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Nachbericht: Impericon Never Say Die! Tour 2012

Autor: Lars Petruck, Milena Kracke
Metalcore - Ein Begriff, der im Augenblick die schwarze Szene wie kaum ein anderer polarisiert. Die jungen Leute fahren auf die Musik total ab, für viele ältere Metal-Fan bewegt sich die neuzeitliche Musik irgendwo zwischen Blasphemie und Ohrenkrebs. Somit ist es nicht verwunderlich, dass auch die Never Say Die Tour 2012 beim Konzert am 22. Oktober vor allem ein sehr junges Publikum in die Hamburger Markthalle lockte.
Schon in den Anfangsstunden war das Event sehr gut besucht! Dicht an dicht drängten sich die im Gegensatz zur sonst üblichen Szenenbekleidung eher im Skaterlook gekleideten Besucher kreuz und quer durch das Foyer und den Konzertsaal. Eigentlich würde man erwarten, dass am Ende des Showtages hin die Headliner We Came As Romans und Blessthefall völlig überlaufen sein müssten, wenn schon bei den ersten Support-Acts derart viele Menschen auftauchten. Dem war allerdings nicht so! Was im Verlauf des Abends mit der Anzahl der Zuschauer vor der Bühne geschah, das erlebt man auch als routinierter Konzertgänger in dieser Form wahrlich nur sehr selten: Mit jeder auftretenden Band schrumpfte das Publikum immer weiter zusammen. Ab 22 Uhr schien die Markthalle fast wie ausgestorben und die letzten die-hard Fans, die noch verbleiben waren, feierten mit Headlinern direkt auf der Bühne. Das düfte aber keinesfalls daran liegen, dass die Bands ihre Performances nicht zur Zufriedenheit der Fans absolvierten, sondern eher an dem zum größten Teil wirklich auffallend jungem Publikum, welches teilweise sogar in Begleitung der Eltern erschienen war.
Als Opener starteten die aus den USA stammenden At Dawn We Rage in den Abend. Es ist und bleibt wohl ein Rätsel, wie dieser Name es mit seiner Glitch-Hop-Elektro-Mucke ins Line-Up der Tour geschafft hat. Da hilft dann auch die in den letzten Jahren so hoch gepriesene Öfnnung der Szene gegenüber Randerscheinungen und Stilbrüchen nicht, über die Verdutztheit Einzelner hinwegzuspielen – der Sound hatte einfach nichts mit Metal in der allergrößten Dehnbarkeit des Begrifss zu tun. Womöglich zeigt sich in derlei Auftritten aber auch einfach der gegenwärtige Trend vieler Bands wiedergespiegelt, auch in Metal-Produktionen immer häufiger elektronische Töne einzuflechten?
Auch die danach auftretende Band The Browning zeigte deutliche Elektro-Einflüsse und leichtes Verbesserungspotential im Hinblick auf die Abwechslung ihrer Songs. Irgendwie klangen die meisten der angeschlagenen Töne dann doch sehr ähnlich. Ihr letztes Album Burn This World erschien im April 2011. Im Vorfeld der Tour ließ Sänger Jonny McBee verlauten: „Die Impericon Never Say Die! Tour zu spielen ist ein großer Schritt nach vorne für uns. Mit diesen geilen Bands zu spielen und auf einer solch renommierten Tour zu sein ist ein Traum, der für uns wahr wird! Europäischer Metal und Dance sind große Einflüsse für unsere Band, und drüben bei euch zu sein wird wie ein zweites Zuhause! Wir können es nicht erwarten!“
Und so scheint es tatsächlich zu sein! Sprich, dass die folgenden Bands des Abends sich über die letzten Jahre eine treue und wachsende Fanbase in Europa erspielen konnten. Selbst beim Auftritt der gerade erst im Jahr 2011 gegründeten Band Obey The Brave waren verhältnismäßig viele Leute vor der Stage am Feiern. Mit den danach auftretenden For The Fallen Dreams fing es Hand in Hand mit der voranschreitenden Uhrzeit aber bereits an,n leerer zu werden.
Trotz schwindender Massen gab es bei den mit dem malerischen Namen gezeichneten Stick To Your Guns einen beachtlichen Moshpit vor der Bühne, während der Sänger mit seinen vor jedem Song gehaltenen Ansagen über das Leben, Freunde und das nötige Selbstbewusstsein unter den Fans Sympathiepunkte sammeln konnte.
Bei Blessthefall herrschte dann leider eine sehr suboptimale Soundqualität vor, bei welcher der Clean-Sänger viel zu laut und der Screamer viel zu leise abgemischt war. Obwohl die Band Co-Headliner der Tour war, hatten sie nur eine etwa vierzigminütige Stagetime eingeräumt bekommen, die sie vor allem dazu nutzten, Songmaterial aus ihren früheren Tagen zu präsentieren. Das ist wohl einer der Nachteile solch großen Festivaltourneen: Dass man pro Band nur recht wenig von ihr zu sehen bzw. hören bekommt.
Zum Abschluss des weit in die Nacht fortgeschrittenen Abends erstürmten dann noch We Came As Romans vor leider weitestgehend leerem Haus die Bühne.
Abschließend lässt sich sagen: Die oftmals extrem jungen Bands dieser Core-Genre erreichen deutlich sichtbar eine Zielgruppe, an die viele alteingesessene Genregiganten der klassischen Metalszene leider kaum noch heran kommen. Ein positiver Aspekt dieses Abends war definitiv, dass die auftretenden Acts einen großen Wert darauf gelegt haben, in ihrer Interaktion mit dem Publikum eine Art „Selbstwertgefühl“ zu vermitteln. Trotz technischer Pannen und zum Ende des Abends hin leider weitgehend ausgebluteter Crowd war den meisten der jungen Besucher die Begeisterung für die Musik und die Künstler auf der Bühne doch deutlich ins Gesicht geschrieben! Ein gelungener Abend, der etwas früher hätte beginnen sollen. Vielleicht sind 8 Bands dann doch zu viele für eine so ausgiebige Tour …
Das Lineup für die Impericon Never Say Die! Tour 2012 bestand aus folgenden Bands:
We Came As Romans
Blessthefall
Stick To Your Guns
For The Fallen Dreams
Obey The Brave
At The Skylines
The Browning
At Dawn We Rage

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