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Warrant – Ready To Command 2010

Kritik von: Alexander Kipke
Album-Cover von Warrants „Ready To Command 2010“ (2010).
„Ein Urgestein kehrt nach Jahrzehnten der Abstinenz zurück.“
Interpret: Warrant
Titel: Ready To Command 2010
Erschienen: 2010
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Zu einer Zeit, in der der Speedmetal noch in den Kinderstiefeln steckte und in Europa noch recht unpopulär war, formierte sich 1983 in Düsseldorf eine Band namens „Warrant“ (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen US-amerikanischen Hair Metal Band!), um den deutschen Metalheads den Speedmetal zu bringen. Während eingefleischte Bands der NWoBHM in den USA und in Großbritannien noch am Sound des neuen Genres feilten, startete das junge Warrant-Line Up mit seinen Songs einfach durch, als ob die Jungs in dieses Subgenre geboren wurden und den damals noch nicht ganz entwickelten Sound mit links ohrentauglich machten! Das ganze klingt nun natürlich nach einer großen Band, wenn sie schon mit Fug und Recht als Pioniere ihres Genres bezeichnet werden können. Und trotzdem werden sich viele nun fragen: Wer verdammt nochmal sind „Warrant“ eigentlich!?
Ja, die Band gehört wirklich zu den Pionieren des Speedmetals, das ist kein Fehler oder Hirngespinnst! Bloß verschwand die Band nach ihrem Durchbruch sofort wieder von der Bildfläche und hat sich erst vor einigen Jahren neu formiert. Dieses Jahr wird sie unter anderem auf dem Wacken Open Air auftreten. Die vorliegende Scheibe ist nun ein remastertes Re-Release der beiden Platten „First Strike“ und „The Enforcer“ aus dem Jahre 1985, mit denen die Band um Jörg Jurascheck ihren Durchbruch feierte; wobei hier noch zwei Songs für eine geplante aber nie veröffentlichte CD aus dem Jahre 1986 und zwei Live-Recordings als Bonus enthalten sind.
Nach einem schlichten und etwas beklemmenden Intro startet das 18 Songs umfassende Album mit dem Titel „The Rack“, was auf deutsch so viel wie „Verfall“ bedeutet. Dominiert wird der Song vom für den Speed Metal typischen sehr präzisen, treibenden und schnellen Spiel samt einem starken Gitarrensolo zur Einleitung. Mit seiner markanten und hohen Stimme schreit Jörg Juraschek mal majestätisch und mal dreckig-verwegen, aber immer einsam die Lyrics herunter. Der Ohrwurmfaktor ist hoch und der Song erinnert an frühe Helloween-Werke.
„Ordeal Of Death“ bietet eine lange Instrumentaleinlage und wird mit der rauen und manchmal krächzende Stimme Jurascheks gewürzt, was ihn sehr druckvoll erscheinen lässt.
Mit „Nuns Have No Fun“ findet sich ein aggressiver Song, in dessen Instrumentierung Juraschek mit seinem Gesang leider etwas untergeht. Ziemlich mittig gibt es eine sehr schöne Passage, in der sich Drummer und Gitarren ein wahres Duell liefern!
Etwas aus der Reihe fällt der Song „Send ya' to hell“, der um einiges langsamer gespielt wird als die restlichen Songs, und der von der gesanglichen Umsetzung beim Refrain her ein wenig dem darauf folgenden „Enforcer“ ähnelt.
Der nächste Track, eben “The Enforcer“, ist einer der titelgebenden Songs und auch gleichzeitig eines der besten Stücke der Platte. Ein schnelles, treibendes Schlagzeug erzählt in Einklang mit den kräftigen Riffs der Gitarre und Jörgs herausforderndem Gesang über die Funktion und Aufgaben des Henkers, der sowohl in der Vergangenheit, als auch heute die „Parasiten“ der Gesellschaft ausmerzen solle. Man fühlt sich in dunkle Zeiten zurückversetzt, in denen man der Willkür und Übermacht des Henkers ausgesetzt war, der ohne eigenen Verstand jeden beseitigte, der auf seiner Auftragsliste landete. Bei Liveauftritten der Band ist der „Enforcer“ als Maskottchen mit ihr zusammen natürlich auch auf der Bühne unterwegs und schwingt blutrünstig seine Axt.
Der melodisch startende Song „Betrayer“ sorgt mit verschiedenen Echo-Effekten für kalte Rückenschauer beim Zuhörer, der mit der eigentlich einfachen Ansage „Feel the metal“ aufgefordert, wird sich der Musik hinzugeben.
„Die Young“ startet brachial wie eine Hetzjagd in der dunklen Nacht! Der Rhythmus lädt geradezu ein zum Headbangen!
Im folgenden Song “Torture in The Tower“ gibt es eine schöne Instrumentaleinleitung. Alles in allem ist das Stück kompromisslos, hat einen schnellen Beat, und wird von den kräftigen Drums bestimmt.
Nummer 10 der Tracklist, „Cowards Of Martyrs“, ist ein eingängier und melodischer Song mit ordentlichem Ohrwurmpotential! Für mich persönlich neben „The Enforcer“ einer der besten Songs der Scheibe!
Die Titel „Satan“ (das meisterhaft treibende Schlagzeug und die heulenden Gitarren seien hier nochmal besonders gelobt!), „Ready to command“, „Condemned forever“, „Scavenger's daughter“ und „Bang the head“ ähnelhn stilistisch stark den bereits aufgeführten Songs. Sie kommen recht eintönig daher, dies jedoch bei einem das Album durchgehend durchziehenden hohen Qualitätsanspruch. Wen man bedenkt, wie jung das damalige Warrant-Line Up war, und wie es dabei dennoch bereits solch hochwertige CD in einem sich gerade erst entwickelnden Genre produzierte, dann ist das eine wirklich große Leistung!
„Flame Of The Show“ und „When The Sirens Call“ waren eigentlich für ein CD-Release 1986 gedacht, doch leider löste sich die Band zuvor auf, so dass es erst im Jahre 2000 zu einer Veröffentlichung kam.
Die zwei folgenden Abschlusssongs sind Liverecordings von „Nuns have no fun“ und „The Rack“.
Eine Parallele, die man teilweise zu Heavy und True Metal-Bands wie etwa Black Sabbath ziehen kann, sind die Texte, welche zwar nicht unbedingt in der Sparte Mythologie anzusiedeln sind, jedoch eine gewaltige Bildsprache sowie verschlüsselte Gesellschaftskritik aufweisen; mit viel Raum für Interpretationen … Im Gegensatz zu Bands wie Exciter, welche in erster Linie als Mitbegründer des straighten Speed Metals selbst gelten, weist Warrant bei manchen Titeln schon frühe Ansätze des Melodic Speed Metals auf, also des Vorläufers des Power Metals.
Ein Album mit so vielen Songs ist natürlich recht gewagt, denn die Abwechslung hält sich auf der Platte doch etwas in Grenzen; vor allem, da es nur Material aus der frühen Schaffenspahse gibt. Nichtsdestotrotz liegt hier ein solides und an sich wirklich gutes Werk vor.
Als abschließendes Fazit sei zu sagen, das mit diesem Album ein Teil des Fundaments für den Speed Metal geschaffen wurde, auf welchem aufbauend die Band sicherlich sehr erfolgreich hätte werden können. Nun stellt sich vielen bestimmt die Frage, warum eine solch talentierte Band einfach unterging? Nun, da kann man viel philosophieren, denn im Grunde war „Warrant“ in der deutschen Metalszene mit seiner ganz eigenen Stilistik neben „Helloween“ als einem der wichtigsten Vertreter des Subgenres fast konkurrenzlos. Die meisten Bands, welche früher in die Speedkategorie kamen, bezeichnen sich heute als Thrashmetalbands! Jörg selbst sagt in einem Interview mit uns dazu:
„Ja wir sind wirklich recht schnell nach oben gekommen. Waren aber leider auch ebenso schnell wieder weg, was ausschließlich unser eigenes Verschulden war. Wir waren einfach zu grün um zu kapieren, das wir eine der ersten Bands waren die den Speed Metal Sound bedienten. Und das noch mit eigener Stilistik. Nach unseren beiden Scheiben für Noise Records [...] wollten wir einen anderen Sound spielen. Wie dumm. Dabei hatten wir doch gerade erst unseren erfolgreichen Sound gefunden. Wir stiegen dann auf so ne Poser Schiene um die ganz und gar nichts mit Warrant und vor allem mit meiner Stimme zu tun hatte.“
Wer sich mehr für die faszinierende Geschichte dieser Band interessiert, der findet hier unser gesamtes Interview mit Jörg Juraschek!
 
Score:
62% Annehmbar …

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