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Sna-fu Grand Désordre Orchestre – Knives & Bells

Kritik von: Adrian Erben
Album-Cover von Sna-fu Grand Désordre Orchestres „Knives & Bells“ (2014).
„Erfrischender Alternative Underground-Act aus Paris.“
Interpret: Sna-fu Grand Désordre Orchestre
Titel: Knives & Bells
Erschienen: 2014
Metal aus Frankreich, das ist ein interessantes Thema. Hinter den mittlerweile in der Szene etablierten Gojira kommt erst mal lange keine Band, die einen vergleichbaren Bekanntheitsgrad aufweist. Das ist angesichts der großen Menge an guten Underground-Gruppen geradezu erstaunlich! Den Beweis dafür bringt eine junge Truppe aus Paris, die auf den ausgesprochen leicht auszusprechenden Namen „Sna-fu Grand Désordre Orchestre“ hört. Informationen zu dieser Band sind vergleichsweise schwer zu finden, da nicht viel preisgegeben wird. Die Musiker arbeiten mit Stage-Alias. Um ehrlich zu sein, habe ich keinerlei Ahnung was mich erwartet, als ich das Album einlege.
Tracklisting:
01. You Don’t Like this Song
02. Furious & Fast
03. That’s All I Got
04. I’ll Give You Money
05. I Hate Berlin
06. Gangs
07. Serial Deaths Lane
08. Catrina
09. Clairvoyant
10. Deadosaurs
11. All In
12. Rising
Der Name ‚You Don’t Like this Song‘ klingt erst einmal nicht besonders vielversprechend. Umso erstaunter bin ich, als mir ein ausgesprochen erfrischender Gitarrensound, einfache – dafür aber erstaunlich pregnante – Riffs und eine ausgesprochen klare Produktion entgegenstürmen. Strukturell ist der Song an Pop-Punk aus den 90ern angelegt. Was macht das Lied besonders? Die Vocals! Und wie… Was Björn Tückill vom Stapell lässt verdient allerhöchste Achtung, sein Gesang passt perfekt zum Stil und seine Schreie sind geradezu markerschütternd! Nach dreieinhalb Minuten komme ich zu dem Schluss: Sorry, but I like this song! Furious & Fast macht da weiter, wo der Opener aufgehört hat: Nach einem stark verzerrten und dennoch melodischen Intro folgt ein strukturell äußerst komplexes und daher interessantes Werk, die Themenwechsel sind kaum vorhersehbar. Definitiv eine gute Nummer! ‚That’s all I got‘ bedient gut das Schema eines eingängigen Songs, die Akkordfolge ist typisch für Genres wie Hardcore und Punk. Das Zusammenspiel aus moderater Rhythmus- und schnell pickender Leadgitarre ist äußerst gut gelungen. Dazu kommt ein kurzes Interlude, in dem eine Glocke zu hören ist. Seit ‚Black Sabbath‘ die wohl klassischste Metal-Anleihe überhaupt! Unerwartet geht der Song abrupt weiter. Langweilig ist Lied drei auf keinen Fall! ‚I’ll Give You Money‘ punktet durch ein überzeugendes Intro, zweistimmige Gitarren, extreme Verspieltheit und Frische. Dazu kommt eine erstaunlich wilde Mentalität. Die beste Nummer auf der LP!
Nach etwa zehn Minuten Spielzeit nehmen Sna-Fu den Fuß etwas vom Gaspedal: ‚I Hate Berlin‘ beginnt mit Windgeräuschen, bevor das Schlagzeug einsetzt. Der Song setzt auf gedrückte Stimmung, der Gesang ist bewusst traurig gehalten. Gegen Ende wird es auf einmal unerwartet noch richtig heavy. Die Kombination aus erzeugter Atmosphäre und Themenwechseln erzeugt ein musikalisch hochwertiges Lied. ‚Gangs‘ ist wohl eine Homage an den Pop-Punk der 90er Jahre. Die Gruppe setzt hier auf ein gemächlicheres Tempo als bei den bisherigen Songs, die Qualität ist dennoch konstant. Das Lied wirkt sehr jugendlich, energisch und spritzig. Auch ‚Serial Deaths Lane‘ setzt auf ein signifikantes Riffwork, das eine Note Crossover-Sound in sich trägt, auch elektrische Einflüsse kommen vereinzelt zum Einsatz. ‚Catrina‘ ist ein weiterer Höhepunkt des Albums, vermutlich wird hier auf den verheerenden Hurrikan aus dem Jahr 2005 angespielt. Nach einem Glockenintro folgt ein Geräusch, dass einem mittelalterlichen Kettenhemd ähnelt, möglicherweise soll es auch ein Stapfen durch Scherben verkörpern. Die Nummer hat eine sehr markante Bass-Line, die strukturell ziemlich an ‚Another One Bites the Dust‘ erinnert. Dazu kommt eine langsame, überzeugende Melodie. Das alles erzeugt einen hohen Wiedererkennungswert und eine ausgesprochen düstere Atmosphäre. ‚Clairvoyant‘ ist ein kurz-gebündelter, wilder Song, der garantiert für gute Laune sorgt und klanglich absolut einzigartig ist. Selten hat Chaos so geordnet geklungen! ‚Deadosaurs‘ setzt auf klassische Hardrock-Tonarten und verknüpft diese mit punkigen Rhythmen, was für ein äußert verrücktes Ergebnis sorgt. In diesem Lied werden soviele verschiedene Einflüsse bedient, dass das Genre nicht zweifelsfrei bestimmt werden kann. ‚All In‘ verbaut eine interessante Harmonie in seinem Intro, setzt dann insgesamt auf moderates Tempo. Der Schwerpunkt liegt hier auf den Vocals und dem wilden Aufbau. Der abschließende Song hört auf den Namen ‚Rising‘ und ist ein absolut würdiger Abschluss: Nach stark verzerrtem Intro entfesselt die Truppe eine eingängige und zugleich vielseitige Nummer. Vielseitig insofern, da hier in der Mitte einfach mal ein ruhiges, psychedelic anmutendes Intermezzo eingelegt wird, bevor sie kurz zum Main-Riff übergeht, nur um kurz darauf einen krassen Temposturz einzubauen. Was man gar nicht mehr gesondert erwähnen muss: Die Vocals sind absolut großartig!
Anspieltipps: ‚You Don’t Like this Song‘, ‚I’ll Give You Money‘, ‚Catrina‘.
Fazit:
‘Sna-fu Grand Désordre Orchestre’ gehören zweifellos zu den besten (noch) relativ unbekannten Underground Acts. Diese Band ist musikalisch einzigartig und es wird spannend sein, ihre weitere Entwicklung zu verfolgen.
 
Score:
84% Hervorragend!

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