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PTSD – A Sense Of Decay

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von PTSDs „A Sense Of Decay“ (2013).
„Der Wahnsinn hat ein neues Mitglied, das auf den Namen PTSD hört!“
Interpret: PTSD
Titel: A Sense Of Decay
Erschienen: 2013
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Ich muss ganz ehrlich gestehen, das folgende Album, habe ich mir lediglich wegen des äußerst ansprechenden Covers zur Rezension ausgewählt. Aber geht es nicht auch dem Käufer im Laden so, wenn er auf der Pirsch nach neuer Musik ist? Somit funktioniert "A Sense Of Decay", der mittlerweile zweite Output des italienischen Quintetts PTSD, als Blickfang schon mal einwandfrei. Wer sich fragt, was die Abkürzung bedeutet: Post-Traumatic Stress Disorder. Daher könnte man das vorliegende Release quasi auch als eine Art Therapie-Album sehen. Das 2005 formierte Kollektiv veröffentlichte 2008 ihr Debüt, mit dem Namen "Burepolom", dass über My Kingdom Music gleich weltweit vertrieben wurde.
Da hat's wohl ordentlich Vorschusslorbeeren gehagelt. Außerdem fanden drei Stücke davon auf den Soundtrack zu dem Horrofilm "Am I Evil" - nicht schlecht für einen Newcomer. Anschließend begannen auch schon die Arbeiten an der vorliegenden Veröffentlichung. Die Truppe hat sich enorm viel Zeit gelassen und daher verwundert es auch nicht, dass "A Sense Of Decay" den Hörer zu fesseln vermag. Und das sogar über weite Strecken des Albums; wenn auch nicht in einem Durchgang. Der Mix aus Alternative Rock, Grunge, Metal und was-weiß-ich nicht noch alles, unterstreicht das Cover-Artwork perfekt: Ein Schmetterling, der halbseitig in den schönsten Farben erstrahlt, aber auch vollkommen verloren ist und zu Asche zerfällt. Eine recht schönes Sinnbild für die Zeit in der wir leben und natürlich auch für den Album-Titel. Aber nehmen wir die Scheibe mal genauer unter die Lupe:
Endlich sieht der Metal seine Grenzen nicht mehr ganz so eng und es dürfen auch genrefremde Elemente in die Songs einfließen, wie beim Eröffnungstrack "Event Horizon", der mit einer fetzigen Elektronikpassage gleich unheimlich Bock auf den Song macht. Genau wie Stabbing Westward mit "Dark Days" oder Paradise Lost mit "One Second", 15 Jahre zuvor. Und genau das macht den wütend dahinpolternden Opener auch so attraktiv. Stilistisch würde ich mal von Progressiv-Metal ausgehen; allerdings von einer sehr melodieverliebten Variante. "A Reason to die" rumpelt leider zu uninspiriert durch seine viereinhalb Minuten. Dafür trifft "Parasomnia" wieder voll ins Schwarze, das mit seinem tobenden Genre-Mix zwischen Hardcore, Rock und Southern Metal a la Pantera herumlaboriert und verliert dadurch zu keiner Zeit an Relevanz. Die Luftgitarre bereithalten, Freunde! "Staring the Stormwall", die erste Ballade, wenn man so will, erinnert an Alice in Chains, gepaart mit Porcupine Tree. Schräge Mischung? Wohl wahr, aber trotz alledem sehr unterhaltsam. Vor allem, da man das Gefühl hat, das alles schon mal gehört zu haben. Aber zu unterschiedlich sind die stilistischen Abwandlungen, um sie in Worte zu fassen. Und selbst beim vermeintlichen Ende, schlägt der Track eine Kehrtwendung und gibt plötzlich unheimlich Gas, nur um hinter der nächsten Kurve schon wieder abzukühlen. Man könnte meinen, es wären mehrere Songs, als lediglich der eine, der sich über sechs Minuten erstreckt. Das nächste Monument nennt sich "Suicide Attitude" und wirkt im Mittelteil ein wenig zu unruhig, um den Hörgenuss durchgehend aufrecht zu erhalten. Dennoch hat es seine Momente, vor allem in der letzten Minute, denn da wird aus dem tonnenschweren Brocken, ein luftig locker dahintrabender Rocksong. Der Wahnsinn kennt bei dem italienischen Kollektiv kaum Grenzen, und so verspielen sie die Chance auf einen kompakten Longplayer, der leider immer wieder von etwas ungeschickten Einlagen, unnötig ausgebremst wird. Weniger ist halt manchmal doch mehr. Mal sehen was die zweite Hälfte dieses kolossalen Werkes bringt!?
Wie erwartet finden die schrägen Eskapaden ihre Fortsetzung: "Breathless" erinnert auch schon mal an das musikalische Chamäleon System of a Down, bei denen die Grenzen zwischen Genialität und Psychiatrie sehr nahe beisammen liegen. Bei "Solar Matter Loss" wird's nochmal interessant, denn die erste Hälfte des balladesken Songs - mit eingespielten Samples - übernimmt der Drum-Computer, und so klingt die Band streckenweise nach den dänischen Pop-Rockern Surfact. "By A Thread" streift noch schnell den Black Metal, aber mit unheimlich viel Pathos - damit auch wirklich jedes Genre abgedeckt wurde. Wie ihr merkt, gehen mir schon langsam die Stilbezeichnungen aus, obwohl ich noch immer gut eine Hand voll brauchen könnte. Und wer oder was sie geritten hat, ein Anastacia-Cover aufs Album zu packen, würde mich echt interessieren. Denn der Titel ist weder im Original, noch im Cover irgendwie originell. Vor allem da der Schwerpunkt bei Anastacia auf ihrer Stimme liegt, die relativ einzigartig ist. Und für "A Sense Of Decay" wurde der Titel 1:1 übernommen und lediglich mit fetten Gitarren angereichert. Aber halt keine innovativen Ideen beigemengt, die dem Track einen eigenen Stempel aufdrücken würden. Da waren ihre Landsmänner von A Perfect Day schon geschickter, die sich zumindest Adele's Bond-Hit "Skyfall" als Cover auswählten und ihm eine persönlich-progressive Note verliehen. Skip. Allerdings versöhnen PTSD mit dem eigentlich letzten Stück auf dem aktuellen Release, mit Namen "…If?", dass einem Rock-Zwitter aus Dream Theater und Porcupine Tree gleicht. Und "eigentlich" deshalb, weil als Rauswerfer, der Opener "Event Horizon" nochmal als Remix vorhanden ist. Kann man sich aber getrost schenken, denn wenn ich Joachim Witt hören will, dann höre ich das Original, denn so ähnlich klingt der "Forgotten Sunrise-Remix", des eben erwähnten Stückes.
Fazit: Das Cover trifft den inhaltlichen Nagel genau auf den Kopf: Der Wahnsinn hat ein neues Mitglied und hört auf den Namen PTSD. Die Truppe pflügt so ziemlich durch jedes härtere Rock-Genre; leider ohne Rücksicht auf Verluste. Die Vielfalt ist für einen Hördurchgang dann doch etwas zu bunt und überladen. Eine oder zwei Nummern im Shuffle-Mode würde ich empfehlen, denn so können sich die Songs richtig entfalten und werden nicht vom zu mächtigen Musik-Spektrum erschlagen. Darum mein Tipp: Nähert Euch dem Album Titel für Titel, dann wird es Euch fesseln und mit seinen vielen Nischen und Abzweigungen, ein regelrechtes Dopamin-Feuerwerk entzünden.
Anspieltipps: Event Horizon, Parasomnia, Staring The Stormwall, Solar Matter Loss, …If?
Vergleichbares: Dream Theater, Alice In Chains, System Of A Down, Tool, Porcupine Tree, Stabbing Westward, Paradise Lost

 
Score:
81% Hervorragend!

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