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Galahad – Incredibile Galahad

Kritik von: Alexander Kipke
Album-Cover von Galahads „Incredibile Galahad“ (2011).
„Folk Rock-Scheibe der Dinslakener Band Galahad.“
Interpret: Galahad
Titel: Incredibile Galahad
Erschienen: 2011
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Einst lebte zur Zeit des frühen Mittelalters ein Ritter namens „Galahad“ im dunklen, mystischen und zugleich doch faszinierenden Britannien. Als Sohn von Sir Lancelot wurde er zu einem Ritter an der Tafelrunde des Königs Artus und galt als „makelloser“ sowie „reiner“ Gefährte des sagenumwobenen Königs. Und damit die ganze Story perfekt wird, muss man erwähnen, dass Galahad sowohl den heiligen Grahl fand, den Zauberer Merlin persönlich kannte und genau wie Artus es schaffte, ein Schwert aus einem klobigen Granit irgendwo im Nirgendwo zu ziehen …
Jeder verstaubte Historiker würde jetzt laut aufschreien und die Chronik Britanniens zücken um zu zeigen, dass das alles nie geschah und in die Welt der Sagen verbannt werden müsse. Doch Mittelalterfans und eine deutsche Folkrock-Truppe, die sich nach eben jenem Ritter „Galahad“ benannt hat, wird all das nicht stören! Eher im Gegenteil! Mit ihrer neuen CD „Incredibile“ hat die Gruppe um Paul Jost und Ralf Veith versucht, ein diesem Motto treues Album zu erschaffen, welches von Liebe, Krieg, aber auch von „wahren Legenden“ und allgegenwärtigen Themen wie zum Beispiel der Zeiteinteilung im heutigen Alltag handelt.
Dem Hörer werden sowohl reine Instrumentalstücke als auch vor allem von Tina Schreibers kräftiger Stimme gewürzte Songs dargeboten. Vor allem beim instrumentalen Track „Ride to Akkon“ öffnet sich bildlich die Weite Britanniens vor dem geistigen Auge des Hörers. Gewaltig und majestätisch! Der Track wäre perfekt als musikalische Untermalung für eines dieser Mittelalter-Rollenspiele. An dieser Stelle merkt man auch, dass die Musik der Band einerseits bombastisch sein kann, jedoch niemals versucht, aufdringlich Gehör zu erlangen. Es ist definitiv kein Mainstreamgedudel, das uns da präsentiert wird!
Manchmal fühlt man sich vom Arrangement der Tracks - vor allem beim Song „After Rising Will Be Fall“, und sogar noch etwas stärker bei „Incredibile Galhad“ - ein wenig an die Mönchsrocker von Gregorian erinnert. So wenig Bass wie möglich, einige choral anmutende Gesangspassagen und die lateinischen Gesänge starten schnell ein Kopfkino, bei dem man sich im keltischen Britannien auf unendlich weiten, regnerischen Wiesen unter Steinkreisen und vermummten Gebetssängern in braunen Kutten wiederfindet. Die drei Instrumentalstücke auf der CD tragen wesentlich dazu bei, dass sie das gewisse Etwas eines Soundtracks zu einem Mittelalterfilm aufweist. Mal ist es fast so, als stünde man auf einem mittelalterlichen Markt zwischen rufenden und failschenden Händlern und auftretenden Artisten; und beim nächsten Song sitzt man bereits in des Maides Kammer am knisternden Kaminfeuer und lauscht den Geschichten vergangener Zeiten.
Die rockigen Elemente halten sich jedoch über weitere Strecken eher zurück. Hier und da gibt es ein E-Gitarrensolo, meistens aber dominieren mittelalterliche und für uns heute eher exotisch anmutende Instrumente das Klangbild der Songs. Und natürlich die von Paul Jost beschworene Flöte! Da finden sich schnell Parallelen zum britischen Folkrock Urgestein Jethro Tull …
Nachdem es mit „Way To Tara“ bei barocken Klängen etwas ruhiger und „besinnlicher“ wurde, folgen zum Ende der Scheibe mit „Stay Alive“ und „Go Sit On A Track“ etwas rockigere Songs, bei denen Tina Schreiber ihr gesamtes Gesangstalent beweisen kann.
Es wäre jedoch falsch, zu behaupten, dass die CD zu einem Drittel aus Elementen des Folks, im anderen Drittel aus Rock und im Letzten aus Elementen der Klassik bestünde. Es ist viel mehr ein Verschmelzen zu etwas Neuem und dabei durchaus Homogenem, bei dem man nicht mehr die einzelnen Subgenres trennen und als Einzelnes betrachten oder analysieren kann. Ich denke, genau das ist es, was die Band Galahad in der Mittelalter-Szene so bekannt gemacht hat. Dieser ganz spezielle und eigene Sound, den man recht schwer einer bestimmten Schublade zuordnen kann.

Fazit:

Alles in allem gibt es auf diesem Album einige gute Songs und Songpassagen, die zeigen, warum Galahad seit 1985 im Musikgeschäft durchgehalten haben. Manche Stellen hätten aber auch etwas ausgebaut werden können, wo großes Potential für weitere Interpretationen des Themas besteht. Folk Rock im Sinne moderner Vertreter wie Schandmaul oder SaMo bietet Galahad nicht. Ihr Ansatz bleibt auf unter seichteren, instrumentaleren, man könnte fast sagen besinnlicheren Ebene. Weniger der vocal-lastige Ausdruck besagter Genrekollegen steht hier im Vordergrund als das In-Sich-Gekehrte, das monumentale. Fasst man den heutigen Folk Rock als modernen Expressionismus auf, so könnten Galahad glatt als anachronistische Impressionisten durchgehen. Insbesondere die choralen und instrumentalen Adern im Sound der Band könnten dabei viele Fans moderneren Folk Rocks verprellen, denn die Musik braucht ihre Zeit um zu Wirken. Hier werden sich sicherlich die Geschmäcker scheiden.
Als endgültige Wertung würde ich die Platte mit 70 von 100 Punkten noch im „guten“ Bereich positionieren, wobei man die Scheibe den Folkrockfans urtümlicherer Facon ruhigen Gewissens empfehlen kann. Wer jedoch gerade erst in die Szene einsteigt, der sollte sich vielleicht doch zuerst die etwas eingängigeren Bands zu Gemüte führen um sich dann allmählich dem exotischen Ansatz von Galahad anzunähern. Denn diese Scheibe ist mit ihrer ganz eigenen Stilistik leider nicht für Jeden beim ersten Hören greifbar. Insbesondere wer das „Rock“ im „Folk rock“ groß schreibt, der wird mit der Platte sicherlich eher zu kämpfen haben. Alle anderen sollten unbedingt mal reinhören und sich auf ein Klangerlebnis der ungewohnten Art gefasst machen!
 
Score:
70% Annehmbar …

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