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Current Swell – Long Time Ago

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von Current Swells „Long Time Ago“ (2013).
„Beide Daumen hoch für die so sympathisch und offen zur Schau gestellten Vorliebe, für Roots-Rock und Amerikana.“
Interpret: Current Swell
Titel: Long Time Ago
Erschienen: 2013
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Schön, dass es nach wie vor Konstanten gibt, die in regelmäßigen Abständen - nämlich alle zwei Jahre - eine unaufdringliche Perle veröffentlichen, wie der hier vorliegende, ungeschliffene Diamant, Current Swell. Das kanadische Quartett, das nach einer EP und drei Longplayern, heuer ihr viertes Release veröffentlicht hat, lebte bis vor kurzem unter einem Dach, worauf die Jungs ihre gute Connection untereinander zurückführen. Die aktuelle Scheibe trägt den Titel "Long Time Ago" und genau dort hat die Band auch ihre musikalischen Wurzeln: Gram Parsons, Gene Clarke, The Byrds, Crosby, Stills & Nash oder The Band wird, beinahe zeitgleich, auf vielen Song gehuldigt. Wobei, eigentlich mixen sie einen würzigen Cocktail aus Altbewährtem und Neuem. Daher wurde ihr Stil noch mit Ryan Adams, den Tindersticks, Wilco, Marc Ford, The Jayhawks, Kings Of Leon und Travis angereichert. Sogar an Dispatch wird sich öfters mal angelehnt, darum ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass das Bostoner Trio sie gleich als Support für ihre Tour, letzten September, einpackten. Stimmlich schwört der Vierer auf eine patentierte Mischung aus Chris Martin von Coldplay, Luke Pritchard von The Kooks, Caleb Followill von King of Leon und Ryan Adams. Ein sehr angenehmer Stimmbereich also. Nachdem wir jetzt wissen, womit wir es zu tun haben, werfen wir mal einen detaillierteren Blick auf die einzelnen Songs!
Eröffnet wird mit dem Titelstück, das sein lässiger Rhythmus und sein perfides Gitarrenspiel an die Größe eines Marc Ford oder Ryan Bingham erinnert. Versehen mit bittersüßen Melodien, schmiegt sich der Song an, wie ein warmer Pulli im Winter. "Too Cold" und "Shelter" könnten mit ihrer nonchalanten Schlaksigkeit vom letzten "The Kooks"-Album stammen. Nebenbei wagen sie sich beim Ersten verdächtig nahe an Coldplay heran. Ein etwas verschrobener Gesang leitet in den prickelnden Banjo-Groover "For The Land", der, durchzogen von fragilen Melodien, im Geiste mit Dispatch verwandt ist. Bei all den Reminiszenzen darf natürlich auch Ryan Adams nicht fehlen, und der tritt in "I Want A Bird" zum ersten - aber sicher nicht letzten Mal - klanglich in Erscheinung. Verfeinert wurde der elegische Folk-Rocker mit einem Neil Youngschen Mundharmonika-Solo, durch welches das Stück, mit jedem weiteren Durchgang, beim Hörer zu Wachsen vermag. "Brad's Song" ist eine melancholisch-trockene Wüstenballade, bei der förmlich der Sand zwischen den Zähnen zu hören ist. Und dann werden die Zügel zum ersten Mal straffer gezogen, und es darf gerockt werden. Die verzerrten Gitarren winseln im Wind und werden von manischem Wirtshaus-Chören untermalt; man könnte meinen, die Kings of Leon waren bei den Aufnahmen zu Besuch. Wie auch bei den Folgestücken "Stumble" und "Up The Hills", die sich von einem Lüftchen in einen tobenden Orkan steigern. Beim reduzierten "Get What's Mine" wird mit dem Fuß auf dem Bremspedal dahin geschunkelt, immer in Erwartung eines Ausbruchs, der aber leider ausbleibt. Wer das Glück hat und das, mit den Bonus-Track "Young and Able" versehene Album besitzt, der kann sogar Zeuge ihres Reggae-Faibles werden, der sich erst live so richtig durchsetzt. Ein würdiger Rausschmeißer, der den musikalischen Umfang von "Long Time Ago" eindrucksvoll erweitert. Textlich behandeln die Vier die vielen Reisen, die sie im Laufe der Jahre, als Band, unternommen haben. Und für alle Analog-Fans ist "Long Time Ago" sogar auf Vinyl erhältlich.
Fazit: Beide Daumen hoch für die so sympathisch und offen zur Schau gestellten Vorliebe, für Roots-Rock und Amerikana. "Long Time Ago" ist ein leicht verschrobenes, aber sehr relaxed angelegtes Stück Musik geworden. Selbst die "Rocker" gleiten relativ entspannt ins Gehör. Der berückend-schönen, manchmal etwas staubtrockenen Retrospektive, fehlt es aber keineswegs an dem dazugehörigen Mitwipp-Faktor. Auch wenn sie sich selbst als Indie-Rock-Band sehen, bleibt der hingerotzte Ansatz eher die Ausnahme. Ist aber auch kein Wunder, die Truppe streift so viele Genres, dass nicht wirklich viel Platz bleibt, jedes einzelne richtig auszuleben. Dafür würde ich eher empfehlen, eines ihrer Konzerte zu besuchen, auf denen von Rock, Pop, Country bis hin zu Reggae und Ska alles dabei ist, was Spaß macht. Wer sich gerne in oben erwähnten Bands suhlt, dem würde ich dringend anraten, zumindest einmal in "A Long Time Ago" reinzuhören. Denn der bunte Genremix braucht sich keinesfalls hinter ihren umjubelten "Artgenossen" zu verstecken.
Anspieltipps: Long Time Ago, Too Cold, For The Land, I Want A Bird, Brad's Song, Honest Man, Up The Hills

Offizieller Video-Link "I Want A Bird":


 
Score:
82% Hervorragend!

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