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Heimdall – Aeneid

Kritik von: Janis Dinter
Album-Cover von Heimdalls „Aeneid“ (2013).
„Irgendwo zwischen super und schon x-mal gehört“
Interpret: Heimdall
Titel: Aeneid
Erschienen: 2013
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Das Subgenre des Power Metal hatte es in der Metalfamilie nie wirklich leicht: Erst wurde es nicht ernst genommen und verspottet, weil es zu „positiv“ klänge, um sich Metal nennen zu dürfen, dann erlebte es eine wahre Flut an Bands, die es bisweilen bis zur Übersättigung ausreizten. Und heute? Ja heute wird häufig – sogar unter den Bands des Subgenres selbst – behauptet, es sei schon alles gespielt worden, was zu spielen ist. Genau in dieser schwierigen Zeit kommen die Italiener von Heimdall nach sechs Jahren Abstinenz mit ihrem Comeback-Album Aeneid daher. Keine leichte Aufgabe, jetzt den richtigen Nerv der kritischen Zuhörerschaft zu treffen, aber wir werden sehen:
Die Handlung des Albums konzentriert sich auf Sagen, die in Gedichtform in zwölf Büchern die Geschichte vom Fall Trojas bis hin zur Gründung Roms erzählen. Zu diesem Zweck stimmt das Intro mit dem Titel Prologue den Hörer auf das Kommende ein. Das gelingt dem Sextett aus Salerno in Süditalien auch ganz anständig. Mit einem kraftvollen Übergang beginnt Forced By Fate, ein typischer Power Metal Song wie aus dem Lehrbuch. Vor allem kommt der Refrain sehr stimmig und eingängig daher, auch wenn gleich in der ersten Strophe der Gesang heraussticht – nicht unbedingt zum Positiven. Sehr hoher Männergesang, der leider den epischen Charakter des Songs einen kleinen Knacks versetzt. Weiter geht es mit Save You, einem Stück, das hundertprozentig folgerichtig auf das vorherige einsetzt. Der erste Eindruck täuscht nicht: es ist ein im Ansatz bombastisches Stück, das aber keineswegs schwer verdaulich ist. Durch relativ einfache Strophe-Refrain-Strophe-Refrain Abhandlungen wird es dem Zuhörer leicht gemacht, sich endgültig in das Album einzufinden.
In der Folge nehmen die Jungs etwas den Speed aus der Sache und präsentieren mit Waiting for the Dawn einen schönen Rock-Song. Der sehr ruhige Anfang geht über in einen angenehmen Mittelteil. Jene, die von den ersten beiden Stücken angestrengt gewesen sind, bekommen hier eine Entspannung ohne aber Gefahr zu laufen, in einen dösigen Zustand zu verfallen. Ballad of the Queen nimmt noch mehr Geschwindigkeit heraus und erinnert stark an die langsameren Stücke von Blind Guardian. Durch den sehr schönen und stimmigen Einsatz von Streichern und Klavier kann dieser Song definitiv als Ruhepause verstanden werden. Der Unterschied zu den beiden klassischen Power Metal Songs zu Anfang könnte größer kaum sein. Insgesamt ein sehr schönes Stück, das mit mehrlagigem Gesang endet. Nach dieser verdienten Pause folgt… ein Interlude. Die folkloristischen Klänge des Funeral Song, die fast an Eluveitie erinnern, strecken das Geschehen unnötig in die Länge. Diese Verzögerung ist nach zwei Liedern von der ruhigeren Sorte nun wirklich nicht nötig und wäre weiter hinten im Album sicher besser angebracht gewesen.
Dafür werfen einen zu Beginn von Underworld anschließend super-mario-gleiche Speed Metal Klänge aus dem drohenden Dämmerschlaf. An diesem Song, der im gleichen Gewandt wie die ersten beiden daherkommt, wäre theoretisch nichts auszusetzen, doch fällt auf, dass im dritten schnellen Stück das dritte absolut identisch klingende Solo gespielt wird. Das ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiter dramatisch, aber wie die weiteren Stücke zeigen werden, scheint Heimdall kein Stück aus dem Bereich des Power oder Speed Metal spielen zu können, ohne nach ziemlich genau zwei Dritteln in ein Gitarrensolo zu verfallen. Doch während ich mich noch im einen Moment etwas über das Beschriebene ärgere, lässt mich der nachfolgende Song verstummen: denn Gates Of War ist das unbestrittene Highlight des Albums. Bereits der Anfang ist sehr gefühlvoll und unaufgeregt. Des Weiteren schaffen zweilagiger Gesang und der gezielte Einsatz von Klavier eine melodische Kraft, die beachtlich ist. Als ich das Album zum ersten Mal hörte, wusste ich, ohne die drauffolgenden Lieder gehört zu haben, dass dies bei Weitem das beste Lied sein muss. Ohne vorweggreifen zu wollen, ist Gates Of War wohl das einzige Lied, das es definitiv wert ist, als Single präsentiert zu werden.
Weiter geht es mit Hero, welches nicht nur im Namen ein typisches Power Metal Stück ist. Starke Drum-Einlagen mit kraftvollen Double Bass Einsätzen begleiten den Song, der mit zunehmender Dauer immer epischer wird, um dann… na, wer errät es… in einem Gitarrensolo gipfelt. Sowie die beiden Stücke zu Beginn genau aufeinander passten, gehört auch Night On The World eng zu seinem Vorgänger. Hier fallen besonders die sehr gekonnten Wechsel von lautem Gesang und schneller Melodie über ruhige Einlagen bis hin zu epischen Chorgesängen auf. Was das x-te nichtssagende Solo mal wieder soll, bleibt wohl Heimdalls großes Geheimnis. Das letzte klassische Power Metal Stück der Scheibe namens All of Us lässt den aufmerksamen Zuhörer kurz innehalten und sich fragen, ob er das Lied nicht zuvor bereits einmal gehört hat. Der dankbare und sehr wenig fordernde Hard Rock Song bietet wenig Grund zur Kritik, trägt aber auch keinen nennenswerten Beitrag zum musikalischen Gesamtbild bei. So langsam geht das Album seinem Ende zu, was die Band sehr schön mit Away vorzubereiten vermag. Der nur eine Minute und vierzig Sekunden lange Song kommt einem schwermütigen Abschied gleich, kann jedoch glaubwürdig zum würdigen letzten Akt (The Last Act) überleiten. Dieser ist sehr harmonisch mit harter Gitarre und gefühlvollem Klavier ein schöner Abschluss, der Lust auf mehr macht.
Das Album Aeneid von Heimdall ist im Großen und Ganzen eine sehr gelungene Scheibe mit dem epochalen Höhepunkt Gates Of War in der Mitte. Einen nicht zu verschweigenden Kritikpunkt stellt der uninspirierte Einsatz von Gitarrensoli in sieben von zwölf Songs dar. Diese werden Kritikern des Subgenres erneut Anlass geben, sich das Maul zu zerreißen und leisten zudem in Bezug auf die Harmonie des Albums keinen positiven Beitrag. Überaus hervorhebenswert sind jedoch die Übergänge von schnelleren zu langsameren Songs und zurück. Somit schafft es die Band, den Zuhörer stets aufmerksam zu halten. Aeneid ist eine Album, das sich in keinem CD-Regal verstecken muss.
Score: Gut - 73%
 
Score:
73% Gut.

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