ein guter Kumpel und wir haben gesagt, dass wenn einer das kann, dann ist er das. Sicher spielen wir alte Titel, das bleibt ja gar nicht aus. Das wäre ja Affenkram die nicht zu spielen, aber er interpretiert sie halt so, wie es ihm am besten liegt und das finde ich eigentlich ganz gut. Und klar mag er die Songs, das sind ja geile Stücke! Gibt’s ja nichts, die muss er einfach gut finden! Fertig, aus!
Alex: Okay, die zweite User-Frage: Was hat die Band dazu bewogen „Keeper of The Seven Keys – The Legacy“ zu machen ? Sollte das an den guten Ruf der Vorgängeralben anknüpfen oder gab es da einen anderen Plan?
Markus: Eigentlich wollten wir es uns selber mal zeigen. Die Idee kam eigentlich so ein bisschen auch von einer japanischen Plattenfirma, weil Weikhy hatte in irgendeinem Interview gesagt hatten oder zu irgendeinem Plattenfuzzi als wir ein neues Line Up hatten, nämlich das das wir damals hatten: „Ja, cool wir fühlen uns im Moment so stark, da könnte man glatt eine Keeper-Scheibe mit machen“. Und irgendwann sind sie zu uns zurückgekommen und haben gesagt überlegt euch das nochmal. Vielleicht könnt ihr das ja wirklich mal machen. Da haben wir erst gedacht, guter Witz und so … bis es dann in den Köpfen irgendwo ein bisschen gewachsen ist und wir die Idee gar nicht mal so scheiße fanden um es uns eigentlich selber mal ein bisschen zu zeigen und so. Ja gut, dann haben wir es uns nochmal richtig gegeben!
Alex: Hast du vielleicht auch noch Hobbys außerhalb der Musik, welche du wirklich mit vollem Elan betreibst?
Markus: Ja, ja! Ich koche zum Beispiel ziemlich gerne. Zu Hause lade ich mir immer mal ein paar Leutchen ein und bekoch die so als Hobbykoch. Das mache ich ganz gerne. Beim Kochen vergesse ich sogar manchmal Musik. Ich gehe auch gerne Angeln an die Ostsee oder so. Oder mal nach Norwegen oder in irgendwelchen Forellenteichen, da kann ich mich auch schon entspannen. Das ist so richtig schön langweilig.
Das ist so eine Sache, die hat überhaupt nichts mit Rock n Roll in dem Sinne zu tun, deswegen habe ich dort die total andere Seite, vom Rock n Roll weg ganz was anderes zu machen. Von daher finde ich Angeln eigentlich ganz geil. Und das passt natürlich wiederum weil ich das alles dann selbst zubereite und dann meiner wehrten Frau Gattin ein wunderbares Gericht mache aus dem was ich fange. Und das ist schön „unrocknrollig“ und das ist so die andere Hälfte von mir auch. Da hat man so einen guten Ausgleich.
Alex: Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast! Es hat uns großen Spaß gemacht mit einer wahren Legende des Powermetals zu sprechen!
Markus: Selbst schuld!
Alex: Ja! Möchtest du noch ein paar letzte Worte an unser Publikum richten?
Markus: Ja, ich würde sagen viel Spaß heute Abend! Ihr seid ja nicht dabei heute! Da habt ihr auch selber Schuld! Aber wir sehen uns nächstes Mal auf ein schönes Bier oder auf ein schönes Konzert, was auch immer.

Kommentare von Besuchern

18. Februar 2011, 10:39
HansGruber sagt:
Super Interview! Echt klasse, das sich Markus Grosskopf die Zeit dafür genommen hat :)

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