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Nachbericht: Mark Lanegan am 20. Oktober 2013 im Posthof Linz

Gigantentreffen in Linz: Nachdem vor drei Wochen der Ausnahmegitarrist Steve Vai die Landeshauptstadt beehrte, stand gestern schon die nächste Legende auf der Bühne im Linzer Posthof. Gemeint ist der mürrische und dabei ebenso charismatische Grunge-Urvater Mark Lanegan. Von 1985 bis 2000 trieb er sein Unwesen bei den 'Screaming Trees', die Mitte der Achtziger den Grunge losgetreten haben und dabei nicht nur einen tiefen Eindruck bei Kurt Cobain hinterließen. Mit seinem Tod starb auch die Idealisierung des Antihelden und die Musikwelt war von da an nie wieder die selbe. Das bekamen auch die 'Screaming Trees' zu spüren und Mark Langegan beendete das Projekt. Josh Homme und seine 'Queens Of The Stone Age' nahmen den Mann von 2000 bis 2005 mit offenen Armen auf, dem das allerdings nicht genug war und neben seinen Soloalben - die er seit Anfang der Neunziger veröffentlichte - noch an Kollaborationen mit 'Belle and Sebastians' Isobell Campbell, Moby, Soulsavers, Massive Attack oder Slash arbeitete. 2004 nahm er mit "Bubblegum" sein bis dato kommerziellstes und somit auch erfolgreichstes Album auf. Und erst acht Jahre später folgte "Blues Funeral" und heuer im Mai - das zusammen mit Duke Garwood eingespielte - "Black Pudding". Und man traute seinen Augen und Ohren nicht, als er 4 Monate später schon das nächste Output bereit hielt: "Imitations", eine Sammlung reduzierter Coverversionen von Frank und Nancy Sinatra, Nick Cave And The Bad Seeds, Andy Williams, John Cale oder den Twilight Singers. Und genau dieses Album ist - neben "Black Pudding" - das zentrale Thema dieses intimen Abends mit Mark Lanegan, bei dem er uns in sein imaginäres Wohnzimmer einlädt und mit seinen fragilen Cover-Versionen einlullt. Eröffnet wird das Konzert von Solo-Darbietungen seiner Musiker Frederic "Lyenn" Jacques und anschließend Duke Garwood. Erst dann betritt der charismatische, aber finster dreinblickende Lanegan die Bühne und degradiert in dem Moment alle anderen zu Statisten. Neben Duke Garwood, der den Großteil des Abends am Saxophon nuckelt, besteht sein Orchester aus Gitarrist Frederic "Lyenn" Jacques, Bassist Jeff Fielding und den österreichischen Streichern Julia Pichler und Lukas Lauermann.
"When Your Number Isn't Up" von "Bubblegum" gibt den Auftakt des Abends, der im bestuhlten Posthof doch ein wenig steif wirkt. Auf der anderen Seite sind manche Passagen so ruhig gehalten, dass man eine Stecknadel auf den Boden fallen hätte hören können oder das unruhige Herumgewetze einiger Gäste auf ihren Sitzen. Spätestens bei "Phantasmagoria Blues" fällt auch dem letzten Besucher im gut besuchten Posthof auf, dass Lanegans kratziges Gebrummel zeitweilig stark an Tom Waits Reibeisenstimme erinnert. Klingt beinahe so, als würde er jeden Morgen mit einer Ladung Reisnägel gurgeln, anschließend eine Packung Zigaretten rauchen und das alles mit einer Flasche Whiskey löschen. Lustigerweise nähert er sich Waits auch optisch langsam an: Wie in Stein gehauen steht der Mann mit seinen groben Gesichtszügen auf der Bühne und unterlässt es, abgesehen von einem gelegentlichen "Thank you", mit dem Publikum zu interagieren. Wunderschön zelebriert die Band auch "Can't Catch The Train" von Lanegans Zusammenarbeit mit den 'Soulsavers', Brechts "Mack The Knife", Nancy Sinatras "You Only Live Twice", "Solitaire", "Autumn Leaves" oder "One Hundred Days". Und besonders spannend ist "Mirrored", dass auf der Single "Hit The City" als B-Seite vertreten war. "On Jesus Program" beschließt das reguläre Set, danach ist erst mal Schluss. Aber nicht lange, denn Mark Lanegan ist an dem zweiten Abend der Europa-Tour noch voller Spieleifer und gibt eine Hand voll Zugaben, großteils von "Black Pudding". Erst beim Endstück scheint sich der Kreis zu schließen, denn Mark und Jeff reduzieren den Screaming Trees-Song "Halo Of Ashes" vom letzten Screaming Trees Album "Dust", auf seine Essenz. Wunderbar und fast ein wenig zu Tränen gerührt endet ein Abend, der schon vor vielen Jahren begonnen hat. Und wer noch ein wenig Geduld aufbrachte, konnte sich anschließenden ein Autogramm von Mark persönlich holen, die er gut gelaunt beim Merch-Stand schrieb. Eine große Geste eines noch größeren Künstlers, der sich im Posthof sehr fannahe gab.
Fazit: Der Godfather des Grunge Mark Lanegan zeigte uns eines seiner vielen Gesichter, das an diesem Abend eher ein introvertiertes war. Dennoch gab er als Zeremonienmeister hervorragend den Takt vor und seine Musiker folgten ihm auf Schritt und Tritt, immer ein wenig im Hintergrund, den Lanegans Präsenz auf der Bühne liess kaum Platz für jemand anderes. Auch wenn das Ambiente für manch einen Besucher ein wenig zu förmlich war, schien die Lösung mit den Sitzen doch die bessere zu sein, um das sensible Gleichgewicht der Songs nicht zu stören.

Kommentare von Besuchern

2. November 2013, 17:21
Viola sagt:
Danke für die respektvolle Review! Bis auf den nervtötenden Tom Waits Vergleich sehr schön geschrieben. Zum Thema "Set uns Setting": Haben die guten Leute sich nicht vorher informiert welchen Rahmen der Abend haben wird? Imitations nicht gekauft? Nicht in Black Pudding reingehört? Wieso kann man sich nicht über die Bandbreite dieses Künstlers freuen anstatt zu erwarten was man mit ihm assoziiert (was im deutschsprachigen Raum wohl nicht über "Meth Blues" hinauszugehen scheint!!)? Also chic machen und die Darbietung geniessen - im Rock-Outfit kommt er schnell genug wieder!

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