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Bai Bang – All around the World

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von Bai Bangs „All around the World“ (2013).
„'Bai Bang' entwickeln sich, nach all den Jahren, um ein ordentliches Stück weiter und entfalten ein wahres Feuerwerk an Melodien!“
Interpret: Bai Bang
Titel: All around the World
Erschienen: 2013
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Bai Bang ist keine neue Sex-Variante, falls sich schon wer freudig die Hände gerieben hat, sonder eine Synth-Hardrock-Band aus Schweden und eigentlich schon alte Hasen im Rockbusiness. Dennoch blieb es ihnen bis jetzt verwehrt, sich in ihrer zwanzigjährigen Bandgeschichte aus der Masse grandioser schwedischer Hard-Rock-Bands herauszulösen. Benannt nach einem vietnamesisch-schwedischen Papierfabrik-Projekt, nordwestlich von der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi, legt das Quintett ihr mittlerweile siebtes Studio-Album vor, die Best Of-Kompilation von 2006 nicht mit eingerechnet. Bitte nicht gleich davon laufen, auch wenn Bai Bang das beim Opener ihres aktuelle Albums "All Around The World", mit den Zeilen "Everybody run…", fordern. Das Stück startet mit einer theatralischen Breitseite, wie sie sonst nur in den Achtzigern zu finden war. "Melodien mit Nachdruck" würde ich das mal nennen. Die Jungs spielen einen astreinen Bombast-Rock, wobei durchaus Tendenzen Richtung Pop spürbar sind. Auch wenn die Gitarren fett dahinrotzen und sich immer wieder in schwindelerregende Höhen solieren, sind die Songs dennoch mit so vielen Harmonien, Ohrwürmern und Mitsing-Refrains ausgestattet, dass der Hardrock das vermutlich so nicht gestatten würde.
In "Gonna Make it" wird euphorisch weitergeschrubbt, dass die Fetzen fliegen. Trotzdem drängt sich einem immer wieder das Gefühl auf, man hat das alles schon mal wo gehört. Vermutlich so vor 25 Jahren, als Bon Jovi, Firehouse, Def Leppard, Nelson aber auch Boston und Asia mit ihren hochkarätigen Hard- bzw. Heart-Rock die Hörerschaft in ihren Bann zog. Bitte nicht falsch verstehen, die Truppe rockt auch wie Sau, aber dieser zuckersüße Bubblegum-Metal legt einen äußerst niedlichen Schleier über die weitgehend anspruchsvolle Mucke. Spätestens bei "Crazy" werden Fans in nostalgischen Erinnerungen schwelgen und darüber sinnieren, wie sie damals ihre ärmellosen Jeansjacken mit allerhand Aufnäher versahen, die Haare zum ersten Mal lang trugen und das zottelige Haupt mit Tüchern verschnürt war. Dazu knackige Lederhosen und partiell-nackte Oberkörper; so präsentieren sich auch die fünf Schweden um Sänger Diddi Kastenholt. Weiter geht's mit dem Highlight "Bai Bang", vermutlich einer Huldigung der Papierfabrik in Hanoi. Ach was, Quatsch, die Truppe hat sich eine Hommage an den eigenen - meist freiliegenden Leib - geschrieben. Und was für eine.
Erst bei "How about now" wird es mir das erste Mal einen Tick zu dramatisch. Der schwülstige RockChick-Einschmeichler wurde dann doch etwas übertrieben. Dennoch hält es mich das Album nach wie vor bei Laune, und das ist nach fünf Titeln - in der heutigen Zeit - eigentlich schon ein Kunststück. Wobei auch hier wieder gesagt werden muss: Wer die Zeit damals aktiv miterlebt hat, ist klar im Vorteil. Raise Your Hands" machts deutlich: "Don't wanna stop, Rockin in a Free World". Mit "Summertime" lassen die Fünf, die kalte Jahreszeit noch unerträglicher werden und ist definitiv ein weiterer Höhepunkt des aktuellen Outputs. Bei "Now you're gone" nervt das Genuschel im Hintergrund ziemlich, denn die Nummer bekommt dadurch eine leichte Unwucht. Dennoch ist das Quintett qualitativ richtig stark, was auch ihre Support-Jobs für Alice Cooper, Union, LA Guns, Thin Lizzy, Wishbone Ash, Saxon, Ratt, Mötley Crüe, Axel Rudi Pell, Pretty Maids oder Dio eindrucksvoll beweisen. Des Weiteren bespielten sie schon das Rocklahoma-Festival in den USA und sogar das Wacken Open Air stand 2009 auf ihrem Tourplan.
Jetzt mag einer vielleicht sagen: "Die Jungs sind doch peinlich mit all dem Bombast." Mitnichten, denn die imposanten, kurzweiligen Songs werden mit spritzigen Gitarrensoli gewürzt, die sich jederzeit sehen und vor allem hören lassen können. Was vielleicht etwas altbacken wirkt, ist die Attitüde der Truppe. Weil wir schon bei den Kritikpunkten sind, würde ich den etwas brüchigen Sound auch noch bemängeln – sofern das nicht an den gelieferten MP3's liegt. Und eventuell noch das Cover, denn die etwas infantile Gestaltung wirkt sehr laienhaft, und würde für mich definitiv keinen Kaufanreiz darstellen. Vor allem weil die Jungs in der Vergangenheit schon gezeigt haben, dass sie mehr und Besseres drauf haben, wie man z.B. beim Cover vom Vorgänger "Living my Dream" bestaunen kann. Auch wirkt jeder neuerliche Bombast-Welle mit der Zeit etwas überzogen, denn irgendwann ist mal keine Steigerung mehr möglich, daher wäre gelegentlich weniger sogar mehr gewesen. Dieses Stilmittel hätte man einfach subtiler einsetzen müssen. Jede Nummer ist wie eine weitere Flut aus unzähligen Melodien. Wie beim Titelstück "All Around The World" zu hören ist. Nach acht Breitseiten gewöhnt man sich doch recht schnell an die Fülle aus Hymnen und poppigen Soundelementen, dass keine einzelnen Songs mehr herausstechen können. "Get it On" schafft es am Ende dann doch noch, allerdings im negativen Sinne, denn es fällt, im Vergleich zum restlichen Album, komplett aus dem Rahmen. Der Song wirkt, samt Gesang, total unfertig; fast wie eine Füllernummer. Vor allem der etwas unausgegorene Gesang stellt hier das größte Manko dar.
Fazit: Die Schweden sind wieder los: Bai Bang entwickeln sich, nach all den Jahren, um ein ordentliches Stück weiter und entfalten ein wahres Feuerwerk an Melodien! Der aktuelle Longplayer "All around the World" fällt deutlich bombastischer aus, als sein Vorgänger "Living My Dream". Wurde da noch relativ straight gerockt, wurde auf dem aktuellen Output ein Maximum an Ohrwürmern ausgepackt. Und hier liegt auch ein wenig die Diskrepanz begraben, da man vor lauter Melodien, die einzelnen Songs nicht mehr wirklich ausmachen kann. Allerdings bei einem Shuffle-Play mit anderen Künstlern - zu Hause, im Auto oder auf dem MP3-Player - werden die Stücke richtiggehend aufblühen und jedes einzelne zu einem wahren Glanzlicht heranwachsen.
Anspieltipps: Everybody Everywhere, Gonna Make it, Crazy, Bai Bang, Summertime, All around the World

 
Score:
80% Gut.

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