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Whitesnake – Made In Britain

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von Whitesnakes „Made In Britain“ (2013).
„Die weiße Schlange klingt besser und frischer als jemals zuvor!“
Interpret: Whitesnake
Titel: Made In Britain
Erschienen: 2013
Whitesnake kennt jeder! Und damit meine ich wirklich alle, angefangen von der Hausfrau bis hin zum Bankdirektor. Denn jeder der schon mal eine Kuschelrock-CD in Händen hatte - und das sind wir vermutlich alle, auch wenn viele das abstreiten - kennt die Gruppe. Ihre Hits wie "Is This Love", "The Deeper The Love" oder "Looking For Love" waren auf diesen und ähnlichen Samplern der Neunziger immer zu finden. Dass die Truppe um Sänger David Coverdale damit allerdings in die Heart-Rock-Schiene abgedrängt wurde, und dem Ruf nur mehr schwer entfliehen konnte, wissen viele nicht. Mittlerweile sind die Hard-Rock-Ikionen aus der härteren Musikgeschichte allerdings nicht mehr wegzudenken. Coverdale, der 1973 dem lahmenden Gaul Deep Purple wieder auf die Sprünge half und dann mit Whitesnake seine eigene Band auf die Beine stellte, hat in der beinahe 40-jährigen Bandgeschichte nichts an Faszination und Authentität verloren; die Zusammenarbeit mit Jimmy Page lassen wir da mal außen vor. Aus der Zeit mit Deep Purple stammt übrigens auch das fulminante "Burn/Stormbringer", das Coverdale und Co, nach wie vor, in jedes Set einbauen und diesmal das Schlussstück bildet, bevor der Vorhang endgültig fällt. Aber soweit sind wir noch lange nicht. Mit Nummern wie "Still Of The Night", "Love Ain't No Stranger", "Here I Go Again", Fool For Your Loving", Slide It In" oder "Slow 'n' Easy" schufen sie Kracher für die Ewigkeit. Und das wurde mir nicht erst bewusst, als ich mich, zur adäquateren Rezension des vorliegenden Albums, nochmal durch ihr komplettes Werk - angefangen beim bluesigen Erstling "Trouble" bis hin zu dem letzten Studio-Output "Forevermore" - gebuddelt habe. In diesem Zusammenhang empfehle ich jedem, das Original des Megahits "Here I Go Again" vom 82er-Album "Saints & Sinners" an zu testen, dass jede nachfolgende Version weit in den Schatten stellt. Whitesnake haben über die Jahre auch zahlreiche Live-Alben veröffentlicht, die großteils wirklich überragen sind, abgesehen von ein paar kleineren Ausfällen. Und auch heuer gibt es wieder einen neuen Mitschnitt der Engländer, das den schlichten Titel "Made In Britain" trägt und sich mit 25 Songs oder 130 Minuten Gesamtspielzeit mehr als sehen lassen kann. Nun gut, Quantität ist ja nicht immer gleich Qualität darum hören wir uns "The World Record", wie sie untertitelt ist, mal genauer an.
Kritik von: Michael Voit
Gleich mal vorweg, beim Sound gibt es nichts zu meckern, jedes Instrument ist klar zu hören und dabei zittern meine Wände, vermutlich zum Unmut meiner Nachbarn. Die Songs sind allesamt mit einer Power in Szene gesetzt, dass es mir schon beim Opener "Best Years" die Sprache verschlägt. Die alten Hasen zeigen der jungen Generation nochmal wie es gemacht wird. Aufgenommen wurde der Mitschnitt übrigens bei Ihrer "Forevermore Welt Tournee 2011". An den Gitarren stehen Doug Aldrich und Reb Beach, den Bass bedient Michael Devin, Brian Ruedy haut in die Tasten und an den Drums sitzt zu der Zeit noch Brian Tichy, der sich wie ein Irrer die Seele aus dem Leib prügelt, aber 2013 wieder durch Tommy Aldridge ersetzt wurde. David Coverdale schafft es immer wieder sich atemberaubende Musiker und Virtuosen ins Boot zu holen, denn die Vorgänger am Ruder Micky Moody, John Sykes, Adrian Vandenberg oder Steve Vai ließen schon keine Wünsche offen.
Weiter geht's mit "Give Me All Your Love Tonight" und dann dürfen schon die ersten Hits ins Set. Ich dachte mir, spätestens bei "Is This Love" läuft mir die Schamesröte ins Gesicht, aber weit gefehlt, selbst bei der Edelschnulze greife ich lieber zur Luftgitarre als zum Taschentuch. Der Song hat die letzten 26 Jahre beinahe unbeschadet überstanden, genauso wie "Slide It In", "The Deeper The Love", "Here I Go Again", "Bad Boys" und natürlich ihre Hymne "Still Of The Night", bei dem die Boxen unverheißungsvoll vibrieren. Aber auch die Stücke vom aktuellen Longplayer "Forevermore" und seinem Vorgänger "Good To Be Bad" klingen äußerst beeindruckend und werden mit einer Wucht zelebriert, dass kein Stein auf dem anderen bleibt, wie im Fall von dem vorhin schon erwähnten "Best Years", "Love Will Set Us Free", "My Evil Ways", "Steal Your Heart Away" und dem bombastischen "Forevermore". Sogar "I was born under a bad sign..." - die erste Zeile von "Fool For Your Loving" - hat noch immer dieselbe Wirkung, wie bei ihrem erscheinen auf "Ready an' Willing" vor 33 Jahren. Genau wie "Love Ain't No Stranger", das einem das Feuchte in die Augen treibt, so unverbraucht klingt die Darbietung. Bei "Ain't No Love In The Heart Of The City" darf das Publikum die Band, wie üblich, tatkräftig unterstützen. Ich bin ja normalerweise kein Fan dieses Mit- und Nachsingens, aber im Fall dieses monotonen Chores bekommt der Titel eine recht sakrale Wirkung. Ergänzt wurde das Set mit den beiden Instrumentalstücken "Snake Dance" und "The Badger", die durch das Gitarrengewixe "Pistols at Dawn" eingeleitet werden, bei dem sich Aldrich und Beach auf höchstem Niveau "duellieren". Kurz macht sich sogar Lagerfeuerromantik breit, wenn die Herren bei "One Of These Days" und "Fare Thee Well" zur Akustikgitarre greifen. Letzteres ist gleich doppelt vertreten, wobei mir die zweite Version um einiges mehr zusagt. Dabei erinnern die akustischen Stücke unweigerlich an ihre Kollegen von Led Zeppelin. Einziger Totalausfall ist Deep Purple's "Soldier Of Fortune", das mit seiner wimmernden Melancholie nicht mal ansatzweise zum Rest des euphorischen Konzerterlebnisses passt.
David Coverdale ist wie üblich bestens gelaunt, führt als sympathischer Dandy durch den Abend und ist sich dabei nicht zu schade, mit dem Publikum zu interagieren. Hut ab vor dem Mann, er gibt alles und bekommt von der Menge eben soviel zurück. Seine Spielfreude und Energie ist nach all den Jahren noch immer ungebrochen - wenn nicht sogar noch gesteigert - und das hört man dem Mitschnitt zu jeder Sekunde an. Und nebenbei bemerkt: Der inzwischen 62-jährige trifft nach wie vor beinahe jeden Ton. Die die er nicht schafft, versucht nicht durch ein Winseln herunterzuspielen - wie viele seiner Kollegen - sondern umschifft sie souverän. Neben "Live...In The Shadow Of The Blues" und "Live at Donington" eindeutig ihr bester Live-Mitschnitt. Die eingefleischten Whitesnake-Jünger werden wohl auch hier ein Haar in der Suppe finden, aber für mich gehen diese beiden Scheiben in Ordnung. Außerdem kann ihr getrost der Vorzug zum gleichzeitig erschienen "Made in Japan" gegeben werden, dass sich von der Setlist nicht großartig unterscheidet, weniger Stücke beinhaltet und definitiv den unausgewogeneren Sound hat.
Fazit: Die weiße Schlange klingt besser und frischer als jemals zuvor! Ein Abend bei dem man dabei sein hätte sollen, noch authentischer war's vermutlich nur noch direkt vor der Bühne. Äußerst beeindruckende Live-Werksschau der Briten, ein MUSS für jeden Fan und die ideale Gelegenheit für alle Neueinsteiger, sich Whitesnake ins Gehör zu meißeln.
Anspieltipps: Best Years, Love Ain't No Stranger, Love Will Set us Free, Fool For Your Loving, Still Of The Night, Slide It In, One Of These Days, Burn/Stormbringer
Mein persönlicher Tipp: Holt Euch die Vinyl-Ausgabe, die unterstreicht das Erlebnis "Made in Britain" noch zusätzlich.
Kritik von: Michael Voit

 
Score:
89% Hervorragend!

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