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My Dynamite – My Dynamite

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von My Dynamites „My Dynamite“ (2012).
„My Dynamite kicken The Black Crowes vom Rock 'n' Roll-Thron!“
Interpret: My Dynamite
Titel: My Dynamite
Erschienen: 2012
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"Down Under" hält, nach wie vor, Schätze bereit und verblüfft, von Zeit zu Zeit, mit wirklich hochkarätigen Bands. Acts wie Airbourne, Midnight Oil, INXS, Silverchair, Jet, Powderfinger, The Datsuns, Nick Cave, Rose Tatto, The Vines und allen voran natürlich AC/DC, beweisen das eindrucksvoll. Nach dieser kleinen Nachhilfe-Stunde in Sachen Aussi-Rock, können wir uns endlich dem vorliegenden Album zuwenden, denn es ist wieder einmal soweit: Ein neuer Vertreter dieses ganz besonderen Genres, erblickt das Licht der Welt. Die Rede ist von dem fünfköpfigen Kollektiv My Dynamite, das im Retro-Feeling nur so schwelgt. Der soulige Blues-Rock der Siebziger, ist das Anliegen des australischen Quintetts, das problemlos 40 Jahre früher, ebenso hätte existieren können. Nach dem ersten Durchlauf ist man sogar verleitet, es von allen Dächern zu rufen: "Die Black Crowes haben ein neues Album am Start! Und unter anderem Namen, besinnen sie sich endlich wieder ihrer Wurzeln!" Zumindest war es das, was ich, nach der ersten Runde ihres selbstbetitelten Debüts, dachte. Doch weit gefehlt, My Dynamite vereinen all das, was die ehemaligen Gralshüter des Rock 'n' Roll in letzter Zeit so stark vermissen lassen: Ehrlichen Soul 'n' Roll!
Der vorhin erwähnte Vergleich mit den Black Crowes ist nicht ungerechtfertigt, wie sich schon beim Opener zeigt. Denn "Take It Or Leave It" enthält die Essenz von "Remedy" - dem Überhit der "Krähen" vom 1992er Meisterwerk "The Southern Harmony And Musical Companion" - das ich übrigens allen dringlichst, als Hörtipp, ans Herz legen möchte. Im weiteren Verlauf erarbeiten sie sich aber dann doch noch die Eigenständigkeit. Wäre da nicht die Stimme von Sänger Patrick Carmody, die so unweigerlich an Chris Robinson erinnert, dass die folgenden Tracks, wohl oder übel, im Zeichen der Crowes stehen werden. Für mich als Fan, absolut kein Problem. Und nachdem auch Steven Tyler und Rod Stewart in diesen Stimmbereich fallen, wird sich wohl auch sonst kaum jemand daran stoßen. Immerhin gehören sie ja zu den bekanntesten Rockröhren überhaupt. Und natürlich verwenden My Dynamite auch deren Geheimrezept, auf das schon so viele Bands zurück gegriffen haben und in Musikerkreisen ganz banal "Sisters" genannt wird. Gemeint sind Background-Sängerinnen, die das Dargebotene ein wenig auflockern, mit ihrem Soul würzen und den Songs somit zusätzlich Feuer verleihen. "Inside Out" ist die erste von vielen Nummern auf dem Silberling, die sich bei diesem Geheimtipp bedient. "If We're Livin'" schlägt dann einen härteren Tenor an und lehnt sich ein wenig bei "Make It" an, dem prägnantesten Titel auf Aerosmiths Erstlingswerk. Zieht aber noch einen Schuss Psychedelik hinzu und verpasst dem Stück so das nötige Selbstbewusstsein. Eine ganz besondere Erwähnung gebührt auch den beiden Gitarristen Benny Wolf und Jorge Balas, die mit ihrer perfiden Gitarrenarbeit, jedem Titel reichlich Esprit verleihen und so, auch nach dem x-ten Durchgang, immer noch Neues entdecken lassen. Wie die subtilen Slide-Parts, die gut platziert, für den nötigen Drive sorgen.
"Dirty Game" verwandelt sich nach einer verhaltenen Einleitung, in ein Blues-Rock-Vehikel aller erster Güte. Und selbst der Southern Rock hat bei My Dynamite seine Berechtigung, ist er doch schon seit jeher im Blues, und vor allem dem Rock, verwurzelt. Derweil groovt alles so schön entspannt und die Band macht auch gar keinen Hehl aus ihren Vorlieben, denen mit Sicherheit die Faces und The Rolling Stones angehören, wie das subtil-rockende "Singing Stormy Weather" oder der entspannte Southern-Groover "Big Attraction" zeigen. Sogar bei den fulminanten Live-Shows gedenken sie ihrer Idole, indem sie beispielsweise "Stay with me" oder "Happy" covern. Und schon melden sich die Faces, in Form von "Watch yourself grow", wieder zu Wort. Ja, so herausragend waren sie auch einmal, aber seit der Zeit ist schon viel Whiskey in der Kehle von Ron Wood und Rod Stewart hinunter geflossen. Spätestens bei "Raise your Glasses" dürfte auch dem letzten Hörer die Größe von My Dynamite bewusst werden. Die feurige Hymne zelebriert den Rock 'n' Roll wie kein anderer Track auf dem Album. Also lasst uns die Gläser erheben: Auf die neuen Könige des Rock 'n' Roll!! Vielleicht noch ein Wort zu "All that she brings", das perfekt vor dem Rausschmeißer "Fork in your Tongue" platziert wurde und das Live-Feeling der Band recht anschaulich einfängt. Eben erwähnter End-Track fällt dann musikalisch ein wenig aus dem Rahmen, da gegen Ende noch die Akustik-Klampfen ausgepackt werden und dadurch eine Lagerfeuer-Romantik entsteht. Knochentrocken feiern sie mit dem Stomper die Wiedergeburt des Mississippi-Blues, der nebenbei erwähnt, sicher auch ein Unplugged-Konzert der Jungs, zu einem Erlebnis werden lässt. My Dynamite unterhalten mit ihrem Erstlingswerk zwar um Längen attraktiver als derzeit die Crowes selbst, dennoch reichen sie nicht ganz an die frühere Spritzigkeit ihrer Brüder im Geiste, heran. Müssen sie aber auch nicht, denn so gewinnen sie den längst überfälligen Funken Eigenständigkeit.
Offizielles Video zu "Fork in your Tongue":
Wer braucht schon eine Kopie? Wobei, bei dem was die fünf Amerikaner derzeit abliefern, ist nicht mehr, als ein Abziehbild ihrer selbst, übrig geblieben. Man hätte Marc Ford und Eddie Harsch nicht so einfach gehen lassen dürfen. Und auch Johnny Colt war zu jeder Minute ein Gewinn für die Brüder Robinson. Aber das ist eine andere Baustelle, die eventuell in Kürze betreten wird, nachdem auch sie, im nächsten Monat, ein neues Live-Album veröffentlichen werden. Das stimmiges Cover spiegelt recht anschaulich den Inhalt des Silberlings wider; wobei mir die Totenköpfe dann doch ein wenig zu übertrieben sind. Ich frage mich nach wie vor, was es damit auf sich hat, dass dieses Klischee heutzutage noch immer von so vielen Rock-Acts, bedient wird. Und nebenbei haben sie auf dem Album in keinster Weise etwas verloren: Der entspannte Rock 'n' Roll, den die Jungs hier abliefern - angereichert mit einer Prise Southern-Rock - ist schlichtweg mitreißend und mit so viel Seele vorgetragen, dass ich beim besten Willen keinen Ansatz finde, der Totenköpfe oder Gebeine in jeglicher Art, rechtfertigt. Als Musikliebhaber ist man doch auch Ästhet und so ist eine Kritik in der Hinsicht durchaus berechtigt. Aber über das lässt sich, in Anbetracht der sensationellen Mucke, problemlos hinwegsehen. Übrigens, als kleiner Tipp am Rande: Die Truppe kommt im April für acht Dates nach Deutschland, was ich als absoluten Pflichttermin, für alle Freunde des gepflegten Rock 'n' Roll und Southern Rocks, einstufen würde.
Fazit: My Dynamite kicken The Black Crowes vom Rock 'n' Roll-Thron und veröffentlichen mit ihrem selbstbewusstem Debüt ein Album, das in der heutigen Zeit so erfrischend ist, wie ein lauer Sommerregen. Sie mixen einen kurzweiligen Cocktail aus Altem, Gutem und Bewährtem, versehen ihn spürbar mit Herz und Seele und lassen so keine Fragen bezüglich der Authentizität offen. Nebenbei steht ihnen der Southern-Rock mit Blues-Schlagseite hervorragend und lässt die Vorfreude aufs nächste Album enorm steigen. Für mich, jetzt schon einer der Höhepunkte des heurigen Jahres. My Dynamite ist ein wahres Bravourstück gelungen, das sicher noch oft den Weg in meinen CD-Player finden wird. Das muss ihnen erst mal jemand nachmachen.
Anspieltipps: Take it or leave it, Inside Out, Watch yourself grow, Raise your Glasses, Big Attraction
Vergleichbares: The Black Crowes, Faces, Aerosmith, The Rolling Stones, Lions In The Street

 
Score:
89% Hervorragend!

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