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The Borderliners – Standing Standing

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von The Borderliners’ „Standing Standing“ (2012).
„Die fünf Nummern machen definitiv Lust auf mehr ...“
Interpret: The Borderliners
Titel: Standing Standing
Erschienen: 2012
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Ein weiteres unerwartetes Glanzlicht am österreichischen Musikhimmel sind die Heavy-Blues-Rocker The Borderliners. Ihres Zeichen Mitglieder der Linzer Doom-Band Jack Frost und den ebenfalls in Linz beheimateten Todesmetallern Legacy of Hate. Nur wurden die vorerst auf Eis gelegt und dem etwas weniger brachialen Material der Vorrang gegeben. Und nachdem die Jungs sich die Mühe gemacht haben, und mir ihr komplettes Werk, inklusive Debüt-Vinyl geschickt haben, setze ich mich hin und höre ich es mir auch standesgemäß an: Mit den Kopfhörern aufs Haupt geschnallt und somit an den Plattenspieler "gefesselt". Für die Jüngeren unter uns: Vinyl ist diese große schwarze Scheibe mit dem Loch in der Mitte, von der unverständlicherweise Musik kommt, obwohl nirgends ein Display oder Power-Knopf zu sehen ist.
Dafür braucht es den eben erwähnten Plattenspieler, ohne den die Scheibe maximal als Jausenbrett oder Diskus benützt werden kann. Der Ledersessel ist also bezogen, die Kopfhörer wo sie hingehören, die Zigarre im Ascher und ein Glas Whiskey - zur authentischeren Begutachtung - steht griffbereit. Ich denke mal, das ist auch im Sinne der Band, vor allem, weil sie mit "Hold on" ein Tom Waits-Cover auf ihrem 2011er-Debüt "Volume 1" untergebracht haben. Das Album ist vollgepackt mit schleppend-erdigen Blues, rotzigem Wüsten-Rock, lässigem Geraunze und geilem Gitarrengegniedel, das zuverlässiger nicht sein könnte. "Who am I", "Fallen" oder "The Dealer" sind solche Bravourstücke des Erstlings und erinnern unweigerlich immer wieder an die gerade aktuellen Walking Papers, getränkt in einem guten Schuss Stooges. Teilweise werden die Songs auch ein wenig misshandelt - wie in "Coconut Beach" - nur um mit Nachdruck den Blues zu predigen. Produziert wurde das Ganze von dem lange verschollen geglaubten Phil Sicko, seines Zeichen ehemaliger Frontman bei Deadzibel und den legendären Dealer, die auch heuer noch ihr neues Album raushauen wollen.
Kommen wir zurück zu "Standing, Standing", der mittlerweile zweiten Auskoppelung der 2010 gegründeten "Grenzgänger". Sie startet auch gleich mit dem Titelsong, einem knochentrockenen aber beinharten Blues-Rock-Vehikel des letzten Jahrtausends. Generell ist bei The Borderliners alles ein wenig retro, was meiner Meinung nach, den rüden Charme des Quintetts ausmacht. Man nehme Tom Waits, mache ihm ordentlich Feuer unter dem Allerwertesten und lasse ihn mit Iggy Pop ein Album einspielen. Und schon hat man die Essenz der Borderliners: Kick-Ass-Blues-Rock der Superlative, gemischt mit einem Hauch Queens of the Stone Age. Besonders gut zu hören auf dem erbarmungslos, bis zur schmerzgrenze rockenden "Ju". "Times may change" ist eine windschief-verschrobene Selbstreflexion, die vor Inbrunst nur so strotzt und in mäandernder Erzählform dahinwankt. Das hinterfotzige "Usain Bolt" ist beladen mit gemeinen Ohrwürmern, die den Titel entspannt auflockern. Das anfangs etwas verhaltene "Tomorrows Sorrows" beschließt die EP dann schon wieder. Allerdings gegen Ende rockt und rollt alles ganz wunderbar - in bester Rolling Stones-Manier - und lässt so durchaus eine Steigerung zum Debüt bemerken. Die Fünf haben den Sound noch voller, wärmer und alles einen Tick professioneller klingen zu lassen. Aufgenommen und produziert wurde diesmal in Claus Prellingers CCP-Studio in Linz, der Heimat von Bands wie Astaroth, Mortus (die sich später in Darius Mondop wandelten, Anm. d. R.), Estatic Fear und natürlich Jack Frost.
Dieser selbstgebraute Cocktail aus "Hard Hittin' Heavy Blues Straight Outta Hell" begeisterte schon über die Landesgrenze hinaus, und so wurden die Jungs im November 2012 zu einer kleinen Tour durch Kalifornien eingeladen. Gut, Grü Chinaskis Stimme ist vermutlich Geschmackssache, wie schon bei Tom Waits, wobei, ich mag sie, denn es unterstreicht den staubtrockenen und dreckigen Heavy-Blues, den die Jungs spielen. Außerdem bietet sie die perfekte Grundlage, das Urgestein Zappa von Bluespumpm zu einem Gastspiel auf der Bühne oder dem nächsten Album zu überreden.
Fazit: Österreich ist also immer wieder für Überraschungen gut! Nach dem hervorragenden Drittwerk von Excuse Me Moses, The Sorrows "Misery Excape" oder auch Marroks "Days of Mercury", bestätigen The Borderliners ebenfalls, dass die Alpennation stark im Vormarsch ist. Man kann sich nur wünschen, dass am nächsten Longplayer schon fleißig gebastelt wird, denn diese fünf Nummern sind mir persönlich eindeutig zu wenig und machen somit definitiv Lust auf mehr.
Anspieltipps: Standing Standing, Ju, Usain Bolt, Tommorrows Sorrow
The Borderliners werden sich bei ihrem nächsten Gig im Linzer Posthof, am 23. Februar 2013, die Zeit nehmen, uns ein paar Fragen im Interview zu beantworten, in das Ihr involviert werden könnt. Unter der Rubrik Frag Deine Band!, könnt ihr aktiv am Interview teilnehmen, indem ihr uns Eure Frage an die Band einsendet.

Offizieller Video-Link zu "Standing, Standing":


 
Score:
82% Hervorragend!

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