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Interview: Knorkator

mit Alf Ator vom 23. Februar 2012 via Mail
Knorkator ist keine Fun Metal-Band?! Fun Metal soll sogar ein Unwort sein? Wir sind ja von diesem Genre schon einiges an Überraschungen gewohnt, doch laut Alf Ator, dem Sänger und Keyboarder der deutschen Band Knorkator, will sich die Truppe nicht über stumpfe Fun-Mucke definieren lassen! Doch was ist Knorkator dann? Wofür steht diese Musik? Was unterscheidet die Band von anderen Genrevertretern wie Beatallica, J.B.O. oder den schrägen Grindfuckers? Eine berechtigte Frage! Zwar beschränkt sich die Truppe nicht auf das bloße Covern und metallisieren von Chartstürmern, doch trotzdem bleibt die Musik ist erster Linie spaßig – mit mal mehr und mal mit weniger Tiefgang.
Doch das stört die Fans nicht im Geringsten! Im Gegenteil! Nach der seit 2008 andauernden Bandpause kehrte Knorkator stärker denn je mit dem neuen Album „Es werde Nicht“ in die Szene zurück. Dazu gab es von Alf noch als Bonus ein Buch namens „The Best of fast allen Comics“ und eine Konzepttournée, die ganz und gar von der Zahl 77 dominiert wurde. Was es mit dem Buch und den Gigs auf sich hat? Das alles könnt ihr im Interview nachlesen!
Außerdem erzählt uns Alf von seinem Rückzug in einen Tempel, seiner Gabe, singen, schreiben und und auch noch das Keyboard dreschen zu können, sowie von vielen weiteren spannenden Themen! Wie gehabt mit mal mehr und mal weniger Tiefgang …
Viel Spaß beim Lesen!

Das Interview

Hallo Alf! Danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst! Wie geht’s dir so? Wie hast du die Weihnachtstage und Neujahr verbracht?
Danke der Nachfrage. Mir geht es ausgesprochen gut, ich bin dabei, meine im Herbst verdienten Milliarden zu verprassen. Zu Weihnachten schenkte ich mir ein Fahrrad.
Gibt man an den Feiertagen eher ungern ein Konzert, weil keine Sau kommt, oder ist das ein weit verbreiteter Trugschluss?
Die Frage, wozu das Volk an bestimmten Tagen neigt, oder nicht, habe ich mir noch nie gestellt.
Würdest du dich bei einem etwaigen Weihnachtskonzert dann als Weihnachts-Alf verkleiden?
Nein.
Warum?
Wenn man wie ich den Rummel um dieses Fest hasst, bleibt einem nichts anderes übrig, als es in seiner Kunst völlig zu ignorieren. Zwar haben wir auch mal das Weihnachtsoratorium von Bach gecovert, aber das war immerhin zu Ostern.
Im Jahr 2008 hattet ihr eine Bandpause angekündigt und jetzt bis Ende 2010 auch durchgezogen. Hattet ihr keine Ideen mehr, wollten die Fans euch nicht mehr sehen oder habt ihr euch in der Zeit politisch betätigt?
Zumindest ich hatte in dem Moment einen Mangel an Ideen. Jedenfalls fehlte es an solchen, die für Knorkator verwendbar sind. Die Fans wollten uns nach wie vor sehen, das erfuhren wir dann später. Doch zum Zeitpunkt unserer Auflösung war uns das nicht so klar. Politisch betätigt haben wir uns nicht. Da ich den Anspruch habe, dass unsere Lieder auch in 1000 Jahren noch verstanden werden sollen, will ich meine tollen Melodien nicht für so etwas unbeständiges wie Politik verschwenden. Ich bin kein Egoist, dem dass Unrecht auf der Welt egal ist, solange es mir gut geht. Aber je mehr ich mich mit den aktuellen Problemen beschäftige, umso aussichtsloser erscheint mir ein Engagement im herkömmlichen Sinne. Und für ein Leben im Untergrund mit der Waffe in der Hand bin ich zu alt.
Hat die Pause die gewünschte Aufgabe erfüllt? Gab es Probleme, Knorkator nach der Pause wieder vollständig in die Szene zu integrieren? Wurde die Band überhaupt jemals in der Szene so richtig akzeptiert?
Nach der Pause ging alles besser, als je zuvor. Die Fans waren auf wundersame Weise einfach mehr geworden. Viele waren durch ihre Eltern auf uns gestoßen und wollten das nun auch mal live erleben. Einer bestimmten Szene haben wir nie wirklich angehört. Zwar konnten wir so auf verschiedensten Plattformen brillieren, aber Medien und sonstige Mittelsmänner haben immer arge Probleme, wenn etwas nicht klar einer Schublade zuzuordnen ist. Doch die Schwierigkeiten der vergangenen Jahre kommen uns jetzt zugute. Manche Bands haben kaum noch eine Chance, wenn die Medien ihnen den Rücken kehren. Unsere Fans sind es gewohnt, sich im Internet informieren zu müssen. Deshalb kann es uns relativ egal sein, was irgendwelche Machthaber gerade für kommerziell halten oder nicht.
Eure aktuelle Tour war von der Zahl 77 dominiert. Wieso habt ihr gerade diese Zahl als zentralen Mittelpunkt dafür genommen? Gab's keine besseren Ideen?
Es gab keine besseren Ideen.
Werden die wenigen für 2012 geplanten Shows auch unter diesem Konzept fortgeführt?
Nein.
Auf eurer Website habt ihr für 2013 neues Material angekündigt. Gibt es schon konkrete Ideen oder Vorstellungen, in welche Richtung es diesmal gehen wird? Vielleicht macht ihr ja mal Happy Doom Metal … ?
Glücklicherweise können wir für 2013 alles mögliche versprechen, da im Dezember sowieso die Welt untergeht.
Nach Gesprächen mit anderen Genrevertretern wie J.B.O., den Grindfuckers oder auch Beatallica scheint es fast so zu sein, als ob man als Fun Metal Band kreativ nicht so sehr gefordert wird, da man sich oft nur mit Covern oder Neuinterpretationen beschäftigt.
Würdest du dem zustimmen und wie viel eigene Kreativität steckt in euren Produktionen, vor allem im Songwriting?
Fun Metal ist ein schlimmes Wort. Aber es sei dir verziehen. Die von dir genannten Bands mögen sich für Rebellen halten, weil sie verzerrte Gitarren spielen. Aber Chart-Hits einfach nur etwas lauter und böser zu covern, ist schon so oft passiert, dass ich nur noch müde lächeln kann. Im Kern ist Fun Metal das gleiche, was im Fernsehen läuft: Seichte Scheiße von Idioten für Idioten. Coverversionen können natürlich auch genial sein. Aber dafür bedarf es mindestens genauso viel Kreativität, wie bei einem eigenen Song.
Wie findest du es, wenn junge aufstrebende Bands euren Stil kopieren?
Sie zeigen Geschmack, überschätzen aber oft ihre Fähigkeiten :-)
Kopierst du gerne andere Bands oder Künstler?
Mit Kopieren kann man sich als Teenager beschäftigen. Am Anfang ist es wichtig, seinen Stil zu finden. Und dazu ist es völlig legitim, sich spielerisch durch die bunte Palette von bereits vorhandenem zu kämpfen. Irgendwann bleibt man vielleicht an einem Stil kleben, oder schafft es sogar, einen neuen zu erfinden. Doch wenn das Kapitel abgeschlossen ist, sollte man sich um Stilfragen nicht mehr scheren, sondern einfach nur noch gute Songs schreiben. Der ganz eigene unverwechselbare Stil ist dann ohnehin immer präsent, ob man will oder nicht.
Passiert es oft, dass man euch als „Metal-Dilettanten“ abstempelt? Wie geht ihr mit solchen Leuten um?
Wir hören nicht hin.
Wenn man einmal in diesem Fun Metal-Genre landet, kommt man doch sicherlich nie wieder raus, oder? Da traut einem doch keiner mehr zu eine Show ohne Besorgnis erregende Verkleidungen zu machen?
Solange wir uns gern seltsam anziehen, ist das auch kein Problem. Und wenn ich irgendwann nur noch eine Jeans auf der Bühne tragen will, werde ich das tun. Und wenn ich dann mit Fackeln aus dem Fun-Metal-Dorf verbannt werde - umso besser!
Man las in einem älteren Interview, dass du mit dem Gedanken spielen würdest, in einen Tempel zu gehen, da dich die heutige Medienwelt extrem ankotzt. Wann ist es denn soweit?
Ich war schon im Tempel. Es hat aber nichts genützt.
Wenn du dir einen Tempel aussuchen müsstest, würdest du lieber einen im Ausland beziehen oder dir einen nach Deutschland importieren lassen?
Lieber im Ausland. Asketisch lebt es sich besser, wenn man nicht heizen muss.
Würdest du in diesem Tempel auch mit Knorkator auftreten? Wäre sicher 'ne geile Akustik und eine Live-DVD dann auch schon so gut wie im Kasten …
Tempel, Kirchen und Moscheen sind akustisch der absolute Horror. Zwar haben die Baumeister es geschafft, dass man eine zarte Stimme im ganzen Raum intensiv wahrnimmt, doch bei Lautstärken über 100 dB erzeugen die reflektierenden Wände einen einzigen ohrenbetäubenden Matsch.
Musstest du schon mal nackt auftreten?
Niemand MUSS nackt auftreten. Und ich hab es nie gewollt und nie getan.
Würdest du in Erwägung ziehen so etwas mal zu tun?
Ich kann mir zwar nicht vorstellen, unter welchen Umständen ich das mal wollen würde, aber man weiß ja nie.
Dieses Jahr ist auch dein Buch „The Best of fast allen Comics“ erschienen, erzähl uns mal was dazu! Wird es überhaupt gekauft?
In den vergangenen Büchern gab es immer eine Mischung aus Geschichten und Comics. "The Best of fast allen Comics" besteht, wie der Titel schon andeutet, nur aus Comics. Wer die alten Bücher schon hat, braucht das jetzt nicht zu kaufen. Trotzdem sind alle verrückt danach.
Wie kommt es, dass du mit der Gabe gesegnet bist, singen und schreiben zu können? Braucht man dafür eine spezielle Sonderausbildung oder wurde dir das alles in die Wiege gelegt?
Ich kann nicht mal halb so gut singen, wie Stumpen. Aber es reicht aus. Auch im Keyboardspiel habe ich klare Defizite. Als Pianist würde ich jämmerlich versagen. Nicht einmal nach Noten kann ich ohne weiteres spielen. Doch dank der modernen Technik ist es mir möglich, trotzdem große Kunst zu machen. Ich denke oft darüber nach, ob mein Songwriting das Ergebnis meines Lebenslaufes ist, oder ob es in den Genen steckt. Ich weiß es nicht.
Wie oft benutzt du das Wort „knorke“ im täglichen Sprachgebrauch? Gibt es noch mehr Wörter, deren Entstehung von der Wissenschaft auf dich zurückgeführt werden können?
"Knorke" benutze ich durchschnittlich 0,743 Mal im Monat. Zwar habe ich ansonsten kaum neue Wörter kreiert, doch bin ich einer der ganz wenigen, die oft ihre Sätze mit dem Wort "Zwar" beginnen.
Was steht sonst noch für die nähere oder auch fernere Zukunft der Band an?
Ganz besonders freuen wir uns auf unsere ersten Auftritte in Russland. Und im August werden wir ein spezielles Frauen-Programm in Berlin aufführen. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn wir unseren Ruhm noch zu Lebzeiten auf die ganze Welt ausbreiten könnten. Aber das liegt an EUCH!
Hast du noch ein letztes Schlusswort für all die lauschenden Fans da draußen?
Ihr könnt alle nicht richtig mit Geld umgehen. Deshalb ist es bei mir besser aufgehoben.
Moderation: Alexander Kipke
Die neuste Albumkreation von Knorkator findet ihr hier:
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