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Lausch – Canada Is Falling

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von Lauschs „Canada Is Falling“ (2012).
„Eine Platte die wunderbar als Gesamtpaket funktioniert ...“
Interpret: Lausch
Titel: Canada Is Falling
Erschienen: 2012
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Und auch Österreich ist immer wieder mal für eine Überraschung gut, wie das aktuelle Release der Wiener Band Lausch zeigt: "Canada Is Falling" ist der bereits dritte Output der 2004 gegründeten Progressiv-Post-Rocker, die ihren ungewöhnlichen Namen, ihrem Mastermind, Sänger und Gitarristen Alexander Lausch zu verdanken haben. Manch einem dürfte er aus der Band Freischwimma ein Begriff sein, in der er auch noch seine Finger im Spiel hat. Ohne große Umschweife wird der Hörer bei diesem Album in die Welt von Lausch' geworfen. Die Eröffnungsnummer und gleichzeitig Titel-Track ähnelt einem meditativem Dampfross, das mit seinen weichen Bassläufen geradezu paralysiert, sich kurz entlädt und in zweieinhalb Minuten alles sagt, was gesagt werden muss.
Erst dann öffnet sich die tatsächliche Pforte zum Album mit dem Titel "Endgame", der den Opener wie einen Kompatibilitäts-Test aussehen lässt. Ein wirklich interessanter Ansatz. Das Stück lullt mit einem so simplen, wie eingängigen Lick ein, gefolgt von einem schwelgerischen Frontalangriff, der Stunden später noch in meinen Gehörgängen herumirrt. Man fühlt sich ein wenig an Audioslave erinnert. Darüber mäandert Alexander Lausch - teils verdächtig nahe an Chris Cornell - seine kryptischen Lyrics über alle möglichen Endzeit-Szenarien. "Video Lights" mutiert zum Groove Monster, das wiederum mit äußerst prägnanten Melodienbögen aufwartet, gepaart mit brachialen Ausrastern, die dem Song die nötige Würze verleihen. Die Jungs wechseln die Stile und Rhythmen auch innerhalb der Songs recht häufig, was vermutlich den hohen Unterhaltungswert der Scheibe ausmacht. Bassist Arnold Zaron und Drummer Matthias Ledwinka bilden den teils soliden, teils recht ruppigen Nährboden für Alexander Lausch's Ausbrüche, die er noch mit seinem Klagen, Schreien und Flehen eindrucksvoll untermalt.
Das verschrobene "Candyman" wirkt überhaupt wie eine Fusion aus den beiden Vorgänger-Alben, das so melodiös wie experimentell abrockt, dass der Griff zur Luftgitarre die unweigerliche Folge ist. Homogenität kann man ihnen also wirklich nicht vorwerfen. In "Counting" wird sogar auf ein Klavier zurückgegriffen, um dem Titel noch etwas gerechter zu werden, der langsam eine Metamorphose Richtung schwer plätschernder Depri-Rocker durchlebt. Und wieder fällt diese stimmliche Nähe zu Chris Cornell auf. Der vermutlich sein Kinnbärtchen für einen Song der drei Wiener geben würde. Fragile, epische und vielschichtige Klangwelten folgen, die uns ein Stück weiter Richtung "Wonder Land" tragen, wo das Wort "Rock" dann wieder groß geschrieben wird. Beeindruckend kraftvoll und geradlinig fallen hier die Arrangements aus. Und auch dem Funk wird ein wenig Platz eingeräumt, wie in "Candidate", das aufgeregt von einem Stopp zum nächsten springt, und ein beeindruckendes Gitarren-Solo zum Schluss bereithält.
Offizieller Video-Link zu "Wonder Land":
Erst bei dem etwas zerrissenen "Safe In The Rain" stellen sich erste Makel ein, denn die schroffe Blues-Note, die dem Song zu wahrer Größe verhilft, wird durch den etwas mürrischen Mittelteil unnötig ausgebremst. Das elegische "Hate" bildet dann das Ende, einer wirklich grandiosen Reise durch Raum und Zeit. Der munter schunkelnde Titel wirkt gerade so, als würden sie uns zum Abschied noch einmal zuwinken. Lausch sind nicht unbedingt leichte Kost, bequem, trendy oder gar modern. Lausch ist Musik zum bewussten Hören. Man muss in die opulente, teils psychotische Welt eintauchen, in ihr aufgehen, und mit jedem weiteren Durchlauf der Schönheit des Albums näher kommen. Und nachdem von "Canada Is Falling" auch eine Vinyl-Version erschienen ist, ist dieser unbedingt der Vorrang zu geben. Zumal die Jungs sich die Mühe gemacht haben, die Tracklist für die LP-Version umzureihen, da ja quasi zweimal ein Anfangs- sowie auch End-Track gefunden werden musste.
Fazit: Eine Platte die wunderbar als Gesamtpaket funktioniert und sich nebenbei als ein herrlich verschrobenes Stück Musik entpuppt. Lausch hängen die Latte für Post- wie auch Progressiv-Rock um einiges Höher. Einlullende Passagen und schwelgerische Melodie treffen auf ein recht straffes Rock-Gewitter. "Canada Is Falling" wirkt - im Gegensatz zum Vorgänger "Friend Of The Captain" - wieder schlüssiger, wie auch kompakter in seiner Ausführung. Ganz ähnlich wie beim Debüt "Nothing But Not", das ein wahrlich imposantes erstes Lebenszeichen, wie auch Erlebnis war. Und dieser Kreis schließt sich mit "Canada Is Falling" allmählich wieder, denn was dort so großartig anfing, wurde auf dem aktuellen Release noch mit ein wenig Bombast angereichert und etwas druckvoller arrangiert. Einzig der Titel-Track fällt etwas aus dem Rahmen, was dem Spaß aber keinerlei Abbruch tut, denn dass Stück rockt, im Gegensatz zum restlichen Album, mit noch ein weniger mehr Eiern. Also nichts wie hin zum nächsten Konzert und Vinyl mit nach Hause nehmen!
Anspieltipps: Endgame, Candyman, Video Lights, Counting
Vergleichbares: Chris Cornell, Harmful, Built To Spill
Vinyl-Link: http://www.lauschmusic.com/discography/

 
Score:
89% Hervorragend!

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