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Interview: Warrant

mit Jörg Juraschek vom 6. März 2011
Jörg Juraschek, Bassist und Sänger des deutschen Speedmetal-Urgesteins Warrant hat uns in einem exklusiven Interview über seine Band und seine Anfänge im Genre berichtet!
Die 1983 gegründete Band gilt als einer der Pioniere des Speedmetals und hat das Genre seiner Zeit aktiv mitgestaltet. Doch wenn man heute jemanden fragt, wer oder was sich hinter dem Namen verbirgt, dann kommt meistens nur ein Stirnrunzeln als Antwort; die Band verschwand nach ihrem kolossalen Senkrechtstart nämlich sofort wieder von der Bildfläche. Wir lüften für euch die Story, die sich hinter dem geheimnisvollen Namen verbirgt!
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Interview:

Alex: Hallo liebe Leser! Ich habe heute die große Freude mit Jörg Juraschek, Sänger und Bassisten der deutschen Speedmetalband „Warrant“ zu sprechen!
Hallo Jörg! Wie geht’s? Was machst Du gerade?
Jörg: Hi Alex, ich relaxe gerade ein wenig. Ich hab momentan jobtechnisch einiges um die Ohren. Da muß man sich Abends schon mal entspannen können bei einem Glas Rotwein und einem Interview.
Alex: Wie hat deine musikalische Karriere begonnen? Hattest du da ein Schlüsselerlebnis, welches dir dann sozusagen den Weg in die Musik gewiesen hat?
Jörg: Ganz klar war das der Tausch von 2 Platten meiner Schwester (ich glaube Birth Control oder so was, hatte ich meiner Schwester abgeluchst) in der Düsseldorfer Plattenbörse gegen die Sweet „Desolation Boulevard“. Ich war von dem Sound sofort infiziert. Eingängige Songs mit extrem verzerrter Gitarre. Sweet waren da schon auf Ihrem Hard Rock Level angekommen und hatten grandiose Songs. Ich liebte Brian Conolly als Sänger. Der Typ hatte Power, Melody und eine extrem hohe Eigenständigkeit in seiner Stimme. Diese Band ist nach wie vor total unterbewertet was Ihren Einfluss auf die Metal Szene anbelangt. Diese Scheibe sowie „Off the record“ und „Give us a wink“ waren Meilensteine des harten Sounds. Diese Scheibe kenne ich auch heute noch total Auswendig. Sogar das Schlagzeugsolo von „Man with the golden arm“ konnte ich luftmäßig eins zu eins mittrommeln.
Alex: So ging es also vom Messdiener zum Metaler! In welchen Bands hast du während deiner Karriere gespielt?
Jörg: Klar, Messdiener war ich auch. Aber ich stand immer in der Ecke weil ich irgendwie nicht ganz so fromm war (Ha, Ha). Da waren eigentlich nicht so viele Bands. Meine erste Band hieß Poison. Da war ich nur Bassist. daraus entstand 1984 schon Warrant. Danach gings leider weiter mit Glance (passte nicht so ganz in meinen eigentlich bevorzugten Sound) und dann Punchline. Momentan gibt es in meinem Leben Warrant und auch wieder Punchline. Zwischendurch wechselten mal die Namen aber nicht erwähnenswert.
Alex: Mit Warrant wart ihr dann ja ein ziemlicher Senkrechtstarter und habt dann auch schnell mit Bands wie „Warlock“ und „Helloween“ getourt bzw. gespielt. Bei einem so schnellen Erfolg ist es dann ja etwas verwunderlich das ihr die Band schon nach kurzer Zeit wieder aufgelöst habt. Wie kam es dazu ?
Jörg: Ja wir sind wirklich recht schnell nach oben gekommen. Waren aber leider auch ebenso schnell wieder weg. Was ausschließlich unser eigenes Verschulden war. Wir waren einfach zu grün um zu kapieren, das wir eine der ersten Bands waren die den Speed Metal Sound bedienten. Und das noch mit eigener Stilistik. Welche eine Schande, das wir das einfach so wegwarfen. Nach unseren beiden Scheiben für Noise Records, wo man sehr an uns geglaubt hatte, wollten wir einen anderen Sound spielen. Wie dumm. Dabei hatten wir doch gerade erst unseren erfolgreichen Sound gefunden. Leider war auch niemand in unserem Umfeld der uns hätte positiv in den Arsch treten können. Wir stiegen dann auf so ne Poser Schiene um die ganz und gar nichts mit Warrant und vor allem mit meiner Stimme zu tun hatte. Als wir Noise Records unser neues Material für die dritte Scheibe vorspielten waren die bzw. der Karl Ulrich Walterbach geschockt.
Alex: Wie kam es dann zur Wiedervereinigung und warst du zu diesem Zeitpunkt das einzige Gründungsmitglied das bei der Wiedervereinigung dabei war?
Jörg: Arno Hofmann vom „Heavy oder Was“ Magazin kam auf mich zu und wollte ein Interview machen. Außerdem war und ist er ein großer Warrant Fan und kam dann auch noch mit dem Vorschlag einer Reunion Show daher. Nach längerem Überlegen sagten wir dann zu. Wir spielten in Prüm in der Eifel in der Stadthalle. Es war wie es hätte früher sein müssen. Das war ein erster kleiner Startschuß für uns. Eigentlich sollte es dabei bleiben aber die Anfragen wurden immer mehr.
Ja ich war leider das einzige Gründungsmitglied. Ich hätte alles dafür gegeben wenn Thomas mitgemacht hätte (Gitarrist) aber er konnte aus persönlichen Gründen nicht. Wir entschlossen uns dann mit einer Gitarre loszulegen was auch super funktionierte und bis heute funktioniert. Oliver ist ein super Gitarrist und hat ja auch die zweite Scheibe 1985 „The Enforcer“ mit eingespielt.
Alex: „Warrant“ bedeutet aus dem Englischen übersetzt so viel wie „Haftbefehl“. War der Name Programm?
Jörg: Klar wir verhaften alle mit unserer Musik. Eingängig und direkt. Könnte sogar passen. Nee ich glaube daran dachten wir damals überhaupt nicht. Wir fanden, das der Name einfach cool klang. Erst hinterher wurde uns bewusst, für was dieser Name alles steht.
Alex: Wovon handeln eure Songs?
Jörg: Einige Songs handeln einfach nur von kleinen Geschichten aus unseren damaligen 80 iger Fantasien. Da wurde es auch schon mal etwas versauter wie z.B. bei „Nuns have no fun“. Viele Texte hatten aber für uns ernste Hintergründe und sollten gegen das von uns gehasste Spießertum aufbegehren. Dafür benutzte ich z.B. Folterinstrumente oder den „Enforcer“ als Metapher und übertrug diese in die reale Welt um das normale, spiessige Leben zu bekämpfen (Schmunzel). Der Enforcer sollte Machthaber mit zu großem Anspruch auf andere Menschen und mit zu großem Egoismus ausmertzen. Sehr lustig eigentlich!!!
Alex: Wie sind Arno Verstraten und Oliver May zu „Warrant“ gestoßen?
Jörg: Oliver ist bei der zweiten Platte 1985 zu uns gestoßen. Wir merkten das wir einen volleren Sound vertragen könnten und suchten einen zweiten Gitarristen. Mittlerweile spielen wir jetzt schon (mit einigen Unterbrechungen) seit dieser Zeit immer wieder zusammen und sind auch befreundet. Der Arno spielt jetzt seit 1985 bei uns. Der Thomas Franke, (Original Drummer auf den beiden Platten), hatte uns am Anfang bei den ersten 3 Shows ausgeholfen. Er wollte dann aber aus persönlichen Gründen nicht weitermachen und so fanden wir Arno. Arno ist ein super Typ und passt megamäßig zu Warrant. Er ist ein gandenloser Speed Freak und lebt diesen Sound. Eigentlich der optimale Warrant Drummer.
Alex: Wenn man in jungen Jahren ganz enthusiastisch und hoffnungsvoll mit einer Band durchstartet, dann träumt man ja vom Weltruhm, hat mehr oder weniger hohe Ziele und man geht wenn man gut ist in seiner Rolle als Musiker voll auf. Wie ist das jetzt nach guten drei Jahrzehnten im Geschäft? Ist diese Stimmung da noch zu spüren, oder ist „Warrant“ für dich nur noch ein Job, der gemacht werden muss?
Jörg: Du musst das bei uns so sehen. Wir waren nie richtig im Geschäft. Ich wollte auch nie in das sog. Geschäft. Ich bin Musiker und Idealist. Ich mache diese Musik immer schon für mich. Wenn den anderen unsere Songs gefallen umso besser. Eigentlich bin ich ein Spinner der immer noch frei sein will. Da wir mit Warrant in den Achtzigern nichts gemacht hatten ist der Hunger in den letzten Jahren immer größer geworden. Eigentlich kann man sagen, das wir noch frisch sind obwohl wir schon etwas älter sind. Klingt komisch ist aber so. Wir haben viel nachzuholen. Das Alter spielt da keine Rolle mehr.
Alex: Auf einem der Bilder eurer ersten Fotosession von 1983 streckt ihr den nackten Hintern in die Kamera. Effekthascherei, oder ein tieferer Sinn? Würdest du bei Aktionen solchen Kalibers heute auch noch teilnehmen, oder sind solche Bilder und ähnliche Geschichten bloß ein Phänomen der wilden 80 iger Jahre?
Jörg: Sagen wir mal so. Ich habe nach wie vor keinerlei Hemmungen lustige Aktionen zu machen. Wie ich schon sagte, man ist auch ein Stück jung geblieben. Meinen nackten Hintern noch mal fotografieren würde ich aber schon alleine wegen meiner 9 jährigen Tochter nicht mehr. Die würde sich für mich in Grund und Boden schämen. Wir drei (Thomas, Lothar und ich) waren damals ziemlich verrückt und auch sehr kindlich. Wir lebten unser Metalleben und hatten jede Menge Spass. Wir kümmerten uns nicht um irgendwelche Konventionen. Wir hatten einfach Bock ein solches Foto zu schiessen und haben uns keinerlei Gedanken darüber gemacht. Das Foto ist absolut authentisch Warrant aus den Achtzigern und spiegelt ein bisschen unser Lebensgefühl wieder. Einfach lustig. Später haben wir dann immer Hinternraten gemacht. Freunde mussten erkennen welcher Hintern zu wem gehört.
Alex: Wie schätzt du die Entwicklung des Metals für die nächsten Jahre ein?
Jörg: Schwer zu sagen. Da ich ein „Open Minded Metaller“ bin höre ich verschiedenste Arten von Metal und harter Musik. Der klassische Heavy Metal ist meiner Meinung nach ausgereizt und muß auch so kommen wie er sein soll. Aber es gibt ja mittlerweile etliche Stile und „Killswitch Engage“ z.B. haben bewiesen dass man neue Sachen kreieren kann. Ich finde entscheidend wird auch sein wie viele gute Songs uns in den nächsten Jahren noch um die Ohren gehauen werden. Vielleicht schafft es mal wieder eine Heavy Band einen richtigen Hit in den Charts zu landen so wie früher mal Iron Maiden oder auch Judas Priest.
Alex: Möchtest Du unseren Lesern noch etwas sagen?
Jörg: Vielen, vielen Dank für Euer Interesse an Warrant nach all den Jahren und bleibt Euch treu.
Alex: Ich danke dir vielmals, das Du dir die Zeit für das Interview genommen hast! Wir sehen uns dann in einem halben Jahr in Wacken!
Image and „Warrant“ artwork usage permitted by Warrant.
Moderation: Alexander Kipke

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