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Bericht: Dealer CD-Release Show

Es ist vermutlich nur ein Zufall, dass die österreichische Band Dealer den 20.4. für die CD-Release-Show ihres aktuellen und langerwarteten Longplayers This is not California auswählten, dennoch ein erheiternder. Nur soviel zum besseren Verständnis: „It’s always 4.20 somewhere!“ Austragungsort ist das Café Strom in Linz, welches im Gebäude der Linzer Stadtwerkstatt untergebracht ist. Einem Kulturverein, der 1979 gegründet wurde und somit zu den ältesten autonomen Kulturzentren von Linz zählt. Das wirklich einmalige Ambiente des Komplexes, der sich direkt an der Donau befindet, lädt auch untertags zu einer Hopfenkaltschale ein, mit entspannendem Blick auf die stumm vorbeiziehende Donau.
Um 22.30 Uhr ist „Anstoß“ und der Kern der Band – Thomas Schmatz, Maks Eastwood, Mike Fullsteam und Mathias Paulischin – betritt die etwas beengte Bühne. An den Tasten sitzt heute Oliver Kerschbaumer, der natürlich auch beim Album mitarbeitete und es mit seinem warmen Hammondsound und fidelen Klavierpassagen anreicherte. Gedealt wird heute allerdings „nur“ mit kernigem Blues-Rock, der manchmal etwas in die Southern-Schiene rutscht, aber so ihr Spektrum um eine weitere Facette anreichert. Denn eigentlich bevorzugte die Truppe – speziell in ihren Anfängen als Dealer – doch die etwas härtere Gangart und tobte sich im Stoner Rock („Rocks Off“) oder Punk 'n’ Roll („Backdoor Business“) aus. „This is not California“ wirkt da doch schon etwas gesetzter, wie auch entspannter und streckenweise sogar altersweise. Denn thematisch dreht sich alles ums Leben, mitsamt seinen Höhen und Tiefen. „Dig a Hole“,„These Days“, „Down the Line“ oder der Endtrack „Ain’t gettin’ better“ bieten sich als Versatzstücke – zur Untermauerung – bestens an. Eröffnet wird mit "You got the Key", wie auch auf dem Album.
Gute Wahl, denn der rock 'n' rollige Opener gibt den Ton für den Abend vor. Die Band präsentiert sich äußerst spielfreudig, ist bestens gelaunt und legt somit eine ungeheure Spritzigkeit an den Tag, oder eigentlich in die Nacht. Selbst die gemächlicheren Nummern, wie etwa "Coming 'round again" oder "For a Smile" wirken viel knackiger als auf der Platte. Eine klangliche Nähe zu „The Black Crowes“ können die Jungs definitiv nicht abstreiten. Tun sie aber auch gar nicht, denn beim Interview - das in Kürze folgt - haben sie mir erzählt, dass die soundtechnische Referenz für „This is not California“ „Before The Frost“ von den Gebrüdern Robinson war. Selbst der Jam-Faktor darf diesmal nicht fehlen, ganz im Zeichen ihrer Vorbilder. Und so wird an "Desperately United" ein verdammt cooler Improvisationsteil angehängt, der der Band offensichtlich eben soviel Vergnügen bereitet wie der treuen Anhängerschaft. Apropos Anhängerschaft: Im Publikum befindet sich neben eingefleischten Fans und Freunden auch ein massiver Teil der Linzer Rockszene, die da wäre: Red Machete, The Borderliners oder Jack Frost. Und einen persönlichen Wunsch bekomme ich auch noch erfüllt: Die Klassiker „Cocaine Woman“ und "Never too late" dürfen nach jahrelanger Verbannung auch wieder ins Set. Erster funktioniert ohne Phil Sicko - der dem Original seine Stimme gab - nur bedingt, da er dem Stück seinerzeit eine gehörige Portion Wahnsinn verpasste. Dafür rockt Letzteres umso mehr und macht immer noch unheimlich Spaß. Und das, obwohl die beiden Nummern kaum im Kontext zu den restlichen Laid-Back-Rocksongs stehen. Ob man Sicko bei dieser ganz besonderen Gelegenheit auf die Bühne hätte bitten können, wäre eventuell eine Überlegung wert gewesen, da er sich ohnehin im Publikum herumtrieb. Auch Cover-Versionen finden ihren Weg ins Programm.
Seit jeher dienen sie Bands zur Auflockerung des Sets und als weiterer Fun-Faktor der Show. Heute Abend sind das "The Weight" - The Band's 1968er Hit - angereichert mit Bob Marleys [/s]"Stir it up"[/s]. Gefolgt von dem Marshall Tucker Band-Klassiker "Can't you see", der in ein manisches Sweet Nuthin' übergeht, das selbst dem Original von Velvet Underground ein wenig die Show stiehlt. Vor allem, als die aufmerksamen Beobachter dann noch eine kurzes "Hey Jude"-Intermezzo - eingeworfen von Mike Fullsteam - entdecken. Als Zugabe und besondere Einlage haben Dealer sogar einen Special-Guest im Gepäck: Ehren Groban, Gitarrist der kalifornischen Psychedelic-Rocker War Drum und Waxy. Den Musiker lernte die Truppe im Zuge des Radio-Interviews bei „Wer ist hier der Boss?“ - mit Phred Finster und Hell Baker – auf Radio FRO kennen und jammte mit ihnen den „Local Dealer Blues“, bei dem er ihnen heute aushilft. Wobei das eher ein "Local Dealer Jam" ist, so frei leben sich die Sechs darin aus. Der Abend endet wie immer mit "Ain't gettin' better". Und auf die Frage hin, ob es tatsächlich nicht mehr besser werden kann: Nein, kann es nicht!
Fazit: Dealer schlagen mit ihrer Live-Präsentation des gediegenen Albums „This is not California“ recht hohe Wellen und das ist dem Publikum im vollen Café Strom durchaus auch bewusst: Die neuen Songs werden frenetisch aufgenommen und bis zum Schluss enthusiastisch gefeiert. Ein schweißtreibender Abend - nicht nur für die Band. Wiederholungen des rundum gelungenen Gigs gibt es am 7. Mai im Chelsea in Wien, sowie am 18. Mai im Linzer Bugs und am 29. Mai im Röda in Steyr, die hoffentlich wieder so viele Musikliebhaber begeistern werden. Persönliche Fußnote: So viel Spaß hatte ich das letzte Mal bei einem Black Crowes Konzert in Original-Besetzung. Da wird wohl noch einiges auf uns zukommen!

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