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JFT-Trio – Where You Are

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von JFT-Trios „Where You Are“ (2013).
„Die Scheibe groovt wie Sau und jeder Ton sitzt!“
Interpret: JFT-Trio
Titel: Where You Are
Erschienen: 2013
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Und immer wieder tun sich musikalische Schätze auf, die so nahe liegen, aber trotzdem meist unentdeckt bleiben. Das wollen wir bei dem österreichischen JFT-Trio mal nicht hoffen, denn zu erstklassig und hochkarätig sind die Songs auf ihrem ersten Output, der EP "Where You Are", um nicht gehört zu werden. Die drei Studenten der Bruckner Universität, Johannes Traxler, Florian Aufreiter und Tadej Supukovic haben in den vergangen Wochen - kurz nach dem offiziellen Release - ordentlich für Aufsehen gesorgt, denn die sechs Stücke auf "Where You Are" vereinen Laid-Back-Funk mit Kuschel-Faktor, angereichert mit einer Note Jazz und sogar Blues. Eine willkommene Abwechslung in der sonst so seelenlosen Musiklandschaft unserer Zeit. Dargeboten mit einer Hingabe und zugleich Virtuosität, dass erst ein Konzert der Gruppe die Seele beruhigen wird. Mit angenehmen Melodiebögen, die zu keiner Sekunde aufgesetzt wirken, beweisen die Drei ein gutes Gespür für Musik, wie das äußerst ausgewogene und erwachsene Songwriting beweist. Der Bass und das Schlagzeug bilden dabei die funkige Grundmauer für Sänger und Gitarrist Johannes Traxler, um sich darin nach Lust und Laune auszutoben, wie etwa im Opener "If I Knew".
Der teilweise im Improvisationsbereich angesiedelte Pop, lässt auch in Sachen Sound keine Wünsche offen: Der Bass groovt glasklar dahin, die Drums greifen ergänzend ein, ohne jemals zu übersteuern, aber noch genug Raum für die fragilen Gitarrenparts zu lassen. Denen übrigens eine besondere Erwähnung zusteht, nachdem Traxler dafür gesorgt hat, auf subtiler Ebene, nie Langeweile aufkommen zu lassen und teilweise sogar Verzückung hervorzurufen.
Außerdem werden mit Sicherheit einige Frauenherzen mit "Where You Are" gebrochen werden. Schön, dass es so etwas noch gemacht wird. Selbst fetzige Solo's finden noch eine Nische um zu Glänzen, wie bei "Until The End Of Days", dem frenetischsten Track der EP. Gleich nochmal. "Under My Skin" lässt dann schon denn Live-Charakter der Stücke erahnen, so frei strawanzt das Trio um die Nummer herum, um im Chorus dann auf Faserschmeichler-Modus umzuschalten. Richtig schmoove wird es in "Peace With Myself", denn der Name ist Programm und so stompt es entspannt dahin, bis wieder ein kurzer Impro-Teil eingeschoben wird, und an Ihre Live-Auftritte erinnert. Ganz groß! Und auch die Ohrwürmer kommen nicht zu kurz, denn sie sind das Zentrum der EP, und rundherum wird gegroovt, gefunkt und dem Soul gehuldigt.
"Sorry I Hurt You" lässt erahnen, wohin sich die Band hierbei bewegt ... und zu meiner Überraschung, schlagen die Drei wieder den Weg des Grooves ein. Der Soloteil ist wohl am Überzeugendsten und rockt beinahe die restlichen Stücke in Grund und Boden. Wäre da nicht noch der eigentliche Rocker der EP - der ans Ende des Albums verbannt wurde - und eine Lücke hinterlässt, die erst mit dem nächsten Output wieder gefüllt werden kann. Sollte man tatsächlich einen Kritikpunkt suchen, findet man eventuell die Experimentierarmut, die die sechs Songs nur relativ selten aus ihrer bequemen Komfort-Zone herauslockt. Allerdings wird das live nachgeholt und bildet so einen Anreiz, auch Ihre Shows zu besuchen, und nicht nur den YouTube-Balken hin und her zu schieben. Das haben sie eigentlich ganz geschickt eingefädelt.
Fazit: "Where You Are" groovt wie Sau und wurde nebenbei noch hochklassig arrangiert, wie auch instrumentiert. Aber nie ohne die Harmonien zu vernachlässigen und gelegentlich sogar in die Kuschel-Phase abzudriften. Der Crossover-Pop, den die drei Virtuosen hier abliefern, wird noch viele Musikliebhaber begeistern, sofern sie - über die noch taufrische Band - stolpern. Und hier kann man das Wort "Musik" tatsächlich noch in seiner ursprünglichen Bedeutung benützen. Und nicht als abgedroschene Floskel, die alles und jeden beinhaltet, der nur ein wenig im Stande ist, Lärm gewinnbringend aufzunehmen und zu vermarkten. Beim JFT-Trio liegt der Soul tief verwurzelt - mit Hingabe und Leidenschaft - in den Songs verankert; auch wenn sie nur sehr sporadisch aus ihrem Korsett herausbrechen, wie bei "Until The End Of Days" oder "Not For Me". Fantastisch, diese Abwechslung, innerhalb ihres selbst abgesteckten Horizonts.
Anspieltipps: If I Knew, Until The End Of Days, Not For Me
Vergleichbares: John Mayer, Jamie Lidell, Roachford, Keziah Jones

 
Score:
81% Hervorragend!

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