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Betontod – Entschuldigung für Nichts

Kritik von: Arne Luaith
Album-Cover von Betontods „Entschuldigung für Nichts“ (2012).
„So viele Tage, so viele Stunden – und Scheiße passiert eben doch in Sekunden.“
Interpret: Betontod
Titel: Entschuldigung für Nichts
Erschienen: 2012
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Same procedure as last year, Jungs? Hachja, wie die Zeit rennt. Ich weiß es noch, als wäre es gestern. Wir standen auf dem Wacken 2011 unter einem Sonnenschirm und trafen uns zum Interview mit Frank „Eule“ Vohlwinkel und Adam „Ado“ Dera. Es gab viel zu bereden! Nur ein Jahr nach ihrem Album „GlaubeLiebeHoffnung“ hatten die Rheinberger bereits einen neuen Silberling im Gepäck: „Antirockstars“. Nun schreiben wir das Jahr 2012 … und was hat sich geändert? Nicht viel. Wieder standen wir auf dem Wacken Open Air an fast derselben Stelle, wieder trafen wir uns mit Eule und Ado zum Interview. Und wieder hatten die Jungs nach nur einem Jahr einen neuen Longplayer wenige Meter vor der Release-Zielgeraden stehen. „Entschuldigung für Nichts“ prangert im „Internationalen Jahr der nachhaltigen Energie für alle“ auf dem Jewelcase, und auch stilistisch wagen sich die punkstämmigen Musiker auf Neuland.
Lang und breit sprachen wir mit den Beiden über die neuen Einflüsse, etwa Ska, Metal oder auch eine „Power Ballade“, welche sich auf dem Silberling erstmals finden sollten. Meister beim Schmachten? Für mich persönlich schwer vorstellbar, aber ich ging dennoch guter Dinge an das neue Album heran. Normalerweise ist es kein Garant für Qualität, wenn eine Band in drei Jahren drei Alben veröffentlicht. Wie steht es also um die neue Scheibe? Bleiben die Jungs ihrem Niveau treu? Oder wäre da tatsächlich eine „Entschuldigung“ fällig?
Zunächst vorweg: Ein Reinfall ist „Entschuldigung für Nichts“ auf keinen Fall. Unangefochten schaffen es die Jungs, in ihrem ganz eigenen Stil druckvolle Melodien mit einer Power Metal-artigen Orchestrierung zu verschmelzen, so dass ein rundes und sehr harmonisches Ganzes entsteht. Dabei bleiben sie ihrer seit GlaubeLiebeHoffnung 2010 etablierten Rezeptur treu: Hammerharte Riffs in den Strophen, hochmelodische Hooklines in den Refrains, die sich ins Ohr fressen und den Hörer so schnell nicht mehr loslassen. Gerade Tracks wie „Alles“ oder „In Sekunden“ hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck. Zwar kommen die Lyrics insgesamt etwas gehaltlos daher und es ist schade, dass die Band sich zunehmend darauf verlässt, einfach ein- und denselben Satz im Chorus mehrfach zu wiederholen. Dennoch wirken die Tracks wie aus einem Guss und erinnern insbesondere in ihren Chorusses sogar ein wenig an etwa „Altes Fieber“ vom aktuellen Hosen-Album. Insbesondere ist es nach wie vor Meisters einzigartige Reibeisenstimme, welche den Tracks ihren ganz besonderen Flair verleit.
Dennoch bleibt auch meine Ursprungsbefürchtung nicht gänzlich unbestätigt: GlaubeLiebeHoffnung war rund, in sich abgeschlossen, bot vielseitige Themen und kluge Lyrics. An der Melodiedichtung der Band hat sich seitdem nicht viel verändert. Immer noch donnern brachiale Soundwolken über den Hörer hinweg, wobei vor allem die sehr satte Produktion lobend hervorzuheben ist und so gar nicht mehr an die eher „rauen“, leicht unterproduzierten Töne früherer Punk-Zeiten erinnern wollen. Auf der anderen Seite klingen die Tracks bisweilen unglaublich gleich. GlaubeLiebeHoffnung? Antirockstars? Oder doch Entschuldigung für Nichts? Man könnte die Tracks aller drei Alben problemlos auf eine einzige CD brennen und hätte nicht das Gefühl, Musik von drei verschiedenen Longplayern vor Ohren zu haben. Insbesondere die angekündigten „neuen“ Einflüsse fallen sehr spärlich aus. Hier ein Ska-Beat, dort ein bisschen mehr „Power“. Da sind keine echten Ausflüge in andere Stilistiken, sondern bestenfalls marginale Ergänzungen. Zu dezent, um positiv aufzufallen, und gerade nicht belanglos genug, um vollständig im epochalen Klangwald der Platte unterzugehen. Auch in der Power Ballade zeigt sich recht deutlich, dass Meister einfach nicht aus seiner Rolle ausbrechen kann. Treibende Harmoniken und donnernde Lyrics sind sein Metier – als Balladeur wirkt er aufgesetzt und irgendwie unter Strom, als würde er die ganze Zeit nur darauf warten, doch endlich noch mehr Gas geben zu dürfen. Ein wenig wie ein Bullterrier, eingesperrt in einer viel zu kleinen Hundehütte.
Was bleibt zu sagen? Entschuldigung für Nichts ist ein solides Album. 100% Betontod, und etwa 95% von ihren vorherigen beiden Alben geklont. Was die Jungs machen, machen sie verdammt gut, auch wenn insbesondere im Vergleich zum sehr starken 2010er-Album ein wenig die lyrische Finesse in der Textdichtung abhandengekommen zu sein scheint. Wer den jüngeren Stil der Band mag, kann beherzt zugreifen. Allen anderen sei ebenfalls empfohlen, mal einen Blick zu riskieren. Ein gutes Album, aber auch „nur“ gut. Kein Meilenstein und ein wenig unter dem, was die Jungs leisten können. Trotz neuer „Versuche“, die Scheibe vielfältiger zu gestalten, relativ monoton; aber für Fans dieses und genau dieses Genres eben dadurch womöglich doppelt gut geeignet. Nein, entschuldigen müssen sie sich wahrlich nicht.
Bleibt nur zu hoffen, dass 2013 nicht schon wieder ein neues Album kommt, denn dann müsste man tatsächlich beginnen, sich über einen musikalischen Burnout der Band Gedanken zu machen. Anno domini 2012 stehen sie aber nach wie vor mit ihrem Schaffen sehr ordentlich da und bieten gute, kurzweilige Musik mit ordentlich Wumms!
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Score:
70% Annehmbar …

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