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Skálmöld – Börn Loka

Kritik von: Janis Dinter
Album-Cover von Skálmölds „Börn Loka“ (2013).
„Wie Gesang ein ganzes Album zerstören kann…““
Interpret: Skálmöld
Titel: Börn Loka
Erschienen: 2013
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Als die im Jahre 2009 gegründete Viking Metal Band Skálmöld gleich mit dem ersten Studioalbum einen echten Kracher präsentierten, horchten die Fangemeinde und andere Bands desselben Genres gleichermaßen auf. Dies führte dazu, dass die Isländer mit namenhaften Kollegen wie Turisas, Finntroll und Alestorm auf Tour gehen durften. Nun veröffentlichten Skálmöld ihr zweites Studioalbum mit dem Namen Börn Loka. Angeregt durch die gelungene erste Scheibe dürfte sich so Mancher berechtigte Hoffnungen gemacht haben. Doch das Produkt, das uns die Band nun präsentiert, ist leider in keinster Weise in der Lage den Vorschusslorbeeren gerecht zu werden. Das einleitende Intro namens Óðinn klingt, als hätte man versehentlich zwei Lieder gleichzeitig abgespielt. Beginnend mit hohem weiblichem Chorgesang, der doch sehr an russische Folklore erinnert, sowie einer bombastischen Melodie scheint die Band auf den ersten Blick eine Stimmung erzeugen zu wollen, die den Zuhörer auf die epischen Klänge der folgenden Lieder einstimmen soll. Das wäre ihnen mit diesem Einstieg auch gut gelungen, wenn sich nicht ganz plötzlich und vollkommen unpassend der Sänger der Band zu Wort gemeldet hätte. Björgvin Sigurðsson verfügt über eine der kraftvollsten, aber leider auch monotonsten Stimmen im gesamten Pagan Metal. So geht der nur zwei Minuten und fünfzehn Sekunden lange Track zu Ende und bereits jetzt dürften die meisten Zuhörer derart verwirrt sein, dass sie verdutzt nach der CD-Hülle greifen, um zu überprüfen, ob sie sich im Laden auch wirklich nicht vergriffen haben. Etwas versöhnlicher kommt der Anfang des zweiten Tracks Sleipnir daher. Mit harten Gitarrenriffs und galoppierenden Double Bass gelingt es Skálmöld wirklich gut, das achtbeinige Getrappel von Odins Götterpferd zu imitieren. Doch dann kommt wieder der Bruch: nach etwa dreißig Sekunden setzt erneut der Gesang ein und die ganze schöne Stimmung ist dahin.
Dass der gutturale Gesang, der außer in wenigen Ausnahmen zum Standardrepertoire einer jeden Pagan Metal Band gehört, nicht jedermanns Sache ist, verwundert sicherlich nur wenige. Es ist einfach ein recht spezieller Geschmack von Nöten, um der Härte, die auf diese Weise erzeugt wird, etwas Schönes abzugewinnen. Nun gehöre ich zwar zu der Sorte, die sehr wohl den Reiz dieser Musik für sich entdeckt haben, doch wären diese beiden Tracks definitiv nicht geeignet, um in potenziellen Neueinsteigern ein Interesse an harten Klängen zu wecken. Gleipnir, das seinem Vorhänger nicht nur im Namen viel zu ähnlich ist, kann den sich anbahnenden Eindruck leider auch nicht gerade rücken: die im Ansatz sehr anständigen Instrumentaleinlagen werden durch das stupide Geraunze des Sängers zunichte gemacht. Vor allem in diesem Fall ist das wahrlich eine Schande, da der Track ansonsten durchaus seine Stärken hat. Gemeinsam mit den Keys erzeugt die Lead-Gitarre eine nordisch Stimmung, die an Qualität definitiv mit den Großen des Genres mithalten kann. Auch das Gitarrensolo passt anständig in den Verlauf des Liedes und geht sehr flüssig in hymnischen Männergesang á la Heidevolk über. Gegen Ende wird der Gesang noch einmal von Sigurðsson’s Growling gedoppelt, was aber in Verbindung mit den oben beschriebenen melodischen Elementen sehr gelungen klingt. So schaffen die Jungs von der Insel es tatsächlich ein Lied noch zum Positiven zu wenden, das eigentlich schon verloren schien. Ganz ähnlich steht es um Fenrisúlfur, das nach monotonem Beginn doch zu einem Interessanten Song heranwächst. Hier bedient sich Sigurðsson erstmals auch einer anderen Gesangstechnick, nämlich der des Fry Screams. Dabei wird seiner Stimme durch Computernachbearbeitung noch ein kratziger Unterton beigemischt, was wohl einen trashigen Effekt erzeugen soll. Auch wenn dies nicht gerade perfekt gelingt, bleibt immerhin festzuhalten, dass der gute Mann es tatsächlich auch anders kann, dies aber dennoch viel zu selten tut. Das anschließende Interlude von etwas mehr als zwei Minuten Länge, ist ohne viel Umschweifen so überflüssig wie ein Kropf. Röhrende Klänge, die mich an die Todesstrahlroboter aus Krieg der Welten erinnern, sollen wohl eine unheimliche Stimmung erzeugen, doch das geht mächtig in die Hose. Daher besitzt Himinhrjóður definitiv das Prädikat „zu überspringen“.
Mit ganz viel gutem Willen könnte man überlegen, ob die trommelfellzerreißenden Klänge vielleicht sogar derart nervtötend beabsichtigt gewesen sind, da der folgende Track einen perfekten Kontrast darstellt: Mit Miðgarðsormur ist es Skálmöld endlich gelungen einen rundum gelungenen Song zu schreiben. Das Lied beginnt mit kraftvollen, epischen Klängen und dem schon früher verwendeten hymnischen Chorgesang und wird bald durch eine einzelne Stimme abgelöst. Diese scheint nun wirklich wie aus einem Heidevolk-Song kopiert, nur dass hier auf Isländisch statt auf Niederländisch gesungen wird. Da macht es auch nichts, dass nach etwa einer Minute wieder einmal der Growl-Gesang einsetzt, da er in diesem Fall einen passenden Kontrapart erzeugt. So setzt sich das Lied fort und wechselt zwischen harten und melodischen Parts hin und her. Selbst das Gitarrensolo mit merklichem Metallica-Sound wirkt sehr gut durchdacht und rundet den Song sehr gelungen ab. Narfi zeichnet sich zwar auch dadurch aus, dass die Band erneut versucht, den Gegensatz zwischen hartem und ruhigem Gesang in den Vordergrund zu stellen, doch gelingt es ihnen in diesem Fall leider nicht so gut wie noch im vorangegangenen Lied. Zwar ist der Song nicht perfekt, kann jedoch trotzdem zum besseren Drittel des Albums gezählt werden. Leider kommt auch der nachfolgende Track Hel nicht an die positive Überraschung von Miðgarðsormur heran. Obwohl die Band es hier teilweise extrem ruhig angehen lässt, zerstört der Gesang einmal mehr die Stimmung. Im Mittelteil wird der schöne Klang von E-Gitarre und Oboe durch den Gesang schlichtweg ruiniert. Es fällt mir ausgesprochen schwer in Worte zu fassen, wie überaus unpassend, sogar unausgereift, diese Passage daherkommt. Definitiv ein weiterer Rückschlag. Gegen Ende von Hel versucht die Band es mit Blast Beats und stark verzerrtem Gitarrengeschrammel und wirkt dabei, wie der verzweifelte Versuch einer Schulband ein Stück der Pagan-Black-Metal-Götter von Moonsorrow zu covern. Auch das vorletzte Lied namens Váli hat außer einem gelungenen Tempowechsel, der den Zuhörer kurz aufhorchen lässt, wenig zu bieten. Somit ist es am letzten Stück, das nach dem nordischen Gott Loki benannt ist, den überwiegend negativen Eindruck wenigstens etwas aufzubessern. Mit fast zehn Minuten Länge bedient sich auch Skálmöld der im Pagan Metal sehr populär gewordenen Gepflogenheit, ein langes Stück ans Ende zu setzten. Dies allein sagt allerdings freilich noch nicht viel über die Qualität des Songs aus und auch die ersten drei Minuten wissen nicht wirklich zu überzeugen. In der Folge setzt wieder einmal der hymnische Chorgesang ein, der dem Lied eine entscheidende Wendung verpasst, denn mit ihm kommt auch das anspruchsvolle und schnelle Gitarrenspiel wieder. Mit einem Solo und dem anschließenden Umbruch hin zu ruhigem Oboenspiel scheint es so, als wäre der versöhnliche Abschluss doch noch einigermaßen geglückt. In den letzten zwei Minuten scheinen die Isländer noch einmal alles raushauen zu wollen, was sie vorher über das gesamte Album verstreut punktuell verwendet hatten: tiefer gutturaler Gesang, Fry Scream, hymnische Choreinlagen, sowie der russisch anmutende Frauengesang aus dem Intro. Reizüberflutung total!
Abschließend bleibt überwiegende Ernüchterung und die Frage, ob das wohl so gewollt gewesen ist? Der über weite Strecken stimmige Instrumentalteil glänzt zwar nicht in allen Farben des Regenbogens, kann aber doch als gelungen bezeichnet werden. Doch was können schon Oboen- und Keyboard-Sounds ausrichten, wenn ein alles überdeckender Gesang die ganze Mühe zunichtemacht? Somit muss leider die ganze Band mit der Kritik leben, die in Wirklichkeit hauptsächlich einem Mitglied gebührt. Schade. Score: 51%
 
Score:
51% Blamabel.

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