Metal Trails Music Magazine | Metal Rock Punk Folk Pop and Alternative Music
Besuche uns auf Facebook! Besuche uns auf YouTube!

Revelation – Inner Harbor

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von Revelations „Inner Harbor“ (2012).
„Ein Album wie zähflüssiger Doom-Honig ...“
Interpret: Revelation
Titel: Inner Harbor
Erschienen: 2012
[ Album bei Amazon.de kaufen ]
Welches Jahr schreiben wir? 2013? Wir könnten uns aber genau so gut inmitten der Siebziger befinden, wenn man nach dem Trio Revelation aus Baltimore geht, die seit 1986 den epischen Doom-Metal zelebrieren, wie keine Zweiten. In den letzten Jahren hat er sich dann aber doch ein Stück weiter in Richtung Progressivität vorgewagt. Mit dem Album "Inner Harbor" - ihrer mittlerweile vierten Auskoppelung - haben sie die schöpferische Pause von 1995 bis 2007 überwunden und lehren einige Kollegen wieder ordentlich das Fürchten.
Aber alles mit der nötigen Ruhe. Denn das Dreigestirn übt sich auf dem aktuellen Release in brodelnder Lethargie, obwohl sie eigentlich kaum Zeit haben dürften, da sie es doch nebenbei - mit ihrer im Jahr 2004 gegründeten Avantgarde-Kombo Against Nature - mittlerweile auf nunmehr 19 Veröffentlichungen gebracht haben. Das Kollektiv hat sich nicht nur dem klassischen Stil verschrieben, sonder haben gleich noch den dazugehörigen Sound im Gepäck, der eine Deutung des Erscheinungsjahrs komplett unmöglich macht.
Gemächlicher Funk trifft auf fortschreitende Langsamigkeit, wie beim Opener und zugleich Namensgeber des Albums "Inner Harbor" deutlich wird. "Terribilita" ruckelt etwas unschlüssig dahin und wird leider vom lieblosen Gesang des Gitarristen Josh Brenner entwertet, der streckenweise stark nach Joey Ramone klingt. Die Gesangsparts halten sich dennoch in Grenzen - meistens liegt das Hauptaugenmerk nämlich auf den Instrumental-Passagen, die einen hohen Jam-Faktor aufweisen und vermutlich auch so entstanden sind. Und gegen Ende kommt die Nummer dann sogar nochmal richtig in die Gänge. Eindeutig der rockigste Track auf der Scheibe. Feinster Progressiv Rock, begleitet von schrägen Keyboard-Einlagen lullt den Hörer bei "Rebecca At The Wall" ein und entwickelt sich zu einem der Höhepunkte des Silberlings. Trotz seiner knappen sechs Minuten ist er leider immer noch etwas zu kurz geraten.
Auch Jimmy Page und Co gesellen sich zur Riege der Einflüsse, die mittlerweile weitreichender nicht sein könnten: Von Mountain über Led Zeppelin bis hin zu Black Sabbath ist alles drin, was das Metal-Herz höher schlagen lässt. In "Jonas Falls" darf das Keyboard wieder mitmischen und wertet damit alles gleich ein wenig auf. Was sich auf jeden Fall bemerkbar macht, ist die qualitative Steigerung der Songs mit zunehmenden Hörfortschritt. Die Strukturen werden dichter und nur gelegentlich von Fuzz-Gitarren zerrissen, die dem Longplayer seinen unverwechselbaren Charme verleihen. Ein blasser John Carpenter-Flair breitet sich - bedingt durch das Retro-Keyboard - dabei aus, der auch dem Endtrack "An Allegory Of Want" deutlich interessanter macht. Die Songs wagen sich leider etwas zu wenig aus der Sicherheits-Zone hinaus, so wirkt alles relativ homogen und im Verlauf des Albums zunehmend gleich und experimentierarm. Auch wenn Revelation bei jeder Gelegenheit zu glänzen versuchen, nur eben auf ihre Weise. Dabei laufen die Stücke - meist mit einem psychedelischen Unterton versehen - wie zähflüssiger Honig ins Gehör. Und passend zum dreckigen Sound, ist "Inner Harbor" auch auf Vinyl erschienen und sollte bei einer Kauf-Erwägung definitiv berücksichtigt werden. Nebenbei unterstreicht es damit, das an sich schon geniale Cover-Art, noch zusätzlich.
Fazit: Revelation ist mit "Inner Harbor" eine echte Überraschung gelungen, die sich erst sukzessive zu erkennen gibt. Wer es beim Metal nicht so eilig hat und die Gemächlichkeit schätzt, der ist bei dem viertem Longplayer der Band aus Baltimore bestens aufgehoben. Allen anderen wird vermutlich der Tritt in den Allerwertesten fehlen. Die Songs folgen dabei in etwa alle dem selben Schema - wenn nicht sogar "F" wie fad, aber das lasse ich mal im Auge des Betrachters liegen - und stört auch nicht zwingend, denn so wird der rote Faden konsequent fortgeführt und das Album schweißt sich zu einer kompakten Einheit zusammen. Glücklicherweise ist "Inner Harbor" zur Zeit auf ihrer Homepage als kostenloser Download erhältlich, was das Antesten ein Leichtes macht. Go and get it!
Anspieltipps: Inner Harbor, Rebecca At The Wall, Jones Fall
Download-Link: http://revelationbaltimore.bandcamp.com/album/inner-harbor
Die Vinyl-Edition ist erhältlich bei "Pariah Child Records".

 
Score:
85% Hervorragend!

Kommentare von Besuchern

Eigenen Kommentar schreiben:

Dein Name:
Deine E-Mail-Adresse: (optional, nicht sichtbar)
Deine Nachricht:
Sicherheitscode:
(wie angezeigt angeben)
Captcha
oder:
Fertig? Dann:

Login Copyright © Metal Trails