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Sebastian Bach – ABachalypse Now

Kritik von: Michael Voit
Album-Cover von Sebastian Bachs „ABachalypse Now“ (2013).
„'ABachalypse Now' hinterlässt leider einen zwiespältigen Eindruck, was die Fans polarisieren wird ...“
Interpret: Sebastian Bach
Titel: ABachalypse Now
Erschienen: 2013
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Wer kennt nicht Sebastian Bach? Die Rede ist allerdings nicht von dem deutschen Komponisten, sowie Orgel- und Klavier-Virtuosen des Barock, sondern dem Ex-Frontmann der grandiosen US Metal-Band Skid Row und Vorzeige-Diva des Rock. Und genau dieser, bringt mit "ABachalypse Now", sein mittlerweile zweites Live-Album auf den Markt. Diesmal allerdings in opulenter Aufmachung als DVD und Doppel-CD. Das Hauptaugenmerk liegt aber definitiv auf der DVD, die Audio-CD stellt eher ein Bonus-Feature dar. Aber nachdem uns nur der Audio-Mitschnitt zur Rezension vorliegt, konzentrieren wir uns eben auf diesen. Die Bilder, des schlaksigen Sängers kann sich ja jeder selber zu Gemüte führen. Wobei das natürlich nicht ganz unwichtig ist, denn der Hüne ist ja ein geborener Entertainer. Daher wäre sein Herumgeturne - in den klassischen Leder-Outfits - bei den Konzert in Frankreich, Belgien und Los Angeles, natürlich nicht uninteressant und macht somit als DVD auf jeden Fall Sinn.
Der obligatorische Opener, wie schon zu Skid Row-Zeiten, "Slave to the Grind", wird in beeindruckender Geschwindigkeit heruntergeschrubbt, erreicht aber nie die Klasse eines Dave Sabo oder Scotti Hill. Früher klang das alles noch wütender und auch irgendwie bedrohlich - auf "ABachalypse Now" dann doch eher etwas aufgesetzt, obwohl das Thema nach wie vor seine Brisanz hat. Dafür machen seine Solo-Stücke auf der Bühne mehr Spaß, als auf Platte. Er ist und bleibt halt eine Rampensau. Das war schon immer seine Stärke, wie man zuletzt bei der Reality Show "Supergroup" sehen konnte, bei der Bach, Jason Bonham, Ted Nugent, Scott Ian und Evan Seinfeld, zwei Wochen in eine Villa gesperrt wurden, mit der Aufgabe - bis zum Ende der Frist - Stücke zu schreiben und einen Live-Auftritt hinzubekommen. Das stellte sich als regelrechtes Desaster heraus, denn die einzelnen Egos waren einfach zu groß. Wer's nicht kennt, unbedingt ansehen, da tritt auch Bachs divenhaftes Verhalten wieder stark in Erscheinung. Aber das nur am Rande. Anscheinend kann er seine Vergangenheit bei Skid Row nicht abschütteln. Denn das Hauptaugenmerk auf "ABchalypse Now" liegt bei den alten Stücken aus seiner Zeit mit Bolan & Co. Und das, obwohl er einige äußerst bemerkenswerte Solo-Alben herausgebracht hat, wie das konsequente dichte "Angel Down", oder zuletzt "Kicking & Screaming", dass bis auf Platz 75 der US Billboard-Charts hochkletterte.
Der Titeltrack macht live richtig Spaß. Zum einen, weil seine Solo-Songs sich stilistisch gravierend von Skid Row unterscheiden und trotzdem seine persönliche Note tragen. Und zum anderen, weil keiner versucht, den Stücken krampfhaft gerecht zu werden. Warum auch? Zu meiner Überraschung schaffen "Here I am", "Big Guns" oder "Peace of Me", mich mitzureißen, und leicht nostalgische Anwandlungen zu erleben. Die zeitlosen Stücke von früher, funktionieren tatsächlich noch immer. Und dem Publikum scheint's auch zu gefallen, denn Pfiffe und aufgeregtes Gekreische symbolisieren die Ausgelassenheit in der Menge. Das gibt der Aufnahme ein zusätzliches Stück Authentizität, auch wenn die Qualität ein wenig darunter leidet. Aber besser so, als ein steriler Mitschnitt, bei dem kaum Stimmung zu spüren ist. Trotz alledem erschließt sich mir der Grund für diese Live-Veröffentlichung nicht so wirklich. Bach mag zwar eine geile Stimme haben, aber am besten kommt die immer noch im Studio. Bei den Klassikern "18 and Life" oder "I Remember You" hört man das recht gut, denn damit hatte Bach schon vor 20 Jahren live seine Probleme, und heute noch immer. In den tiefen Bereichen ist er meines Erachtens mehr in seinem Metier, denn wenn er diese streift, entsteht richtig Druck und nebenbei sitzt jeder Ton. Außerdem hat er die lästige Marotte, wenn er einen Ton nicht trifft, ein wenig um ihn herum zu singen. Und das macht er jetzt seit mehr als 20 Jahren. Als Fan der ersten Stunde, geht es mir mittlerweile tierisch auf die Nerven, wenn ich ganz ehrlich sein soll. Denn eigentlich ist das nur ein dumme Angewohnheit und macht den Fehler keineswegs ungeschehen. Wobei man fairer Weise sagen muss, bei "I Remember You" auf CD 2 - denn manche Titel sind doppelt vertreten, aber in verschiedenen Venues aufgenommen - singt der Mann richtig gut. Hier ist alles ein wenig tiefer angelegt und somit hat er die Möglichkeit seinen Stimmumfang ideal auszunutzen.
Kritik von: Michael Voit
"American Metalhead" und "(Love) is a Bitch Slap", das Bach im Original mit Axel Rose singt, haben enormen Headbang-Faktor und zeigen wieder, dass der bekennende Cannabinoiker, bei seinen "Leisten" bleiben sollte, denn in diesen Stücken kommt sein Gesang richtig gut rüber. Warum alte Schuhe tragen, die nicht mehr passen, wenn sich's in den neuen auch super läuft? Eine Metapher, die sich Herr Bach unbedingt zu Herzen nehmen sollte. Dennoch funktionieren die beiden Hits "Monkey Business" und "Youth gone wild", wider Erwarten richtig gut und klingen sogar ein wenig nach den Originalen. Auch wenn Letzteres thematisch eher lächerlich wirkt, denn Bach hat mittlerweile die Vierzig auch schon einige Zeit her überschritten. Bassist Jason Rappise sticht als einziger besonders hervor: Er macht seine Sache schlichtweg hervorragend. In meiner Magengegend rumpelt es unaufhörlich. Außerdem kommt er mit seinen Läufen Rachel Bolan verdammt nahe, der ja quasi die treibende Kraft hinter Skid Row war und eigentlich immer noch ist. Das letzte der Solo-Stücke, "TunnelVision", ist ein melodischer Gigant, mit der richtigen Portion Schub. Und Bach singt auch nur relativ selten vorbei, womit wir wieder beim vorhin angesprochenen Problem wären. Ein weiteres "Youth gone wild" beendet dann das Spektakel "ABachalypse Now"; leider mit einem nicht ganz astreinen Sound.
Fazit: "ABachalypse Now" hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck und wird die Fans polarisieren: Die Solo-Stücke kaufe ich Sebastian Bach und seiner Band zu jeder Sekunde ab, aber bei den alten Skid Row-Nummern verbrennen sie sich doch ordentlich die Finger. Was weniger an Bach liegt, denn der singt nicht besser oder schlechter als früher, aber der Band fehlt die Finesse von Bolan, Hill, Sabo und Affuso. Und das hört man, vor allem dann, wenn es ums Feingespür in den Titeln geht. Die subtilen Licks bleiben leider aus. Davon abgesehen, braucht sich Sebastian Bach für seine Solo-Platten wirklich nicht zu schämen, denn da macht er endlich das, was vielleicht sogar das Ende von Skid Row verhindert hätte: Er konzentriert sich auf seinen Stimmbereich und versucht gar nicht erst, in Lagen zu vorzudringen, die er nicht beherrscht. Und so stellt sich heraus: Der Mann kann ja wirklich singen! Denn Insider wissen vielleicht, dass er vor den Aufnahmen zur letzten gemeinsamen Platte mit Skid Row, "Subhuman Race", etliche Gesangstunden nahm. Half ihnen aber nichts, denn die Band zerbrach wegen schwindendem Erfolg, und natürlich am Ego des Frontmanns. Danach hielt er sich mit Broadway-Auftritten in Musicals wie "Dr. Jekyll & Mr. Hyde" über Wasser. Muss schlimm gewesen sein dem Rock 'n' Roll so den Rücken kehren zu müssen. Nun hat er es aber überwunden, wieder zum Rock 'n' Roll zurückgefunden und konzentriert sich in Zukunft hoffentlich mehr auf seine Solo-Nummern. Und zwar solange, bis eventuell eine Reunion mit den restlichen Skids zur Debatte steht. Derweil wehrt sich Rachel Bolan aber noch vehement dagegen. Bach tingelt übrigens zur Zeit mit Billy Idol-Gitarrist Steve Stevens durch die Clubs und erfreut das Publikum mit Songs aus vergangenen Epochen.
Anspieltipps: Kicking and Screaming, Here I Am, American Metalhead, Monkey business, Youth Gone Wild, (Love) is a Bitch Slap, TunnelVision

 
Score:
78% Gut.

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