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Bliksem – Face The Evil

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von Bliksems „Face The Evil“ (2013).
„Bliksem klingen wie die weibliche Antwort auf Testament oder Megadeth.“
Interpret: Bliksem
Titel: Face The Evil
Erschienen: 2013
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Endlich mal eine Band aus Belgien. Auf diesem Sektor bin ich, bis jetzt zumindest, eigentlich noch jungfräulich. Also mal sehen, wie im Land der Fritten abgerockt wird?! Das fünfköpfige Kollektiv Bliksem hat noch dazu ein ganz besonderes Ass im Ärmel, nämlich die Frontfrau Peggy Meeussen. Mit ihrer rasiermesserscharfen Stimme zieht sie eine wahre Schneise in die sonst so männliche Domäne. Oder anders ausgedrückt: Ich wusste gar nicht, dass Frauen so viel Eier haben können. Das muss an dieser Stelle mal gesagt werden. Und auch der Bandname macht durchaus Sinn, denn er bezieht sich auf das holländische Wort für "Blitz" oder "Wetterleuchten".
Dementsprechend gestalten sich auch die Tracks auf "Face The Evil", dem aktuellen Output der Band aus Antwerpen. Zur Geschichte: Nachdem die Gruppe 2007 als ihr Gründungsjahr angibt, war relativ rasch, nämlich schon 2008, die Demo-CD eingespielt. 2010 folgte die erste EP und heuer erscheint endlich das lang erwartete Debüt-Album. Ihre musikalischen Gebärden werden von Trash Metal dominiert und der wird bis zur letzten Note ausgekostet. Ist das Intro noch schwelgerisch und sphärisch gehalten, brettert das Qunintett ab Sekunde 20 dahin, als wäre ihnen der Leibhaftige auf den Fersen. So wird gleich die Richtung vorgegeben und gezeigt, was eigentlich Sache ist. Atemberaubende Tandem-Soli schrauben sich in ungeahnte Höhen - versehen mit einer Portion Wahnsinn - bis die dreckige Stimme von Meeussen einsetzt, die das Kollektiv durch die Titel treibt, dass dieses kaum hinterherkommt. Eher ungewöhnlich, dennoch geht der größte Druck von der Sängerin aus. Dummerweise wird manchmal so dahingerumpelt, dass keine Rücksicht auf den Flow der Songs genommen wurde und dieser - durch die unrunden Einlagen - direkt etwas gestört ist.
Dennoch machen Nummern wie der Opener "The Life on which I feed" oder "These Tales of Tragedy" richtig Laune. Vor allem Letzterer glänzt durch ein Maximum an Homogenität und Kompaktheit. "Dead End Road" würde ich als den Mainstream-Hit des Albums einstufen. Am wenigsten gefährlich klingend, wäre er durchaus Airplay-tauglich. Bei dem Hochgeschwindigkeits-Rotzer "Disciples" oder dem halbfertigen "This Time" fängt die Sache dann ein wenig an zu hapern. Die Stücke wirken stellenweise nicht zu Ende gedacht und ein Riff wird ans nächste gehängt, egal ob passend oder nicht. Darüber hagelt es immer wieder synchron gespielte Gitarrensoli, untermalt von Doublebass-Einlagen, dass einem die Spucke wegbleibt, auch wenn alles etwas verquer klingt. Der Titel-Track und zugleich erste Auskopplung fällt leider auch in diese Kategorie. Erst mit "Insanity's Curse" ist wieder etwas vom anfänglichen Feuer zu spüren. Bei "Mr. Man", am Ende der Platte, geben sie dann nochmal richtig Gas und entladen sich komplett.
Ein wahrlich fulminantes Ende. Der Trashfaktor der Fünf ist enorm hoch und so wird geschrubbt und soliert, bis die Finger bzw. Ohren bluten. Wenngleich auch der teilweise Angst einflößende Gesang, eher an das Gewüte ihrer männlichen Kollegen erinnert. Trotzdem zaubert sie ein paar Melodien hervor, die der Holländerin Anouk nahe kommen. Aber grundsätzlich liegt das Hauptaugenmerk am "Dahinbrettern", durchzogen von Melodieversuchen, die teils naiv, teils rasant, eher nach Megadeth oder Testament klingen. Allerdings hätte ein bisschen Abwechslung, auf lange Sicht, nicht geschadet. Denn nach fünf Stücken ist, zumindest bei mir, das Trash-Limit erreicht. Auf Albumlänge, wird es dann doch zu eintönig. Gut, die Truppe rockt ohne Rücksicht auf Verluste, aber das ist halt nicht alles. Ich unterstelle dem Album jetzt mal, dass es ihm dadurch ein wenig an Nachhaltigkeit mangelt, aber wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Wer das Bedürfnis verspürt, die Kombo live zu erleben, dem bietet sich beim heurigen Roadburn-Festival in Tilburg/Holland, die Gelegenheit dazu. Dem Artwork des Digipacks gehört definitiv auch noch ein Platz eingeräumt, denn das ist schlichtweg großartig und äußerst ansprechend. Die matt-schwarze Hülle mit erhabenem Bandlogo und partiell lackierten Flächen, macht ordentlich Wind im CD-Regal.
Fazit: Bliksem klingen wie die weibliche Antwort auf Testament oder Megadeth. Aber auf Dauer wird's allerdings etwas monoton. Dennoch, wer ein ganzes Album lang voll aufe Schnauze will, ist mit den Belgiern gut bedient. Weiters bietet die weiblichen Stimme, eine interessante Alternative, in dem sonst so Männer dominierenden Genre. "Face The Evil" hat zweifelsohne seine Momente, diese werden aber zu wenig konsequent und ohne Experimentierfreude fortgeführt. Die Zeit wird's eventuell richten und beim nächsten Album passt dann auch das noch.
Anspieltipps: The Life On Which I Feed, These Tales Of Tragedy, Dead End Road, Insanity's Curse
Vergleichbares: Testament, Megadeth

 
Score:
72% Gut.

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