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Bullet for My Valentine – Temper Temper

Kritik von: Janis Dinter
Album-Cover von Bullet for My Valentines „Temper Temper“ (2013).
„Etwas zu soft und unentschlossen“
Interpret: Bullet for My Valentine
Titel: Temper Temper
Erschienen: 2013
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Auch wenn die beiden nachfolgenden Alben erfolgreicher waren als ihre erste Platte, so waren es doch vor allem die Klänge ebenjenen ersten Albums „The Poison“, die Bullet for My Valentine zum Rum verhalfen. Im Jahre 2005 erschienen, zog es in rasantem Tempo das Interesse der Metalcore-Fans auf sich und schaffte es durch den gekonnten Einsatz von Elementen verschiedenster Metal- und Rockgenres, auch unter jenen seine Liebhaber zu finden, die bis dato noch nicht viel Begeisterung für diese Art der Musik verspürten. Seitdem wird die Band an den anfänglichen Erfolgen gemessen und auch in diesem Review, das sich eigentlich auf das neue Album „Temper Temper“ konzentriert, bleibt dieser Anhaltspunkt nicht aus. „Wir machen uns keine Gedanken, was die Kritiker denken oder sagen“, ist die Aussage von Sänger Matthew Tuck. Na dann, sollte es ihn auch nicht stören, wenn gleich die ein oder andere Kritik zu ihren Ungunsten ausfällt: Der Einstieg in das erste Lied Breaking Point lässt den gespannten BFMV-Fan erst einmal zufrieden mit dem Kopf nicken, denn diese ersten Klänge kommen sehr kraftvoll und energisch daher. Nach etwa dreißig Sekunden allerdings bricht der harte Beginn abrupt ab und wird durch eine recht softe Gesangseinlage ersetzt. Strophe und Refrain bewegen sich in der Folge auf diesem Niveau, das wenig harte Riffs oder Drumparts zu bieten hat. Wer in diesem ersten Stück nach Scream-Clear-Wechseln sucht, tut dies jedoch ebenfalls vergebens.
The Truth Hurts kann diesbezüglich auch nicht wirklich mehr bieten. Zwar sind erste zurückhaltende Screamparts zu erkennen, doch bleibt das Lied trotz eines vielversprechenden Heavy-Metal-Beginns hinter dem zurück, was es zu Anfang zu sein scheint. Damit ist es zwar nicht als langweilig zu bezeichnen, kann jedoch besonders die metalbegeisterten Zuhörer nicht ausreichend fordern. Der nächste Song ist nach dem Titel des Albums Temper Temper benannt und beginnt mit rap-ähnlichem Gesang, der recht schnell in den Refrain übergeht. Hier wird der Singlecharakter des Stücks nur allzu deutlich, sodass man sich das dazugehörige Video regelrecht vor dem geistigen Auge vorstellen kann. Wie seine beiden Vorgänger ist auch dieser Song nicht direkt schlecht, kann aber trotz seiner kraftvollen Ausführung nicht 100%ig überzeugen.
Dies ändert sich jedoch schlagartig mit P.O.W., das bandtypisch mit harten Gitarren beginnt, dann jedoch zu einem ruhigen, fast traurig klagenden Song wird. Die schöne Melodie erinnert sehr an Songs früherer Tage und besticht vor allem dadurch, dass hier zum ersten Mal echte Screaming Vocals zum Einsatz kommen, was besonders erstaunlich ist, da dieser Song ansonsten sehr viel ruhiger ist, als seine Vorgänger. Bestärkt und mit einem guten Gefühl im Bauch beginnt Lied Nummer fünf: Dirty Little Secret. Eine starke Drumeinlage und ein längst überfälliger Urschrei von Matthew Tuck lässt Gutes ahnen, doch was ist das? Die einsetzende Strophe ist plötzlich vollkommen unerwartet und extrem ruhig. Es gibt Lieder bei denen ruhige Parts besser passen als harte und anders herum ebenso, doch in diesem Fall wird der Zuhörer eine Minute lang auf ein hartes Lied vorbereitet, das dann aber einfach nicht kommt. Zu allem Überfluss singt Tuck dann am Ende der Strophe die Zeile „Dirty little secrets, dirty little secrets“ und klingt dabei viel zu sehr nach dem gleichnamigen Song der US-Rockgruppe The All-American Rejects. Auch wenn der Refrain anschließend weniger poppig ist, bleibt der erste Eindruck bestehen: Guter Beginn, langweiliger Song! Auch mit Leech gelingt der Band nicht der erhoffte Wechsel. Zwar hören sich einige Elemente nach anständigem Heavy Metal an, doch um wirklich diesem Genre zugeordnet werden zu können, fehlt die Durchschlagskraft im Gesang. Überhaupt ist dieses Lied ein echtes Wirrwarr aus unterschiedlichsten Genreelementen: Während man sich im einen Moment noch in einem Heavy Metal Song wähnt, kommen einige Sekunden später poppige Töne daher. Ebenso werden Metalcoreparts durch punkig anmutende Gitarrenspuren verdrängt. Ohne zu sehr auf der festen Einteilung in Genre-Schubladen bestehen zu wollen, bleibt sich doch zu fragen, ob es nicht zu viel verlangt ist, solche ein Durcheinander in einem vierminütigen Song unterbringen zu wollen.
Dead to the World lässt dann aber doch erkennen, warum sich die Band nicht allein im Metalcore-Genre zu Hause fühlt. Denn besonders das langsame Gitarrenspiel zu Beginn klingt stark nach Heavy Metal. Das Lied wird im weiteren Verlauf zu einem echten Live-Stück, das gut geeignet wäre, um der ausgepowerten Pogomeute eine Pause zu gewähren. Doch stellt man sich automatisch die Frage, wovon man sich auf diesem Album bitte ausruhen soll? Fast hat man sich schon darauf eingestellt, dass die zweite Hälfte von Dead to the World ebenso ruhig verläuft, als ein gekonnter Tempowechsel für Aufmerksamkeit sorgt. Mit einem zweilagigen Gitarrensolo wendet sich das Stück hin zu einem Song, der ebenso unerwartet wie passend und gut gespielt ist. In der Folge sorgt der Beginn von Riot für einen guten Gegensatz zum überwiegend ruhigen Vorgänger. Leider Gottes setzt nach einiger Zeit dann jedoch ein abgehackter Gitarrentakt ein, der über die meiste Zeit des Liedes auf die Ohren schlägt. Dieser Klang ist derart anstrengend, dass selbst das schnelle Solo mit seinen hohen Tönen als Entspannung wahrgenommen wird. Doch kaum hat die Leadgitarre ihren Job getan, beginnt dasselbe wieder von vorne. Über Saints and Sinners lassen sich im Grunde vor allem zwei Dinge sagen: Interessanter Weise setzt die Band hier zwei verschiedene Refrains direkt hintereinander. Während der erste sehr ruhig klingt, kommt im zweiten die ganze Kraft zum Vorschein. Insgesamt jedoch – und das ist die negative Erkenntnis – ist auch dieses Lied mal wieder viel zu linear und bis auf die oben genannte Besonderheit ein uninspiriert wirkender Rocksong.
Doch was wären Bullet For My Valentine wenn sie gegen Ende des Albums nicht noch ein Ass im Ärmel hätten: Mit Tears Don`t Fall (Part 2) wagen sich die Waliser an eine Fortsetzung ihres Erfolgshits aus dem ersten Album. Nun, acht Jahre später, stellt sich die bange Frage, wie sie dies umzusetzen wissen. Gleich von Anfang an ist die Ähnlichkeit mit dem ersten Teil zu erkennen und als der altbekannte Schrei „Let`s goooo“ hier durch „Let`s go agaiiinnn“ ersetzt wird, wird wohl so mancher Fan der ersten Stunde weich. Es fällt äußerst positiv auf, dass die Strophen und der Refrain zwar immer wieder für kurze Momente Ähnlichkeiten offenbaren, sie jedoch keine Kopien des Erfolghits sind. Tatsächlich ist der Song härter als die meisten anderen auf diesem Album, was schon insofern für sich spricht, als dass Tears Don`t Fall auf „The Poison“ zum ruhigeren Teil zu zählen war. Besonders versöhnlich klingt das Ende, das mit den Worten „Your Tears don`t Fall, they crash around me“ schließt. Wir sind also nun beim letzten Song namens Livin‘ Life (On the Edge of a Knife) angelangt, der rockig beginnt ohne jedoch wirklich zu glänzen. Mit zunehmender Dauer wird der Song härter, was ihn aber leider keinesfalls besser werden lässt. Obwohl das Lied nicht als Rückschlag zu werten ist, bleibt doch das Gefühl, dass es mit seinem Vorgänger einfach nicht mithalten kann.
Fazit: Mit Temper Temper melden sich BFMV nach fast drei Jahren zurück und versorgen ihre Fans mit neuem Stoff, der leider nicht ganz so sehr überzeugen kann, wie man wohl vielerorts zu hoffen gewagt hatte. Wie bereits das 2010 erschienene Album Fever sind die meisten Songs auch hier relativ ruhig und kommen in Bezug auf ihre Durchschlagskraft nicht an die ersten beiden Platten heran. Als hätte Matthew Tuck solch eine Kritik erwartet schickt er voraus: „Wir haben die Phase, wo wir uns irgendetwas beweisen müssen, hinter uns. Wir sind jetzt Männer. Das Wichtigste ist, dass uns selbst gefällt, was wir tun – und dann hoffentlich auch unseren Fans.“ Hoffentlich haben sich die vier Waliser damit nicht einen Bärendienst erwiesen.
Score: 74% - Gut
 
Score:
74% Gut.

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