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The Omega Experiment – The Omega Experiment

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von The Omega Experiments „The Omega Experiment“ (2013).
„Bombast-Rock der 80er Jahre präsentiert sich in frischem Gewand.“
Interpret: The Omega Experiment
Titel: The Omega Experiment
Erschienen: 2013
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Wer sagt, der Bombast-Rock der 80er Jahre ist längst ausgestorben, dem empfehle ich als Gegenbeweis, das selbstbetitelte Debüt-Album des aus Michigan (USA) stammenden Duos The Omega Experiment. Manchmal schafft es ein Album doch tatsächlich, dass es vom ersten Ton an vertraut klingt, so wie auch beim vorliegenden Werk: 80s-Bombast-Rock à la Boston oder Asia gemischt mit 00er Progressiv-Ansätzen von Dream Theater und Spocks Beard, werden noch zusätzlich mit reichlich Wahnsinn und Pathos garniert und ins Rennen geschickt. Obwohl nur sehr selten wirklich passend, würde ich hier sogar von einem epischen Musik-Werk sprechen, so überrascht haben mich die Beiden mit ihrer schrägen Mucke. Für Dan Wieten, dem Kopf und Motor des Duos, war die Arbeit am Album zugleich eine Art Therapie für sein exzessives Leben und den Drogenmissbrauch, was man auch zu jeder Minute hört. Man muss neidlos anerkennen, die Synthie-Metal-Tüftler haben sich ordentlich ins Zeug gelegt, um die Titel niemals trist oder langweilig erscheinen zu lassen. Man hat immer ein wenig das Gefühl, The Omega Experiment wollen sich mit jedem Titel aufs Neue übertreffen. Und wer den Opener gehört hat, weiß wo da für mich die Diskrepanz liegt. Wie soll man denn "Gift" bitteschön noch übertreffen? Doch der Folgetrack schafft's tatsächlich: "Stimulus" ist eine pompöse Explosion - die mit ihren 10 Minuten gegen Ende im Exzess gipfelt - in der von Mansun über Tears for Fears bis hin zu Dream Theater und Pink Floyd alles drinnen ist. Ständig überladene Gitarren - wie auch Synthie-Passagen verleihen dem Ganzen dann noch den nötigen Nachdruck. Wobei sich Zitate eben erwähnter Bands eigentlich durch alle neun Nummern schlängeln.
Der restliche Verlauf des Album wird daher auch nicht weniger manisch und so ist beim Titel "Furor" der Name Programm und The Omega Experiment brettern in bester Metal-Core-Tradition - unterstützt von einem Doublebass-Hagel - durch den Titel. Im Mittelteil beruhigen sie sich dann ein klein wenig, aber nur um wieder genug Power fürs Finale parat zu haben. Gelegentlich drängt sich einem sogar das Gefühl auf, einen Mike Patton toben zu hören. Und diese irrwitzigen Eskapaden ziehen ihre Bahnen bis zum bitteren Ende, das mit "Paramount" noch mal einen richtiges Versatzstück parat hält. Eingängige Hooks, ansprechende Melodien und auch Dan Wietens Gesang klingt - nach all diesem Gewüte - mehr als versöhnlich, das Ruder im letzten Moment gerade noch herumgerissen. Allerdings wirkt das Ganze zu sehr wie aus einem Guss, als hätten sie es an ein und demselben Tag eingespielt und zusammengestöpselt. Zu wenige Emotionen finden in die durchwegs sehr eigenwilligen Songs. Es gleicht einer Collage aus Ideen, Eindrücken und Ausrastern. Allerdings konservativ und altbacken ist hier wirklich nichts. Live werden Dan Wieten und musikalischer Partner, Ryan Aldridge, dann doch von 3 Musikern unterstützt, sonst wäre es wohl nicht möglich dieses kolossale Werk auf die Bühne zu hieven.
Fazit: The Omega Experiment zeigen sich auf ihrem Debüt - wie der Name schon erahnen lässt - so experimentierfreudig, dass die Glocken läuten. Sie haben damit einen sauberen Vertreter des überladenen Bombast-Overkills erschaffen. Fast ein wenig zu "sauber", denn der sterile Sound mindert den Hörgenuss über längere Zeit dann doch etwas. Es wirkt zu homogen, eventuell ein bisschen zusammengebastelt und seelenlos. Kurz gesagt: "Es atmet nicht!". Auch lassen sich nur schwer einzelne Songs herauskristallisieren, da das gesamte Album auch aus nur einem einzigen Stück bestehen könnte. Aber bitte nicht falsch verstehen, alles ist interessant gemacht, unter Garantie auch durchaus hörenswert und hat nebenbei immensen Unterhaltungswert! Nur ob der Scheibe zu einem neuerlichen Durchlauf animiert, wage ich hier mal zu bezweifeln, denn nach den 54 Minuten ist dann Schluss mit Lustig und das überforderte Haupt des Hörers braucht Zeit zum Regenerieren und Runterkommen. Mit Sicherheit ist das vorliegende Werk sehr polarisierend und wird nicht jedermanns Progressiv-Geschmack gleich ansprechen. Wer allerdings seine Freunde musikalisch mal so richtig verblüffen und sie mit offenen Mündern zurücklassen möchte, dem rate ich zu The Omega Experiments trippigem Erstlingswerk. Also, wie bewertet man ein Album, das zwar brillant und innovativ ist, aber zugleich auch so abgefahren, dass es in der Langzeitnote vermutlich keine so gute Figur macht. Versuchen wir es mal so: Ich gebe 83 % fürs Album und 60% für den Langzeit-Faktor, das macht gute 72 %.
Anspieltipps: Gift, Stimulus, Furor, Paramount
 
Score:
72% Gut.

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