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Rival Sons – Great Western Valkyrie

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von Rival Sons’ „Great Western Valkyrie“ (2014).
„Einige Innovationen und viel Altbewährtes machen „Great Western Valkyrie“ zu einem würdigen Nachfolger von „Head Down“.“
Interpret: Rival Sons
Titel: Great Western Valkyrie
Erschienen: 2014
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Das kalifornische Quartett Rival Sons lässt nicht locker: Seit 2009 veröffentlichen sie in regelmäßigen Abständen ihre grandiosen Studioalben und zelebrieren darauf Fuzzy-Garagerock mit viel Soul und Blues. Beinahe jährliche durfte sich die stetig wachsende Fangemeinde auf ein neues Output freuen, die allesamt qualitativ immer hochwertiger wurden: Das Debüt "Before The Fire" vereinte alte Led Zeppelin-Fans, die in den “Rival Sons“ die legitimen Nachfolger gefunden hatten. Album Nummer Zwei "Presssure and Time" zeigte dann einen deutlichen Fortschritt im Sound und die Band um den charismatischen Sänger Jay Buchanan hatte ihren Stil gefunden. "Head Down" von 2012 ließ erstmals erahnen, was sich mit der Findung des eigen Sounds alles anstellen lässt und begeisterte wiederum Fans und Kritiker. Ob das neue, langerwartete vierte Studio-Output "Great Western Valkyrie" den Vorschusslorbeeren gerecht wird und die Jungs dort anschließen können wo sie mit "Head Down" so atemberaubend aufhörten, zeigt das folgende Review.
Das Album legt mit "Electric Man" ab und schon hier zeigt sich, die Rival Sons haben nichts von ihrer Energie verloren; auch wenn man etwas vergeblich nach Innovationen sucht. Dennoch reisst einen der Song schon bei den ersten Takten mit. Da kauft man Buchanan auch gerne die Lyrics ab, in denen er immer wieder versichert: "I'm Electric!". Währenddessen schwebt Scott Holidays geheimnisvolles Solo bedrohlich über dem Song und verleiht ihm den nötigen Nachdruck. Bei "Good Luck", dem Folgestück ändert sich nicht viel an der Sachlage, abgesehen davon, dass die Truppe dem Sound noch etwas mehr Härte, aber auch Soul, verliehen hat und dadurch noch authentischer wird. Ein echtes Groove-Monster, das sich in drei Minuten komplett entlädt. Nebenbei erinnert das Stück ein wenig an The Captain & Tenilles Hit "Love Will Keep Us Together", zumindest ist man immer wieder versucht es anzustimmen. Überhaupt scheint man vieles schon mal gehört zu haben und einige werden sich bei der Suche nach den Originalkompositionen ertappen. Man kann aber keineswegs von Kopie sprechen, vielmehr bedienen sich die Rival Sons an allen Ecken und Enden der Musikgeschichte und vermengen es zu einem kongenialen Neuen. "Secret" ist ein aufrechter Garage-Blues-Rocker wie man ihn von den Sons gewöhnt ist und dabei schreit sich Buchanan die Seele aus dem Leib, wie seinerzeit Jim Morrisson. Die Nummer klingt etwas roher und puristischer als der Rest des Albums und zeigt die wahre Größe von Holiday, der die Gitarre bearbeitet als würde es bei dem Geheimnis um Leben und Tot gehen. "Play The Fool" wartet erstmals mit klanglichen Innovationen auf und mausert sich recht schnell zum derzeitigen Höhepunkt von "Great Western Valkyrie". Nicht zuletzt wegen seiner Nähe zu Led Zeppelins' "Misty Mountain Hop". Mit "Good Things" findet sich schon der nächste Juwel der Platte ein: Das Stück vereint die Kompositionen von Burt Bacharachs mit dem Charme eines Scott Walker und wird von Holiday mit einer psychedelischen Slide-Gitarre unterlegt, die dem Popsong den letzten Schliff verpasst. Gelegentlich löst ihn eine Orgel ab, die eine erste Nähe zu den Doors spüren lässt.
Immer mehr fällt auch auf, dass Buchanans Stimme so brilliant wie nie zuvor klingt. Derweil soliert sich Scott Holiday - in gewohnter Weise - durchs Album und auch Michael Miley zeigt an den Drums, dass er durchaus dazu im Stande ist, nicht nur den Takt zu halten, sondern gleichzeitig auch noch zu unterhalten. In Dave Beste's butterweiche Bassläufe möchte man sich am liebsten einwickeln, so angenehm und doch immer spannend präsentiert sich der neue Mann am Bass. Besonders interessant bei der ersten Auskopplung, dem Fuzz-Rocker "Open My Eyes". Beste ersetzt seit letztem Jahr Robin Everhart, der sich nicht mehr so recht mit dem Tourleben arrangieren konnte. Zudem passt Beste, meiner Meinung nach, optisch sowieso besser ins Lineup.
Einen Hang zu den Doors, Ära "The Soft Parade", können die Vier nicht abstreiten, denn "Rich And The Poor" greift schon wieder in Morrisson & Cos Trickkiste. Der Sound steht den Rival Sons dennoch außerordentlich gut, auch wenn der Song selber eher Durchschnitt ist. Genau wie "Belle Starr", das nicht so recht in die Gänge kommen will. "Where I've Been" ist eine typische Rival Sons-Ballade, die zwar wundervolle Melodien in sich vereint, aber durch das gelegentliche Gesudere von Buchanan unnötig in die Länge gezogen wird. Fast so, als würde er uns damit an seinen Schmerzen teilhaben lassen wollen. Das siebenminütige Psychedelic-Schwergewicht "Destination Of Course" bildet das Schlusstück von "Great Western Valkyrie" und entführt uns noch einmal in trippige Gefilde, mit all seinem Wahnsinn und Chaos. Ein großartiger Rausschmeißer, der ein wenig Live-Feeling verspüren lässt und wunderbar Appettit auf ein Konzert der Truppe macht.
Fazit: Einige Innovationen, viel Altbewährtes und großartige Kompositionen machen "Great Western Valkyrie" zu einem würdigen Nachfolger von "Head Down", der diesmal sogar noch etwas mehr auf Psychedelic setzt. Man könnte sagen, dass die Rival Sons innovativ beinahe auf der Stelle treten und das ist auch gut so. Wie man bei den Vorgängeralben hören konnte, sind es diese kleinen Veränderungen, die die Klasse von Buchanan und Co ausmachen: Sie erfinden sich nicht jedesmal neu, dennoch ist eine Entwicklung spürbar, die den Fan aber nicht gleich vor den Kopf stösst. Da verzeiht man auch da und dort kleine Ungereimtheiten oder Durchhänger. Schade nur, dass die zweite Hälfte der Scheibe qualitativ etwas hinterherhinkt, dennoch bleibt ein ausgezeichnetes Album, das in keiner Plattensammlung fehlen darf.
Anspieltipps: Electric Man, Good Luck, Play The Fool, Good Things, Open My Eyes, Destination Of Course
Vergleichbares: Led Zeppelin, The Black Crowes, Scorpion Child, The Doors
 
Score:
85% Hervorragend!

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