Sparzanza – Death is certain, Life is not

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von Sparzanzas „Death is certain, Life is not“ (2012).
„Das Album rockt wie Sau, aber die typisch humoristische Seite fehlt.“
Interpret: Sparzanza
Titel: Death is certain, Life is not
Erschienen: 2012
Schweden scheint eine schier unerschöpfliche Quelle an Bands zu haben. Und der Großteil tummelt sich definitiv über dem kompositorischen Durchschnitt. Sparzanza - eigentlich schon alte Hasen im Geschäft - ist eine dieser Bands, die sich zur Zeit ziemlich reinknien: Es ist gerade mal zwei Jahre her, als sie ihr fünftes Album „Folie à Cinq” ihren Fans präsentierten. Darauf ist alles noch sehr spartanisch, wirkt ein wenig unentschlossen und streckenweise etwas einfallslos. "Alone with a Loaded Gun" bildet da eine rühmliche Ausnahme, da es aus der Masse deutlich hervorsticht. Und auch der Sound kommt, mit seinem rauen Charakter, durchaus recht authentisch rüber.
Zwei Jahre später kommt auch schon der Nachfolger "Death is Certain, Life is not" hinterher. Der Titel ist hoffentlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen, sonst wird's zu Beginn schon unfreiwillig komisch. Vor allem, da die Schweden generell für ihren feinhumorigen Rock bekannt sind, wie es The Hives, The Hellacopters, den Jungs und Mädels von Dying For Some Action oder Turbonegro eindrucksvoll vormachen. Selbst Entombed haben mit der Beatles-Anlehnung "Let it Stink" Ironie bewiesen. Im folgenden Review wird sich weisen, ob den 1996 gegründeten Schweden Sparzanza, die Gratwanderung zwischen Dampfhammer und ironischer Selbstreflexion, tatsächlich gelingt.
Lyrisch funktioniert der Spagat nicht immer, wenn man einen Blick ins stilvoll-hochwertige Booklet, und im Speziellen aufs banal zusammengereimte Titellied wirft, dem auch sein gehobenes Englisch, nicht aus der inhaltlichen Leere hilft: "We all shall watch the world, Go down in flames before our eyes, And as we watch it burn, We're losing all we've got! Death is certain, Life is not!". Naja, wie man sieht, nicht unbedingt ein Glanzlicht an Gehalt und Dichtkunst. Aber soweit sind wir noch nicht! Das vorliegende Werk startet erst mal mit dem Hochleistungs-Stoner und Metallica-Versatzstück "When the World is gone", recht knackig weg, und rutscht gegen Ende sogar in die Metal-Core-Schiene ab: wuchtig und mit einer enormen Intensität nimmt es den gesamten Raum ein. Auch textlich macht alles noch durchaus Sinn. Die Apokalypse kann kommen. Die aktuelle Auskoppelung "The Fallen Ones" folgt auf dem Fuße, aber weißt viel mehr Melodien auf, als noch der Opener. Büßt aber dadurch leider auch an Härte ein, und so klingt er, trotz seiner Größe, teilweise wie ein lauer Black-Metal-Song. Der Motor wird weiterhin nicht überdreht, dennoch halten Sparzanza auf "Dead Inside" dann zum ersten Mal die Balance zwischen mächtig und melodiös, recht gut. Jetzt braucht's aber wieder eine Granate, um das Album neuerlich in Fahrt zu bekommen. "Endeavor The Dark" kommt dann in klassischer Slave To the System-Manier um die Ecke gebogen, und funktioniert somit perfekt als das gesuchte Bindeglied (Slave To The System ist eine Rock-Formation bestehend aus Mitgliedern von Queensrÿche und Brother Cane, Anm. d. R.).
Das fahle Intro täuscht ein wenig über den Song hinweg, denn nach gut der Hälfte werden die Zügel straff angezogen und die Truppe verliert sich mit klassischem Stop & Go in der Dunkelheit. "Legion" ist eine, aus Zitaten zusammengeschusterte Füller-Nummer, die nicht Fisch, nicht Fleisch und schon gar nicht hochklassig ist. Sondern eher an einen Remix erinnert. "The Enemy" lässt dann sogar die Foo Fighters hochleben. Ziemlich frech, aber auch ganz schön vielseitig diese Schweden. Der Titel-Track ist, abgesehen vom vorhin schon erwähnten Text-Debakel, auch musikalisch nur passabel, wenn auch nicht wirklich schlecht. Er stapft über weite Strecken in unentschlossenen Progressiv-Gefilden dahin, ohne jemals einen tieferen Sinn erkennen zu lassen. "Ad Viventes" ist ein weiteres Glanzlicht, zumindest scheint es im ersten Moment so: Es vereint lateinische Texte mit Stadion-Rock. Allerdings erschließt sich mir der Sinn, der in Latein gehaltenen Strophen, leider nicht ganz, und bremst es damit auch noch sehr unangenehm aus. Außerdem schicken sie eine Theatralik voraus, die Sparzanza schlichtweg nicht nötig haben. Umso mehr Hochgefühl stellt sich dann beim Chorus ein, der bisher ungeschlagen ist. Bei "When Death comes" wird dann nochmal ordentlich Pathos nachgelegt, was nicht nur an den Streichern liegt. Musikalisch eine wirklich runde Sache. Kann man durchaus so stehen lassen, auch wenn manch einer es, im Vergleich zum Rest, vielleicht schon zu kitschig findet.
Kritik von: Michael Voit
Einmal eine Runde mit dem Album gedreht, erhärtet sich der Verdacht eines Konzeptes. Was durchaus auch legitim ist, denn Sparzanza haben auf "Death is certain, Life is not" eine illustre Auswahl an Abtritts-Hymnen versammelt, die mehr oder weniger ihren Zweck erfüllen. Mit einem Fünkchen Ironie versehen, würde das ganze noch viel mehr Spaß machen, aber da liegt vermutlich auch die paradoxe Diskrepanz begraben. Mir persönlich drückt das in der dargebotenen Form trotzdem ein bisschen zu viel auf's Gemüt. Einen weiteren Kritikpunkt stellt die zu aalglatte Produktion dar: War der Vorgänger durch seinem rüden Charme noch einigermaßen prägnant, so haben sie es diesmal einen Tick übertrieben, denn der "Dreck" liegt nur mehr in der Stimme von Sänger Fredrik Weileby. Wer sich die physische CD ins Regal stellt, bekommt, als kleines Dankeschön, die leicht gedrosselte, aber sehr melodische Dampframme, "I Am Your God" als Bonus-Track noch dazu. Das Teil macht also durchaus Sinn. Für Fans und Sammler sowieso ein Muss!
Fazit: Das vorliegende Album von Sparzanza ist definitiv nichts für Weicheier und rockt daher wie Sau. Leider fehlt ihm die humorige Seite ein wenig: Man kann nicht Titel bringen, wie "Dead Inside", "I am your God", "When Death comes" oder gar das Titelstück, und diese dann auch noch ernst meinen. Schade eigentlich, denn musikalisch ist die Truppe eine wirkliche Sensation. "Death is certain, Life is not" ist überraschend kompakt und wirkt wie aus einem Guss. Die Ideen laufen diesmal nicht mehr in alle Richtungen auseinander, sondern ein roter Faden ist definitiv hör- und auch spürbar. Wer das Hauptaugenmerk auf die Musik legt, ist mit dem neuen Output von Sparzanza äußerst gut beraten. Wer etwas Tiefgang in den Texten sucht, wird hier wohl eher weiterziehen, da die Lyrics streckenweise doch recht banal sind. Dennoch ist im Gesamt-Bild eine deutliche Steigerung zum Vorgänger zu verzeichnen.
Anspieltipps: When the World is gone, The Fallen Ones, Dead Inside, The Enemy, Ad Viventes

 
Score:
74% Gut.

Kommentare von Besuchern


Das Verfassen neuer Kommentare ist derzeit deaktiviert.

Nicht genug?

Diese Magazininhalte könnten dich ebenfalls interessieren!
Kategorie:
Interviews
Bilder
Reviews