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Truckfighters – Universe

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von Truckfighters’ „Universe“ (2014).
„Die Truckfighters tauschen Wüstensand gegen progressive Landschaften und lassen erstmals mehr Platz für Melodien.“
Interpret: Truckfighters
Titel: Universe
Erschienen: 2014
Die schwedischen Truckfighters, gerne auch als "Probably The Best Band In The World" bezeichnet, stehen mit ihrem mittlerweile vierten Studio-Album "Universe" in den Startlöchern; sieht man von ihren unzähligen EP-Veröffentlichungen einmal ab. Und diesmal hat sich einiges im "Universum" des schwer rockenden Trios geändert, das seine Drummer öfter wechselt als seinerzeit die legendären Spinal Tap. Ihrer stetig wachsenden Fangemeinde rund um den Globus genügt das sicher schon als Anschaffungsgrund. Wer allerdings einen detaillierteren Blick auf das Album werfen möchte, kann das im nachfolgenden Review tun.
Sänger und Bassist Ozo, Drummer Poncho und Gitarrist bzw. energetisches Zentrum auf der Bühne, Dango, preschen nach einem genialen Intro bei dem Opener "Mind Control" in gewohnter Weise los, aber schon bald zeigen sich erste Veränderungen im Sound der Drei: Die permanent wuchtigen Gitarrenwände sind einem etwas perfiderem Spiel gewichen; wobei der Teil an wuchtigen Parts noch immer recht hoch ist. Es scheint als seien ihnen diese dröhnenden Wellen langweilig geworden, da sich ruhigere Überleitungen in die Songs einschleichen, die zusätzlich mit interessanten Effekten ausgestattet wurden. Langweilig wird einem mit den Nummern also schon mal nicht. Zusätzlich geht das erste Stücke richtig rein und viele werden probehalber schon mal zur Luftgitarre greifen. Zu Recht! Das funkige und absolut einzigartige “The Chairman“ konnte man ja schon vorab auf der gleichnamigen EP antesten, die Ende letzten Jahres rechtzeitig zur Europa-Tour erschien. Die Nummer bedient sich gelegentlich bei den Arctic Monkeys und zeugt somit von der Wandlungsfähigkeit der Schweden; und das über sieben Minuten lang. Dass ihre Songs gerne mal ausufern, ist ja für den eingefleischten Fan nichts Neues. Trotzdem geben sie sich diesmal Mühe, uns nicht einfach das Hirn mit wabbernden Fuzzgitarren weich zu kochen, sondern immer wieder für Abwechslung zu sorgen.
"Convention" schunkelt nach dem letzten Stück geradezu gemütlich dahin und leitet eigentlich nur zu dem nächsten Koloss "Get Lifted" über. Aber auch hier wird nicht gleich mit dem Holzhammer über alles drübergenagelt, sondern mit Bedacht in den Song geführt und dem Hörer somit Zeit zur Akklimatisierung gegeben, bevor die erste Breitseite daher kommt. Und um allem noch mehr Spannung zu verleihen, flaut alles wieder ab, nur um sich kurz später noch mächtiger zu erheben. Die Jungs steuern definitv den progressiven Hafen an. Die erste Auskoppelung "Prophet" ändert nicht viel am neuem, frischeren Sound der Truckfighters und wirkt direkt poppig im Vergleich zum restlichen Album.
Nach und nach schleichen sich immer mehr Melodien in die Songs und könnten sogar zu Ohrwürmern werden. Wie auch bei "Dream Sale", das zunehmend auf Harmonien setzt und den Druck vom Anfang der Platte vergessen lässt. Anders würde man die Scheibe vermutlich spätestens nach der Hälfte entnervt aus dem Player nehmen. Zum Abschluss folgt nochmal ein Monstrum, das sich 12 Minuten lang durch unsere Gehörgänge windet und den treffenden Titel "Mastodont" trägt. Nach dieser exzessiven knappen Viertelstunde bleibt einem regelrecht die Spucke weg - nicht nur aus Verzückung über das akustische Ende - und lässt dem nächsten Konzert aufgeregt entgegenfiebern. Und wer die Truckfighters kennt, weiß, dass die Jungs das problemlos auf die Bühne gehievt bekommen. Gesanglich erinnert Ozo immer mehr an Ian Astbury von The Cult.
Für die Platten-Liebhaber ist natürlich auch wieder gesorgt, denn wie schon "Gravity X", "Phi" und "Mania" gibt es auch von "Universe" eine Vinyl-Ausgabe.
Fazit: Die Truckfighters tauschen auf "Universe" den Wüstensand gegen progressive Landschaften und lassen erstmals mehr Platz für Melodien. Alle Fans werden die Platte schon längt im Regal stehen haben, allen anderen kann ich sie - selbst als Einstieg ins Truckfighters-Universum - wärmstens ans Herz legen, da sie nicht nur die interessanteste sondern auch die am leichtesten zugängliche Auskopplung der Schweden ist. Anspieltipps: Mind Control, The Chairman, Prophet, Dream Sale, Mastodont
 
Score:
90% Hervorragend!

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