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Nachbericht: Skid Rows United World Rebellion Tour 2013

Eine Rockshow der Superlative verwandelt das malerische Tiroler Örtchen Telfs in den Dreh- und Angelpunkt des Rockzirkus, der neben The Quireboys und Bonfire, auch die amerikanischen Superstars Skid Row ins von Bergen umgebene Telfs bringt. Die Truppe, die in den Neunziger Jahren - mit Sebastian Bach am Mikro - aus den Hard Rock-Charts kaum wegzudenken waren. Nachdem sich Bach mit seinem divenhaften Verhalten aus der Band ekelte, legte der Rest der Truppe eine Pause ein, um 1999 mit neuem Sänger und Drummer, wieder voll durchzustarten. Das "voll" blieb leider aus, den mit Bach ging leider auch die Massenkompatibilität der Band ein wenig verloren, die sich mit dem aktuellen Release United World Rebellion Chapter One - Teil 1 einer Trilogie - wieder verdächtig nahe ihrer Wurzeln besinnen. Die, wenn man Mastermind Rachel Bolan zu Rate zieht, wohl eher im Punk als im Metal liegen.
So waren die Ramones schon immer sein Steckenpferd, das nur durch den Rest der Truppe etwas abgemildert wurde. Natürlich werden auch diesmal wieder die Gitarren gewürgt, dass so manch einer aus dem Staunen nicht mehr herauskommt, dennoch treten die Melodien eher in den Hintergrund und mussten einer rauheren Attitüde Platz machen. Auf der anderen Seite, das Quintett kann nicht ewig die "Youth Gone Wild" bleiben, auch wenn viele sich das wünschen würden. Aber mal sehen, was die Herren live auf die Beine stellen. Den Beginn machen allerdings die deutschen Hard Rock-Urgesteine von Bonfire, die gerade ihr aktuelles Release "Live in Wacken" rausgehauen haben und schon an einer neuen Studio-Scheibe basteln. Claus Lessmann und Hans Ziller, die Köpfe hinter Bonfire, verwandeln mit ihren Kollegen Uwe Köhler, Harry Reischmann und Chris Limburg den Telfer Rathaussaal gleich zu Beginn in einen brodelnden Hexenkessel. Der in Bayern beheimatete Lessmann, eines der Gründungsmitglieder neben Ziller, ist nach wie vor ein energiegeladener Frontmann, der die noch kommenden Acts das Fürchten lehrt. Oder um es mit ihren Worten zu sagen: "We still rock!", und das unterschreibe ich ihnen auch gerne.
Nach dem einstündigen Set ist die Energie dann raus und die Jungs werden von der britischen Boogie-Rock 'n' Roll-Band The Quireboys abgelöst, welche Ende der Achtziger den Rythm and Blues - in Verbindung mit Boogie und Klavier - wieder salonfähig machten. Wer die Band kennt, weiß, dass die Faces, The Rolling Stones oder Rod Stewart klanglich nie weit entfernt sind, was ihnen 2004 sogar zu einem Wacken-Auftritt verhalf. Ein zu Beginn recht straffes Set, lässt die Herzen der zahlreichen Fans regelrecht höher schlagen; zu erkennen an den Band-Shirt aller Dekaden. Im Mittelteil gibt's ein wenig Zeit wieder zu Atem zu kommen, und dann geht die wilde Jagd weiter, die vollgestopft mit Altem, Neuem und vor allem Gutem auch die letzten Ungläubigen im Publikum überzeugt. Mit "Sex Party" schließen die Jungs um Sänger Jonathan "Spike" Gray, Keyboarder Keith Weir und die Gitarristen Guy Griffin und Paul Guerin, die Telfs übrigens nicht zum ersten Mal beehren: 2012 waren sie mit ihrem Akustik-Gig kurz vor Weihnachten schon mal zu Gast. The Quireboys werden ja gerne als „Englands finest Rock 'n' Roll-Band“ bezeichnet, das sie heute Abend noch mit einem Ausrufezeichen versehen.
Nach einer weiteren, schier nie enden wollenden Umbaupause, betreten die Mannen, wegen denen die meisten von uns hier sind, die Bühne. Die erste Gänsehaut bewegt sich langsam Richtung Unterschenkel, denn man darf nicht vergessen, die Jungs waren vor 20 Jahren die Vorzeige-Band neben Mötley Crüe, Cinderella und Bon Jovi in Sachen Hard Rock. Hits wie "Youth Gone Wild", "I Remeber You", "Monkey Business" oder "18 and Life" werden wohl die nächsten 20 Jahren noch genauso seine Anhänger finden, wie zur Glanzzeit des Kollektivs. Anstelle von Sebastian Bach übernahm Johnny Solinger 1999 die Vocals, der zwar nicht ganz Bach's Stimmumfang hat, aber trotzdem besser zum neuen Sound passt, ein sympathischer Frontmann ist und nebenbei die Klassiker mit Bravour rausschreit.
Auch Ur-Drummer Rob Affuso stieg mit Bach aus, denn der dürfte damals schon bemerkt haben, dass der blonde Spargel nicht unwichtig für den Status der Band war. Und so sitzt heute Rob Hammersmith an den Drums, der ein ebensolches Drum-Feuerwerk zu entzünden vermag, wie einst Affuso. Und natürlich spielen sie auch viele der alten Stücke, die so manch einen Besucher noch heute in Ekstase versetzen, wie man von den ersten Reihen, bis ganz nach hinten recht gut erkennen kann. Eröffnet wird - wie so oft vorher auch schon - nach den Klängen der Ramones, mit "Slave To The Grind" von gleichnamigen Album. Das nebenbei erwähnt, seinerzeit von 0 auf Platz 1 in die amerikanischen Charts einstieg. Die "Skids", wie sie gerne von ihren Fans genannt werden, peitschen eine Rockwelle nach der anderen ins Publikum, dass mir ganz hinten im Saal, immer noch der Atem stockt. Hits wie "Peace Of Me", "Big Guns" und sogar das Ramones-Cover von "B-Side Ourselves", "Psycho Therapy" - das, wie schon zu Bachs Zeiten - immer noch von Bolan mit voller Inbrunst vorgetragen wird.
Auch die Songs vom neuen Album und den beiden Vorgängern "Thickskin" und "Revolutions Per Minute" machen live richtig Spaß, was man von den Studio-Versionen nur bedingt behaupten kann. "New Generation", das die neue Ära einleutete, wirkt hier am markantesten. Dave "The Snake" Sabo und Scotti Hill spielen sich an den Gitarren um den Verstand, was Hill auch optisch nach außen trägt, denn er posiert und wirbelt herum, dass das Sauerstoffzelt vermutlich nicht weit ist. "Makin a Mess" wurde ein wenig abgemildert, leider fehlen ihm so die Ecken und Kanten vom Original. Bei "Kings Of Demolition" und "Let's Go" von "United World Rebellion - Chapter One" erklärt Johnny Solinger die Ideologie hinter der Trilogie, die konzeptionell wirklich gut durchdacht wurde: Mit drei Mini-Alben, die einerseits vom Preis erschwinglich sind und in relativ kurzen Abständen aktuelle Mucke beinhalten soll, an der nicht monatelang herum gezimmert wird, kommen sie den Fans auf halber Strecke entgegen. Und so sei Teil zwei noch nicht einmal aufgenommen und repräsentiere bei der Veröffentlichung den aktuellen Stand der Band. "In A Darkened Room", rührt mit seinem perfiden Solo auch heute noch zu Tränen, wie auch die Herzschmerz-Nummer "I Remember You" vom Debüt-Album. Nur "Youth Gone Wild" nehme ich ihnen beim besten Willen nicht mehr ab, gehen die Herren - abgesehen von Drummer Rob Hammersmith - doch schon alle auf die 50 zu und haben großteils Familien. Dennoch zeigen Skid Row, dass sie noch immer zu den ganz Großen gehören, auch ohne Sebastian Bach.
Fazit: Ein Abend, an dem so manch einem die Ohren bluten, denn Bonfire, The Quireboys und Skid Row nehmen den Rathaussaal bis auf die Grundmauern auseinander. Solch eine Erschütterung wird Telfs wohl so schnell nicht mehr zu spüren bekommen; eventuell am 25. Oktober, wenn die Black Star Riders (Thin Lizzy Band mit Ricky Warwick und Damon Johnson, Anm. d. R.) die Location heimsuchen.

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