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The Black Marbles – Made in Concrete

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von The Black Marbles’ „Made in Concrete“ (2013).
„The Black Marbles legen ein Album vor, das so bunt und charmant ist, wie einst die Siebziger!“
Interpret: The Black Marbles
Titel: Made in Concrete
Erschienen: 2013
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Und schon wieder steht eine neue "The"-Band in den Startlöchern: Diese drei Buchstaben, die sich unzählige Bands vor ihren Namen stellen, scheinen nicht unwichtig zu sein, denn sonst würden Kollegen wie The Rolling Stones, The Pretty Things oder The Black Crowes nicht so vehement darauf bestehen. Bin mal gespannt, ob die vorliegende Formation - mit dem zweideutigen Namen The Black Marbles - es schafft, aus der Masse, der schon existierenden "The"-Gruppierungen herauszustechen. Was vielleicht noch Erwähnung finden sollte: Die Jungs sind aus Schweden, genauer gesagt aus Göteborg. Da kann eigentlich nichts schiefgehen, wobei mich das letzte Output ihrer Landsmänner Sparzanza dann doch eines Besseren belehrt hat, zumindest was den eigentlich typischen Humor betrifft. Aber meine Sorge ist unbegründet, wie das folgende Review zeigt.
Die Geburtsstunde der Black Marbles liegt mittlerweile 4 Jahre zurück und sie beinhalten die verbleibenden Mitglieder der Formation On Parole. Anfang 2010 fanden sie in Kaj Paxéus den perfekten Sänger für ihren Siebziger getränkten Rock, im Zeichen von allem was damals rockte, rollte und vor allem groovte. Er ist irgendwo zwischen Free's Paul Rodgers, Mick Jagger oder sogar Tears For Fears Roland Orzabal angesiedelt, und macht seine Sache schlichtweg grandios. Dummerweise verließ der Gitarrist Christian Smedström, kurz vor den Aufnahmen zum vorliegenden Debüt "Made In Concrete", die Band. Kurzer Hand wurde der Ausnahme-Gitarrist Philip Karlsson in's Line-Up geholt, der binnen kürzester Zeit alle Songs lernte und sie zusätzlich noch mit einer persönlichen Note versah. Feurig, und in üblicher Stones-Manier, startet der Opener "Night and Day" weg. Untermalt von klassischen "Huu Huu"-Chören, denen wir nicht zum letzten Mal begegnen. Meiner Meinung nach, seit Jahren ein wesentlicher Teil des Erfolgsgeheimnisses von Bands wie The Black Crowes, The Flamin' Groovies oder eben der Rolling Stones. Natürlich gehört auch das Rock 'n' Roll-Klavier oder das treibende Tamburin dazu, wie auch der Folgetrack "Loveshine" zeigt. Ein zusätzlich knackiger Chorus wurde dann noch beigemengt und fertig war ein weiter Ohrwurm-Rocker. Nebenbei leben die guten alten Zeiten der Crowes nochmal so richtig auf. "The Dog", wie "Lovin' Kind" sind dann mehr Southern- als Classic-Rock: Ganz im Zeichen von Lynyrd Skynyrd oder The Outlaws.
Und auch Sänger Paxéus ist in der Beziehung sehr wandlungsfähig und passt sich jedem Stil mühelos an. Der Mann hat Rock, Soul und sogar den Blues in der Stimme. Die „Schwarzen Murmeln“ grooven auf "Looks" munter weiter, als hätte es die Achtziger und alles was darauf folgte, nie gegeben. "Good Lovin'" ist der erste Blues-Hadern, der mit soviel Schmerz vorgetragen wird, dass sie sich gerade nicht im Kitsch verlieren. So bleibt ein melancholisch-dramatischer Ableger, der über weite Strecken an "Tears For Fears" erinnert. Aber selbst nach dem fünften Durchlauf bleibt dieser Eindruck bestehen, was wohl auch an der Stimme von Kaj Paxéus liegt. Das ist auch nicht unbedingt negativ zu bewerten, die Kalifornier haben oft genug ihr Gespür für großartiges Songwriting bewiesen, dennoch finde ich es hier im Siebziger-Rausch etwas eigenartig, wenn auch nicht unbedingt störend. Auf der anderen Seite hilft es Paxéus, markant zu sein und es auch zu bleiben. Das Solo lenkt dann ein wenig davon ab, und es bleibt eine herausragende, wenn auch wehmütige Midtempo-Nummer, die in ein weiteres fulminanten Gitarrenfeuerwerk von Saitenhexer Philip Karlson mündet. "Free Your Mind" holt dann überhaupt zum Rundumschlag aus: Diese Perle in der Album-Mitte bezeugt ein weiteres Mal die exzellente Songwriter-Qualitäten des schwedischen Quartetts, die sich Paul Rodgers & Co immer weiter annähern.
Offizieller Video-Link "Free your Mind":
Genau wie beim darauf folgenden "Chinese Jambalaya", das noch mit einem exaltierten Wah-Wah-Solo angereichert wurde. Generell dürften "The Black Marbles" gerne in Nostalgie schwelgen und sich zusätzlich das gesamte Werk der britischen Rocker, zu Gemüte geführt haben. Bei "Don't fade away" legen sie dann überraschenderweise eine komplette Kehrtwendung hin, und es wird zum ersten mal akustisch. Aber nicht lange, denn im weiteren Verlauf rollen die sanft verzerrten Gitarren schon wieder. Mit "Poor Boy Blues" wartet ein weiterer Hochkaräter am Albumende, und bedient sich dabei ganz frech bei Humble Pies' "I don't need no Doctor". Überhaupt beschleicht einen oft das Gefühl, alles irgendwo schon mal gehört zu haben, und das ist auch gut so: Denn sie treiben ihr Unwesen in einer längst tot geglaubten Epoche, und lassen diese nochmal ordentlich aufleben. "The Stealer" bildet das Schlussstück und legt sich diesmal auf ganzer Länge mit Free an. Die Cover-Version unterscheidet sich kaum vom Original, außer dass ihr eventuell ein Schuss Nachdruck fehlt. Gitarrist Karlsson bringt dennoch das große Kunststück fertig, sich nicht die Zähne an Paul Kossoffs furiosem Gitarrensolo auszubeißen. Trotzdem hat dieses Stück keinerlei Berechtigung auf der Platte: Die Band vereint schon so genug von Free in sich, und klingt nebenbei noch so attraktiv rotzig, da ist der "Wink mit dem Zaunpfahl" eigentlich nicht nötig.
Beim Cover-Artwork angekommen ist bei mir "Schluss mit Lustig!", denn das ist schlichtweg eine Frechheit und außerdem ein recht gutes Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Es unterstreicht nicht ansatzweise die Musik der "Murmeln", sondern macht sogar noch das falsche Publikum auf sich aufmerksam. Es hätte mit viel mehr "Soul" und Leidenschaft entworfen werden müssen. Eben in Anlehnung an die geile Mucke der Truppe. Beim Logo ist das eigentlich schon sehr gut gelungen. Mein erster Eindruck der CD, war der einer weiteren Progressiv-Band. Umso erstaunter war ich dann, von dem euphorisch dargebotenen Rock 'n' Roll. Übrigens, das heiße Eisen gibt's auch auf Vinyl, was natürlich unbedingt zu bevorzugen ist.
Fazit: Die Elche röhren wieder: Das schwedische Kollektiv The Black Marbles legt ein Album vor, das so bunt und charmant ist, wie einst die Siebziger, und dabei kaum Schwachstellen aufweist. Die Jungs rocken, rollen, grooven, swingen, bluesen und zünden einen Ohrwurm nach dem anderen. Als Draufgabe wird vieles noch mit einer Prise Southern-Rock gewürzt. Was verhalten beginnt, steigert sich im Verlauf des Albums zu einem wahren Feuerwerk an Seventies-Rock. Durchzogen von feinsten Gitarrenpassagen und Melodiebögen, die ein Entkommen geradezu unmöglich machen. Das beeindruckende Resultat kann man getrost als die Schnittmenge von The Rolling Stones, The Black Crowes, Lynyrd Skynyrd, Free, Badfinger, Bad Company, The Pretty Things, ZZ Top und Humble Pie bezeichnen. The Black Marbles stehen zwar erst am Beginn ihrer Reise, dennoch haben sie einen wichtigen Abschnitt schon geschafft: Den des grandiosen Debüts. Und eigentlich wäre ich ihnen ein wenig Ruhm vergönnt, denn die Attitüde des Quartetts stimmt bis ins kleinste Detail.
Anspieltipps: Night and Day, Loveshine, Free Your Mind, Lovin' Kind, Poor Boy Blues

 
Score:
88% Hervorragend!

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