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Voodoo Mule – Voodoo Zoo

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von Voodoo Mules „Voodoo Zoo“ (2013).
„Medidationsmusik für Stoner“
Interpret: Voodoo Mule
Titel: Voodoo Zoo
Erschienen: 2013
Auch in den musikalisch sonst eher untypischen Ländern, wie etwa Slowenien, finden sich gelegentlich Gruppierungen, die es verdient haben, unbedingt gehört zu werden. Wie im Falle von den 2010 gegründeten Voodoo Mule, einer Stoner-Drone-Band aus Ljubljana. Das Trio fräst sich mit ihrem monotonen, ja fast hypnotischen Geschrubbe - wie beim Opener "Honeyland" - ins Gehirn, und hinterlässt einen unvergesslichen Eindruck, wie einst Jimi Hendrix oder Dave Wyndorf. Ich bin mir nicht mal sicher, womit man die Jungs wirklich vergleichen kann, denn so dreckige und brutal-dröhnende Musik habe ich schon ewig nicht mehr gehört. Das letzte Mal zu den Anfängen von Monster Magnet', bei Electric Wizard oder Godhead, und das liegt ja doch schon über zwanzig Jahre zurück. "Tapas", der quirrlige Folge-Track bricht dann schon ein wenig mehr aus sich heraus, überrumpelt den Hörer völlig unerwartet und zieht ihn immer weiter in die Spirale aus wabernden Gitarren, Feedbacks und dem stampfenden Bass. Das Solo, das in voller Schräglage daherkommt, bettet sich ganz gemütlich in den wummernden Voodoo Mule-Sound ein.
Auch "Trunkfull" hebt sich ein wenig vom Rest ab, da die Zügel noch immer etwas straffer gehalten werden und so einen unverwechselbaren Garage-Charme bekommt. "Set my Soul on Fire, I don't wanna be a Liar!" schreit Sänger und Gitarrist Jagnje hinaus und verleiht seinem Anliegen so noch an Nachdruck. Speziell der (beinahe) rockige Chorus macht ordentlich Laune und das verhalf ihnen sogar schon zu einem Support-Auftritt vor Karma To Burn. Das funkige "Jizz Da Bizz" lockert den Longplayer erfrischend auf, erinnert sogar kurz an einen Jingle und bringt somit Licht ins sonst so dunkle Gewüte, das sich nach eineinhalb Minuten in "I'm A Midnight Moler" verwandelt und wieder eine unheimliche Schlagseite aufweist. Die Gitarre wird schwerstens bearbeitet und endet in einem Feedback-Gewitter, das an die Belastungsgrenze meiner Trommelfelle geht. Vor der Monumental-Nummer "Church Snake" würde ich noch einen Toilettenpause empfehlen, denn dann lässt das Gedröhne den Hörer die nächsten 18 Minuten nicht mehr los; allerdings mit einem kleinen Vorbehalt: Nach homogenen acht Minuten durchlebt der Song eine Metamorphose, die klanglich gar unter Wasser taucht und von den drei Wüterichen so zu Ende gespielt wird.
Aus weiter Ferne tauchen Voodoo Mule immer wieder mal auf, um ein Lebenszeichen zu geben, nur um anschließend wieder in der Tiefe zu verschwinden. Ein Hidden Track kann das nicht, auch wenn die kurze Unterbrechung in Song-Mitte diesen eventuell einläuten könnte, dennoch folgt noch eine Stück, mit dem bezeichnenden Titel "Ripoff", bevor die Jungs ihre Instrumente zum ersten Mal aus der Hand legen. Denn eigentlich ist die Scheibe ein einziger Track, der nur in einzelne Stücke aufgeteilt wurde, weswegen mir anschließend auch die Ohren noch so klingeln. Und nachdem der letzte Ton meine Boxen verlassen hat, ist es beinahe zu viel der runtergedrosselten Monotonie. Zu Aktivitäten die geistige Höchstleistungen erfordern, würde nach dem Genuss von "Voodoo Zoo" nicht raten, denn nach einer Dreiviertelstunde Drone-Rock a la Voodoo Mule ist mein Gehirn weitgehend weichgekocht. Fürs Cover haben sich die Drei auch etwas ganz besonderes einfallen lassen: Es gibt einfach keines. Habe ich in der Form auch noch nicht gesehen und wird sich somit definitiv ein wenig abheben. Wie das Teil allerdings im Laden stehen soll, ist mir dabei nicht ganz klar!?
Fazit: Medidationsmusik für Stoner: Die Botschaft von Voodoo Mule ist so einfach wie nachvollziehbar: Kein Indie, nur laut und dreckig muss es sein! Und genau das macht das Trio Infernale auf "Voodoo Mule" auch: Sie reißen die Grenzen des Genres ein und toben sich darin nach Herzenlust aus - aber immer mit der nötigen Ruhe. Hier wird nichts überhastet, und ein Ton auch mal minutenlang stehen gelassen. Der Weisheit letzter Schluss ist die Scheibe allerdings noch nicht, aber die Jungs haben definitiv Potenzial, und geben uns einen guten Vorgeschmack darauf, in welche Richtung die Reise gehen soll. Nebenbei erwähnt, wäre dieses Album auch ein heißer Anwärter für eine Vinyl-Veröffentlichung, denn wo sonst ist der "Dreck" besser zu spüren als auf Platte? Alle die sich gerne im "Stoner-Schmutz" suhlen, sollten unbedingt mal reinhören und der Truppe eine Chance geben.
Anspieltipps: Honeyland, Tapas, Trunkfull, Jizz Da Bizz
Vergleichbares: Godhead, Monster Magnet, Electric Wizard

 
Score:
77% Gut.

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