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Interview: Michael Schenker

vom 5. Februar 2013
Der Temple of Rock - über dieses die Rockmusik in seiner Gesamtheit umfassende Gemäuer konnten wir mit dem Gitarristen Michael Schenker bereits im April des letzten Jahres sprechen. Dabei war er gerade mit ständig wechselndem Line-Up kreuz und quer durch die schöne Welt getingelt und brachte zur Freude der Fans bei den meisten Shows die Ex-Scorpions Herman Rarebell (Drums) und Francis Buchholz (Bass) mit auf die Bühne. Schon die Qualität der Songs allein schlug wie eine Bombe unter den Fans ein, doch als es dann noch hieß, dass diese Tour als Lovedrive-Reunion-Tour ablaufen sollte, da blieb kein Stein mehr auf dem anderen.
Schon nach wenigen Shows wurden Stimmen laut, die behaupteten, dass diese drei ehemaligen Skorpione zusammen mit ihren Gastmusikern ein würdiges Alternativangebot zur im Augenblick doch eher uninspirierten Show der am 18. Januar offiziell vom Ruhestand zurückgetretenen Hannoveraner bilden. Doch empfindet sich die Truppe selbst als ein Gegenangebot zu den streitbaren Scorpions? Durch Herman und Francis ist ja schließlich die gesamte Rhytmusfraktion der klassischen Besetzung bei diesem Projekt involviert. Und mit Michael als Perfektionisten an der Gitarre, ist das dann auch schon so gleich eine unausweichliche Frage. Zwar füllt Michael Schenker mit Temple of Rock keine ganzen Stadien, aber das ist doch noch kein Kriterium, dass aufzeigt, wie vital die Bühnenpräsenz einer Band ist, oder?
Wie man in den letzten Wochen lesen konnte, befindet sich auch schon ein Nachfolger für den Temple of Rock in der Mache! Dieser soll mit seinem Sound härter werden und noch mehr die Heavy-Metal-Fraktion ansprechen. Als Line-Up werden wieder Herman und Francis sowie Doogie White als Sänger und Wayne Findlay an den Tasten dabei sein. Stellt sich jetzt bloß noch die Frage, ob es sich bei der Truppe immer noch "nur" um Michaels Solo-Projekt handelt, oder ob die Jungs eine eigenständige Band bilden?
Lest einfach selbst, was uns Michael dazu im Interview erzählt hat. Viel Spaß dabei!

Das Interview:

Michael Voit: Hi Michael! Einen wunderschönen Abend aus Österreich!
Michael Schenker: Ja, hallo!
Michael Voit: Lass uns direkt einsteigen. Du bist jetzt schon lange im Geschäft, wie bewahrt man sich da die Lust am Spielen und die Freude an der Musik? Hat man mit der Musik nicht irgendwann mal alles gesagt, was man sagen kann?
Michael Schenker: Es kommt drauf an, wie man sich verbindet und es kommt selbstverständlich auf die Motivation an, warum man die Musik macht. Ich mache Musik von innen heraus, also direkt aus mir heraus. Das ist bei mir also eine Art self expression und ich versuche auch so viel wie möglich zu machen. Und wenn man es von innen her macht, dann ist es eben eine Farbe, die man selber abgibt und die kein anderer Mensch für dich abgeben kann. Das geht nicht, weil nur ich da rein gucken kann. Das ist ein unerschöpfliches Gebiet.
Michael Voit: Das heißt, da sind noch einige Jahre drin?
Michael Schenker: So lange, wie man eine Seele hat! [lacht]
Michael Voit: Du bist ja mit dem Francis und dem Herman schon eine Zeit lang unterwegs. Dabei habe ich Stimmen gehört, dass eure Kombination sogar die besseren Scorpions seien. Siehst du dich als ein Alternativ-Angebot zu den Scorps?
Michael Schenker: Also ... erst mal von Vornherein: wir konkurrieren nicht mit den Scorpions. Bei mir gibt es keine Competition. Ich mache Musik, das ist artistisch und wie schon vorhin erwähnt einfach self expression. Ich habe Freude dran, das so zu machen. Der Grund dafür, dass ich mit Herman und Francis zusammen bin, bzw. einer der Gründe ist, dass ich irgendwie durch Zufall mit Herman zusammengekommen bin. Und dann haben wir uns den Francis ins Line-Up geholt. Da habe ich mir gleich gedacht, dass die Sache damals mit den Scorpions, also diese Lovedrive-Sache, die Tour, die damals angefangen hatte und nie durchgeführt wurde, ist für mich jetzt eine Art der Vollendung oder ein Abschluss dieser Geschichte. Der Kreis hat sich geschlossen. Ich habe ja meine Lovedrive-Completion auch mit Klaus Meine und meinem Bruder Rudolf gemacht. Und jetzt mach ich es mit Francis und Herman. Zufälligerweise hat es sich auch sehr gut entwickelt, dann noch mit Doogie White als Sänger. Wir machen gerade eine Platte, die entwickelt sich einfach wahnsinnig! Da wird noch einiges mit diesem Line-Up passieren.
Michael Voit: Ein Kollege hat gestern schon mit Herman gesprochen und er sagte, dass diese Platte um einiges heavier werden soll. Wie kam es zu dieser Entwicklung?
Michael Schenker: Auf jeden Fall! Allein schon dadurch, dass der Doogie dabei ist, ist so eine Entwicklung möglich. Das kommt eigentlich ganz automatisch, denn ich weiß ja, wie der Doogie singt. Auch hier scheint sich der Kreis wieder zu schließen, dadurch, dass ich mit diesem Songmaterial so ziemlich in meine Jugend gekommen bin, irgendwo oder irgendwie. Und das knallt ordentlich los!
Michael Voit: Ist es jetzt quasi so, dass mit dem Herman, dem Francis und dem Doogie eine Temple of Rock-Band etabliert werden soll oder sind die Jungs immer noch Teil deines Solo-Projektes?
Michael Schenker: Ich sehe die Sache auf jeden Fall als eine sehr beständige Geschichte. Ich kann mir vorstellen, dass diese Band noch einiges zusammen machen wird.
Michael Voit: Der Michael Voss ist ja eigentlich auch nicht schlecht als Sänger. Wird es da eine weitere Zusammenarbeit mit ihm geben?
Michael Schenker: Wir arbeiten ja zusammen! Wir sind zusammen im Studio und es ist einfach so, dass man sich irgendwann mal zu irgendwas entschließen muss. Und beim Michael, da ist es ja nur so passiert, weil ich fragte ob er mir aushelfen kann beim Gesang, als ich vor zwei Jahren das Album Temple of Rock machte. Als er dann anfing zu singen, habe ich ihm gesagt: „Mensch, du kannst ja richtig singen! Warum machen wir diese Sache nicht zusammen?“ So hat sich das dann zusammen getan. Als wir dann auf Tour wollten, hat der Michael Voss einen Solodeal unterschrieben, was dazu führte, dass ich nicht mehr auf Tour gehen konnte mit ihm. Deshalb musste ich mir etwas Neues einfallen lassen. Es sollte wohl so sein und wir hatten ja auch was zusammen gemacht. Auf jeden Fall ist die Sache dann so, dass der Michael und ich das zusammen machen können, wenn Interesse um den Erdball herum besteht. Wenn es also genug Menschen gibt, die uns spielen hören möchten, dann machen wir das auch zusammen. Aber ansonsten ist das jetzt erst mal die Sache hier mit Doogie, Herman, Francis und auch Wayne. Das ist erst mal das Line-Up unserer Band.
Michael Voit: Alles klar! Ich hatte ja gerade das Vergnügen, die DVD „Temple of Rock - Live in Europe“ zu rezensieren. Ich war wirklich gefesselt, vor allem von diesem Bonusteil, der beim High Voltage Festival aufgenommen wurde. Wie war es dabei für dich mit deinem Bruder auf der Bühne zu stehen? Ist es immer noch etwas Besonderes, wenn man nach all den Jahren mit seinen nahen Verwandten auf der Bühne ist?
Michael Schenker: Wenn man auf so einem Festival ist, geht alles drunter und drüber. Da gibt es keinen Soundchek, sondern und nur einen Linecheck. Da läufst du auf die Bühne und es geht etwas kaputt und du hast dann keine Zeit irgendwas zu fühlen. [lacht]
Da hast du wirklich wenig Zeit, dir Gedanken zu machen, was das für ein Gefühl ist, weil da in so kurzer Zeit so viel auf dich zu kommt. Später, wenn man es sich anguckt, dann denkt man: „Ja, das ist doch klasse!“ Da habe ich auch ein paar Bilder und so weiter gesehen. Na klar, ist das schön, dass man dann mal wieder zusammen auf der Bühne ist. Das passiert ja auch nur alle paar Jahre.
Michael Voit: Auf dieser DVD sieht man dann vor dem eigentlichen Konzert in Tilburg, wie du hinter der Bühne in deine Garderobe gehst und die Kamera muss dabei leider draußen bleiben. Kannst du uns erzählen, wie du dich in dieser Zeit abseits der Kamera dann auf die Show vorbereitest?
Michael Schenker: Ach, du meinst, weil ich dir Türe zugemacht habe? [lacht]
Ich mache mich einfach zurecht, ziehe mir meine Jacke aus und trinke dann noch ein Red Bull oder was weiß ich ... vielleicht auch ein Wasser. Dann gucke ich nochmal kurz, ob alles in Ordnung ist und schon geht es auch gleich los. Das dauert dann fünf bis zehn Minuten und dann bin ich auch fertig.
Michael Voit: Wenn ihr jetzt dieses feste Line-Up habt, von dem ihr sprecht, wie viele Ideen dürfen die anderen Mitglieder zur Produktion der Songs oder so beisteuern?
Michael Schenker: Naja, ich habe jetzt erst mal alle Stücke geschrieben und der Doogie macht dann dazu seine Texte und seine Linien fertig. Das ist es bisher erst mal ...
Michael Voit: Was genau inspiriert dich beim Songwriting?
Michael Schenker: Die Inspiration kommt direkt aus dem Inneren! Okay, in diesem Falle hat mich natürlich dann Doogie inspiriert, weil er dabei eine bestimmte Richtung im Sinn hatte. Ja, das hat mich inspiriert .. aber ansonsten sind es einfach Riffs, die aus mir direkt herauskommen und eben der Gedanke, dass ich auf der Bühne stehe, dann muss es richtig los gehen. Und im Prinzip versuche ich das dann genau nach diesem Rezept auf der Platte zu machen, dass es auch richtig los geht, wenn man mit den Songs auf der Bühne steht.
Michael Voit: Hast du eigentlich schon mal Phasen gehabt, in denen du eine Schreibblockade hattest? Also Tage, an denen vom Songwriting her nichts ging?
Michael Schenker: Ne, eigentlich nicht direkt. Man schreibt eben wann etwas kommt und wenn nichts kommt, dann kommt eben nichts. Wenn was kommt, dann setze ich mich hin und mache was. Normalerweise kommt dabei auch etwas raus und wenn dann mal was nicht rauskommen sollte, zum Beispiel, weil ich zu müde bin, dann mach ich einfach nichts. Es ist so, dass es für mich keine krampfhafte Sache darstellt. Es gibt ja so viele Kombinationen auf einer Gitarre. Es sind sechs Saiten und diese sechs Saiten bilden einen combination block. Da kommt immer etwa bei raus. Dadurch gibt es fast unendlich Kombinationen, die man machen kann, um einen neuen Song zu kreieren.
Michael Voit: Womit kannst du persönlich mehr anfangen, mit Lob oder mit Kritik?
Michael Schenker: Um Lob oder um Kritik kümmere ich mich ehrlich gesagt auch nicht. Das sind einfach unterschiedliche Meinungen, das sind Geschmacksfragen. Und jeder hat bekanntlich einen anderen Geschmack. Ich kann mich ja nicht in tausend Stücke zerreißen und es damit jedem Recht machen. Es geht ja vielmehr darum, dass ich etwas ausdrücke oder konkret gesagt, eine Farbe ausrücke, die nur ich ausdrücken kann. Das ist ja kein Muster oder Face. Ich drücke mich ja nur aus. Das ist ja nicht so, dass ich sage: „Jetzt drücke ich etwas aus und das muss allen gefallen“, nicht? Das ist ja auch nicht so. Da gibt's auch genug verschiedene Geschmäcker, dass Sachen, wo ich Farben präsentiere oder produziere, diese Farben nicht unbedingt die sind, die jemandem gut gefallen. Das ist einfach so.
Michael Voit: Das stimmt, wäre ja auch schlimm, wenn allen alles gleich gefallen würde!
Michael Schenker: Genau so ist es! [lacht]
Michael Voit: Letztes Jahr hast du ja den „Rock Guitar Legend Award“ gewonnen. Was bedeuten die Persönlich solche Auszeichnungen?
Michael Schenker: Ja, Ice Cream on the Cake! Es ist schön, wenn man ein Leben lang Spaß dran hat Musik zu machen, wenn man Entdeckungen macht. Man spielt und entdeckt und entwickelt sich dabei ja. Dann kriegt man auf einmal noch als Bonus so ein Geschenk oben drauf. Das ist natürlich schön.
Michael Voit: Bei „Guitar Hero Metallica“, da bist du ja bei „Armed and Ready“ dabei. Wie war das Einspielen? Gibt es da ein bestimmtes Prozedere oder so?
Michael Schenker: Ich habe keine Ahnung ... das haben sie von sich aus gemacht. Die haben nur Bescheid gesagt, dass sie das machen werden. Das ging dann von selbst. Da war ich gar nicht anwesend ...
Michael Voit: Das heißt, die nehmen einfach das Original und bauen es ein?
Michael Schenker: Das ist einfach eine Sache, die hat den Gitarristen von Metallica sehr beeinflusst von mir und ich bin anscheinend einer seiner Lieblingsgitarristen. Der hat sich dann gesagt, „Armed and Ready“ möchten wir gerne drauf haben. So unkompliziert lief das ...
Michael Voit: Konntest du die Jungs von Metallica dann auch mal treffen?
Michael Schenker: Ja, ich kenne die sowieso alle persönlich ... aber der James Hetfield, der war ja auch bei unserem Konzert in Santa Rosa als Gast dabei. Der ist da wie ein Verrückter herum gesprungen! [lacht]
Michael Voit: Zum Abschluss noch: Gibt es einen Film, bei dem du gerne mal einen Song oder den ganzen Soundtrack beisteuern möchtest?
Michael Schenker: Ganz allgemein, das war mal einer meiner Träume Filmmusik zu machen! Aber das sollte wohl nicht so sein. Heute ist es auch nicht mehr unbedingt so. Da bin ich lieber auf der Bühne und mache Rock'n'Roll.
Michael Voit: Hattest du da eine konkrete Vorstellung von irgendeinem Film gehabt?
Michael Schenker: Nene, ich hatte da keine konkrete Vorstellung. Wenn ich Filmmusik mache, dann würde ich den Film angucken und einfach dazu spielen.
Michael Voit: Alles klar! Dann vielen herzlichen Dank für das Interview, es war mir ein großes Vergnügen.
Michael Schenker: Ich danke auch!
Michael Voit: Hast du vielleicht zum Abschluss noch ein letztes Schlusswort an die Fans da draußen?
Michael Schenker: Ja! Keep ooon Rockin!
Moderation: Michael Voit
Wer in das aktuelle Album „Temple of Rock - Live in Europe“ von 2012
reinhören möchte, kann dies hier tun:
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