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Dispatch – Circles Around The Sun

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von Dispatchs „Circles Around The Sun “ (2013).
„Ein verschroben-fröhliches Americana-Meisterwerk.“
Interpret: Dispatch
Titel: Circles Around The Sun
Erschienen: 2013
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Endlich ein neues Output des Bostoner Americana-Trios Dispatch. Mehr als eine Dekade hat es gedauert, bis die Wunderkinder des Roots-Rock ein neues Album ins Rennen schickten. Dispatch, das sind Chad Urmston, Pete Heimbold und Brad Corrigan. Das Markenzeichen der Kombo war und ist, dass sie auf der Bühne ständig Instrumente tauschen und wechseln. So liest sich die Liste der Instrumente, die jedes Mitglied spielt, wie der Einkaufszettel einer Großfamilie. Von Gitarren, Bass, Schlagzeug mal abgesehen, bespielen die Drei so ziemlich alles, das einen Ton von sich gibt: Angefangen bei Ukulelen, Charangos bis hin zu Banjo und Mundharmonikas.
Dispatch werden gern als "die größte Band" bezeichnet, die man entweder mag, oder eben nicht. "Dazwischen gibt es anscheinend nichts!?", wie die Jungs selbst zugeben. Und genauso wenig lassen sie sich auch stilistisch eindeutig festlegen. Der Americana ist die Spielwiese, auf dem nach Lust und Laune herumgeturnt wird. Folk, Country oder Rock, selbst vor Reggae oder A cappella wird nicht zurückgeschreckt, sondern mutig entgegengetreten. Und dieses Gefühl der Ungezwungenheit überträgt sich auch auf den Hörer. Kaum einer der Tracks überschreitet die 4-Minuten-Grenze und funktioniert so wunderbar, auch seitens der Ausdauer. "Circles Around The Sun" ist der Soundtrack für einen lauen Sommernachmittag, an dem alles möglich scheint. Mit einer spielerischen Leichtigkeit schlängeln sich Dispatch durch den Genre-Garten, ohne aufzufallen, sondern um sich ihrer Umgebung anzupassen und darin aufzublühen. So entstehen pompöse Popperlen wie der fröhliche-beschwingte Titel-Song, schräge Country-Garage-Rocker a la Phish wie "Not Messin'" oder das fröhlich-groovende Americana-Juwel "Get Ready Boy", das mit seinem ausgelassenen Chorus an die Travelling Wilburys erinnert. Und diesen Genre-Mix betreiben sie auch bei ihren Konzerten - die eigentlich ein Kapitel für sich sind - denn die gleichen einer riesigen Party, bei der es teilweise zu 10-Minuten-Jams kommen kann, in die sie jede Menge Spaß und Entertainment hineinstecken. Denn für die Live-Shows werden die Studio-Alben als Grundlage hergenommen und nach Lust und Laune damit herumgetobt. Als Referenz würde ich hier die Live-Alben "Gut the Van" und "All Points Bulletin", sowie die Live-DVD "Zimbabwe" empfehlen, bei denen man sich recht schön ein Bild von diesen launigen "Events" machen kann. Wie zuvor schon erwähnt, wechseln sie ständig Instrumente und ziehen ihre Songs dabei ein wenig in die Länge - also eine waschechte Jam-Band, wie moe., die legendären Phish oder einst The Grateful Dead. Ein wahres Erlebnis, dem unbedingt schleunigst beigewohnt werden sollte, solange, bis es sich die Band wieder überlegt und neuerlich eine Pause macht. Die Vergangenheit spricht für sich: Seit der ersten Auszeit 2002, haben sie es, bis zum heutigen Tag, auf drei weitere "Hiatus", wie Bands dazu sagen, gebracht. Die Warnung ist also nicht ganz grundlos.
"Josephine" könnte von The Thorns sein, inklusive leise dahinbrodelnder Hammond-Orgel, die dem ganzen noch zusätzlich eine Lagerfeuer-Romantik verleiht. “Flag" ist ein fesselnder Ukulelen-Swinger, der mit soviel Pathos beladen, trotz seiner minimalistischen Machart, kaum zu übertrumpfen ist, und am Ende sogar noch mit einem fragilen Xylophon versehen wurde. Ganz groß! "Come to me" lässt die Jungs von Calexico antreten - natürlich ohne Mariachis - nur im spartanischen Wüsten-Kostüm, mit ein wenig Psychedelik beladen. Herrlich schräg wurde der Titel mit windschiefen Samples versehen, die ihm die nötigen Ecken und Kanten geben. Richtig haarsträubend - aber im positiven Sinne - wird es, wenn sich der Song von Neil Youngschem Feedback-Gewitter zerrissen, schlafen legt. "Never or Now" ist ein sanfter, aber verschroben-trockener Rock-Song, gespickt mit vielen warmen Melodien, in bester Ben Harper-Manier. Und der Endtrack macht genau was er verspricht, "Feels so good". Zumindest am Ende, wenn uns die Jungs einen kurzen Einblick zu den Aufnahmen gewähren sowie den Spaß, den sie dabei hatten. Der knarzige Bottleneck-Blues beendet den Nachmittag und lädt zu einem neuerlichen Durchlauf ein. Eine gelungenes Allround-Album, das zu keiner Zeit verkehrt scheint. Es wirkt in seiner Gesamtheit wie ein Zyklus, der von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang andauert. Auch in der Langzeit-Note macht der Longplayer ein gutes Bild: Nach dem vierten Durchlauf sind beim Hörer nach wie vor keine Ermüdungserscheinungen festzustellen. Noch ein Wort zum Artwork: Eigentlich ist beim Blick aufs Cover alles gesagt, denn das spiegelt genau die angenehme Stimmung des Albums wider.
Fazit: Dispatch kredenzen uns ein verschroben-fröhliches Americana-Meisterwerk, das selbst nach mehrmaligen Hören, kaum Durchhänger aufweist. Hier stimmt einfach alles! Mit elegischen, teils fröhlich-beschwingten Songs, verblüffen Dispatch bei jedem Durchlauf aufs Neue. Wer moe. mag, Wilco, Tom Petty und The Band vergöttert, oder auch die späten Black Crowes nicht zu lahm findet, wird mit dem umtriebigen Trio ein wahres Gustostückerl an Americana-Roots-Rock finden. Ein paar Punkte Abzug gibt's für die etwas lustlos dahinmäandernde Endnummer "Feels so good", die sich aber in Anbetracht des restlichen Albums, total verschmerzen lässt.
Anspieltipps: Circles around the Sun, Not Messin', Get Ready Boy, Come to me, Flag, Never or Now

 
Score:
93% Höchste Kunst!

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