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Emilie Autumn – Fight Like A Girl

Kritik von: Nicola Wunsch
Album-Cover von Emilie Autumns „Fight Like A Girl“ (2012).
„Are you suffering?“
Interpret: Emilie Autumn
Titel: Fight Like A Girl
Erschienen: 2012
Wer versucht, Emilie Autumn musikalisch einzuordnen, hat es schwer. Ihre Musik ist geprägt von klassischen Elementen, gleichzeitig aber auch durchwebt von synthetischen Klängen. Fakt ist, dass die junge Musikerin eines auf jeden Fall erreicht: Etwas Unverwechselbares zu schaffen!
Die US-Amerikanerin genoss schon als Kind eine musikalische Ausbildung und begnügt sich mittlerweile nicht mehr nur mit dem einfachen Musizieren: Sie ist nicht nur Musikerin, sondern auch Lyrikerin, Songwriterin, Sängerin sowie Autorin und gab 2012 ihr Schauspiel-Debüt in Darren Lynn Bousmans Horror-Musical Film The Devil's Carnival.
„Fight like a girl“ ist unverwechselbar ein Emilie Autumn Album. Es ist ein akustischer Stilmix; klingt manchmal nach Geheimnissen, die man in staubigen Kisten auf dem Dachboden eines viktorianischen Hauses findet. Nach Spieluhren, großen, alten, tickenden Uhren und irgendwie einer Teeparty mit dem verrückten Hutmacher und dem Märzhasen. Nur wenige Noten später schwenkt es in Richtung eines Psycho-Horrofilms. Erinnert an altertümliche Geister, die durch Bibliotheken spuken, verlassene Sanatorien und psychopathische, blutrünstige kleine Mädchen, die ihre Opfer mit einem entrückten Lächeln und ihrem Lieblingsteddy unterm Arm eineinhalb Stunden lang durch endlose Gänge jagen. Im Großen und Ganzen also: Niedlich und geheimnisvoll, verstörend und psychopathisch zugleich.
Allerdings wird das Potenzial des Albums nicht völlig ausgeschöpft. Es hat seine guten Stücke: „Fight Like A Girl“ besitzt Rhythmus und zieht mit. Ein guter Einsteiger in das Album. Jedoch schon der zweiten Track, „Time For Tea“, wirkt irgendwie anstrengend. Emilies Musik war schon immer eins: Anders. Aber Tracks wie dieser klingen eher nach einem Mix aus „völlig übertrieben gestellt böse“ und einem nervigen Hintergrundbeat, der mich irgendwie an meine Jugend, Super Mario und Bowser's Castle erinnert. Dass sie so etwas besser kann, hat die junge Künstlerin auf anderen Alben bereits bewiesen. So ist ihr z.B. auch „Take The Pill“ weitaus besser geglückt. Dabei handelt es sich tatsächlich um einen der düsteren Stücke dieses Albums, es wirkt aber nicht so gekünstelt und forciert böse.
Das nachfolgende Lied „Girls! Girls! Girls!“ klingt leicht, auf Emilies Art fröhlich und hat diesen viktorianischen Beiklang, der viele ihrer Lieder so charakteristisch prägt. Durchaus hörenswert. „Glaslight“ wiederum klingt ... nett. Nicht mehr. Irgendwie fad. Ganz und gar nicht nach der schillernden, interessanten Sängerin, die dieses Lied fabriziert hat.
Das ganze Album scheint zweigeteilt: Es hat seine guten Tracks und seine Schlechten. Es enthält Songs, die ganz dem verrückten Stil der Musikerin entsprechen und den die Fangemeinde so schätzt und liebt. Dann enthält es Stücke, deren Beschreibung von „langweilig“ und „öde“ bis hin zu „nervig“ reichen. „Fight Like A Girl“ würde sich wunderbar in zwei CDs splitten lassen: Eine farblose, langweilige, die sehr schnell in den Tiefen des musikalischen Nirvanas verschwinden würde, und eine sehr gute, die die Hörer begeistern könnte, wenn sie nur etwas länger wäre.
Fazit: Emilie Autumn bleibt Emilie Autumn. Sie bleibt ihrem Stil treu: niedlich, verrucht, geheimnisvoll, sexy, verstörend, psychopathisch, provozierend. Sie bleibt bei ihrem Drahtseilakt zwischen „facettenreich“ und „schizophren“. „Fight Like A Girl“ ist vom Stil her ein typisches Emilie Autumn-Album, hat sein Potenzial allerdings nicht voll ausgeschöpft. Dieses Album besitzt seine Höhen und leider - bedauernswerterweise - auch seine Tiefen. Natürlich ist ein perfektes Album reine Fiktion. Allerdings hat Emilie Autumn mit anderen Longplayern bereits bewiesen, dass sie es durchaus besser kann und das sehr hohe Niveau, mit welchem sie in vielen Songs glänzt, über mehr als die gefühlte Hälfte eines Albums halten kann. Leider ist dies hier nicht gelungen. Die Tracks, die gelungen sind, sind es dafür aber sehr. Im Zweifel: Reinhören, selbst entscheiden.
 
Score:
62% Annehmbar …

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