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Interview: Marrok

vom 21. Juni 2013 See-Rock Festival, bei Graz
Festivals sind eine gute Gelegenheit, mit relativ geringem Aufwand, eine Vielzahl an Bands zu erleben. Meist zwar mit der ein oder anderen Widrigkeit, wie Hitze, Schweißabsonderungen in rauhen Mengen, dichtem Gedränge und natürlich dem Campieren unter nicht immer den allerbesten Bedingungen. Aber darüber wird von Festival-Fans geduldig - wenn auch nicht immer bei vollem Bewusstsein - hinweggesehen, wie auch beim See-Rock Festival am Schwarzlsee in der Nähe von Graz. Dort teilten sich die ganz Großen eine Bühne, wie Stone Sour, der Ex-Metallica Bassist Jason Newsted mit seiner neuen Kapelle und natürlich die Pioniere des britischen Metals: Iron Maiden.
Leider stehen die Chancen bei dieser Art Veranstaltung auch mal eine heimische Band zu erleben, relativ gering. Umso größer war die Freude, die oberösterreichischen Durchstarter Marrok im Line-Up zu finden. Die Jungs um Sänger und Gitarrist Brian Pearl haben in letzter Zeit für enormes Aufsehen gesorgt und so verwundert es - nach längerem Staunen - dann doch nicht, die Alternative-Darlings unter all diesen Stars zu finden. Und nachdem wir uns beim letzten Interview ausgemacht hatten, uns hier wieder zu einem neuerlichen Gespräch zu treffen, hielten die Jungs Wort und schenkten uns - nach ihrem markerschütternden Auftritt - eine Dreiviertelstunde ihrer kostbaren Zeit, obwohl die angrenzende Wasserrutsche sie immer wieder in ihren Bann zog.
Gut gelaunt und schon in Bademontur stellen sie uns ihren derzeitigen Schlagzeuger Matthias Hernegger vor oder erzählen, warum es nicht immer leicht ist, mit nur 25 Minuten Spielzeit eine zündende Show auf die Beine zu stellen. Weiters nehmen wir uns das Thema Wacken Open Air noch einmal vor, den plötzlichen Tod von Slayers Jeff Hanneman und ihre Einstellung zu Live-Alben. Richtig amüsant wird es, als wir uns ein fiktives Treffen mit Lemmy ausmalen und das Quartett ihre Fragen an den Motörhead-Frontmann präsentiert. Außerdem versuchen wir ein weiteres Mal, ein wenig mehr Licht in die Privatperson Philipp Gödl alias Brian Pearl zu bringen, was er aber gekonnt umschifft und sich nicht allzu sehr in die Karten sehen lässt.
Viel Spaß mit einem weiteren Marrok-Interview!
Das Interview:
Michael: Hallo Leute, wir befinden uns auf dem See-Rock Festival am Schwarzlsee in Graz und ich spreche mit Brian Pearl, M:Zeven, Lycan Radix und Drummer Matthias Herrnegger von Marrok. Hallo zusammen, vielen Dank dass ihr Euch nochmal für ein Interview Zeit nehmt!
Marrok: Hallo Michi. Sehr gerne!
Michael: Wir haben bei unserem letzten Interview in der Spinnerei Traun über Marrok auf dem "Wacken Open Air" gesprochen. Nach dem Auftritt hier mit Iron Maiden, Stone Sour und Jason Newsted seid ihr Wacken vermutlich einen Schritt näher gekommen?
Brian: Naja, ich persönlich finde nicht so, dass wir aufs "Wacken Open Air" passen. Aber wenn wir eingeladen werden, würde ich natürlich nicht "Nein" sagen!
M:Zeven: Lustigerweise haben wir seitdem der Matthias bei uns das Schlagzeug bedient, so viele positive Rückmeldungen bekommen - von beiden Geschlechtern - dass wir uns eindeutig Richtung Metal bewegen. Und daher wäre es durchaus denkbar, dass Wacken eine Möglichkeit wäre.
Michael: Ihr habt euer Set heute recht gut an das Festival angepasst und keinen von euren "Hits" gespielt.
Brian: Diesmal war's eher was für das männliche Publikum. Weil wenn du da mit den Schnulzen kommst, landen wahrscheinlich die Tomaten auf der Bühne. (lacht)
M:Zeven: Dabei muss schon fragen: Wer definiert Hits? Sind das die Mütter die gerne Ö3 hören oder die Männer die unsere Konzert-Tickets kaufen? Ich kann's nicht sagen, aber ich hoffe für die war es heute ein Hit!?
Brian: Nachdem wir eh nur 25 Minuten hatten, wollten wir halt ein strammes Konzert spielen und ordentlich wegkrachen. Wir haben unser Bestes getan.
Michael: Brian, ich habe eigentlich auch darauf gewartet, dass du wie beim Nova-Rock aufs Gerüst kletterst.
Brian: Hatte ich auch vor, ist mir diesmal aber leider untersagt worden.
Michael: Ihr habt in letzter Zeit ja einige Gigs gespielt - ich möchte fast sagen eine Mini-Tour - wie bereitet man sich darauf vor?
Brian: Viel Proben, vor allem jetzt wo der Matthias von "Sensylis" mit uns spielt. Weil, man muss sich ja auch ein wenig kennen lernen. Und es funktioniert eigentlich sehr gut, darum haben wir auch nicht ganz so viel geprobt, wie wir hätten sollen.
M:Zeven: Eigentlich haben wir mehr geprobt als jemals zuvor in der Geschichte von Marrok.
Brian: Bei 25 Minuten muss man halt in relativ kurzer Zeit alles geben.
Michael: Wie ist das bei einem 25-Minuten-Gig, kann man da die Aufwärmphase ein wenig abkürzen?
Brian: Eigentlich sollte man vorher schon aufgewärmt sein: körperlich, wie auch auf dem Instrument.
Matthias: Da darf man es gar nicht darauf ankommen lassen, da muss von der ersten Minute weg die Energie stimmen. Bei regulären Gigs, wie zum Beispiel morgen auf dem "Donauinselfest", da sind eineinhalb Stunden geplant, da kann man sich die Energien dann ein wenig besser einteilen.
Michael: Und wie ist das mit dem auf einander einspielen, weil das wird ja nicht sofort gegeben sein, vor allem, weil ihr ja mit dem Matthias noch nicht so lange spielt?
M:Zeven: In solchen Situationen ist das einfach etwas anderes. Wir sind auf der Bühne gestanden, und haben ohne Intro losgelegt. Und wenn da alle den ersten Schlag treffen, dann stimmt die Chemie sofort.
Michael: Das See-Rock Festival, und der Slayer-Gig morgen stehen ja ein wenig im Zeichen des überraschenden Todes von Slayer-Gitarristen Jeff Hanneman. Seid ihr Slayer-Fans?
M:Zeven: Ich bin mit Slayer aufgewachsen.
Brian: Ich hab auch viel Slayer gehört, eine großartige Band. Aber irgendwann wird einem das natürlich zu fad, denn so viel Abwechslung gibt es da nicht.
Matthias: Slayer waren die erste Metal-Band, die ich live gesehen habe. Da war ich 13 Jahre alt. Slayer und gleich danach Cannibal Corpse. Es ist sofort ziemlich hart losgegangen, das hat sich dann im Laufe der Zeit aber wieder zurück entwickelt. Auf jeden Fall war ich in der ersten Reihe hab mir gedacht, dass es wohl keine besseren Gitarristen gibt. Jetzt weiß ich, dass dem nicht so ist. (lacht)
Soviel zu Slayer. Ich hab sie jetzt, glaube ich, sieben Mal gesehen, und jedes Mal werden sie für mich uninteressanter.
M:Zeven: Man muss aber dazu sagen, sie haben halt ihr Ding durchgezogen, und sich nicht hundert Mal gedreht, wie Metallica. Was ich nicht schlecht finde. Der Tom Araya ist ja mittlerweile nur mehr Haut und Knochen, von der Konsistenz quasi wie ein Lederapfel. Und der wird auch nur mehr durch seine Haut und die Knochen zusammengehalten und steht immer noch auf der Bühne und wetzt seinen Bass. Die geben halt nicht auf. Der Sänger von Machine Head hat mal gesagt, dass er nicht der große Slayer-Fan ist, aber der Jeff Hanneman war ein irrsinnig intelligenter Mensch und nebenbei hat er alle Hits von Slayer geschrieben. Und bis jetzt zu seinem Ableben hat er nie Anerkennung dafür gewollt. Der hat das einfach gemacht, weil er Spaß dabei hatte. Und das ist natürlich traurig wenn jemand stirbt und ein Werk für andere hinterlässt. Das ist nicht so wie bei Metallica mit "Lulu", das ist ja wohl ein Scheißdreck. Das war zusammen mit Lou Reed. Ich will auch nicht sagen, dass der Lou Reed das schlecht gemacht hat, aber Metallica schon. Also lieber als Legende gehen, wie der Dimebag Darrel und nicht wie bei Metallica. Aber ich finde es beeindruckend, dass Slayer immer noch spielen, vor allem wenn ein Gründungsmitglied stirbt. Da ist auch die Frage, ob es für die Fans so ein Erlebnis ist, Slayer nochmal zu sehen. Leider sehen wir sie morgen nicht, weil wir selber einen Auftritt haben.
Michael: Genau darüber habe ich vor kurzem mit Rachel Bolan von Skid Row gesprochen, und er meinte, dass er die Jungs vom Jenseits aus anpissen würde, wenn sie nicht weiter machen.
Brian: Man muss einfach weitermachen!
M:Zeven: Das würde ich natürlich auch so sehen.
Matthias: Es kommt halt auch immer auf die Größe der Band an; bei Slayer geht's da ja schon um 'ne Menge Geld. Und es ist ja auch eine Identität die man sich da im Laufe der Jahre aufbaut.
Michael: Ihr seid morgen leider nicht mehr da, wenn Motörhead spielen, aber ich stell mal die fiktive Frage: Was würdet ihr Lemmy fragen, wenn ihr ihn Backstage treffen würdet?
Brian: Also ich würde ihn fragen, ob er meine Augäpfel lecken würde. (lacht)
Matthias: Das ist der neueste Trend aus Japan.
Lycan: Da bekommt man ja eine Bindehautentzündung.
Matthias: Ich hab meine schon, weil M:Zeven und ich praktizieren das öfters im Backstagebereich. (lacht)
M:Zeven: Das ist ja widerlich. Ich würde den Lemmy fragen, ob er sich einen Tag wie ein Papa anzieht und ich dazu wie sein Sohn im Matrosenanzug und so würden wir den ganzen Tag durch Wien spazieren.
Matthias: Ich würde fragen, wie das funktioniert, die Musikkarriere mit einer Familie zu verbinden.
M:Zeven: Er hat keine Familie!
Brian: Angeblich hat er 18 Kinder.
M:Zeven: Kann man alles in "White Line Fever" nachlesen.
Lycan: Die Autobiografie ist sicher ziemlich alkoholgeschwängert!?
Michael: Lemmy hat ja, wie Du ganz richtig sagst, eine ziemlich konsequente Drogenvergangenheit, war das bei Euch jemals ein Thema?
Brian: Ich kann da jetzt nur für mich sprechen, aber ich habe noch nicht einmal eine Zigarette probiert. Ich bin da ganz brav.
Michael: Das ist ja eigentlich recht untypisch …
Brian: … ja, gerade für Sänger. (lacht)
Matthias: Ich trinke schon manchmal ein Bier.
M:Zeven: Wir sind ja eine komplette Nichtraucher-Band, und mittlerweile sogar das komplette Team. Also Nikotin betrifft uns nicht, Alkohol-Exzesse gibt's bei uns auch nicht. Aber dann und wann muss man da schon ein wenig Benzin trinken oder Kleber schnüffeln. (Gelächter)
Brian: Nein, unsere Droge sind Wasserrutschen und Thermen-Spaß.
Michael: Macht das für Euch eigentlich einen Unterschied ob ihr auf einem Festival vor 2000 Leuten spielt, oder in einem Club vor 200?
Brian: Also ich tue mir bei großen Shows leichter, weil bei den kleinen Gigs ist man näher bei den Fans, und die analysieren einen schon komplett. Das macht mich immer ein bisschen nervös. Bei den großen Shows ist man soweit weg, wenn da der Hosenstall offen steht, sieht das kein Mensch. Und es besteht auch nicht die Gefahr, dass ich die Leute in der ersten Reihe beim Singen anspucke, das kann in den Clubs schon mal passieren.
M:Zeven: Wenn man so eine große Bühne hat, wie wir heute, dann sind wir als Band eine viel bessere Einheit, auch in Verbindung mit den Fans. In den Clubs ist das so dicht gedrängt, dass so viele Energien gleichzeitig passieren. Es passiert alles auf einmal und man weiß nicht was los ist. Hingegen so eine Show wie heute macht einen nicht nervös, sondern erfüllt einen eher. Weil man auch mehr Leute gleichzeitig ansprechen kann.
Michael: Ihr habt in letzter Zeit einige Cover-Songs bei den Shows gespielt, allen voran im Camera-Club in Wien und auch heute "Sonne" von Rammstein. Was war dafür ausschlaggebend, plötzlich Cover ins Set einzubauen?
Brian: Es macht einfach Spaß, und viel Blödsinn geht schon von mir aus. Und da bleibt den anderen gar nichts anderes übrig, weil ich so ein sturer Hund bin. (lacht)
Bei "Sonne" von Rammstein war es so, dass wir die Jungs letzte Woche am Nova-Rock gesehen haben, und die sind so eine Macht, dass wir beschlossen haben, dass wir eine Nummer von ihnen anspielen.
M:Zeven: Das passiert halt immer sehr spontan.
Matthias: Im Camera-Club waren das teilweise schon Improvisationen.
Brian: Wir bringen immer gern ein wenig frischen Wind in unsere Shows.
Michael: Arbeitet ihr eigentlich schon an neuen Songs?
Brian: Wir versuchen gerade ein größeres Zeitfenster freizuschaufeln, um endlich wieder mal mit dem Songwriting anzufangen. Wir fangen auf jeden Fall heuer noch an. Wir sind eh schon ganz heiß drauf.
M:Zeven: Und wir haben ja das Drummer-Casting parallel am Laufen, und es ist für Ende des Sommers angedacht, dass wir da eine Überraschung für die Fans parat haben. Und da werden wir auch schauen, dass wir schnellst möglich ins Studio kommen, um die Energie und das neue Gefühl gleich auf einen neue Scheibe pressen können.
Brian: Im Winter ist es im Studio immer am Gemütlichsten, vor allem wenn es draußen schneit.
Matthias: Da muss man aber schon auch erwähnen, dass das bei Brian zu Hause ein Traum ist. Nachdem er ein Tonstudio besitzt, machen die alles selber. Und das ist schon ein extremer Vorteil, wenn man das daheim machen kann. Vor allem in der natürlichen Umgebung. Dort sind nur Wald und Wiesen und sein Haus. Da kann man komplett abschalten und sich total auf die Musik konzentrieren. Und das ist halt schon ein Vorteil, den die wenigsten Bands genießen können.
Michael: Matthias, glaubst Du, Du kannst Dir etwas von der Arbeit mit Marrok zu Deiner Band Sensylis mitnehmen?
Matthias: Auf jeden Fall, weil ich hab jetzt schon irrsinnig viel von ihnen gelernt. Wir haben bei mir zu Hause auch versucht ein Home-Studio einzurichten, nur ist das halt ein anderer Standard, weil das kostet ja auch alles eine Menge Geld. Und es ist auch ein Platzproblem: Ich habe nur eine kleine Wohnung in Wien, die Jungs haben ja ein ganzes Haus zur Verfügung. Wir, also Sensylis praktizieren das so, dass wir zu Aufnahmen in die Steiermark fahren, und da nehmen wir das Studio quasi mit. Und natürlich kann ich auch eine Menge Live-Erfahrung mitnehmen. Bei Marrok habe ich erst wirklich gelernt während des Spielens zu headbangen. Es sind zwar teilweise unheimlich brachiale Beats, die aber nicht sonderlich schwer zu spielen sind, und da kann man sich dann natürlich voll auf die Show konzentrieren. Auch der Auf- und Abbau gehört da noch dazu und halt auch der Spaß. Also in Summe hab ich viel bei Marrok gelernt.
Michael: Eine Frage hätte ich noch zum Songwriting: Lässt es sich eigentlich abschätzen ob man einen gerade an einem Hit schreibt? Sprich, Lässt sich die Größe eines Songs schon beim Schreiben erkennen?
Brian: Naja, wenn Du Dich hinsetzt und dir sagst, dass du das beste Lied der Welt schreiben willst, funktioniert das gar nicht. Meistens ist es so, dass man, wenn man zum Beispiel in der Wanne liegt oder auf dem WC ist, die besten Ideen hat und natürlich keine Möglichkeit es aufzunehmen. Da sucht man dann ganz verzweifelt das Telefon und versucht die Essenz irgendwie abzuspeichern. Weil, wenn Du da nicht schnell genug bist, ist es wieder weg. Bei mir funktioniert es, wie ich Dir letztes Mal schon erzählt habe, im Schlaf am Besten, und da bleibt es dann auch länger im Kopf bzw. merke ich es mir am Ehesten.
Michael: Ihr habt jetzt einige Live-Videos veröffentlicht, zum Beispiel die vom Rockhouse in Salzburg, bzw. "Silent River" als MP3 vom Nova Rock; habt ihr schon mal überlegt ein Live-Album zu veröffentlichen?
Brian: Sagen wir so: Dank der neuen Technik recorden wir so gut wie jedes Konzert. Und da sind natürlich einige Schmankerl dabei und die wollen wir unseren Fans nicht vorenthalten. Natürlich wäre es eine super Idee, ein Live-Album rauszubringen, schauen wir mal was im Winter passiert.
Matthias: Es ist halt Live viel auf Show aus, und es passiert ja unheimlich viel auf der Bühne und ich weiß nicht, ob man das dann mit einem Live-Album so rüberbringt.
Brian: Richtig. Zum Beispiel die Stimmung auf dem Nova-Rock war etwas ganz Besonderes und ich weiß nicht ob man das dann so mitbekommt. Vielleicht veröffentlichen wir ja noch das ein oder andere Stück. Das Problem ist, das ist soviel Material und wir haben so gut wie keine Zeit, das ordentlich zu verarbeiten. Das gehört ja auch alles richtig abgemischt.
Matthias: Aber der Brian ist da eh ein Highlight, musst Du Dir vorstellen, wir spielen den Gig am Nova Rock und zwei Tage später bekomme ich einen Anruf von ihm und er sagt mir, dass "Silent River" fertig ist und er es mir schon geschickt hat. Unfassbar. Bei den meisten anderen Bands passiert das, wenn überhaupt, ein paar Monate später.
Brian: Man muss allerdings dazu sagen, dass ich wenig verändert habe, weil es soll ja so rough wie möglich bleiben, nämlich auch um die Stimmung zu erhalten.
Michael: Braucht es eine gewisse Präzision für Live-Aufnahmen, weil ich immer wieder höre, dass Bands während des Konzertes irrsinnig super klingen, aber wenn man es sich dann im Nachhinein anhört, schaut's ganz anders aus?
M:Zeven: Ich sag es mal so: Stell Dir vor es stehen jeden Tag drei Models von "Victory Secret" bei dir im Schlafzimmer und du musst dich komplett nackt vor sie hinstellen. Du kommst verschwitzt von der Arbeit nach Hause, und dann sitzen die da und bewerten Dich. Und nachdem wir jedes Konzert mitschneiden, kommt bei jedem der Punkt, wo man lernt, dass man Trainieren muss, um seine Schwachstellen wegzubekommen oder ich muss lernen mich so zu präsentieren, dass ich nur meine Schokoladenseite zeige. Und im Endeffekt läuft es auf das Erstere hinaus. Und ich finde diese Liveaufnahmen sind im Endeffekt ganz praktisch, weil man wirklich hört, wer bei welcher Stelle im Schnitt öfter schwächelt und diese Stellen sind dann relativ schnell ausgemerzt! Weil im Sitzen spielen und im Stehen bei Hitze sind nun mal zwei verschiedene Situationen.
Michael: Nachdem ihr ja heute "Sonne" von Rammstein gecovert habt, habt ihr jemals überlegt auch einen Song mit deutschem Text zu schreiben?
Brian: Das Problem ist, ich kann deutsch einfach nicht gut singen. Es klingt einfach scheiße. Irgendwann hab ich mal ein Lied auf Deutsch aufgenommen, das war einfach nur grottig und nicht anzuhören. Und dadurch, dass ich mit englischsprachigen Songs aufgewachsen bin, tue ich mir da wesentlich leichter. Letztens hat Matthias im Proberaum unseren Song "Crying Hope" auf Deutsch gesungen, und ich hab mich echt gefragt, was denn das für ein Song ist. (lacht)
Währenddessen beginnt Matthias lautstark den Song auf Deutsch zu singen und unweigerlich macht sich ein Schlager-Feeling breit.
Brian: Wenn man so etwas hört, gewöhnt man sich das Songschreiben auf Deutsch relativ schnell ab. (lacht)
Michael: Brian, bei Dir weiß man ja nicht so genau, wo hört Brian Pearl auf und wo fängt das Privatleben von Philipp Gödl an. Trennst Du das strikt?
Brian: Ja, das ist schwierig, weil der Brian Pearl stammt ja auch aus einem Traum von mir und ich fühle mich damit ziemlich wohl. Und "er" nimmt ja einen Großteil meiner Zeit in Anspruch, weil bei mir dreht sich ja der beinahe komplette Tag um die Musik. Aber ich trenne das schon sehr strikt. Wenn ich, der Philipp, z.B. privat einkaufen geht, und es kommt jemand zu mir und will ein Autogramm oder ein Foto, bin ich eigentlich ziemlich schüchtern. Das glaubt man dann meistens gar nicht.
Michael: Das heißt, Du hast Dir da so eine Art "alter ego" geschaffen?
Brian: Ja, auf jeden Fall.
Michael: Ihr habt heuer auch noch den Papa Roach-Cover-Contest gewonnen. Was genau war denn da der Preis?
M:Zeven: Ihr neues Album mit den Unterschriften, sie haben uns auf ihrer Seite gepostet, wo wirklich Millionen von Fans unterwegs sind und haben uns beim Siegerbeitrag nochmal positiv erwähnt. Promotiontechnisch eine sehr coole Geschichte.
Michael: War davon etwas zu spüren?
Brian: Ja klar, die Papa Roach-Fans werden da schon auf einen aufmerksam. Vor allem da wir ja schon eine Show mit ihnen gespielt haben. Und wir haben da schon einiges an positivem Feedback erhalten. Im November sind Papa Roach wieder im Gasometer, da würden wir uns schon freuen, wenn sie uns nochmal einladen.
Michael: Ihr seid ja auf dem Soundtrack zu dem Film "Local Heroes" vertreten. Gibt's einen weiteren Film zu dem Ihr gerne mal einen Song beigesteuert hättet oder evtl. sogar den kompletten Score komponiert hättet?
Brian: Also ich hätte gerne einen Song zu dem Film "Rockstar" mit Mark Wahlberg beigesteuert. Sensationeller Film, außerdem spielt Zakk Wylde mit und auch der Sänger von Steel Panther ist kurz zu sehen. Das ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme.
M:Zeven: Es wäre auch cool bei einem Soundtrack wie "Blade" dabei zu sein. Irgendetwas Industrial-artiges halt. Oder "Sucker Punch".
Michael: Die Stone Temple Pilots haben einen neuen Sänger, nämlich Chester Bennington von Linkin Park ...
Brian: Ja habe ich gehört, allerdings finde ich, dass es ein weiteres Zeichen dafür ist, dass man sich von Linkin Park weg entwickelt, weil es mittlerweile doch nur mehr eine leere Hülle ist. Anscheinend macht den Mitgliedern alles andere mehr Spaß als Linkin Park selbst. Auch wenn man jetzt zum Beispiel das letzte Album hernimmt, das ja, bis auf zwei Songs, nur mehr langweilig ist. Und ich war früher ein wirklich großer Fan. Aber grundsätzlich bin ich der Meinung, es soll jeder das machen, was ihm Spaß macht.
Lycan: Und man kann es so und so nicht jedem recht machen.
Matthias: Ich war ja wohl der größte Freak. Ich hatte sogar eine Mappe mit einfolierten Texten von Linkin Park. (lacht)
Michael: Wie seht ihr das mit den Anschuldigungen gegen den Lost Prophets-Sänger Ian Watkins, der beschuldigt wird, sexuelle Vergehen mit Kindern begangen zu haben?
Brian: Ja, das ist natürlich gefährlich, vor allem als Musiker in dem Genre hat mal viele junge Fans und da wird man natürlich schnell verleitet. Und heutzutage kennt man 15-jährige von 20-jährigen kaum noch auseinander. Auch bei unseren Autogrammstunden kommen manchmal Mädchen, bei denen man sich denkt, die sind schon sehr reif und dann erfährt man von ihnen, dass sie erst 15 oder 16 Jahre alt sind. Sehr gefährlich.
M:Zeven: Ich tu mir auch ziemlich schwer, dass ich die Michael Jackson-Gerüchte glaube, und nachdem ich doch ein Agnostiker bin, mit einem Hang zum Schicksal, glaube ich nur an Sachen, die auch wirklich bewiesen sind. Ich finde das immer so eine Sache, dass man seine Unschuld beweisen soll; die sollen doch erst mal seine Schuld beweisen. Wenn er es war, ist das natürlich schlimm, und mir tun die Opfer, wie auch ihre Angehörigen unheimlich leid. Aber sollte es nicht so sein, denke ich mir, dass er gerade eine ziemlich harte Zeit durchlebt.
Brian: Man hat es ja gerade in Deutschland gesehen, da ist ein Kinderschänder im Gefängnis fast zu Tode geprügelt worden ...
M:Zeven: Und solche Menschen verdienen wirklich lebenslänglich, denn wenn man zu so etwas im Stande ist ...
Brian: Aber solche Menschen sind auch arm, vor allem wenn man diese Lust auf Kinder nicht unterdrücken kann. Niemand kann aus seiner Haut heraus und das ist in dem Fall schon sehr traurig.
Michael: Danke für Eure ehrliche Meinung, und dass ihr Euch Zeit genommen habt und Euch von der Wasserrutsche losreißen konntet..
Brian: Bitte gern, hat uns sehr gefreut.
Michael: Und wie üblich habt ihr noch die Möglichkeit zu einem Schlusswort.
Brian: Kommt alle an den Schwarzlsee bei Graz und probiert die Wasserrutsche aus!!
Moderation: Michael Voit; Fotografie: Christian Hehs

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