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Tellus Requiem – Invictus [The 11th Hour]

Kritik von: Lisa Marie Wirries
Album-Cover von Tellus Requiems „Invictus [The 11th Hour]“ (2013).
„God bless Norway! oder: Progressive Neuentdeckung mit Potential“
Interpret: Tellus Requiem
Titel: Invictus [The 11th Hour]
Erschienen: 2013
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Es ist der Kamelot-Silverthorn-Tour geschuldet, dass ich zufällig mit der ersten Vorband „Tellus Requiem“ in Berührung kam. Eigentlich nur für die Hauptband und ReVamp anwesend, ging ich zuerst eher skeptisch in Richtung Musik. Doch bereits nach den ersten Minuten merkte ich, wie es mich langsam aber stetig in Richtung Bühnenrand zog, hin zu dem grandiosen Liveperformer Ben Rodgers und den restlichen vier Jungs. So mag es kaum verwundern, dass ich am Ende der Nacht mit einer komplett signierten Version ihres aktuellen Albums „Invictus [The 11th Hour]“ das Hamburger Knust verließ.
Beim ersten Hören war es noch schwierig, zu progressiv, um beim ersten Anhören durchwegs anzusprechen. Doch nach einer drei-stündigen Fahrt nach Bochum und der anschließenden Rückfahrt sah das Ganze schon anders aus. Nach dem Prolog startet Invictus mit „Red Horizon“ gleich zu Beginn mit einer mitreißenden Speed-Nummer, die im Laufe der Zeit echten Ohrwurmcharakter entwickelt. Das liegt zum Einen an der eingängigen Komposition, zum anderen an Ben Rodgers Stimme und seiner Art, sie zu benutzen. Es folgt „Eden Burns“, das durch gezielten Einsatz von Dissonanz teilweise arabisch anmutet und mich persönlich an Emilie Autumn erinnert hat. Nach den ersten Durchgängen war es vor allem der vierte Track, Recflections Remain, der herausgestochen ist. Der Song beginnt mit leisen Tönen, steigert sich aber gleich zu Beginn enorm, um dynamisch fortzulaufen. Dabei sorgt insbesondere die weibliche Hintergrundstimme für aufkommende Mystik, die perfekt zum Text und dem gesamten Songkonzept passt. Der Refrain erinnert dabei an epische Nummern klassischer Metalbands und bleibt lange im Gedächtnis. Es folgen eher harte Nummern wie „Twilight Hour“, „Sands of Gold“, „Redemption (Frontiers 2)“ und der titelgebende Song „Invictus“, während derer Ben Rodgers durchgehend gesanglich glänzt, die aber gleichzeitig den Fokus immer wieder auf die instrumentellen Leistungen der Band legen, in Form von langen solistischen Parts insbesondere des Gitarristen, aber auch aller anderen Bandmitglieder. In dem hinteren Teil des Albums ragt „Tranquility“ noch einmal heraus, eine eher ruhige, sehr gefühlvolle Nummer, die dadurch, dass sie nicht ans Ende gesetzt ist, noch einmal zusätzliche Abwechslung bringt, und vom Text her nachdenklich stimmt. Den Abschluss des Albums bildet schließlich das ebenfalls ruhige „Dies Irae“ (bedeutungsträchtiger Titel), während dessen der Hörer schon im ersten Satz mit den Zeilen „So now it‘s over“ direkt angesprochen wird, es folgt ein längerer Gesangspart und schließlich der finale instrumentale Part, der alle leitenden Melodien des Albums noch einmal mit aufnimmt und in veränderter, ruhigerer Form wieder gibt.
Was das Album aber vor allem so stark macht, sind nicht die einzelnen Songs an sich, sondern seine Zusammensetzung und die prinzipielle Bandkonstellation. Da wäre zunächst einmal Ben Rodgers, der Invictus durch seine Stimme maßgeblich prägt und der in der Höhe umso stärker wird. Auf ihn trifft das Sprichwort „Kleiner Mann, große Stimme“ zu, wie auf kaum einen anderen. Dabei wird er nie penetrant! Er bleibt immer im Bereich des Angenehmen und beherrscht die lauten genau so wie die leisen Töne. Doch über den Gesang sind die restlichen Bandmitglieder keineswegs zu vergessen! Da wären zum einen Stig Nergärd an der Gitarre und Ivar Hagen Boe am Bass, die als Gründungsmitglieder Tellus Requiems Stil wesentlich geprägt haben und in einer Vielzahl von Soli auftauchen. Vidar Lehmann, dessen Schlagzeug dem Album den soliden Rahmen gibt und Anders Sundbo, dessen Synthesizing und Piano meistens eher begleitend denn bestimmend anmuten. Er kann aber im neuen Stil der Band unmöglich weggedacht werden, was ebenso für seine Backing Vocals und die von Stig gilt. Dabei kommt Tellus Requiem völlig ohne Gruntings, Shouts und alles weitere aus, was einen Großteil der Metalwelt immer mehr überschwemmt. Einer zahlreicher Aspekte, der die Band zu etwas Besonderem macht. Ebenso wie die Dynamik, die in ihrer Musik in beinahe jedem Lied zu finden ist, und auch die progressiven Parts, die absolut natürlich daher kommen und trotzdem von Innovation nur so strotzen. So ist vor allem die bewusste Dissonanz ein Stilmittel, das durch gezielten Einsatz an den richtigen Stellen seine volle Wirkung entfaltet.
Fazit:
Alles in allem ist „Invictus“ also ein Album, das eine Chance verdient, nach dem ersten Hören nicht aufgegeben, sondern weiter gehört zu werden. So viel ist zu entdecken, so viel ausgelebtes Potential enthalten. Eine besondere Chemie zwischen Musikern, Musik und Text, die einfach von vorne bis hinten stimmt.
Zum Schluss kann also nur eine eindeutige Kaufempfehlung ausgesprochen werden.
 
Score:
85% Hervorragend!

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