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Interview: Cripper

mit Britta Görtz, Christian Bröhenhorst und Gerrit Mohrmann vom 15. Mai 2013 via Mail
Überlegt euch mal, welche jungen Hoffnungsträger der deutschen Thrash Metal-Szene fallen euch ganz spontan ein? Dem einen oder anderen unter euch Headbangern liegt sicher schon der Name Cripper brennend auf der Zunge. Fünf Leute, vier Alben und ihr Sängerin Britta Görtz kann mit ihren harschen Vocals Steine zertrümmern. Als Support von Overkill konnten sie sich vor knapp drei Jahren während ihrer gemeinsamen Tour und in diesem Jahr im Zuge des Nachholtermins für Hamburg einem breiten Publikum präsentieren.
Doch was ist das eigentlich für eine Truppe, die 2012 ihr neustes Album unter dem Titel Antagonist herausbrachte? Eine dieser typischen Eintagsfliegen, die in zehn Jahren nur noch auf dem regionalen Bauernfestival anzutreffen sein wird, oder werden Cripper in naher Zukunft den Pfad betreten, den schon so einige erfolgreiche Thrash Metal-Bands beschreiten durften?
Im Interview haben wir Sängerin Britta Görtz, Gitarrist Christian Bröhenhorst und Bassist Gerrit Mohrmann auf den Zahn gefühlt und sie zur Geschichte der Band, ihren Zielen und natürlich dem nächsten Studioalbum ausgefragt. Lest selbst, was sie uns zu erzählen hatten!
Viel Spaß beim Lesen!

Das Interview:

Alex: Hi Leute! Wie geht es euch denn so?
Britta: Danke, gut. Ich komme quasi grad aus dem Proberaum. Habe neue Lyrics ausprobiert, lief super. Da kann's einem nur gut gehen.
Gerrit: Sehr gut, danke! Und selbst? ;-)
Christian: Knorke. Hoffe bei Dir auch!
Alex: Mir geht’s gut, danke! Wie lief euer am 26. April gespielter Supportgig für Overkill in Hamburg?
Britta: Ach es war einfach echt schön, die ganze Baggage mal wiederzusehen. Wir waren ja Anfang 2010 mit Overkill auf Europatournee, haben uns danach nur zwei bis drei Mal auf Festivals getroffen. Insofern war es toll, dass man auch mal Zeit für einen Schnack hatte. Wir waren erstaunt und sehr froh, dass trotz unserer frühen Stagetime schon so viele Leute da waren. Gute Party vor und auf der Bühne ... und dann später hinter der Bühne *räusper*
Gerrit: War wirklich cool. Selber habe ich schon bei unzähligen Konzerten als Zuschauer in der Markthalle gestanden. Einmal selber dort zu spielen und dann noch vor Overkill ... Hammer! Ich war ja schließlich zur Tour damals noch nicht an Board. Als ich vom Bühnenrand aus die Holy Moses-Show geschaut habe, saß Bobby vor mir auf einem Case. Erst als ich am Ende eines Songs klatschte, bemerkte er mich und sagt: "Hey, ich glaube wir kennen uns noch nicht. Ich bin Bobby! Coole Show vorhin!" Da habe ich mich direkt eingemacht, mir aber nichts anmerken lassen ;-)
Christian: Yeah, war wirklich dufte, die Jungs und Ihre Crew in Hamburg wieder zu treffen! Es ist nicht nur eine allabendlich großartige Liveband sondern es gibt auch viel zu lernen - vor allem während der Europatour vor einigen Jahren, von der Britta ja schon sprach. Als Greenhorns waren wir da recht vorsichtig, um nur auf den Bühnen selbst die Sau raus zu lassen. Die Markthalle wäre dabei übrigens ein prima Stop gewesen, Hamburg stand 2010 aber nicht auf'm Plan. Umso cooler, dass wir's nun gemeinsam nachholen konnten ;-) Overkill ist die erste Thrashband gewesen als für mich "alles begann". - Hätt' am liebsten das Kinderzimmer grünschwarz gestrichen, haha!
Alex: Was kannst du uns im Allgemeinen über euer Publikum erzählen? Sind es eher junge oder vielleicht eher ältere Fans, die zu euren Konzerten kommen?
Britta: Meist sind es moshwütige 19jährige Senioren mittleren Alters, die sich gern zum Bier die Haare raufen.
Gerrit: Alle verrückt!
Christian: Halte es für bunt gemischt, was es echt spannend macht. Da nicken gestandene Rocker anerkennend mit dem Kinn und da toben quirlige Jungsporne durch die Bagage. Tendenziell sind es aber wohl jüngere Metalheads, die deutliches Interesse zeigen.
Alex: Versucht ihr mit eurer Musik eine bestimmte Botschaft zu vermitteln?
Christian: Die reine "Musik" vermittelt ein Stück unseres Lebens; denn darin und daraus entsteht sie ja. Man darf sie auch gern als Aufruf und Mitmacher ansehen, um 'ne coole Zeit zu erleben und die Sau raus zu lassen. Das trifft zumindest auf die Konzerte zu. Und nicht selten klappt's sogar.
Alex: Wo würdet ihr den stilistischen roten Faden sehen, der sich durch all eure Alben zieht?
Christian: Ich denke, dass wir immer mit einem Sack voll Ideen - oder zumindest Vorstellungen - die Dinge angehen, aus denen dann ein grobes Konstrukt entsteht, an dem weiter gefeilt wird. Der Prozess ist vor allem durch unseren persönlichen Geschmack gelenkt, der bei uns nicht immer gleich ausfällt. Interessant dabei ist das Endprodukt, was aus diesem Puzzle entsteht - und sich bestenfalls zu einem Ganzen fügt ... Könnte man wohl durchaus als "Stilmix" beschreiben. Ein über allem thronendes Gesamtkonzept, was ein Album bereist vor seiner Entstehung lenken würde, gab es bisher nicht. Eine bewusste Ausrichtung entstand dann meist im späteren Verlauf der natürlichen Entwicklung - und damit parallel zu den Arbeiten am Album.
Alex: Ist es möglich sich mit jedem neuen Album wirklich weiter zu entwickeln, oder landet man irgendwann an einem Punkt, an dem es einfach nicht geht oder eine Entwicklung im Sound eher schädlich wäre?
Britta: Puh, schwierige und echt theoretische Frage ... ich denke, so lang man sich als Mensch weiterentwickelt, wird man das auch in der Mucke hören. Wobei ich "Weiterentwicklung" als schwieriges Wort empfinde, denn es wird häufig in Richtung "besser" oder "sich neu erfinden" interpretiert. Wir setzen uns eigentlich nicht in den Proberaum, schreiben 'nen neuen Song und denken, dass der jetzt besser oder innovativer werden muss als der davor. Jeder Song sollte seine eigene Persönlichkeit haben. Diese herauszuschälen und zu schleifen ist eine Kunst - die nicht immer gelingt, aber die wir zumindest anstreben. Manchmal muss man dabei auch einen Schritt zurück gehen, damit der Song nicht kaputt geht oder zu verkrampft komplex wird. Das passt vielleicht zu deiner Frage, ob eine Entwicklung auch schädlich sein kann. Klar, wenn man zu lange dran rumrührt kriegt man's irgendwann kaputt :-)
Alex: Zum Song „Totmann“ habt ihr vor kurzem ein Musikvideo veröffentlicht. Was könnt ihr uns über die Produktion des Streifens erzählen? Hattet ihr bei der Konzeption des Videos Hilfe von z.B. einem Regisseur oder ist das alles von euch so umgesetzt worden?
Britta: Das war neben unglaublich viel Arbeit auch super viel Spaß. Das Video haben wir wie die anderen auch selbst gestemmt, von der Idee über die Produktion bis hin zur Finanzierung. Das Video zu „Totmann“ ist unser bisher aufwändigstes Video und auch das erste, das zu einem hohen Anteil nicht aus Performance besteht. Wir erzählen eine Geschichte.
Die Idee und das Konzept zu dem Video stammen von mir. Irgendwann haben sich beim Hören einfach die Bilder in meinem Kopf zu einem Film zusammengefügt. Als ich den Jungs dann von der Idee erzählt habe, waren sie gleich Feuer und Flamme. Ist ja nicht selbstverständlich, deswegen hab ich mich sehr über die Begeisterung der anderen gefreut. Dann hab ich ein Storyboard erstellt und skizzenhaft die einzelnen Szenen durchgeplant.
Jonathan ist unser eigentlicher Videospezi. Gemeinsam mit unserem Kameramann Jan-Claas Herrmannsen haben wir dann die Details geplant und Equipment organisiert. Wir hatten einen Innen- und einen Außendrehtag. Gemeinsam mit knapp 20 fleißigen Helfern, die alle für Brötchen, Spaß und Bier gebuckelt haben, konnten wir das Ding dann wuppen.
Alex: Welche Bedeutung hat die so stark betonte rote Farbe?
Britta: Die Farbe Rot steht symbolisch für das Leben. Und auch das eigene Schicksal, dass durch die Situation, in die man hineingeboren wird, eine gewisse Richtung bekommt ohne dass man selbst etwas dazugetan hätte. Ganz klassisch und symbolisch klar abgegrenzt steht dazu im Video die Farbe Weiß, die für das Unbestimmte, Unschuldige steht. Ein Zustand, in dem alles offen ist und man frei und unvorbestimmt agiert.
Alex: Ist so ein Videodreh für euch immer noch etwas Besonderes oder eigentlich nur noch Routine?
Britta: In acht Jahren Bandgeschichte haben wir drei Videos gedreht. Absoluter Ausnahmezustand also. Spannend, anstrengend und macht Laune.
Gerrit: Da wir alle regelmäßig mit der Band auf Kneipp-Tour sind, war es absolut normal für uns bei -2 Grad, barfuß über hartgefrorene Wiesen zu rennen. Ich sehe da absolut nichts Außergewöhnliches...
Alex: 2012 kam mit „Antagonist“ euer bisher drittes Studioalbum heraus. Wann können die Fans mit einer neuen Scheibe rechnen?
Gerrit: Aktuell schreiben wir an neuem Material aber einen konkreten Termin haben wir nicht im Auge, zumindest keinen von dem ich etwas weiß :-) der neue Scheiß muss dazu noch durch den internen Metal-Ausschuss, erst wenn alle mit dem Kram zufrieden sind geht's ins Studio. Aaaaaber wir sind dran. Versprochen! Der neue Kram klingt schon sehr vielversprechend.
Alex: Wie wichtig sind euch im Allgemeinen die Meinung von Presse und Fans?
Gerrit: Sicherlich macht man die Musik, die man macht, in erster Linie für sich selbst. Keiner von uns hat mit Thrash angefangen, weil er damit berühmt werden wollte. Man muss schon Bock drauf haben. Bei der ganzen Arbeit und der vielen Zeit, die man reinsteckt, darf der Spaß und die Leidenschaft niemals zu kurz kommen.
Aber: Ich würde lügen, wenn ich behauptete, mir wäre es egal, was die Leute sagen. Was gibt es Geileres, als die Tatsache, dass die Leute den Bock und die Leidenschaft nachempfinden können, den man selber dran hat bzw. investiert. Naja, und wenn’s keinem gefällt...? Egal. Wir machen das, was wir machen einfach weiter, oder? :-P
Alex: Gab es mal irgendein Feedback, dass euch so sehr gefallen hatte, dass ihr es glatt umgesetzt habt?
Christian: Hmm, lass mal überlegen. So ein "Macht weiter so!" haben wir immer beherzigt und sofort umgesetzt, haha! Im Ernst, konstruktive Kritik ist prima und wird von uns natürlich aufgenommen und diskutiert. Manchmal fehlt schon etwas die Urteilsvermögen aus den eigenen Reihen, da man ja selbst einfach sehr nah dran ist, an dem Ganzen Band-Aparillo. Da ist Feedback von Leuten, die sich mit dem Kram intensiv - aber von etwas außerhalb befassen - echt interessant und kann sogar neue Impulse oder Anstöße geben!
Alex: Wie sieht so ein typischer Produktionsablauf bei euch aus?
Christian: Du meinst eine Albumproduktion? Wir buchen den Studienaufenthalt, speziell im Falle unserer aktuellen Scheibe "Antagonist" DIE StudienaufenthaltE. - Denn hier liefen die Aufnahmen etwas gestückelt, teils parallel an unterschiedlichen Locations. Noch während des Einspielens hören wir die eingerockten Soundwürste ab, verbessern und korrigieren. Dazu entsteht das Artwork, was ebenfalls bandintern entsteht. Die Ideen werden von Jonathan und mir umgesetzt. das ist Ehrensache und außerdem besonders spannend, da wir beide Grafiker sind und uns aus dem gemeinsamen Studium kennen.
Es folgen Mix und Mastering. Natürlich muss sich das entstehende Produkt dabei einer ständigen Kontrolle unterziehen... Irgendwann sind wir dann zufrieden mit dem Ergebnis - oder marschieren aus dem Zeitplan, haha - und lassen den Käse pressen. An dem Punkt sollte es besser weniger Zweifel geben. Denn ansonsten lässt sich dieser Punkt, an dem die Anspannung wieder abfällt, nicht genießen ;-)
Die Arbeit ist dann natürlich noch lange nicht vorbei. So werden Releaseshow, Gigs - vielleicht auch eine Tour , Videoclip(s), neues Merchandise oder andere Aktionen zur Promotion der neuen Scheiblette organisiert. An dieser Stelle kommen meist viele Rechnungen ins Hause geflattert. In den Wochen um den Veröffentlichungstermin herum fällt so einiges an, siehe oben.
Alex: Was sind für euch persönlich die schwierigsten Stationen beim Songwriting und was fällt dir besonders leicht?
Britta: Wir schreiben unsere Songs gemeinsam im Proberaum. Das ist schön, weil sich alle einbringen können und das ist schwierig... weil sich alle einbringen können :-) Stell dir eine Ehe mit fünf Leuten vor... gerade im Songwritingprozess ist das oft überhaupt nicht einfach. Man kann nicht immer Kompromisse machen und allen gerecht werden, manchmal tut das dem Song nicht gut. So wird mal der eine, mal der andere überstimmt. Im Großen und Ganzen klappt das sehr gut, aber es kommt auch schon mal zu Reibereien. Bleibt nicht aus. Als Band sind wir über die Jahre gereift und können damit ganz gut umgehen - selbst ich, denn ich hab oft ein impulsives Temperament. Das kann sich destruktiv auf die Stimmung auswirken, aber auch absolut positiv wenn ich alle motiviere und mit meiner guten Laune anstecke. Deshalb kann ich per se nicht sagen, dies oder das fällt mir besonders leicht oder schwer - das ist situations- und stimmungsabhängig.
Alex: Wie kommt es, dass ihr als junge Band schon einen so hohen Verschleiß an Bassisten habt? Wenn ich richtig zähle, ist Gerrit Mohrmann bereits der 5. Mann auf diesem Posten.
Britta: Tjoa was soll man dazu sagen? Reisende soll man nicht aufhalten. Manchmal waren es musikalische Gründe, aus denen uns ein Bassist verlassen hat, manchmal persönliche Umstände, die zu dem Entschluss geführt haben. Ich habe keine Erklärung, wie es dazu nun schon so oft kam - eine Freundin meinte mal, wir leiden unter Bassismus... ein gewisser Zynismus bleibt rückblickend einfach nicht aus. Viel erstaunlicher, als dass uns Bassisten verlassen haben, finde ich die Tatsache, dass wir nach acht Jahren tatsächlich vier Gründungsmitglieder in der Band sind. Dass sich unsere persönlichen Entwicklungen nicht auseinander getrieben haben und dass wir es seit Bandgründung geschafft habe, nach Studium bzw. Ausbildung Lebenssituationen zu schaffen, die der Band ein höchstes Maß an Freiheit lassen - darüber bin ich sehr froh und auch stolz.
Gerrit: No. 5 lebt! :D
Alex: Wie empfindest du gerade die Vitalität der deutschen Thrash Metal-Szene?
Christian: Ich finde es geil, dass sich - besonders unter sehr jungen Musikern - neue Kapellen in diesem Genre zusammen finden. Ganz erstaunlich, dass dabei nicht selten der 80er-Style gefahren wird - ohne, dass die Musiker mit ihren Geburtsjahren ab 1990 Teil der damaligen Szene hätten sein können. Umso cooler, dass es einige Truppen gibt, die den Spirit leidenschaftlich einfangen und energisch wiedergeben!
Wo wir gerade von oldschool sprechen; als klassisch würde ich unseren Musik-Cocktail nicht bezeichnen. Vermutlich klingt Cripper etwas eher nach amerikanischen oder skandinavischen Vorbildern, als nach deutscher Schule? Es lassen sich definitiv spannende Mixtouren aus Thrash, Death und weiteren Zutaten in der lebendigen deutschen Szene ausmachen, was ich besonders töfte finde. Hinhören und -schauen lohnt!
Denke immer wieder gern an die gemeinsame Zeit mit Lost World Order und Hatred zurück, als wir unseren eigens gebookten Tourneen den deutschen Underground aufwirbelten! - Zumindest für diejenigen, die bei den Shows vor Ort waren ;-) Bin gespannt, was von den Kollegen zukünftig zu hören sein wird!
Alex: Was steht sonst noch für eure Zukunft an?
Gerrit: Erstmal freuen wir uns auf die anstehenden Gigs im Sommer. Unter anderem die fetten Metaldays in Slowenien, das RUDE und das Metal Splash. Das wird 'ne Sause. Aktuell sind wir ordentlich am Songwriten ... also, man darf gespannt sein!
Alex: Jetzt gehört dir das heißgeliebte Schlusswort an all die Fans da draußen!
Gerrit: Yeah, danke für das Interview und danke für's Lesen. Besucht unsere Website cripper.de und blast uns den Marsch auf . Besucht Konzerte in eurer Stadt und Umgebung, supportet die Szene! In diesem Sinne: Küsschen auf's Nüsschen!
Moderation: Alexander Kipke

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