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Nachbericht: Excuse Me Moses in Steyr - 18.05.2013

Das Wiener Alternative-Quartett Excuse Me Moses bringt ihren neuen Output - schlicht als III betitelt - für einen ihrer seltenen Gigs ins Herz von Oberösterreich, nämlich der Romantik- und Kulturstadt Steyr. Abgerockt wird im "Röda", einem selbstverwalteten Kulturverein für junge sowie zeitgenössische Kunst und Kultur, das am historischen Wehrgraben, früher das zu Hause einer Schnitzerei war. Eine wirklich inspirierende Gegend, zumal der gleichnamige Fluss - nämlich die Steyr - direkt an der Venue vorbeifließt, und so im Sommer eine stimmige Location schafft.
Aber zurück zur Musik, wegen der wir ja eigentlich hier sind. Um 21 Uhr geht's los und der erste Support-Act, die Lokalmatadore Never Grow Up ebnen die erste Teiletappe für Excuse Me Moses mit ihrem Fun 'n' Roll, der erstaunlich gut, wenn auch nicht besonders nachhaltig, funktioniert. Ich würde mal Vergleiche mit Blink 182, No Fun At All oder Yellowcard heranziehen. Spaß macht's allemal, und mehr verlangt man bei diesem Genre ja eigentlich eh nicht, auch wenn Sänger Raimund Oberaigner nicht jeden Ton perfekt trifft. Dennoch ist er ein grandioser Frontmann, der mit seinen humoristischen Einlagen einige Schmunzerl auf unser Gesicht zaubert. Auftrag ausgeführt! Weiter geht's mit den Wiener Progressiv-Post-Rockern Lausch, die ihr aktuelles Album Canada Is Falling umwerben und mit epischen Frontalangriffen die Besucher im "Röda" um den Finger wickeln, und gleichzeitig zeigen, wo der Hammer hängt. Selbst die Jungs von Excuse Me Moses ließen sich die Show nicht entgehen. Ein echter Geheimtipp dieses Trio, sollte man mal gesehen haben, vor allem da sie als eine der wenigen aktuellen Bands ihre Scheibe auch als Vinyl anbieten. Was für mich immer bedeutet, dass den Musikern der Sound am Herzen liegt, und so als kleine Vorschusslorbeeren fungieren. Gekauft! Die Gelegenheit eines neuerlichen Konzertes bietet sich den restlichen Mai und auch noch im Juni, wenn sie weiterhin ihr Album in Österreich vorstellen.
Und nach einer weiteren Umbaupause hat das Warten dann ein Ende, und die Musiker von Excuse Me Moses, nämlich Sänger Michael Paukner, Gitarrist Dietmar Schrödl, Bassist Gerald Weichselbaum und Schlagzeuger Martin Scheer entern gemütlich die Bühne. Abgelegt wird mit dem Opener des neuen Albums, dem enthusiastischen "Lost In You". Hämmernde Riffs mit Gänsehaut-Faktor zeigen von den Live-Qualitäten der Truppe, die ein Entkommen unmöglich machen. Eigentlich begann der Vierer ja als Funk-Band mit dem Namen Funkalicious, die sogar ein Album namens "Perfekta" veröffentlichten. Ein Jahr später warf die Truppe - durch den Weggang von Schlagzeuger Gerhard Bergauer - das Handtuch, um sich mit dem neuem Drummer Martin Scheer, als Excuse Me Moses wie der Phönix aus der Asche zu erheben. Und seitdem gibt es für das Quartett kein Halten mehr. Die zwei Vorgänger-Alben "1st Last Will" mit dem Ausnahme-Schunkler "Butterfly Tree", und "Pole Shift", das mit dem mächtige "Speed" ausgestattet ist, bereiteten ihnen den Weg zum österreichischen Musikspektakel Nova Rock, einer Skandinavien-Tour oder auch einem illegalen Konzert auf einem LKW in der Wiener Innenstadt.
Was da genau los war, und viele andere, teils amüsante Episoden sowie Wissenswertes, haben sie mir im Interview vor dem Konzert erzählt. Soviel zur Geschichte, aber nun zurück zur Show, denn mittlerweile sind die Jungs bei bei dem Höhepunkt des aktuellen Releases angekommen, dem Dampfhammer-Ohrwurm "Til The End". Excuse Me Moses rocken, dass die Schwarte kracht. Kaum ein Besucher schafft es, ruhig zu stehen und dabei werden die Jungs vom Publikum gefeiert, wie die verlorenen Söhne. Natürlich schaffen es auch alte Hits ins Set wie die vorhin erwähnten Titel "Butterfly Tree", "Speed", die Ballade "I Wonder" oder "Godzilla Killer", dass mit seiner Funkiness an die Zeit von Funkalicious erinnert. Paukner, der gelegentlich an der Akustik-Gitarre aushilft, wütet sich mit einer Inbrunst durchs Set, dass einem nur vom Zusehen schon schwindelig wird. Bassist Gerald Weichselbaum hat mittlerweile seinen futuristischen Blinkhelm auf den Kopf geschnallt, der mittlerweile zur Tradition wurde und scheinbar im Takt rot mitblinkt. Diz Schrödl würgt mit solch einem Eifer seine Ruder, dass er streckenweise unter seinen herumwirbelnden Haaren kaum auszumachen ist. Nur Martin Scheer wirkt konzentriert hinter seinem Drumkit, steht wie ein Fels in der Rythmus-Brandung und massiert dabei wuchtig seine Felle.
Als besonderes Highlight halten sie eine Premiere für den harten Kern der Besucher bereit: "My Friend", die erste Auskoppelung von "III", wurde auf zwei akustische Gitarren reduziert und von Paukner und Schrödl im Singalong-Style vorgetragen. Eine wirklich hochkarätige Show, die Abseits von Durchschnittsbrei und Langstrecken-Tristesse, sich definitiv zum Pflichtkonzert avanciert, wozu sich in den kommenden Monaten vorerst noch dreimal die Möglichkeit bietet. Also nichts wie hin, die Band arbeitet hart und macht auf der Bühne keine Gefangenen. Es wird gerockt, gerollt und streckenweise auch ein klein wenig mit dem Metalcore geflirtet, wie bei dem Abgesang "Last Breath" oder dem brachialen "Break Me Down", bei dem sich Paukner das Shirt vom Leib reisst und einen Blick auf seine atemberaubenden Tattoos gewährt, die einen Großteil seines Körpers schmücken. Nach 90 Minuten und einem eruptiven "Tragedies" ist der Zauber vorbei und Excuse Me Moses entlassen uns in den lauen Frühsommer-Abend, der nach der Show einer solchen Live-Macht, schrecklich ernüchtern wirkt. Ein geiler Gig, der mit stimmigem Support und einem ausgelassenen Haupt-Act, die Schweißproduktion enorm ankurbelte, und über weite Strecken euphorisieren konnte. Nebenbei eine perfekte Möglichkeit dem Eurovisions-Song Contest, der auch an dem Abend stattfand, den getreckten Mittelfinger zu zeigen.

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