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Nachbericht: German Metal Attack 2013

German Metal Attack: Grave Digger, Gun Barrel, Majesty, Wizard - Szene Wien, 9.2.2013

Der Tross des German Metal Attack macht - für ein seltenes Gastspiel - Halt in der Szene Wien. Mit deutschen Metal-Acts wie Majesty, Wizard, Gun Barrel sowie auch den Gladbecker Metal-Urgesteinen Grave Digger, wird der österreichischen Bundeshauptstadt mal gezeigt, wo bei ihren nördlichen Nachbarn, der Rock-Hammer hängt. Eine 250 Kilometer lange Anreise ist das auf jeden Fall wert und so kämpfe ich mich schon am frühen Nachmittag Richtung Wien. Denn bei der Gelegenheit lasse ich mir ein Interview natürlich nicht entgehen. Die durch die Wolken blinzelnde Sonne lädt allerdings eher zu einer Strandparty ein, als zu einem Metalgewitter der Superlative. Nachdem mich Chris Boltendahl von Grave Digger und die Jungs von Gun Barrel, zum Interview im Tourbus emfpingen, konnte der musikalische Arschtritt eigentlich auch schon starten. Pünktlich um 19.30 Uhr feuern die Kölner Rock-Heroen von Gun Barrel ihr 30-minütiges Set ab, und erinnern dabei - mit all ihrem Gepose - stark an Spinal Tap. Und vermutlich genau das macht sie auch so sympathisch. Wobei, wollen wir das Interview nicht vergessen, das zu einem der lustigsten gehört, das ich jemals gemacht habe. Die Mannen um Rolf Tanzius reißen die tätowierten Arme in die Höhe, präsentieren - etwas unfreiwillig - Bäuche, ballen bedrohlich die Fäuste und wirbeln ihre Mähnen im Takt der Musik. Mit Patrick Sühl wurde ein adäquater Nachfolger, für den 2010 leider verstorbene Frontmann Xaver Drexler, gefunden. Seine Stimmchen ist zwar nicht ganz so eine dreckige Rockröhre, wie die von Xaver, dennoch kniet er sich ordentlich rein und ist nebenbei noch eine Granate als Frontmann.
Und so fordert er das Publikum ganz ordentlich. Der Opening Act hat's halt immer ein bisschen schwer, weil die meisten Gäste zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Saal, geschweige denn, überhaupt am Austragungsort sind. Und noch dazu wurde der Beginn nachträglich um eine halbe Stunde vorverlegt. Das schmälert aber den Spaß nicht, mit dem sie auf der Bühne umherwirbeln und schaffen es auch, das zur Zeit noch etwas spärliche Publikum, damit anzustecken. Vor allem beim End-Track "Lonely Rider" wird mit Nachdruck animiert und zum Mitsingen aufgefordert. Die Szene Wien war früher übrigens ein Kino, dass gegen Ende hin zum Porno-Kino verfiel, weil es, wie viele andere auch, gegen die Video-Industrie keine Chance hatte. Es steckt zwar nicht viel Geschichte im Haus, aber die hat's dafür in sich und passt eigentlich auch ganz gut zum heutigen Abend, mit seinem durchaus etwas überreizten Charme.
Die nächsten on Stage, sind die Nordrhein-Westfalener Heavy Metal-Jünger von Wizard. Auch hier wird wieder fleissig ein Klischee nach dem anderen bedient - textlich wie auch optisch. In bester Manowar-Tradition werden Wampen entblösst, Oberkörper freigelegt, Brustpelz präsentiert, herumgewitzelt, gepost und die verschwitzten Haare vom Kopf geschüttelt. Auch diese Herren erweisen sich als Truppe mit Humor, allen voran der Sänger Sven D'Anna, der keine Pose auslässt. Wampen-Rock in höchster Vollendung. Aber auch hier ist nach 30 Minuten Schluss, und der Wunsch nach einer Zugabe bleibt unerfüllt. Allerdings bietet sich jetzt die Gelegenheit, mal einen Blick ins Publikum zu wagen: Lustigerweise hatte ich mir den "Fokuhila-Anteil" heute größer vorgestellt. Dennoch besteht die Mehrheit aus Fans mit Jeans- und Lederjacken, allesamt mit Aufnäher, Abzeichen und T-Shirts ihrer Metal-Ikonen.
Nach einer weiteren, äußerst kurz gehaltenen, Umbaupause marschieren schon Majesty auf die Bühne. Quasi der dritte Support, wenn man so will. Musikalisch hat sich jetzt nicht viel geändert: Es wird wieder viel im Falsett-Bereich gekreischt, dennoch haben diese Fünf eine Spielfreude, die selten ist. Speziell einer der Gitarristen bekommt den Grinser - über das ganze Set hinweg - nicht aus dem Gesicht. Langsam füllt sich auch der Saal, der, meiner Meinung nach, die beste Akustik von allen Wiener Konzert-Locations bietet. Also ist ein Besuch hier fast unumgänglich. Das musste auch Michael Schenker letztes Jahr feststellen, als er mit der Scorpions-Rhythmus-Sektion, ein seltenes Gastspiel in der Szene gab. Auch Majesty bleibt die Zugabe verwehrt. Bei vier Bands gibt's halt ein straffes Programm. Mittlerweile liegt so viel Testosteron in der Luft, dass die Anhängerschaft mit allerhand Geplärre und Chören auf sich aufmerksam macht.
Und dann hat alles Warten ein Ende: Eine der Urgesteine des deutschen Power Metal, Grave Digger, schwingen sich auf die Bühne. Aber erst nachdem Intro, das von HP Katzenburg alias der Sensenmann, mit der Quetschte (österr. für Ziehharmonika, Anm. d. R.) geheimnisvoll begleitet wird. Die Männer um Mastermind, und einzig verbleibendes Gründungsmitglied, Chris Boltendahl strawanzen dann im Dunkeln auf die Bühne. Und auch HP, gibt weiterhin, eigentlich während des ganzen Gigs, den Sensenmann hinter den Tasten. Mit schwarzem Cape und Knochenmaske, lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit zum Fährmann der griechischen Mythologie nicht abstreiten. Und ist mit Sicherheit sogar bewusst gewählt, denn Chris Boltendahl macht keinen Hehl aus seinem Hang zur Mythologie anderer Völker und Kulturen, wie man bei dem aktuellen Konzept-Alben Clash of the Gods von Grave Digger recht schön sehen und hören kann.
Der "neue" Gitarrist Axel Ritt, der der Formation seit 2009 wieder ein wenig frischen Wind einhaucht, fegt wie ein Orkan über die Bühne. Der Mann hat soviel Feuer, dass - wäre das Rauchen hier drinnen noch erlaubt - sich sämtliche Zigaretten von selbst entzünden würden. Kein Wunder dass Boltendahl, seinen langjährigen Freund, 2010 fix ins Line-Up holte. Und auch wurde ich immer wieder an den grandiosen Zakk Wylde erinnert, da er in selber Manier posiert, mindestens genau so ein Tier am Ruder ist und auch der Look seiner Gitarren - ähnlich wie bei Wylde - ein unverkennbares Merkmal aufweisen: In Axels Fall schwarze und weiße Quer-Streifen. Der Zeremonienmeister Chris ist sichtlich beeindruckt von den Zuschauermassen in Österreich und macht auch keinen Hehl daraus. Auch die aktuelle Auskoppelung "Home at Last" darf nicht fehlen, von der sogar eine Version mit deutschem Text aufgenommen wurde (Der Titel ist als Bonus-Track auf "Clash of the Gods" vertreten, Anm. d . R.). Derweil ist das Bieraufnahme-Vermögen im Publikum schon etwas erschöpft und die ersten Absacker machen sich bemerkbar. Nach 90 Minuten und drei Zugaben später, ist aber auch für die "Totengräber" Schluss. Derweil bläst vor der Halle ein Blizzard, der meine Heimreise zu einem wahren Abenteueritt über die vereiste Autobahn werden lässt. Ein etwas unangenehmer Ausklang eines überraschend unterhaltsamen Abends.
Fazit: Eine Metal-Abend in Reinkultur. Mir bluten die Ohren immer noch. Wer diesen musikalischen Vorschlaghammer bevorzugt, hatte einen rundum gelungen Abend und konnte so einen kleinen Einblick in die deutsche Metalszene ergattern, die sich, im Gegensatz zur österreichischen - internationaler entwickelte und einige amtliche Größen hervorbrachte. Einzig unkluger Schachzug: Gun Barrel hätte eher als zweite Band spielen sollen, so wäre ein wenig mehr Abwechslung im Vorprogramm entstanden. Der Ruf des Metal bröckelt wohl seit diesem Abend, aber im positiven Sinne, denn die Bands waren sympathischer, als es das Genre eigentlich zulässt. Ich war mir dessen nicht bewusst, oder vielleicht liegt es auch am nationalen Hintergrund, dass der deutsche Metal, großteils von Sympathie-Trägern bespielt wird. Schön, wenn man immer noch überrascht werden kann.
Wer in das aktuelle Album „Clash Of The Gods“ von 2013
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