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Nachbericht: See Rock Festival 2013

See-Rock Festival Schwarzlsee, Graz - 21.-22.6.2013 - Ein Nachruf

Die österreichische Landeshauptstadt Graz - oder genauer gesagt der Schwarzl-see im fast schon zungenbrecherischen Unterpremstätten - lädt mittlerweile zum dritten Mal aufs See Rock Festival ein, dieses Jahr gleich für zwei Tage. Zahlreiche Top-Acts gaben sich hier schon die Ehre, und auch heuer ist das Staraufgebot - umgeben von dem gemütlichen, karibisch blauem Badesee - wieder kaum zu fassen: Iron Maiden, Motörhead, Slayer, Limp Bizkit, Stone Sour, Newsted, Oomph!, Marrok oder Voodoo Six sind nur einige, der vielen. The Dillinger Escape Plan mussten ihren Auftritt leider relativ kurzfristig absagen, da sich Gitarrist Ben Weinmann die Hand gebrochen hat und das Quartett ungern mit Ersatzmusikern auftritt.

So war's als Besucher:

Gegen 12 Uhr wuseln die ersten Gäste aufgeregt über das Festival-Gelände am Schwarzlsee und machen sich mit der Umgebung und den nächstgelegenen Bar-Zelten vertraut. Der Opening Act Voodoo Six betritt pünktlich um 14 Uhr, noch etwas verhalten, die Bühne und eröffnet offiziell das Festival. Es sind zwar noch weit nicht alle Leute auf dem Gelände, aber das tut dem Rock keinen Abbruch. Und die Briten legen ein strammes Set vor, dass sich die ersten Euphorieschübe bei den Besuchern bemerkbar machen. Neben Marrok, sind sie der spannendste und auch authentischste Act des Tages, so viel kann ich schon mal verraten. Ausgelassen wird gesoffen und gebangt. Explosive Kombination bei der Hitze, die bald ihre ersten Opfer fordert: gemütlich machen sie es sich auf dem kochenden Boden bequem. Der angrenzende See lädt natürlich auch zum Baden ein, und weiß vermutlich so manch erhitztes Gemüt abzukühlen, das in dem Fall wohl die bessere Alternative zum Liegen im Dreck wäre, aber das ist wohl eine andere Geschichte.
Die nächste Band auf der Bühne, sind die österreichischen Alternative-Rocker Marrok, die in den letzten Jahren mit ihren Veröffentlichungen Midnight Carnival und Days of Mercury für allerhand Aufsehen in der heimischen Musikszene gesorgt haben, und mittlerweile das Nova Rock, wie auch das Donauinselfest bespielen. Wie üblich nudeln sie ihr Set nicht einfach herunter, sondern legen jede Menge Herzblut, wie auch Engagement hinein und verzücken ihre zahlreichen Fans mit jedem der Songs aufs Neue. Der Schwerpunkt liegt natürlich bei den härteren Stücken, um neben den brachialen Kollegen bestehen zu können. Was ihnen zweifelsohne sehr gut gelingt.
Wacken ist also einen Schritt näher gerückt. Nach 25 Minuten ist auch ihr Set, leider etwas verfrüht, zu Ende - zwei oder drei Nummern wären schon noch gegangen. Aber "The Show Must Go On" und so entern die schwedischen Heavy Metal Mönche Ghost als nächstes die Stage, die schön langsam von immer mehr Feiernden belagert wird. Markenzeichen der Truppe sind ihre Maskierungen, die ähnlich wie bei Slipknot, das komplette Konzert über aufbehalten werden und so die Musiker anonym bleiben lassen. Ein nicht uninteressanter Stil-Mix ist das Ergebnis des Quintetts, der sich leider erst gegen Ende des Sets ein wenig im Ohr festsetzt. Dennoch ist der Entertainment-Faktor, bedingt durch die Maskerade, relativ hoch.
Dann kommt der Mann, dessen Auftritt schon viele entgegenfiebern, genau wie wir: Jason Newsted. Er ist ein wirklich sympathischer Kerl, der auch den Boden der Tatsachen nie wirklich verlassen hat, dennoch war sein Gig nicht wirklich befriedigend. In erster Linie, weil seine Songs unrund dahinrumpeln und nicht in die Gänge kommen. Zu allem Überfluss spielt er als letzte Nummer "Wiplash" seiner früheren Arbeitgeber Metallica, und spätestens da macht sich bemerkbar, wie schlecht seine Nummern im Vergleich dazu wirklich sind. Wäre er nicht Jason Newsted, stünde er da jetzt sicher nicht oben, sondern hätte maximal vor Voodoo Six spielen dürfen. Mittlerweile ist ein Großteil der Festival Besucher schon medium durchgebraten - wir eingeschlossen - denn der Platz befindet sich auf einer betonierten Fläche, die bei 35 Grad im Schatten, zu einer gigantischen Herdplatte wird.
Die Death-Metal Band Behemoth zieht nun mit ihrem brachialen Geschrubbe erstmals andere Seiten auf, dennoch finde ich die Truppe nicht wirklich ins Line-Up passend. Corey Taylor und sein Neben-Hauptprojekt Stone Sour liefern anschließend ein solides Set ab, jedoch ohne markante Höhepunkte; quasi wie auf Platte. Neben dem Bier, fließt auch der Schweiß in Strömen und macht jede Berührung mit anderen Fans zu einer wahren Belastungsprobe für mein Deo. Ich muss zugeben, bezüglich Iron Maiden-Konzerten bin ich noch jungfräulich und so ist meine Erwartungshaltung natürlich relativ hoch. Obwohl ich weiß Gott kein Maiden-Jünger bin - trotzdem wüten sich die Metal-Pioniere ja mittlerweile auch schon knapp 40 Jahre durch die Szene, und daher sollte man die schon mal gesehen haben. War dann aber nicht wirklich auszuhalten, denn bei bei den ersten Nummern litt der Sound gewaltig: Das Einzige was man hören konnte war Nico McBrain an den Drums und Bruce Dickinson, der selten bis gar keine Töne getroffen hat. Hinzu kommt, dass die Herren mit drei Gitarren auf der Bühne stehen, aber hören konnte man nur Adrian Smith ein wenig, der nebenbei der coolere der Truppe ist.
Dave Murray tanzt auf der Bühne umher, wie eine angeschossene Ballerina, Janick Gers tritt ständig mit den Füssen seine Monitorbox, schreit sie an und absolviert dabei noch Dehnungsübungen auf dem Gerät. Steve Harris ist Steve Harris, wie man ihn kennt und Bruce Dickinson springt, neben seinem Gekreische, noch auf der Bühne umher, wie das Rumpelstilzchen ums Feuer. Nach "The Number of the Beast" ziehen wir dann einen Schlussstrich unter das Festival, weil's mir ehrlich gesagt reicht, obwohl man mittlerweile die Gitarren gut hören kann, und die Arbeiten darauf teils atemberaubende Geschwindigkeiten beinhaltet. Dennoch vermiest einem der Gesang sogar das. Im Nachhinein beschleicht mich das Gefühl, dass die großen Bands das Set auf den Festivals einfach 08/15 runterkurbeln, nur um ihren Vertrag zu erfüllen. Danke, ich bin geheilt.

So war's für die Presse:

Laut im Vorfeld erhaltener Mail sollen die Akkreditierungen und Fotopässe bis spätestens zwei Stunden vor Einlass abholen. Gut, wir sind da, die Presse-Verantwortlichen nicht. Zuerst weiß niemand wo sich der Presse-Schalter überhaupt befindet, als wir ihn dann endlich - nach langer Suche - finden, ist es 11 Uhr, also 1 Stunde vor Einlass. Trotzdem ist er geschlossen: Ich rufe die Nummer an, die dort aushängt, erklärt mir der Presse-Mann, er hat die Akkreditierungen noch nicht beisammen, er kommt in einer Stunde, also pünktlich zum Einlass. Wirklich da ist er dann um 12.30 Uhr, als 30 Minuten NACH Einlass und erklärt uns, dass wir keinen Zutritt zum Fotograben haben, der so und so nur bei den beiden Hauptacts geöffnet ist. Und da dürfen dann nur 10 bis 15 von den Acts ausgewählte Vertreter hinein, dass in dem Fall die mitreisenden Medien bzw. Medienpartner waren. ABER, wir dürfen in den Wavebreaker, und von dort fotografieren.
Gut, beim Wavebreaker angekommen, ist erst mal Endstation, da uns der Zutritt doch nicht gewährt wird (uns = ca. 25 Fotografen aus ganz Österreich und Slowenien, Anm. d. R.). Nach einer Rücksprache mit dem Presse-Mann, klärt dieser dann das Problem mit der Security und wir dürfen endlich hinein. Die erste Support Band Voodoo Six beginnt zu spielen: Nachdem wir 10 Fotos von ihrem Gig im Kasten haben, kommt der Presse-Verantwortliche wieder, und lotst alle Fotografen wieder hinaus und wir dürfen nur ohne Kameras wieder hinein. Fotos nur außerhalb des Wavebreakers, also ab 80 Meter von der Bühne weg. Dennoch werden unzählige Bilder mit Handys und Kompaktkameras von dort aus geschossen, wir werden jedoch bei einem Fotoversuch mit derselben Kompaktkamera wieder bei den Ohren hinausgezogen. Schön langsam macht sich Unmut in den Reihen der "Knipser" breit, denn für außerhalb benötigt man eigentlich eh keinen Fotopass und jeder kann nach Herzenslust fotografieren. Wofür also der Fotopass?
Andere Fotografen trifft es sogar noch schlimmer, die bekommen nicht mal den zugesagten Fotopass, wie uns ein befreundeter Fotograf bei der Gelegenheit erzählt. Leider ist das Problem nicht zu lösen, und so treten einige der Kollegen wieder die Heimreise an. Ich bin ehrlich gesagt auch soweit, wenn nicht noch das Marrok-Interview anstünde, das für mich den eigentlichen Höhepunkt des Tages darstellt. Und außerdem kommt ja noch Jason Newsted, der unsere Neugier auch auf sich gezogen hat. Trotzdem sind wir, logischerweise, ein wenig angepisst, weil wir ja quasi umsonst Urlaub genommen haben, knappe drei Stunden angereist sind - plus dem ganzen Folge-Wahnsinn - und auf kein Ergebnis kommen, weder fototechnisch, noch von den Interviews. Ein weiterer Schlag lässt nicht lange auf sich warten: Kurz vor dem Iron Maiden-Gig kam die Durchsage, dass der Motörhead-Auftritt leider ausfällt, weil Lemmy vom Arzt Tourverbot bekommen hat. Stattdessen spielen die österreichischen Sauf- und Rüpel-Rocker Alkbottle. Schwacher Ersatz für die lauteste Band der Welt.
Was auch noch unbedingt eine Erwähnung finden sollte: Auf den Presse-WC's ist das kalte Wasser gesperrt, damit alle brav konsumieren und keiner auf die Idee kommt, Wasser aus der Leitung kostenlos zu trinken. So müssen wir uns bei 35 Grad im Schatten die Hände mit kochend-heißem Wasser waschen. Ich bin wirklich ein geduldiger Mensch - vor allem wenn es um Musik geht, die ja quasi mein Lebenselixier ist - aber bei der Aktion bin ich echt kurz davor, endgültig das Handtuch zu schmeißen, wenn der Musik-Zirkus in Zukunft auf das hinausläuft. Schade eigentlich, denn so kann man nicht arbeiten, aber immerhin hab ich die Bestätigung bekommen, warum ich keine Festivals mag und auch in Zukunft nicht mehr besuchen werde. Speziell dieses unorganisierte Möchtegern-Festival hat mich für die nächsten Jahre definitiv immun gegen Veranstaltungen dieser Art gemacht. Vor allem mit diesen Auflagen und kurzfristig gecancelten Interviews. So kann und darf Musikjournalismus nicht funktionieren. Vielen Dank See-Rock!
Fazit: Ich habe mich vorerst damit getröstet, dass das Festival ein organisatorisches Desaster ist, um das in Zukunft ein großer Bogen gemacht werden sollte. Da lob' ich mir doch Abend-Konzerte, wo die Bands vielleicht auch nicht unbedingt mehr Zeit für Interviews haben, aber immerhin antreten und dann auch auftreten. Wie der zweite Tag verlief, kann ich bestenfalls erahnen ... nur gut, dass ich das Hotel noch stornieren konnte, denn einen weiteren Tag dort, hätte ich mir unter keinen Umständen angetan. Stattdessen beschloss ich, dem Rival Sons-Gig im Salzburger Rockhouse den Vorrang zu geben, und wurde mit einer Rockshow mit viel Seele und Tiefgang belohnt. So muss Rock 'n' Roll sein: Ehrlich, authentisch und publikumsnahe. Oder wie es ihr Sänger Jay Buchanan formulierte: "We play Rock 'n' Roll! There are a lot rock-bands out there, but they forget the "roll"!"

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