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The Blue Screen Of Death – Leave The Future Behind

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von The Blue Screen Of Deaths „Leave The Future Behind“ (2013).
„Eine gelungene Abwechslung in der sonst so geradlinigen britischen Rockszene.“
Interpret: The Blue Screen Of Death
Titel: Leave The Future Behind
Erschienen: 2013
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Was macht eigentlich ein grandioses Rock-Album aus? Bei der Frage scheiden sich schon seit jeher die Geister. Die Einen begrüßen das von Anfang bis zum Schluss durchgetretene Gaspedal, die Anderen haben's lieber etwas ausgewogener in Tempo, Melodie und Struktur. Dennoch gibt es einige Kriterien, die zwingend erfüllt werden müssen: Da wären etwa Innovation, Unterhaltungswert, Abwechslungsreichtum, auf lange Sicht wenig Abnutzungserscheinungen und sicherlich auch ein gediegenes Artwork sowie anspruchsvolle Texte. Ob der aktuelle Longplayer "Leave The Future Behind" der southamptoner Durchstarter The Blue Screen Of Death eine Annäherung daran schafft bzw. vielleicht sogar ein paar Asse im Ärmel hat, und ihnen dabei ein kleines Meisterwerk gelungen ist, zeigt das nachfolgende Review.
Der Hang zu Computerspielen der Neunzigern und Steven Segal-Filmen brachten die Jungs 2007 zusammen, und seitdem macht das Quartett die heimischen Bühnen mit ihrem verschrobenen Haudrauf-Pop-Rock unsicher. Mit "Let It Go" wird losgestartet, dass manch einem Hörer – etwas überrumpelt – nur das Nachsehen bleiben wird. In dem Titel, der das "Loslassen und Weiterziehen" behandelt, zeigen die tief verwurzelten Melodiebögen recht eindrucksvoll, in welche Richtung die Reise gehen wird: Cock-Rock mit einem schwerem Hang zu Harmonien. Dabei klingen sie, als ob die Queens Of The Stone Age - zusammen mit Kyuss - den Foo Fighters klar machen, wo der Hammer den Nagel auf den Kopf trifft. Und trotzdem schrecken sie nicht vor Wärme und Behaglichkeit zurück, die man auch immer wieder in den Songs findet.
Und natürlich darf auch eine Spur Funk nicht fehlen, auch wenn er in dem grandiosen "Do It Right" noch nicht so wirklich an die Oberfläche gelangt, spätestens bei "What Would Arnie Do?" ist es soweit. In dem Song wird erstmals Bezug auf ihre Vorliebe für Action-Filme genommen und in den wunderbar-ironischen, aber gleichzeitig nachvollziehbaren Lyrics wiedergegeben: I’ve seen enough action films, to know how to survive, I know the good guys always win, and bad guys always die.....If you’re full of testosterone, you don’t have to reload, you’ll learn attack is the best defence, and everything explodes.....All you’ve got to ask yourself is; What would Arnie do? There’s nothing that can’t be solved with, one-liners and kung-fu moves." Untermauert wird das ganze mit John Rambo's bis dato letztem Filmzusatz "I ain’t got time to bleed." und fertig ist der Action-Film-Soundtrack. Überhaupt kann man in jedem Fall mal einen Blick auf die Texte werfen, die auch bei den restlichen Songs durchaus mit Tiefe oder dem ein oder anderen Augenzwinkern versehen, für weitere - teils amüsante, teils anregende - Unterhaltung sorgen. "U.F." sympathisiert auf sehr engem Raum mit Josh Homme und Co, dennoch werden die Kalifornier nie so harmonischen mit ihren Mitteln spielen. Eindeutig der Höhepunkt des Longplayers, denn nach Drücken des Play-Buttons taucht man in eine bizarre aber zuckersüße Welt ein, die die Dopamin-Produktion stark ankurbelt. "Fool's Facade" weiß genau was es will, nämlich den Hörer betören: Der starke Kontrast zwischen staubtrockenem Stop and Go-Rock und dem perfiden Gitarrenspiel im Chorus verhelfen dem Titel zu wahrem Glanz.
Leider schwächelt das Album dann in der zweiten Hälfte ein wenig und kommt nicht mehr ganz an die Größe der ersten Nummern heran; trotzdem rumpelts bei "Back Against The Wall" ordentlich im Karton und auch bei "Cross The Road" glühen die Röhrenverstärker. Nur treten die subtilen Melodien nicht mehr so stark in den Vordergrund. So wirken die Stücke ein wenig unrund oder gar unfertig. Erst beim Endstück "Fatal Error" fangen sich "The Blue Screen Of Death" wieder und machen - badend in Harmonien - nochmal mächtig Druck. Das etwas schräge Cover ließ mich sofort zur 3D-Brille greifen, aber was beim selbstbetitelten Mini-Album noch super funktionierte, bleibt hier ohne jeglichen Effekt. Trotzdem ist das Artwork ein echter Eye-Catcher und wird mit Sicherheit dem einen oder anderen Hörer, aus dem Regal regelrecht in die Arme springen.
Fazit: "Leave The Future Behind" ist eine gelungene Abwechslung in der sonst so geradlinigen britischen Rockszene. Sein konsequenter Breitwandrock - mit einem nicht unbeachtlichen Harmoniebedürfnis - wird wohl einige Verzückungen in den Reihen der Genre-Fans hervorrufen. Jeder Song gleicht einer Party, die kurz nach Mitternacht schon etwas aus dem Ruder läuft, aber dabei müde Beine wieder munter macht. The Blue Screen Of Death schippern daher nur knapp am Meisterwerk vorbei. Dennoch bleibt ein beachtliches Lebenszeichen zurück, das durchaus mit Extravaganz zu beeindrucken weiß. Der Vierer spielt gekonnt mit versteckten Melodien im kantigen Rock-Gewitter und setzt sich so schon nach dem ersten Durchgang relativ hartnäckig im Gehör fest. Wer knochentrockenen Rock mit einer Sensibilität für Melodien mag, und auch einen Schuss Psychedelik verträgt, kann hier ohne Bedenken zugreifen und wird darüber hinaus mit dem Silberling lange Zeit seine Freude haben.
Anspieltipps: Let it Go, Do It Right, U.F., Fool's Facade, What Would Arnie Do?
Vergleichbares: Queens Of The Stone Age

 
Score:
83% Hervorragend!

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