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Nachtgeschrei – Aus Schwärzester Nacht

Kritik von: Janis Dinter
Album-Cover von Nachtgeschreis „Aus Schwärzester Nacht“ (2013).
„Klasse Sound dank neuem Sänger, fetzigem Metal und gekonnten Folkeinflüssen“
Interpret: Nachtgeschrei
Titel: Aus Schwärzester Nacht
Erschienen: 2013
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Für alle, die sich im Bereich des Mittelalterrocks heimisch fühlen, kommt hier ein echter Leckerbissen: Denn Nachtgeschrei ist eine seit mittlerweile sieben Jahren aktive deutschsprachige Mittelalter-Folk-Metal Band, die sich gut darauf verstehen, eine gehörige Portion Power in ihre Songs zu stecken. Zwar ist ihr Name nach wie vor nicht so sehr in aller Munde wie beispielsweise jener von In Extremo oder Subway to Sally, doch tut das der Qualität ihrer Musik keinerlei Abbruch. Das nun erschienene Album „Aus Schwärzester Nacht“ sieht sich daher großen Erwartungen ausgesetzt, zumal mit Martin LeMar ein neuer Sänger an den Kopf der Truppe getreten ist.
Ganz wie es zu erwarten war, beginnt die Band im ersten Song Sirene mit einem kraftvollen Feuer aus Hardrock-Klängen und natürlich dem Röhren von Dudelsack und Drehleier. Auch der Gesang lässt nicht lange auf sich warten. Schnell wir spürbar, dass LeMar lange Zeit Teil der Progressive Metal Szene war (er spielte bei der Band Mekong Delta), da definitiv noch Einflüsse aus dieser Zeit in seiner Stimme zu hören sind. Die Geister die Uns riefen beginnt ähnlich wie sein Vorgänger, doch stellt man schnell fest, dass dieser Track deutlich ruhiger und hymnischer ist. Besonders durch langgezogene Dudelsacktöne gelingt es den sieben Mannen eine traumähnliche Sehnsuchtstimmung zu kreieren. Im weiteren Verlauf des Liedes sind jedoch auch Doublebasseinsatz und harte Gitarrenriffs mit von der Partie.
Ein Kritikpunkt, den sich die Bands im Genre Mittelalterrock häufig anhören müssen, ist, dass die Lieder zu häufig naiv und kitschig klingen. Wahrscheinlich gibt es tatsächlich keine Band aus diesem Bereich, die einen solchen Kommentar noch nicht über sich hat ergehen lassen müssen. Doch gibt es natürlich verschiedene Auffassungen von Kitsch: der eine kann von verträumtem Singsang nicht genug bekommen, während der andere davon überhaupt nichts wissen will. So oder so steht eines bereits jetzt mit Bestimmtheit fest: Nachtgeschrei sind nicht kitschig! Das beweisen sie auch in ihrem Song Flamme. Besonders die bereits erwähnte kraftvolle Stimme von Sänger LeMar zerschmettert alle sanften Gedanken an eine Band mit peinlichen Strumpfhosen und Glöckchen an den Schuhen. Im darauffolgenden Song Spieler horcht man erst einmal irritiert auf, da der Anfang hier perfekt nach einem Stück von den Kollegen der Band Subway to Sally klingt. Doch verfliegt der Anschein genauso schnell wie er gekommen ist, denn nach etwa einer Minute dominiert die Gitarre den Song mit Klängen, wie aus einem Metalcore-Song gegriffen. Und auch dieser Part wird sogleich wieder abgelöst durch gefühlvolles Dudelsackspiel. Der Anschein trügt nicht: die Lieder der Band sind sehr wandelbar. Was in dem einen Moment noch wie ein roter Faden durch den Rest des Liedes wirkt, wird schon im nächsten Augenblick durch eine völlig andere Melodie abgelöst. Die einzige echte Konstante ist der hervorragende Gesang von LeMar, der mit seinem Können so manchen alteingesessenen Genrekollegen im Regen stehen lässt.
Einen echten Höhepunkt des Albums bietet der Song In die Schwärze der Nacht, der wohl als Titeltrack bezeichnet werden kann. Große Bedeutung kommt hier dem Akkordeon zu, das in diesem Fall fast konstant über das gesamte Lied zu verfolgen ist. Hier spielt die Band den speziellen Trumpf ihres Genres perfekt aus, nämlich die Verknüpfung von Hardrock-Klängen und den folkigen Tönen von Dudelsack und Akkordeon. Schon beim ersten Hören ist dieser Song prädestiniert, um sich im Kopf einzunisten und einen Ohrwurm zu hinterlassen. Doch ist das alles andere als schlimm, da es sich hierbei um einen echten Klassesong handelt! Ein jedes Album braucht allerdings auch einmal eine Ruhepause, da es sonst riskiert die geschärften Reize zu sehr zu überfluten. In diesem Fall ist das der Song Unter deinem Licht. Das zweigeteilte Lied besteht aus einem Akustikteil, in dem lediglich Gitarre und Gesang zu hören sind, und einem Rockteil, der brachial aber dennoch gefühlvoll dazu einlädt die ausgezeichnete Musik der sieben Musiker einfach nur zu genießen.
Das war’s also? Nein, weit gefehlt! Denn punktgenau weckt der Song Na Sdorowje wieder die eingeschlafenen Beine und bittet zum Tanz. Zwar dieses Mal ohne Gesang, aber dafür mit umso mehr Elan und natürlich – wie sollte es bei diesem Namen auch anders sein – mit russischen Flair. Die restlichen Lieder wissen daraufhin leider weniger zu überzeugen: Am Rand der Welt ist genauso wenig als schlechtes Lied zu bezeichnen wie Für alle Zeit, doch sind sie nicht im Stande dem Album zusätzliche Würze zu verleihen. Ungebrochen überrascht zum Abschluss damit, dass es an das Schandmaul-Album „Mit Leib und Seele“ erinnert, wobei doch die vorherigen Songs mit den Minnesängern von Schandmaul herzlich wenig gemein hatten.
Fazit: Mit dem Album „Aus Schwärzester Nacht“ beweisen die Jungs von Nachtgeschrei vor allem zwei Dinge: zum einen, dass es auch noch andere Bands von ansprechendem Niveau im Mittelalterrock-Genre gibt, als die landläufig bekannten, und zum anderen, dass ein Sängerwechsel auch ein echter Volltreffer sein kann. Harte Bandklänge, melodische Folkeinflüsse und die herausragende Stimme von LeMar sind die neue Handschrift von Nachtgeschrei. Einziger Kritikpunkt: Mit sechzehn Liedern ist das Album ein wenig zu lang geraten, da vor allem das letzte Drittel nicht mehr so erfrischend rockig daherkommt, wie die vorherigen Lieder.
Score: 88% - Sehr gut!
 
Score:
88% Hervorragend!

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